Kommentar: Was bedeutet das CORONAVIRUS fĂŒr die Musikwelt – Was kann jeder einzelne tun?

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Der Corona-Virus hÀlt uns alle gerade mÀchtig auf Trab. Eine Panikmache und wildes Spekulieren ist nicht angebracht, man sollte die Sache aber trotzdem ernst nehmen, sehr ernst!

Ernst ist die Sache durch die vorlĂ€ufige Absage diverser Veranstaltungen (insbesondere denen mit ĂŒber 1.000 Zuschauern) vor allem nĂ€mlich auch fĂŒr Konzertveranstalter, Bands, Licht- und Tontechniker, Stagehands, Securitys usw. geworden. Sie alle werden große finanzielle Einbußen hinnehmen und so manche berufliche Existenz könnte auch bedroht sein. Uns allen tut das unendlich leid und wir von Monkeypress.de werden auch in Zukunft versuchen, „unsere Musik“ zu unterstĂŒtzen. Hoffnung machen aber z.B. solche aktuellen Meldungen: https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/staatsministerin-fuer-kultur-und-medien/aktuelles/coronavirus-kulturstaatsministerin-verspricht-kultureinrichtungen-und-kuenstlern-unterstuetzung-gruetters-auf-unverschuldete-notlagen-und-haertefaelle-reagieren–1729916 / https://www.vgsd.de/corona-virus-auch-selbststaendige-und-freiberufler-werden-bei-quarantaene-entschaedigt/

Hinweisen möchte ich auf eine nun gestartete Petition, vielleicht mögt Ihr diese ja auch unterschreiben: https://www.openpetition.de/petition/online/hilfen-fuer-freiberufler-und-kuenstler-waehrend-des-corona-shutdowns

Auch wir leiden als Magazin und Individuen natĂŒrlich – wenn auch nicht so stark wie angesprochene Personen – unter den Konzertabsagen, wir sind Musikjunkies und wollen Konzerte besuchen, unsere Lieblingsmusiker fotografieren und Spaß haben. Trotzdem möchte ich angesichts der angespannten gesundheitlichen Lage auf der Welt versuchen, hier meine Sicht der Dinge aufzeigen und Euch ein paar DenkanstĂ¶ĂŸe zu bieten, auch wenn ich mit absolut nicht anmaße, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

ZunÀchst zu ein paar sich aufdrÀngenden Fragen rund um die Absagen und die Sorge um die Beteiligten:

– Wird mein in einigen Wochen stattfindendes Konzert oder Sommerfestival stattfinden?
Zum aktuellen Zeitpunkt kann das vielfach niemand sagen. Die Veranstalter und alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck an Lösungen fĂŒr einen Fall, von dem noch niemand weiß, wie er dann aussehen wird. Also bitte bewahrt Ruhe und lasst die Leute in Ruhe arbeiten! Ihr werdet mit Sicherheit informiert, sobald Entscheidungen getroffen werden können. Jedes zusĂ€tzliche GerĂŒchte Streuen etc. erschwert die Sache fĂŒr alle nur. Aktuell sind weder New Waves Day, WGT, Rock Am Ring, Hurricane, Amphi, M’era Luna o.Ă€. abgesagt! Informiert Euch auf den verschiedenen KanĂ€len (Homepages, Facebook-seiten usw.) der Veranstalter und fragt bitte nicht jeder Einzelne stĂ€ndig nach.Verlegt werden musste ĂŒbrigens aktuell das von mir sehr geschĂ€tzte Cologne Popfest, es wird im Herbst nachgeholt. Eine sicher schwere, aber richtige Entscheidung, danke Euch dafĂŒr.

– Bekomme ich mein Geld bei einer Absage oder Verlegung zurĂŒck?
Bei einer Absage habt Ihr natĂŒrlich ein Recht auf Erstattung. Bei Verlegungen bleiben die Tickets weiter gĂŒltig, eventuell besteht auch die Möglichkeit statt den neuen Termin wahrzunehmen eine Erstattung zu bekommen. Bitte informiert Euch beim jeweiligen Veranstalter oder kommt dem Veranstalter etwas entgegen (siehe nĂ€chster Punkt).

– Wie kann ich Bands und Co. in der Zwischenzeit unterstĂŒtzen?

