SLIPKNOT & BEHEMOTH – Hamburg, Barclaycard Arena (16.02.2020)

Fotos: SLIPKNOT
Slipknot, © Cynthia Theisinger
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Bereits im Sommer 2019 beehrten uns Slipknot mit einzelnem Festival Auftritten und Konzerten, die für Begeisterung sorgten. Im August erschien dann das neue Werk We Are Not Your Kind, welches an den bisherigen Erfolg der Band nahtlos anknüpfen konnte. Nun treibt es die Neun auf die dazugehörige Welttournee. Gleich sechs deutsche Städte stehen dabei auf dem Programm, die allesamt schon lange vor Beginn ausverkauft waren. Das Vorprogramm fällt dabei zwar mit einer Band nicht groß aus, hat es aber in sich. Behemoth sind der Opener auf jedem der Konzerte und versprechen das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen, bevor die Neun die Bühne für sich beanspruchen.

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Dichter Nebel liegt auf dem Boden der Bühne, als sich der Raum abdunkelt. Aus den Boxen schallt das Intro von Behemoth: Solve. Dieses setzt schonmal die Stimmung, als Nergal, Seth und Orion die Bühne betreten. Es folgt ein Gitarren-Schredder, das seinesgleichen sucht, während im Hintergrund direkt die Pyro ausgepackt wird. Die Saiten-Fraktion ist an diesem Abend nicht zu bändigen. Es vergeht keinen Moment, in dem diese nicht für das Publikum posen. Der Auftritt wirkt schon fast einstudiert, so wie diese Drei auch untereinander interagieren. Im Hintergrund lässt Inferno seinem Schlagzeug keine Pause. Genauer gesagt: seiner Bassdrum. Durchgehend ist ein drückender Doppelbass zu hören. Das Publikum ist anfangs etwas zurückhaltend und weiß nicht ganz, was es tun soll. Die Hände hoch, headbangen oder einfach nur das Corpsepaint der Band und ihre Show bewundern, die schon fast an Perfektion grenzt? Nergal heizt dem Publikum immer wieder mit Worten ein – “Klatscht meine Freunde”, “make some god damn noise”, “scream your lungs out for me” – oder holt selber die Fackeln vor dem Song Bartzabel heraus. Mit der Zeit ist das Publikum ausgelassener und schon fast etwas traurig, als die Band nach 40 Minuten die Gitarren in die Höhe streckt und sich verabschiedet.

Während aus den Boxen Musik der 80er ertönt, wird die Bühne hinter einem großen Slipknot Banner umgebaut. Wieder wird es dunkel und plötzlich bricht auch die hinterste Ecke der Barclaycard Arena in Jubel aus. Zunächst bleibt der Vorhang an Ort und Stelle und wir hören For Those About To Rock (We Salute You) von AC/DC in voller Länge. Dann fällt der Vorhang – natürlich mit einem lauten Knall – zu Insert Coin, dem Intro des neuen Albums We Are Not Your Kind, zu welchem die Band nach und nach auf die Bühne kommt. In fließendem Übergang geht es direkt weiter zu Unsainted. Wer nicht direkt in Trance seinen Kopf kreisen lässt, lässt sich die Bühne auf der Zunge zergehen: Ein riesiger Aufbau, bei dem jeder der neun Musiker in das richtige Licht gerückt wird. Vorne, natürlich, die Saiten-Fraktion und Frontmann Corey Taylor. Hinter ihnen ein U-Förmiges Podest in einigen Metern Höhe, welche die Seiten und hinteren Bereich der Bühne einnimmt. In der Mitte davon: Schlagzeuger Jay Weinberg, mit Sid Wilson und Craig Jones an den Turntables neben ihm. Die seitlichen Flügel können die Perkussionisten Shawn Crahan und der erst im letzten Jahr zur Band gestoßene “Tortilla Man” (vermutlich Michael Pfaff, noch immer unbestätigt) ihr Eigen nennen.

Letzterer ist an dieser Stelle besonders zu erwähnen: “Tortilla Man” scheint in der Band vollständig angekommen zu sein. Bereits beim ersten Song springt er wilder als alle anderen über die Bühne, klettert über sein Schlagzeug und heizt dem Publikum immer weiter ein, obwohl die das gar nicht nötig hätten, denn die Menge feiert vom ersten Moment an ausgelassen und ohne Pause. Auch auf den Rängen sitzt keiner mehr auf seinem Platz. Die Show bindet dabei die Blicke fest auf die Bühne. “It’s good to be back in Hamburg and it seems that all the crazy motherfuckers are here as well”, begrüßt uns Sänger Corey Taylor, bevor es weiter geht.

Der große Vorteil und Nachteil von Slipknot ist, dass meist nicht alle Musiker gleichzeitig spielen. Das lädt dazu ein, dass diese über die Bühne laufen und Schabernack betreiben. Dies trifft besonders auf “Tortilla Man” und Sid Wilson zu. Aber auch Shawn Crahan verlässt immer wieder seinen Platz an der vorderen Hälfte der Bühne. Seinen Einsatz verpasst aber dennoch niemand – Auch nicht als “Tortilla Man” bei Eyeless einen Drumstick verliert, und um diesen wieder zu bekommen von seinem zwei Meter hohem Podest runter springt und über die Bühne hechtet. Durch die viele Lauferei weiß man als Zuschauer oft nicht, wo man zuerst hingucken soll. Auch nicht, wenn im Hintergrund die Pyro zum Vorschein kommt oder Bassist Alex Venturella mit einem Flammenwerfer an seinem Instrument hinter dem Schlagzeug auftaucht.

All dies lässt die Show perfekt wirken. Es passieren keine Fehler, es wird in keinem Moment langweilig. Die Setlist dazu ist relativ “alt”. Viele neue und noch mehr Klassiker geben sich die Klinke in die Hand. Die Stimmung bleibt konstant auf höchstem Niveau. Es wird gefeiert und mitgesungen, als müsste am nächsten Tag keiner Arbeiten, was auch Corey Taylor sichtlich freut. “Right now we are all fucking family here tonight” betont er später. Alle Showeffekte sind im perfekten Maße gesetzt. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Ein Highlight gibt es jedoch am Ende des Sets, als Shawn Crahan mit einem brennenden Baseballschläger auf die Bühne kommt und mit diesem zu Duality die ersten Töne auf einem Fass vorhämmert. Nach dem Song verlassen die Künstler kurz die Bühne, um mit (sic), People = Shit und Surfacing noch einmal nachzulegen. Das Publikum ist begeistert und zündet die letzten Reserven, indem es lautstark mitsingt, bevor uns die Band endgültig in die regnerische Hamburger Nacht entlässt.

Setlist SLIPKNOT @ Hamburg, Barclaycard Arena (16.02.2020):

01. Unsainted
02. Disasterpiece
03. Eeyore
04. Nero Forte
05. Before I Forget
06. New Abortion
07. Psychosocial
08. Solway Firth
09. Vermilion
10. Birth of the Cruel
11. Wait and Bleed
12. Eyeless
13. All Out Life
14. Duality
15. (sic) (Z)
16. People = Shit (Z)
17. Surfacing (Z)

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