THE TWILIGHT SAD – Wiesbaden, Schlachthof/Kesselhaus (11.11.2018)

THE TWILIGHT SAD – Wiesbaden, Schlachthof/Kesselhaus (11.11.2018)
The Twillight Sad © Alf Urbschat
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Aus dem einstigen Geheimtipp The Twilight Sad ist ein Publikumsmagnet geworden. Das Kesselhaus vom Schlachthof Wiesbaden ist am 11. November mit rund 300 Zuschauern ausverkauft. Dabei wollte sich die 2003 gegründete, von Kritikern gefeierte Band aus Schottland Interviews zufolge mangels Massenzuspruch bereits auflösen. Hierzulande erspielten sich die Post-Punker um den charismatischen Frontman James Graham sicherlich 2015 als Support von Editors neue Fans, international verschaffte ihnen die Tour im Vorprogramm von The Cure neuen Auftrieb. Beide Bands verbindet gegenseitige Bewunderung.

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The Twilight Sad werden an diesem Abend auch bewundert werden. Doch zunächst betritt der Singer-Songwriter Michael Timmons aus Glasgow die Bühne. Ein sympathischer junger Mann im geringelten Longsleeve steht da mit seiner Gitarre im seichten Scheinwerferlicht. Der Schotte, dem man seine Herkunft sprachlich anmerkt, stellt Titel seines im Februar 2018 erschienenen Debutalbums Bone Coloured vor. Seine klare Stimme trägt die intimen Folk Songs mit Blueseinschlag, die mitunter sehr abrupt enden und sich an Timmons ulkigen Ansagen brechen. Er entschuldigt sich für seine mangelnden Deutschkenntnisse und gibt „Wurst“ zum Besten, aus dem Publikum ruft ihm jemand „Des hoischt Woscht“ zurück. Vor und auf der Bühne sind alle gut gelaunt – trotz zutiefst melancholischer Musik. „Fröhlicher wird es nicht mehr“, scherzt Simmons, „aber ihr seid ja auch bei einem The Twilight Sad Konzert.“ und verabschiedet sich. Jung und Alt im Publikum hat es zurecht gefallen.

Setlist MICHAEL TIMMONS @ Wiesbaden, Schlachthof/Kesselhaus (11.11.2018):

01. Painting
02. Material
03. Fall Back
04. Hold On Sea
05. Wise
06. Distant Relative

Weblinks MICHAEL TIMMONS:

Bandcamp: https://michaeltimmonsmusic.bandcamp.com
Facebook: https://www.facebook.com/MichaelTimmonsMusic/
Instagram: https://www.instagram.com/timmons_m/
Twitter: https://twitter.com/mtimmonsmusic

Nach einer unnötig langen Umbaubause, in der sehr wenig umgebaut und sehr viel pausiert wird, betreten The Twilight Sad gegen 21.15 Uhr unter lautem Jubel die Bühne. Die Band eröffnet mit There’s a Girl in the Corner vom 2014er Album Nobody Wants to Be Here and Nobody Wants to Leave und schlägt das Publikum sofort in ihren Bann. Das liegt nicht nur an der musikalischen Darbietung, sondern auch an der ekstatisch-absonderlichen Bühnenpräsenz von Sänger James Graham. Alle Blicke und jede Menge Smartphones sind auf ihn gerichtet, die Band dahinter verschwindet nahezu.

Rein optisch sind Gitarrist Andy MacFarlane, Schlagzeuger Sebastien Schultz, der wie ein Irrer ins Schlagwerk drischt, und Keyboarder Brendan Smith hinter Licht und Nebel ohnehin nur schwer auszumachen. Lediglich der in einem Lichtkegel stehende Bassist Johnny Docherty fällt neben Frontmann Graham auf. Hören kann man sie allerdings alle und wie! Die durch die Gehörgänge sägenden Klangwelten von The Twilight Sad sind laut und heute Abend manchmal auch zu laut. Einige Zuhörer im Publikum halten sich wiederholt die Ohren zu. Kristallklar und perfekt abgemischt erklingt dagegen der Gesang von Frontmann Graham. Er ist die Definition dieser Bandrolle.

Graham schlägt sich mit der Faust vor jedem Song wiederholt auf die Brust, als würde er sich damit noch mehr Energie zuführen. Dann die flache Hand, wenn er sich für den tosenden Applaus bedankt. Er beißt die Zähe verkrampft zusammen, verdreht die Augen zu weißen Schlitzen und schickt Küsse zum Himmel. Seine Arme schnellen immer wieder stoßartig nach vorne, Fäuste voller Tatendrang. Die Musik ist in seinen zappelnden Körper gefahren. Am Ende wirft er sich zu Boden. Das Publikum ist begeistert, teilweise ergriffen.

Den Kontakt mit den Menschen vor der Bühne sucht Graham nur vereinzelt, es gibt wenig Ansagen, dafür aufrichtigen Dank für den Applaus. In der Mitte des Konzerts verweist er auf Bassist Johnny Docherty, der Geburtstag hat. Man solle ihm doch einige Drinks ausgeben, damit er besoffen wird. The Twilight Sad haben noch nie in Wiesbaden gespielt und wussten nicht, was sie erwartet, erklärt Graham. Er schaut ins ausverkaufte Kesselhaus und lächelt zufrieden.

Setlist THE TWILIGHT SAD @ Wiesbaden, Schlachthof/Kesselhaus (11.11.2018):

01. There’s a Girl in the Corner
02. That Summer, At Home I Had Become The Invisible Boy
03. Don’t Move
04. I/m Not Here [Missing Face] 05. Last January
06. The Arbor
07. Reflection of the Television
08. VTr
09. It Never Was the Same
10. Videograms
11. The Wrong Car
12. Keep Yourself Warm (Frightened Rabbit cover)
13. Cold Days From the Birdhouse
14. And She Would Darken the Memory

Weblinks THE TWILIGHT SAD:

Homepage: http://thetwilightsad.com/
Facebook: https://www.facebook.com/thetwilightsad/
Instagram: https://www.instagram.com/thetwilightsad
Twitter: https://twitter.com/thetwilightsad

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