THE TWILIGHT SAD @ K├Âln, Club Volta (16.11.2019)

(cc)2019 | Steffen Seth Prohn | Doctrine.design
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Kleine Clubs hatten es in der Domstadt in der j├╝ngeren Vergangenheit nicht leicht ÔÇô vor allem im Stadtteil Ehrenfeld. Papierfabrik, Sensor, Jungle und nicht zuletzt das legend├Ąre Underground ├╝berlebten das laufende Jahrzehnt nicht, das Geb├Ąude 9 im ÔÇ×VeedelÔÇť Deutz stand schon mehrfach kurz vor dem Aus. Gentrifizierung und so. Da tut es doch gut, wenn an anderer Stelle mal eine neue Kulturst├Ątte f├╝r nicht ganz so bekannte Bands ├Âffnet. Seit Sommer 2018 finden im Club Volta nahe des Palladium/E-Werk-Komplexes Konzerte mit bis zu 450 Zuschauern statt.

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Und die waren auch da, als The Twilight Sad die vorletzte Show ihrer laufenden EU-Tournee spielten. Ein passender Rahmen f├╝r den Auftritt der str├Ąflich untersch├Ątzten Schotten. Vorher standen aber zun├Ąchst Man Of Moon f├╝r rund 45 Minuten auf der B├╝hne. Eine passende Wahl, wie sich schnell zeigen sollte. Schlagzeuger Michael Reid und S├Ąnger/Gitarrist Chris Bainbridge haben sich ebenfalls einer eher melancholisch-psychedelischen Spielart des Indierock verschrieben, die mit etwas Elektronik erg├Ąnzt wird.

Eine EP namens Medicine und zwei Singles hat das Duo aus Edinburgh bereits ver├Âffentlicht, das Deb├╝talbum soll 2020 kommen. Ein paar St├╝cke daraus stellten Reid und Bainbridge auch vor. Insgesamt hinterlie├čen Man Of Moon einen grundsoliden Eindruck, hier und da lie├č Bainbridges Gesangsleistung in Sachen T├Âne halten ein wenig zu w├╝nschen ├╝brig, was durch einige eing├Ągige Hooks und Gitarrenlicks aber ganz gut wettgemacht werden konnte.

Bis ins letzte Detail perfekt war hingegen die Gesangsperformance von James Graham. Kaum in Worte zu fassen, was der Frontmann von The Twilight Sad in der Zeit von 21.15 Uhr bis 22.50 Uhr auf der B├╝hne ablieferte. Er redet nicht gerne und viel, sagte er sp├Ąter, der Fokus solle doch auf den Songs liegen. Wenn das mal bei jedem Musik-Act so w├Ąre. Eine Stimme mit Wiedererkennungswert inklusive des ausgepr├Ągten schottischen Akzents, unglaublich kraftvoll, ohne einen Wackler auch in den l├Ąngeren Tonlagen. Wahnsinnig emotional, mit voller Inbrunst, aber zu keinem Zeitpunkt ÔÇ×Jammerlappen-likeÔÇť thronte Graham ├╝ber den insgesamt 18 Songs. Der Mann lebt f├╝r die Musik.

Neun St├╝cke stammten vom aktuellen, etwas synthielastigeren Album It Won’t Be Like This All The Time, dazu gab es neun ├Ąltere auf die Ohren, die man besser verst├Âpselt hatte. Denn hier und da drehte das Quintett aus Kilsyth nahe Glasgow schon ordentlich auf. Der Shoegaze-typische L├Ąrm darf bei Konzerten von The Twilight Sad halt nicht fehlen. Anmerken muss man, dass die Akustik wirklich gut war. Alle Instrumente stachen zu den jeweils passenden Zeitpunkten aus dem insgesamt dichten Sound raus.

Gesangsperformance 1+ mit Sternchen

So gab es wirklich nichts zu meckern und das lie├čen die Fans die Band auch sp├╝ren. Es gab lautstarke Jubelrufe, die Stimmung war ÔÇô bedenkt man, wie melancholisch und dezent die Musik von The Twilight Sad meist ist ÔÇô fast schon unpassend euphorisch. Nach dem Frightened-Rabbit-Cover Keep Yourself Warm kam Graham, sichtbar ber├╝hrt, dann doch noch ins Plaudern: Abende wie dieser seien wie ein wahrgewordener Traum, den die Band hatte, als sie sich 2003 gr├╝ndete ÔÇô und das Publikum bei Tourabschluss in Frankfurt tags darauf m├╝sste sich doch wirklich besonders anstrengen, um da mithalten zu k├Ânnen.

S├Ątze, die regelm├Ą├čige Konzertg├Ąnger so schon x-Mal h├Ârten, die eigentlich immer wie automatisch abgespult wirken. Doch hier war irgendwas anders. Grahams Worte wirkten total vom Herzen kommend. Einfach sympathisch, wie auch die Tatsache, dass The Twilight Sad sich weiterhin stoisch weigern, Zugaben zu spielen, die eigentlich ohnehin von Anfang an auf der Setlist stehen.

Aber was soll nach einem Klang-Monolith wie And She Would Darken The Memory vom Deb├╝talbum Fourteen Autumns & Fifteen Winters auch noch kommen? So bleibt am Ende nur noch eines festzuhalten: The Twilight Sad liefern einfach den perfekten Soundtrack f├╝r tr├╝bgraue Herbsttage ÔÇô live wie auf Platte.

Setlist THE TWILIGHT SAD @ K├Âln, Club Volta (16.11.2019)

01. 10 Good Reasons For Modern Drugs
02. Shooting Dennis Hopper Shooting
03. VTr
04. Don’t Move
05. Last January
06. That Summer, At Home I Had Become The Invisible Boy
07. The Arbor
08. I’m Not Here (Missing Face)
09. Sunday Day13
10. There’s A Girl In The Corner
11. Seven Years Of Letters
12. Auge/Maschine
13. Videograms
14. Let’s Get Lost
15. Cold Days From The Birdhouse
16. The Wrong Car
17. Keep Yourself Warm
18. And She Would Darken The Memory

Weblinks THE TWILIGHT SAD

Homepage: www.thetwilightsad.com
Facebook: www.facebook.com/thetwilightsad

Geschrieben von
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