DRENS im Interview: “Dortmund steht der Schnurrbart gut”

MAIFELD DERBY 2021 – Mannheim, Maimarktgelände (04.09.2021)
Drens, © Florian Trykowski
Geschätzte Lesezeit: 5 Minute(n)

Knackige Rocksongs, Schnurrbärte und kurze rote Hosen – dafür stehen Drens aus Dortmund. Mehrere EPs und Singles hat die junge Band aus Dortmund, die ihren Musikstil Surfpunk nennt, in den vergangenen Jahren veröffentlicht. Nun steht endlich das Debütalbum Holy Demon mit zehn Stücken in den Läden und Portalen, im Juni startet eine umfangreiche Deutschland-Tour. Höchste Zeit also, dem Dortmunder Quartett, bestehend aus Fabian Livrée, Arno Augustin, Patrick Uitz-Blickling und Joël Brüning, mal ein paar Fragen zu stellen.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

1. Lange konntet auch Ihr keine Live-Konzerte spielen. Dann musstet ihr im April zuletzt einen Auftritt ins Osnabrück wegen Coronainfektionen absagen. Zunächst: Wie geht es Euch jetzt?
Uns geht es wieder viel besser. Die Frusttränen sind getrocknet und wir sind wieder bereit zu spielen. Jetzt fiebern wir auf das Release-Konzert am 2. Juni im Dortmunder FZW, den Festivalsommer und die Tour hin.

2. Nach einigen EPs ist nun Euer erstes Album Holy Demon erschienen. Gab es Unterschiede in der Herangehensweise, weil ja mit dem Begriff „Debütalbum“ auch immer eine gewisse Erwartungshaltung einhergeht?
Ja, wir sind schon etwas anders daran gegangen. Es war uns wichtig, einen roten Faden auf dem Album zu haben. Die Songs sollen gemeinsam eine Geschichte erzählen. Auf den EPs waren die Songs manchmal inhaltlich nicht ganz so zusammenhängend. Ein gewisser Druck ist natürlich auch da. Die Leute, die unsere Musik bisher mochten, wollen wir ja ungerne enttäuschen. Gleichzeitig ist es uns ein Bedürfnis gewesen, neue Einflüsse zuzulassen, ehrlich zu sein und damit weniger Kompromisse einzugehen.

3. Holy Demon heißt die Platte – rein von oben betrachtet ist das ja ein Widerspruch in sich selbst. Woher kommt der Name? Oder steckt selbst in den fiesesten Dämonen noch irgendetwas Heiliges?
Wenn die inneren Dämonen, Zwänge, Ängste und Sorgen zu groß werden, können sie quasi heilig werden. Bei Fabian war es so, dass er seinen Papa verloren hat, ohne dass sie sich verabschieden konnten und die Trauer wurde irgendwann so groß, dass es eine Art Universalausrede wurde, Dinge nicht anzupacken. Sich aus der Umarmung des heilig gewordenen Dämons zu befreien, war ein Prozess, der dann auch beim Schreiben des Albums stattgefunden hat.

Drens - RECORD STORE (Official Video)

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4. Es geht in mehreren Texten um persönliche Probleme und toxische Verhaltensweisen. Wie autobiografisch ist das Album?
Das Album ist schon sehr persönlich, wie die Antwort auf die vorherige Frage vielleicht auch zeigt. Wir haben uns gegenseitig durch schwierige Phasen geholfen, die quasi durch die Pandemie nochmal komprimiert wurden. Teilweise gibt es dann auch noch ein paar Rückblicke in die Vergangenheit. Die sind wahrscheinlich auch in den Lockdowns entstanden, als es nicht möglich war, Freunde zu treffen, aber in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen.

5. Eure Musik wird als Surfpunk beschrieben. Hier und da, zum Beispiel in den Songs No Need To Hide und Bloody Knees, erklingen aber auch Wave-Gitarrensounds, die man eher mit Bands wie The Cure verbindet. Welche Einflüsse verarbeitet Ihr in Eurer Musik?
Das ist das schöne an dem Begriff „Surfpunk“ – er lässt uns eine gewisse Freiheit. Wir hören schon sehr viele verschiedene Genres privat und daher genießen wir es total, auch mal in andere Richtungen gehen zu können. Trotzdem soll es alles immer in die Drens-Bubble passen.

6. Das Video zu Stealing All The Air scheint ein großer Spaß gewesen zu sein – wer hatte die Idee zu Überfall und Verfolgungsjagd?
Die Idee kam auf, als wir über den Titel des Albums gesprochen haben. Wir wollten es gerne visualisieren, dass man manchmal sein größter Gegner sein kann, wenn sich zu sehr seinen Dämonen hingibt. Daher auch der Gedanke, dass Gejagter und Jäger eine Person sind.

