JONATHAN BREE – Dresden, Beatpol (06.08.2018)

Jonathan Bree, © Claudia Helmert
Geschätzte Lesezeit: 2 Minute(n)

Gesichtslos, ohne gesichtslos zu sein

Die Ger√§usche der laufenden Ventilatoren, deren Lufthauch kaum sp√ľrbar vorbeizieht, werden von den zarten Kl√§ngen aus den Boxen √ľberdeckt.¬† Stille Schritte, die beiden maskierten Musiker nehmen den Platz an ihren Instrumenten ein, zwei T√§nzerinnen koordinieren sich √ľber die auffallend aufger√§umte B√ľhnenplattform. Statisch vereinnahmend von der Aura Jonathan Brees m√ľssen ein paar Sekunden vergehen, bis anerkennender Applaus die starre Faszination abl√∂st. Der gro√üe Gesichtslose l√§uft aus dem Hintergrund im Gegenlicht der wei√üen, aufgeblendeten Projektorstrahlen nach vorn, ergreift das Mikro und jede Aufmerksamkeit. Eine kr√§ftig tiefe Stimme schallt durch den halbleeren Raum aus gebannten Zuh√∂renden und schlingernden Popmelodien. Wie Schaufensterpuppen warten die f√ľnf Neuseel√§nder nur darauf angestarrt zu werden. Eine bet√∂rend bedr√ľckende Bildsprache – kein Konzert bei dem man die Augen verschlie√üt und sich trotzdem fernab jeder Alltagsrealit√§t wiederfindet. Pl√∂tzlich fassen die beiden T√§nzerinnen, die sich sonst in ihren Bewegungsabl√§ufen den Videos im Hintergrund anglichen, nach zwei ungeahnten Utensilien. Grelle Lichtblitze zucken und die ersten fotografischen Abbildungen des Publikumsraumes sind gefertigt. Wieder, kurz geblendet. Entsteht hier gerade ein Bewusstsein f√ľr das unl√§ngst kritisierte Social-Media-Mitteilungsverhalten, wo doch gerade noch etliche mobile Endger√§te der Konzertbesuchenden das Spektakel bannen sollten? Peinlich ber√ľhrt angesichts des gespiegelten Verhaltens offenbart sich ein perspektivischer Rollenwechsel in Retro√§sthetik. Es wird w√§rmer, nebliger. Die Leinwand ziert abwechselnd ein fuck it, fuck her, fuck him, die Refrainzeilen des abschlie√üenden Songs der¬†Sleepwalking-Platte und vorletzter Songs des Konzertabends – leider. Mitternachtspop ohne Mitternacht, tr√§umerisch bei vollem Bewusstsein.¬†I’ll be good to you on the primrose path, and we’ll forget I am a sociopath brennt sich in seiner eing√§ngigen Melodie ein, „The End“ leuchtet im Hintergrund auf, eine synchrone Verbeugung und wieder diese atmosph√§risch bedingte Stille, die von eifrigem Applaus abgel√∂st wird.

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Fin.

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I’m degenerate, but no fool who’s going to bore you to death.

Weblinks JONATHAN BREE:

Bandcamp: https://jonathanbree.bandcamp.com/
Facebook: https://www.facebook.com/jonathanbree666/
Instagram: https://www.instagram.com/jonathanbree666/

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