Kauft ihre Musik, ihren Merchandise. Empfehlt die Acts Euren Freunden, macht Werbung!
Und sollten Konzerte endgĂŒltig ausfallen, ĂŒberlegt, ob ihr es Euch nicht eventuell erlauben könnt, Euch solidarisch zu zeigen und auf die RĂŒckerstattung des (vollen) Betrags zu verzichten. Vielleicht ist es dem einen oder anderen Act mit Hilfe der Veranstalter sogar möglich, eigentlich ausfallende Konzerte ohne Publikum zu spielen und den potentiellen Besuchern einen Stream zu ermöglichen. Jetzt ist die Zeit fĂŒr Übergangslösungen, mal sehen, was sich da ergeben kann.

– Und nach der Krise?

Sollte die Krise hoffentlich bald und hoffentlich mit geringen Einschnitten ĂŒberwunden sein, geht wieder zu Konzerten! Versucht das Entgangene aufzuholen und sorgt dafĂŒr, dass es wieder bergauf geht. Hoffentlich dann auch fĂŒr all diejenigen, die eher „hinter den Kulissen“ agieren wie Stagehands, Licht- und Tontechniker, Securitys usw.

– Was kann ich selbst tun um mich und meine Liebsten zu schĂŒtzen?

Wascht Euch grĂŒndlich die HĂ€nde! Und zwar jedes Mal wenn ihr von draußen reinkommt oder Euch sonst wie verunreinigt haben könntet.
Niest und hustet nur in die Armbeuge, nicht in die Hand oder gar ungeschĂŒtzt!
Vermeidet es, Euch stĂ€ndig ins Gesicht zu fassen und ja, ich weiß wie schwer das ist. Aber es hilft!
Vermeidet Massenansammlungen und haltet möglichst einen Abstand von gut 1,5m zu anderen Menschen.
Vermeidet es HĂ€nde zu schĂŒtteln und auch jede unnötige Umarmung oder das Abknutschen zur BegrĂŒĂŸung. Man kann seine Freude auch anderweitig zeigen und gerade in Zeiten wie diesen hat das nichts mit Unhöflichkeit zu tun.
Deckt Euch ruhig mit dem Nötigsten ein, aber vermeidet unnötige HamsterkĂ€ufe, insbesondere von Desinfektionsmitteln, Schutzmasken und Co. Solltet Ihr Euch bereits mit letzteren stark eingedeckt haben, wĂ€re es zudem ein netter Zug, einen Teil davon in der nĂ€chsten Apotheke, beim nĂ€chsten Arzt oder Krankenhaus abzugeben um mitzuhelfen, dass dort weiter Operationen und Untersuchungen durchgefĂŒhrt werden können.
Nehmt RĂŒcksicht auf andere. Besucht niemanden wenn Ihr krank seid und auch sonst sollte man Besuche bei Menschen der Risikogruppen zumindest ĂŒberdenken und abwĂ€gen.

Außerdem möchte ich mit ein paar schrĂ€gen Aussagen aufrĂ€umen, die mir immer wieder begegnen:

„GrĂ¶ĂŸere Konzerte von 1000 werden verboten, aber welche mit 900 erlaubt. Die Grenze ist willkĂŒrlich und daher ist das doch Blödsinn“ -> klar ist die Grenze weitestgehend willkĂŒrlich, auch wenn Spahn ja sagte, dass die durchaus mit Bedacht gewĂ€hlt wurde. Aber egal wie, jedem sollte doch einleuchten, dass das Infektionsrisiko mit steigender Personenzahl ebenfalls steigt. NatĂŒrlich ist die Chance grĂ¶ĂŸer sich bei einem Arenakonzert mit 20.000 Zuschauern anzustecken, als bei einem Konzert mit 100 Leuten. Doch bei beidem ist Vorsicht und RĂŒcksicht geboten.

„die sind clever, die begrenzen die Zuschauerzahl auf 999 und spielen dann zweimal“ -> NatĂŒrlich ist das wenig hilfreich, denn Viren sind ja nicht doof und werden nicht nur ĂŒbertragen wenn 1000 Leute da sind. Ich halte solche Maßnahmen daher zwar fĂŒr ideenreich und vordergrĂŒndig “Fan nah”, aber auch fĂŒr sehr unvernĂŒnftig und sie zeigen nur die Verkennung des Problems.