Drens - STEALING ALL THE AIR (Official Video)

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“Nicht mal die Polizei hat uns beim Videodreh gesehen”

7. Gedreht wurde das Video meinen Infos nach in der Dortmunder Nordstadt – die hat ja über die Stadtgrenzen hinaus leider einen gewissen Ruf. Habt Ihr Euch bewusst für die Drehorte dort entschieden? Und: Wie haben die Anwohner reagiert?
Wir haben uns bewusst für die Drehorte entschieden – die Nordstadt ist unser Zuhause. Da wir hier seit Jahren wohnen und hier auch unseren Proberaum haben, kennen wir die Gegend halt sehr gut. Der Kiosk ist auch direkt an unserem Studio. Die Besitzer waren unfassbar lieb und hilfsbereit und hatten uns gegenüber ein riesiges Vertrauen. Der Endpart wurde in einem alten unterirdischen Tunnel gedreht, in den man eigentlich nicht rein kommt. Da hat uns niemand gesehen – zum Glück auch nicht die Polizei, haha.

Fotos: DRENS

8. Ihr konntet kürzlich bei „Punk For Peace“ in Düsseldorf und im Rahmen einer „WDR Rockpalast“-Aufnahme auftreten – zwei der ersten Clubgigs in einer gefühlten Ewigkeit. Wie war die Gefühlslage?
Beim Rockpalast waren wir ehrlich gesagt noch echt nervös, da es so lange her war, dass wir live gespielt hatten. Aber nach ein paar Songs war es super schön. Die Energie vom Publikum zu spüren ist so krass. Bei “Punk for Peace” in Düsseldorf war das Gefühl dann schon wieder etwas vertrauter, aber die Freude mindestens genauso groß. Konzerte sind das allerbeste! Daher flossen dann auch echt die Frusttränen, als wir unser Konzert beim Popsalon Osnabrück absagen mussten: Wir waren doch gerade erst wieder drin im Live-Game und dann war es plötzlich wieder weg. Aber jetzt kommt ja auch unser Release Konzert und dann im September die Tour. Wir wollen dieses Jahr so viel live spielen wie möglich.

9. Wenn man bedenkt, dass die EP-Releases Pet Peeves und Sunny Side Up inmitten der Pandemie erschienen sind: Wie sehr fühltet Ihr Euch als junge, aufstrebende Band von den Veranstaltungsverboten und der allgemeinen Lage ausgebremst?
Das hat uns schon echt getroffen. Wir haben kurz vor Beginn der Pandemie Konzerte in Hamburg, Düsseldorf und so gespielt und es war so krass für uns, dass Leute von überall hergefahren kamen, um diese Shows von uns zu sehen und die Texte der Songs mitsingen konnten. Dieses Gefühl wurde dann durch die Pandemie natürlich ein Stück weit zerstört. Wir haben einiges nachzuholen auf der Tour jetzt.

DRENS - HONEY (Official Video)

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10. Einige bekannte deutsche Rockmusiker scheinen sehr viel von Euch zu halten: Ihr wart bei Beatsteaks-Bassist Totze in der Radiosendung und wurdet in Kraftklubs „Radio Mit K“-Show erwähnt. Gerade mit deren Mitglied Steffen scheint Ihr ja auch engeren Kontakt zu haben. Gibt es Pläne für musikalische Zusammenarbeiten oder gar gemeinsame Konzerte?
Erstmal konzentrieren wir uns gerade natürlich auf das Release von Holy Demon und die anstehende Tour. Die Beatsteaks und Kraftklub sind auf jeden Fall beides Bands, die wir total gut finden.

“Das Release-Konzert im FZW wird ein ganz besonderer Abend”

11. Im Juni startet die Tournee mit einem Heimspiel im Dortmunder FZW – was können die Fans und Interessierte erwarten?
Vielleicht anstatt der Frusttränen dann die Freudentränen, haha! Wir wollen auf jeden Fall das komplette Album spielen neben unseren älteren Songs. Die Vorfreude könnte bei uns nicht größer sein und wir haben bestimmt die ein oder andere Überraschung im FZW dabei. Das wird ein Abend, der in der Bandgeschichte einen besonderen Platz bekommt.

12. Dortmund ist innerhalb und außerhalb der Region bekannt für Fußball und Bier, klar. Aber warum und seit wann ist Dortmund „Europe’s capital of mustache style“?
Ganz ehrlich: Wir haben das einfach entschieden, dass Dortmund der Schnurrbart gut steht 🙂

Ab Juni sind Drens auf großer Tour. Alle Dates und weitere Infos findet Ihr hier.

Weblinks DRENS

Homepage: www.drens.de
Instagram: www.instagram.com/drens_band
Facebook: www.facebook.com/drensband

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