BLOOD RED SHOES – Get Tragic

Blood Red Shoes - Get Tragic
Geschätzte Lesezeit: 2 Minute(n)

Unsere Bewertung:


7

7

„Gelungene Neuerfindung“

Ein MĂ€del an der Gitarre, ein Junge am Schlagzeug. Und dann können beide auch noch ganz gut singen und schreiben simple Songs zum Mitgrölen, zu denen man in Indie-Discos und auf Festivals fast schon zwingend ausflippen muss. Zugegeben: Mit den Liedern, mit denen sich Laura-Mary Carter und Steven Ansell gegen Ende des vergangenen Jahrzehnts in die Tanzbeine und GehörgĂ€nge ihrer Fans spielten, haben viele StĂŒcke auf Get Tragic nicht mehr viel zu tun. Doch eine genaue Auseinandersetzung mit der fĂŒnften Blood-Red-Shoes-LP lohnt.

ZunĂ€chst gilt: Der Titel ist Programm. Das Gros der zehn Songs (das völlig verzichtbare Interlude ignorieren wir der Einfachheit halber) klingt tatsĂ€chlich bedĂ€chtig, schwelgerisch, ja manchmal wirklich nach Tragik. Bedeutet: Carter und Ansell nehmen das Tempo ĂŒber weite Teile des Albums raus. Und das funktioniert beim Opener Eye To Eye so hervorragend wie noch nie zuvor in mittlerweile 15 Jahren Bandgeschichte. Das Lied erzeugt einen Spannungsbogen, der sich nach 80 Sekunden in einem fantastischen Refrain entlĂ€dt. Dieser wird von krĂ€ftigen, dunklen Synthies gestĂŒtzt – ja, Blood Red Shoes benutzen nun tatsĂ€chlich Synthies und werden Angaben bei aktuellen Interviews zufolge bei zukĂŒnftigen Konzerten auch nicht mehr nur zu zweit auf der BĂŒhne stehen.

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Immerhin noch zwei Hits fĂŒr die Indie-Disse

Rock-Puristen dĂŒrfen danach zunĂ€chst aufatmen. Das bereits bekannte Mexican Dress und vor allem Bangsar (Liebe Indie-DJs, den bitte umgehend in Eure Sets aufnehmen, Ihr werdet es nicht bereuen) bestechen durch EingĂ€ngigkeit, mitreißende Riffs und treibendes Drumming. Zwei Songs, die auch perfekt auf die beiden ersten Alben Box Of Secrets und Fire Like This gepasst hĂ€tten. Darauf folgt allerdings der nĂ€chste Schock: Auf Nearer benutzt Laura-Mary Carter einen Stimmenverzerrer – und klingt plötzlich allen Ernstes wie Beth Gibbons auf dem ersten Portishead-Album. Auch musikalisch bedient sich der Titel bei den Trip-Hop-Legenden aus Bristol. Hat man sich nach dem ersten Schock darauf eingelassen, entpuppt sich Nearer vor allem aufgrund des starken Chorus als weitere Perle.

Ähnlich entschleunigt, immer mal wieder mit sachten E-Drum-Beats und Keyboards versetzt, schallen auch die meisten der weiteren Songs aus dem Lautsprecher. Besonders gelungen dabei die von Steven gesungene Ballade Find My Own Remorse und das abschließende Elijah – auch hier sitzen die Refrains wie eine Eins und sofort im Ohr. SchwĂ€cheln tun Blood Red Shoes in AlbumhĂ€lfte zwei aber ausgerechnet in ihrer bisherigen Paradedisziplin. Howl und Anxiety wirken wie zwei Alibi-Songs, die nur auf Get Tragic landeten, um die Alt-Fans nicht völlig zu verschrecken. An frĂŒhere Großtaten reichen beide im Gegensatz zu den bereits erwĂ€hnten Mexican Dress und vor allem Bangsar nicht mal im Ansatz heran.

Fazit: Nach zwei eher mĂ€ĂŸigen Alben ist dem Duo aus Brighton der Neustart im Großen und Ganzen geglĂŒckt. Wie die Mehrheit der Fans den doch recht radikalen Stilwechsel aufnimmt, bleibt aber zunĂ€chst abzuwarten. Vorstellen werden Blood Red Shoes die neuen StĂŒcke im Februar bei zwei lĂ€ngst ausverkauften Gigs in Hamburg und Berlin sowie am 30. Mai beim Puls Festival auf Schloss Kaltenberg und am 1. Juni beim Way Back When Festival in Dortmund – vielleicht wissen wir danach schon mehr.

Get Tragic erscheint am 25. Januar via Jazz Life.

Tracklist BLOOD RED SHOES – Get Tragic

01. Eye To Eye
02. Mexican Dress
03. Bangsar
04. Nearer
05. Beverly
06. Find My Own Remorse
07. Howl
08. Interlude
09. Anxiety
10. Vertigo
11. Elijah

Weblinks BLOOD RED SHOES

Facebook: www.facebook.com/bloodredshoes
Instagram: www.instagram.com/bloodredshoesuk
Homepage: www.bloodredshoes.co.uk

Get Tragic

Preis: EUR 13,99

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Geschrieben von
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2 Kommentare

  • Blood red shoes wurden 2004 gegrĂŒndet, das sind 15 Jahre und nicht 12. Fast alle Magazine schreiben da falsche Informationen. Und die letzten beiden Alben waren vor allem nicht mĂ€ĂŸig

    • Gut, dass wir aufmerksame Leser haben 😉 Fehler ist korrigiert. Und das mit den vergangenen beiden Platten – nun ja, das ist eben Geschmackssache …

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