„soll doch jeder fĂŒr sich entscheiden, ob er hingeht“ -> Nein! So einfach ist das leider nicht, denn es geht hier nicht mehr um das Individuum, sondern darum, die Ausbreitung zu verlangsamen. EindĂ€mmen wird man es vermutlich eh nicht mehr können, aber je lĂ€nger es dauert, bis sich die Infektionen erhöhen, desto grĂ¶ĂŸer ist die Chance, dass die Ärzte und Kliniken das Ganze noch behandelt bekommen. Denn wenn diese ĂŒberlastet sind, dann bedeutet das nicht nur Probleme fĂŒr Corona-Infizierte, sondern fĂŒr ALLE Erkrankte. Da wird eine Standard-OP plötzlich zum Risiko wenn das Personal ĂŒberlastet, ĂŒbermĂŒdet oder gar schlecht ausgestattet ist, weil wieder irgendwer Masken und Desinfektionsmittel geklaut hat. Sowas regt mich extrem auf und sollte hart bestraft werden. Außerdem gehört man vielleicht ja nicht selbst zu Risikogruppe, aber wenn man es weitertrĂ€gt, wie sieht es denn mit den eigenen Eltern, Großeltern, Arbeitskollegen usw. aus? Im Übrigen sind ĂŒbrigens auch Musiker, KassenkrĂ€fte und Co. nicht immun gegen das Virus und mĂŒssen ebenso geschĂŒtzt werden!

„das ist doch alles von der Politik gesteuert“ -> Die neuen Maßnahmen treffen ganz viele Branchen und die Wirtschaft leidet extrem darunter. Glaubt wirklich irgendwer, dass ausgerechnet die CDU solche Maßnahmen gegen die wirtschaftlichen Interessen treffen wĂŒrde, wenn sie (bzw. die sie beratenden Experten wie Virologen und Co.) das nicht fĂŒr absolut notwendig halten wĂŒrden? Gleiches gilt auch fĂŒr den Bereich Fußball. Es kommt doch politischem Selbstmord gleich, den Deutschen ihren Fußball wegzunehmen. Denkt irgendwer, dass das jemand freiwillig und ohne Grund macht? Und ich fĂŒrchte, siehe Italien, dass wir bei den Maßnahmen noch lĂ€ngst nicht am Ende sind.

„Nur X,XX% der Menschen werden infiziert, haben wir keine anderen Probleme?“ -> Doch haben wir, aber sollen wir darum viele Tote in Kauf nehmen? Die LetalitĂ€t soll bei 0,5% liegen. Sollten sich wirklich 60%-70% der Bevölkerung infizieren, kommt da eine krasse Zahl bei rum. Uns selbst wenn nicht: Sollte eine der betroffenen Personen wie oben gesagt der eigene Vater, die eigene Mutter etc. sein, wird auch der letzte einsehen, dass das ebenso beschissen ist.

„Die normale Grippe ist schlimmer“ -> Jein. Ja, an Influenza sterben bisher noch mehr Menschen, wie viele tatsĂ€chlich an Corona sterben, weiß man aber ja noch gar nicht, der „Spaß“ geht ja gerade erst los. Die LetalitĂ€t ist jedenfalls höher und es gibt derzeit weder Impfstoffe noch Arzneimittel dagegen. Und auch sonst macht ein direkter Vergleich wirklich wenig Sinn (vgl. auch https://www.tagesspiegel.de/
/covid-19-und-in
/25598570.html)

„Konzerte absagen, aber den ÖPNV weiterlaufen lassen. Das ist doch inkonsequent und zeigt doch die Ahnungslosigkeit der Entscheider“ -> Dank ÖPNV kommen unter anderem Feuerwehrleute, Polizisten, Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern und so weiter zur Arbeit um Menschenleben zu retten oder es kommen Patienten zum Arzt. Wer das wirklich mit der Krise der Musiker oder Veranstalter gleichsetzt, der sollte seinen sozialen Kompass besser nochmal richten.

Abschließend möchte ich all denen danken, die vorsichtig, aber nicht panisch an die Sache herangehen. Vor allem all den Veranstaltern, mit denen wir bei Monkeypress.de regelmĂ€ĂŸig zusammenarbeiten und die trotz der misslichen Lage nicht jammern, sondern anpacken. FĂŒr sie alle hat die Gesundheit der Fans, KĂŒnstler und Mitarbeiter oberste PrioritĂ€t und sie bemĂŒhen sich mehr als redlich, fĂŒr die Zuschauer das Beste zu erreichen, Ersatztermine zu finden und kĂŒmmern sich darum, dass alles einen möglichst geordneten Weg geht. Ihr seid alle nicht zu beneiden, aber zumindest ist die Sache bei Euch in guten HĂ€nden. Danke!

„Es wird immer weitergehen. Musik als TrĂ€ger von Ideen“ (Kraftwerk – Techno Pop)

Weblink:

Robert-Koch-Institut: https://www.rki.de/

Geschrieben von
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