I HEART SHARKS – Köln, Luxor (14.09.2018)

I Heart Sharks, © Daniel Kraski
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I Heart Sharks, © Patrick Friedland

Mit Abschiedskonzerten ist es so eine Sache. Irgendwie ist es traurig, zu wissen, dass eine Band, die einem am Herzen liegt, aufhört und man zahlreiche Songs zum womöglich letzten Mal in seinem Leben hören wird. Andererseits geben KĂŒnstler und Fans in derartigen Szenarien auf und vor der BĂŒhne meist eher 110 als 100 Prozent. Und sind wir mal ehrlich: Irgendwann kommt es in zahlreichen FĂ€llen ohnehin zu einer Reunion. I Heart Sharks sind so ein Fall, bei dem man sich genau das wĂŒnscht. Denn im Rahmen der vier Konzerte umfassenden Auf Wiedersehen-Tournee spielten die Indietronicer ein unglaublich tolles Konzert im Kölner Luxor, an dass sich jede(r) Anwesende wohl noch lange erinnern wird.

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Als Support hatte das Quartett aus Berlin nach guten Erfahrungen von einer gemeinsamen Tour im Januar 2017 erneut die Paderborner Blassfuchs ausgesucht. Die konnten sich zur recht frĂŒhen Stunde (19.30 Uhr ging’s los) schon ĂŒber ein gut gefĂŒlltes Luxor freuen und es ist durchaus möglich, dass Dennis Derckum, Nikolai Schirrmeister, Janis Ostwald und Julian MĂŒller eines Tages nicht mehr nur als Vorband dort spielen. Denn der eingĂ€ngige Sound, irgendwo zwischen Casper und aktuellem Charts-Autotune-HipHop/Pop einzuordnen,

Blassfuchs, © Patrick Friedland

hat sicher das Potenzial, im Mainstream Fuß zu fassen. Die zu Jahresbeginn veröffentlichte EP Zwischen Rausch und Gift gabs fĂŒr faire fĂŒnf Euro zu kaufen – alles in allem ein sympathischer Auftritt von Blassfuchs, die sicher den ein oder anderen Fan hinzugewannen.

Schwarze Ballons als passende BĂŒhnendeko – die vorletzte Stunde fĂŒr I Heart Sharks als Band hatte geschlagen. Einen Tag spĂ€ter stand der abschließende Gig in der Berliner Heimat an. Doch ob das Hauptstadtpublikum mit dem in Köln mithalten konnte? Wer weiß. Uns fehlen die Vergleichsmöglichkeiten. Im Luxor war jedenfalls von Minute eins an Party angesagt. Mit Monogamy und Summer eröffneten zwei Kracher vom tollen 2011er-DebĂŒtalbum das insgesamt 110 Minuten (!) lange Set. Wildes HĂŒpfen im vorderen Bereich, lautstarke Mitsingchöre, guter Sound – alle hatten richtig Spaß! Ein bunt gemischter Abend mit Hits, RaritĂ€ten und zum Teil noch nie gespielten StĂŒcken – es stimmte einfach alles. Zwischendurch bremste SĂ€nger Pierre Bee die Euphorie und erklĂ€rte den Grund fĂŒr die Auflösung: Die Band wolle dann aufhören, solange sich die Mitglieder noch gut miteinander verstehen und wohlfĂŒhlen. Noch nie hĂ€tten sie soviel Spaß auf Tour gehabt, wie es bei dieser abschließenden Konzertreise der Fall ist.

Aber irgendwie fĂ€llt es schwer, der Band abzunehmen, dass diese Auflösung endgĂŒltig und fĂŒr immer ist. Was muss es in einem Musiker auslösen, wenn sich Fans mitten in der Show das Mikro greifen und erzĂ€hlen, welchen Stellenwert das geschaffene Werk in ihrem Leben hat? Was muss es in einem Musiker auslösen, wenn die Fans schon vor dem Konzert dem Merch-VerkĂ€ufer die Shirts wie beim Sommerschlussverkauf aus den HĂ€nden reissen? Und vor allem: Was muss es in einem Musiker auslösen, wenn einige Hundert Fans im prallvollen Clubs so laut und textsicher sind, dass der SĂ€nger das Singen eigentlich einstellen kann? „Bored of Suburbia“, „Und das ist die neue Geschichte“, „It’s only love o-ohh-oo“ – das war kein Mitsingen mehr, das waren Schlachtrufe!

I Heart Sharks, © Daniel Kraski

Nachdem Pierre und Gitarrist Simon Wangemann sogar zwei Songs (Easy und Only Love) zu zweit direkt im Publikum performten, ging es zum krönenden Abschluss nochmal auf die BĂŒhne. Hideaway und (vom Titel her sehr passend) Lost Forever beendeten das Set. Was alle der grĂ¶ĂŸtenteils stark verschwitzten Besucher einen dĂŒrfte, ist der Wunsch, dass sich I Heart Sharks das mit dem Split vielleicht doch nochmal ĂŒberlegen. Denn um diese Band einfach so gehen zu lassen, dafĂŒr war dieser Konzertabend einfach zu ĂŒberwĂ€ltigend und mitreißend. Macht’s gut – und hoffentlich bis bald!

Setlist I HEART SHARKS @ Köln, Luxor (14.09.2018)

01. Monogamy
02. Summer
03. Karaoke
04. Lies
05. Headlines
06. Kino
07. Walls
08. Animals
09. Wolves (mit Madonna „Like A Prayer“-Exzerpt)
10. A Ruin
11. Wait
12. The Water
13. Walk At Night
14. Back Home
15. Suburbia
16. The World Is Yours
17. Neuzeit
18. Easy
19. Only Love
20. To Be Young
21. Meet Me In The Nowhere
22. Hideaway
23. Lost Forever

Summer

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Fotos: Daniel Kraski und Patrick Friedland

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