ZEAL & ARDOR – Zeal & Ardor

ZEAL & ARDOR - Zeal & Ardor
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8.5

8.5

Die spannendste Band der Schweiz ist zurück. Wobei man sich bei Zeal & Ardor durchaus fragen darf, ob das Wort “Band” außerhalb des Live-Kontextes überhaupt passt. Mit Ausnahme von Produktion, Mixing, Mastering und den Schlagzeug-Spuren macht Multiinstrumentalist Manuel Gagneux nämlich seit der Debüt-Platte Devil Is Fine vor sechs Jahren alles alleine. “Mit dem selbstbetitelten Album sind wir nun dort angekommen, wo ich mir vorgestellt habe, wie dieses Projekt klingen sollte. Es ist die längste Zeit, die wir an einem einzelnen Album gearbeitet haben, und ich glaube, das zeigt sich”, sagt der Musiker über sein neuestes Werk. Die Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger Stranger Fruit und der EP Wake Of A Nation stecken hierbei eher im Detail. Noch immer kredenzt der Baseler einen wilden Stilmix aus Black Metal, Gospel, Industrial Rock, Blues und Ambient-Electronica.

ZEAL & ARDOR - Golden Liar (Official Video)

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Dass das so gut funktioniert, liegt an Gagneuxs Talent, Weiches gekonnt mit Knallhartem zu mischen und immer wieder Hooks zu schreiben, die sich im Ohr festsetzen. Auf der neuen Platte bekommt dabei nicht selten – so scheint es zumindest, der Musiker vermeidet es im Regelfall, seine Texte zu erklären – die Kirche ihr Fett weg: “Where’s your fucking god, When you’re about to rot? Where’s your messiah, When times are dire?” heißt es direkt im ersten regulären Song Run, der mit dicken Riffs und treibenden Drums ordentlich nach vorne peitscht. Ähnlich das folgende Death To The Holy (religionsfreundlich klingt erneut anders), in dem nach einem recht gospeligen Intro Gagneuxs Vorliebe für Nu Metal herauszuhören ist.

Lupenreinen Blackgaze und damit einen der größeren klanglichen Ausreißer liefert der Baseler dann mit Emersion. Flirrende flächige Synths im My Bloody Valentine-Gedächtnis-Style wechseln sich mit fiesen Black-Metal-Eruptionen ab – das intensive und bis aufs Gefauche instrumentale Stück würde sich auch gut in einem Horrorfilm als Soundtrack machen. Ganz viel Soul in der Stimme beweist Gagneux wiederum in Golden Liar, das andere wiederkehrende lyrische Elemente verarbeitet. Von Lügen, schwierigen zwischenmenschlichen Beziehungen und Dingen, die in Flammen aufgehen (sollen), erzählt der Musiker bekanntlich gerne. “I am a golden liar, I give you smoke and fire.” So ausdrucksstark und melodisch gesungen, dass es garantiert im Kopf bleibt.

ZEAL & ARDOR - Run (official video)

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Später lässt Gagneux dann auch noch die Kirchen brennen (Church Burns), zählt Dämonen auf (im ironischerweise recht gospeligen Feed The Machine) und gibt konkrete Handlungsanweisungen, was so alles Böses mit Göttern zu tun ist. Oder? Gut, selbst wenn die Lyrics von Götterdämmerung nicht ganz ernst gemeint sind, bleiben sie zumindest bei deutschsprachigen Hörerinnen und Hörern hängen. Denn hier speiste Gagneux wie schon bei We Can’t Be Found auf dem Vorgängeralbum ein paar deutsche Textzeilen ein: “Nimm diе Säure in die Hand, ätze die Lügen weg. Töte Götter, gib als Gaben nur, was dir nicht mehr bekommt.” Gefolgt von einem hasserfüllten auf lateinisch gefauchtem “Deus Magnus Niger Quoniam“, übersetzt “Der dunkle Gott ist groß.” Unabhängig von den Lyrics gibt der Song ein Bewerbungsschreiben für die Metaldiscos dieser Welt, so sie denn hoffentlich bald wieder öffnen dürfen, ab und ist klar der eingängigste und in Tanzbein gehendste Song der Platte.

Eine letzte Granate ist das kryptisch betitelte J-M-B. Schnittige Refused-Gedächtnis-Gitarre, zappelige Postpunk-Drums in den Strophen, pure Raserei und Energie im Refrain nebst weiteren deutschen Textzeilen. Kurz, schmerzlos, einfach toll. Nach dem elektronisch-sphärischen Outro A-H-I-L – wofür das auch immer stehen mag – ist die Tour de Force durch unzählige Musikgenres, die eigentlich überhaupt nicht zueinander passen, aber hier besonders gut zueinander passen, nach rund 40 Minuten vorbei. Einmal mehr steht der Name Zeal & Ardor für experimentelle, durchdachte Musik zwischen brutaler Härte und souligem Samt. Das funktioniert, wenngleich der vielen Stimmungswechsel wegen auch nur bei konzentriertem Hören, auf Platte schon sehr gut. Noch besser allerdings live – im Frühjahr will Gagneux, dann mit kompletter Band, als Support der Tech-Death-Metaller Meshuggah durch Deutschland touren.


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Tracklist ZEAL & ARDOR – Zeal & Ardor

01.  Zeal & Ardor
02. Run
03. Death To The Holy
04. Emersion
05. Golden Liar
06. Erase
07. Bow
08. Feed The Machine
09. I Caught You
10. Church Burns
11. Götterdämmerung
12. Hold Your Head Low
13. J-M-B
14. A-H-I-L

Weblinks ZEAL & ARDOR

Website: www.zealandardor.com
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