DIE KLUTE – Planet Fear

DIE KLUTE – Planet Fear
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

8 1. Hälfte

3 2. Hälfte

5.5

“Auf halber Strecke geht der Supergroup die Luft aus”

Was für ein Aufgebot! Mit Jürgen Engler (Die Krupps), Claus Larsen (Leather Strip) und Dino Cazares (Fear Factory) haben drei Legenden aus EBM, Industrial und Metal zusammengefunden und veröffentlichen unter dem Projektnamen Die Klute ihr Debütalbum Planet Fear. Zwölf Songs lang kriegen Hörer darauf genau das geboten, was man erwarten durfte: Messerscharfe Stakkato-Riffs von Cazares, Synths und Drums, deren Klangsprache oft exakt der der letzten Krupps-Alben gleicht und die kraftvolle Vocal-Performance zwischen Klargesang und verzerrten Shouts von Larsen. Das kann doch gar nicht schiefgehen, möchte man meinen. Oder?

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Dass Die Klute das Rad hier keinesfalls neu erfinden, darüber kann man problemlos hinwegsehen. Anhänger der bis dato genannten Acts wissen schließlich selbst am besten, dass die Hochzeit des Industrial Metal nun fast schon ein Vierteljahrhundert zurückliegt. Wenn bei If I Die der elektronische Unterbau auf einen dicken Beat und Cazares-Riffs trifft, beginnt der geneigte Fan sofort, mit dem Fuß zu wackeln – bevor sich im Refrain in bester Ministry-Hochgeschwindigkeitsmanier alles entlädt. Ein bärenstarker Opener, der leider direkt von der ersten Enttäuschung der Platte konterkariert wird. Den uninspiriert vor sich hinpolternden Midtempo-Stampfer Out Of Control haben allein KMFDM schon 100 Mal besser gemacht.

Zum Glück bleibt Track zwei der einzige Ausfall in Hälfte eins. „The hangman waits for no one, your time is up! No time for regrets, no time for regrets!“ – definitiv gewinnen Die Klute mit Zeilen wie diesen keinen Pulitzer-Preis, der dazugehörige Song geht aber ebenso gut ins Ohr ins wie das folgende Rich Kid Loser. Besonders interessant klingt an fünfter Stelle For Nothing. Hier wagt sich das Trio mal aus der sonst so stoisch ratternden Komfortzone. Downtempo ist angesagt, die Mischung aus drückenden Drums, schwermütigen Synthie-Fanfaren und verzweifelt klingenden Shouts weckt beim ein oder anderen Hörer vielleicht sogar Erinnerungen an das Nine-Inch-Nails-Meisterwerk The Fragile. Ein Stück der Kategorie „Könnte live vor allem mit passender Licht- und Videoshow richtig punkten“.

Ja, es gibt Überlegungen, dass Die Klute ihr Debütwerk irgendwann in 2019 auf die Bühne bringen werden. Wenn das klappt, freuen sich Moshpit-Liebhaber sicher auf die Highspeed-Attacken Human Error und It’s All In Vain. Letzteres wurde zur ersten Single inklusive Video auserkoren (siehe unten) und macht sich sicher auch hervorragend in so manch Szene-DJ-Set.


Erst mit einem Klick auf das Vorschaubild wird das Video von YouTube eingebunden. Klicke nur, wenn du der Datenschutzerklärung zustimmst.

Leider bleibt It’s All In Vain der letzte wirklich überzeugende Track auf Planet Fear. Gelungene Refrains, die sich im Kopf festsetzen, fehlen ab Born For A Cause komplett, mutige Experimente à la For Nothing ebenso. Das mit rund vier Minuten mindestens 90 Sekunden zu lange Push The Limit klingt wie der Versuch, dem 1995er Fear-Factory-Klassiker New Breed wiederzukäuen – nervige Zigfachwiederholungen des Songtitels inklusive. Und in die Kategorie „90er-KMFDM in schlecht“ fallen nach Out Of Control leider auch das Quasi-Public-Enemy-Cover Channel Zero und das abschließende MOFO.

So lässt Planet Fear den Hörer mit gemischten Gefühlen zurück. Der Sound brettert und klingt fett, einige Genre-Fetischisten werden deshalb vielleicht auch die Schwächen im Songwriting ignorieren können, die die zweite Albumhälfte zum Stresstest machen. Aber letztlich wäre bei dem Talentlevel, das alle drei Beteiligten in den vergangenen 40 Jahren immer wieder nachgewiesen haben, viel mehr drin gewesen.

Tracklist DIE KLUTE – Planet Fear

01. If I Die
02. Out Of Control
03. The Hangman
04. Rich Kid Loser
05. For Nothing
06. Human Error
07. It’s All In Vain
08. Born For A Cause
09. Infectious
10. Push The Limit
11. Channel Zero
12. MOFO

Planet Fear kann ab sofort in Gänze u.a. bei Bandcamp und Amazon als Download gekauft werden.  Die CD- und Vinyl-Version von Planet Fear erscheint am 22. Februar via Cleopatra Records.

Weblinks DIE KLUTE

Facebook: www.facebook.com/WeAreDieKlute/
Bandcamp: https://dieklute.bandcamp.com/album/planet-fear

More from Patrick Friedland

FORCED TO MODE – Oberhausen, Kulttempel (13.10.2017)

These: Im nächsten Jahr hängt das “Ausverkauft”-Schild am Oberhausener Kulttempel, wenn Christian...
Read More