KHA.WIS, RANCID RIMJOB RAMPAGE, FJORDHEKSA – Aachen, Musikbunker (2.11.2019)

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Doom Metal? Doom Metal ist, wenn die Band Heavy Metal spielt, aber vergisst, wie die Songs aufhören. Ach, und sie spielen super langsam, wahrscheinlich, weil sie alle total bekifft sind. Neulich gab es diesbezĂŒglich im adĂ€quaten Atomschutzbunker Musikbunker in Aachen mĂ€chtig auf die Ohren! Drei Bands aus NRW trafen sich dort zu einem besonders lautstarken Konzertabend, um ein Portmanteaux aus Sludge, Stoner/Doom und Post-Metal durch die Eingeweide des Bunkers zu jagen. Fans des aggressiv-traurigen Sounds waren begeistert!

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Wer den Musikbunker nicht kennt und sich der Alternativen Musikszeneℱ zugehörig fĂŒhlt, sollte unbedingt einmal auf die Liste kommender Konzerte der Location schauen und sich was Gutes aussuchen. Denn hier muss man mindestens einmal im Leben ein Konzert gesehen haben. AtmosphĂ€risch mag das Ganze zunĂ€chst zwar an das Filmset von Blair Witch Project erinnern: Hinter der EingangstĂŒr versteckt sich ein elend langer Gang zum Konzertsaal, schlecht beschildert, voller Graffiti, abgeranzter WĂ€nde, vielen Seitenwegen ins Nichts, wenig Licht.

Doch am Ende wartet ein sehr gemĂŒtlicher, großer Saal auf einen, mit sĂŒĂŸer, kleiner Bar, genug Platz fĂŒr einen Merch-Stand, und natĂŒrlich eine (normal große) BĂŒhne. Der Sound dort unten ist auf jeden Fall erste Sahne und kann gut mit grĂ¶ĂŸeren Locations mithalten. Das gesamte Ambiente passt perfekt zu dĂŒsteren, oft vernachlĂ€ssigten Subgenres des Rock. Aber hier finden auch andere Events ein Zuhause, von Jazz bis hin zu Lesungen. Davon habe ich aber keine Ahnung, ich war schließlich dieses Mal auf fĂŒr die lauten, verzerrten Gitarrenriffs und die verzweifelte Stimmung des Doom Metal vor Ort, die einen schneller in ihren Bann zieht, als man sich bewusst wird.

ZunĂ€chst zeigen die Jungs von Fjordheska, wie man so richtig aufheizt! Es dauert auch nicht allzu lange und es bildete sich bereits der erste Moshpit. Was, ein Moshpit bei der ersten Band? Gibt’s nicht? Gibt’s doch. Mit Fjordheksa! Lautes Geschrei, wilde Riffs, chaotische Rhythmen – trotz ihres melancholischen Grundsounds ist die Band richtiges Party-Material und der Sound bietet sich geradezu an, dazu so richtig die Sau raus zu lassen. Da kommen GefĂŒhle aus einem heraus, die die Gesellschaft gerne hinter verschlossenen TĂŒren sieht. Aggressive Wut wissen die Jungs aber gut in Musik umzuwandeln und damit den Boden fĂŒr den restlichen Abend zu ebnen .

Das letzte Gimmick wie immer bei ihnen: FĂŒr das Finale holen sie sich eine Trompete auf die BĂŒhne. Was zunĂ€chst nicht wie eine gesunde Kombination klingt beweist sich dann als einzigartigen Abschluss ihrer Soundpalette.

Rancid Rimjob Rampage fungieren dagegen wie eine BrĂŒcke zwischen den anderen beiden Bands, und sind eher langsam unterwegs. Nicht weniger laut und auch rhythmisch stellenweise sehr individuell, geht es bei den Jungs von RRR mehr um einzigartige AtmosphĂ€re und Stimmung und ein nur schwierig zu beschreibendes GefĂŒhl. Aber ich stelle mich mal der Herausforderung: Rancid Rimjob Rampage klingen wie ein Bergarbeiter, der – geschunden von Jahrzehnten schwerster Arbeit unter Tage bei Minimallohn – seines Lebens satt ist und Selbstmord in seinem Stollen begehen will, indem er sich lebendig begraben lĂ€sst. WĂ€hrend ihm mehr und mehr die Luft zum Atmen fehlt, beginnt er zu halluzinieren: Er schwebt durch die leere KĂ€lte des Weltalls, sieht einen letzen Stern untergehen, und wird letztlich vom Unterdruck des Vakuums zerquetscht. So, und genau so, klingen Rancid Rimjob Rampage.

Mit kha.wis (korrekt geschrieben „kha.wis“ – also wie man spricht) ging es dann schon fast klassisch weiter bis zum Schluss: Post-Metal wie er im Buche stehen sollte. (Ich stelle mir einen Duden-Eintrag vor, unter „Post-Metal“: (2) siehe ‚kha.wis‘ – oder so.) Wie erhofft schön laut und aggro, aber angenehm melodisch und koordiniert. Der Gesang ist fett und ausdrucksstark, die Akustik klar und vielschichtig. Was den Auftritt angeht, besticht vor allem das prĂ€gnante Schwarz der zumeist fehlenden Beleuchtung: Lediglich ein paar sehr grelle Strahler von hinten aus dem unteren Bereich erhellen Teile der Silhouetten der Bandmitglieder. Der Rest des Saales hĂŒllt sich in absolute Dunkelheit. Viel, viel Rauch aus der Maschine fĂŒllt alsbald die kargen Lichtkegel aus, das dumpfe Weiß bekommt Struktur, die Silhouetten mehr Ausdruck. Wie das Licht am Ende des Tunnels einem die Durchfahrt erschwert, gröhlen und krachen uns kha.wis ihre GerĂ€usch-schwangeren Songs entgegen. Wer sich hiervon nicht mitreißen lĂ€sst, hat was an den Ohren oder den Geschmacksnerven! Aber das scheint auf keine Person aus der Crowd zuzutreffen, denn alle wippen und headbangen krĂ€ftig im Takt mit!

Und so verlief ein durchaus gelungener, intensiver Abend voller musikalischer Gewalt im Musikbunker zu Ende. Ich bin sicher, beim nÀchsten Konzert sehe ich so einige Gesichter von diesem Samstagabend wieder! Auf dann!

Weblinks KHA.WIS:

Homepage: https://khawis.bandcamp.com
Facebook: https://www.facebook.com/khawisband

Weblinks RANCID RIMJOB RAMPAGE:

Homepage: https://rancidrimjobrampage.bandcamp.com
Facebook: https://www.facebook.com/RancidRimjobRampage
Shop: https://www.shirtee.com/en/store/rancidrimjobfanshop

Weblinks FJORDHEKSA:

Homepage: https://fjordheksa.bandcamp.com
Facebook: https://www.facebook.com/OndskapenInniSkogen

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