MELT! FESTIVAL 2018 – Gräfenhainichen, Ferropolis (13.-15.07.2018)

Melt Festival, © Alexander Jung
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Wenn Electro, Indie, Hiphop und Co. sich die Hände reichen, dann sprechen wir definitiv vom MELT! Auch in diesem Jahr begeisterte das berühmt-berüchtigte Festival in der Stadt aus Eisen „Ferropolis“ Menschen aus aller Welt. 20.000 Besucher aus 50 Nationen waren am Start – kein Wunder bei dem, was die Veranstalter zu bieten hatten: Neben bekannten Headlinern wie The xx und Florence + The Machine sorgte unter anderem die Berlinerin Pansy als Dragqueen auf der Melt-Stage für eine gelockerte Stimmung – „Pussy-Power“ inklusive.

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And It’s Friday Night And It’s Kicking In (Florence + The Machine – Hunger)

Während sich die einen bereits auf der Pre Party am Donnerstag zu Monolink und Boys Noize die Füße wund tanzten, warteten die anderen gespannt auf den ersten Headliner am Freitag: Denn da glitt die unverwechselbare Florence Welch mit ihrer Band Florence + The Machine engelsgleich über die Bühne und feierte mit ihrem neuen Album Premiere. Und obwohl High As Hope erst Mitte Juli rauskam, sang das gesamte Publikum die aktuellen Songtexte der Engländerin mit. Ein Auftritt, für den sich das Melt-Ticket allein schon gelohnt hätte – und zwar nicht nur für die Männer, die die Frontrau zu What Kind Of Man fest umschlungen hat! Doch auch der Nachmittag war nicht zu verachten: Mit Yung Hurn, der RIN auf der Hauptbühne vertrat (Okay Cool!), wurde der Freitag mit feinstem Cloud Rap eingeleitet – gefolgt von verschwommen romantischen Songs der US-amerikanischen Ambient-Pop-Band Cigarettes After Sex aus El Paso, Texas. Mit wunderschönen Visuals und massivem Bass verabschiedete schließlich Jon Hopkins den ersten Tag des Melts.

We’ve Waited For This Day (The Blaze – Territory)

Die Produzenten von The Blaze übernahmen Letzteres am Samstag: Das französische Duo, das vor allem für seine kunstvollen Musikvideos bekannt ist, brachte das Publikum mit poetischen Klängen zum Tanzen. Dabei erzeugten sie ein Gefühl von Frieden und Freiheit: Kraftvoll, energiereich und voller Schönheit. Einen ruhigen Einstieg in den Tag versprach die dänische Band WhoMadeWho, die sich 2003 in Kopenhagen gründete und mit Cover-Versionen berühmter Electro House-Titel bekannt wurde. Besondere Aufmerksamkeit bekam die Dragqueen Pansy, die mit etwa zehn Tänzer*innen – in knallbunter Show und verkleidet als Vulvas – beispielsweise die Pussy Riot Hymne Straight Outta Vagina performte.

Searching The World For What’s Right Here (The xx – Islands)

Für einen krönenden Abschluss mit perfekt abgestimmter Licht- und Videoshow wurden The xx auf die Melt-Stage geholt. Mit gewohnt ruhigen Tönen begonnen, endete ihr Auftritt in einer Show der Extraklasse. Das ist wohl auch Jamie Smith (Jamie xx) zu verdanken, der an der Drum Machine alles rausholte. Minimalistisch und fein akzentuiert klangen dazu die Stimmen der Leadsänger Oliver Sim und Romy Madley Croft. Für einen weiteren großen Party-Moment war das Kunstprojekt Fischerspooner verantwortlich, das nun ihr vielversprechendes Album Sir veröffentlicht hat. Eine queere Selbstinszenierung durchzog sowohl die Songs als auch die durchgestylte Bühnenperformance der New Yorker.

Insgesamt glänzte das Melt 2018 durch die besonders große Abwechslung: Das Line-up reichte von Fever Ray, über Tyler, The Creator, Nina Kraviz, Mura Masa bis hin zu Odesza, Badbadnotgood, The Internet, Little Dragon und Alma. Auch Neulingen – den so besagten Stars von morgen – räumten die Veranstalter reichlich Platz ein: Dabei waren unter anderem Princess Nokia, Moses Sumney, Sevdaliza, IAMDBB, Rex Orange County, Superorganism, George Fitzgerald und Zhu.

Wem das alles noch nicht genug war, dem boten sich weitere, unbegrenzte Möglichkeiten auf dem gesamten Festival-Gelände: Besucher schwammen im Gremminer See, trafen sich zu Q&A-Sessions mit Künstlern auf Lichtungen, lungerten in Hängematten herum, bewegten sich beim morgendlichen Bier-Yoga und feierten schattige Mini-Raves im Wald. Der Forest galt dieses Jahr nebenbei bemerkt als Star der diesjährigen Ausgabe: Denn während die einen ihn als Ort für Abenteuer und Geheimnisse nutzten, galt er für andere als künstlerisch wertvoller Rückzugsort mit elektronischer Finesse.

Die 22. Genre-Verschmelzung vom Feinsten findet übrigens vom 19.-21. Juli 2019 statt. Auch dann wieder im Freilichtmuseum für Braunkohletagebau – wie immer zwischen gigantischen Baggern und industriellen Großgeräten. Der Vorverkauf startet bereits am 01. September 2018!

Geschrieben von
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