CAMERATA MEDIOLANENSE – Le Vergini Folli

camerata
GeschÀtzte Lesezeit: 2 Minute(n)

Unsere Bewertung

9

Gesamtnote

Das MailĂ€nder KĂŒnstlerkollektiv Camerata Mediolanense nimmt in der Musikwelt schon einen sehr außergewöhnlichen Platz ein. Vor allem Kennern des Neo-Klassik Genres dĂŒrfte das Ensemble ein Begriff sein. Aber die KĂŒnstler um Komponistin Elena Previdi allein in diesen Bereich zu sperren, dĂŒrfte viel zu kurz gegriffen sein. Bei den Camerata (wobei „Camerata“ fĂŒr „Kammermusiker“ steht, als das sich sprachlich fĂŒr uns aufdrĂ€ngende „Kameraden“) verschmelzen die Vergangenheit mit der Post-Moderne. Dabei bedient sich die Band sowohl Elementen aus Wave und Post-Punk und lĂ€sst diese im Geiste der Renaissance und des Barocks neu entstehen. Dies und auch die reiche Instrumentierung erschaffen StĂŒcke, die zwischen feinen, musikalischen Perlen und ausladendem, musikalischem Spektakel alles beinhalten können. Eine kĂŒnstlerische Katalogisierung der Italiener dĂŒrfte damit obsolet sein.

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Fast bekommt man den Eindruck, man mĂŒsse das Glas, in dem man all seine musikalischen Erfahrungen und GeschmĂ€cker ĂŒber die Jahre gesammelt hat, erst einmal leeren. Erst danach wird das kĂŒnstlerische Spektrum von Camerata Mediolanense unvoreingenommen fassbar. Beinahe gnĂ€dig, was die erwartete und sich stets einstellende, klangliche Überforderung beim ersten Hören angeht, erweist sich die Band auf ihrem neuen und dritten Album Le Vergini Folli (Die nĂ€rrischen Jungfern). Passend zum Titel werden auf dem Album gesanglich wie thematisch Frauen in den Mittelpunkt gestellt. Es dominieren wundervolle, einfache Klaviermelodien. Aber wie so oft offenbart sich hohe KomplexitĂ€t erst hinter vermeintlicher Schlichtheit.

So wurden zum Einspielen der Lieder ausnahmslos alte Klaviere aus dem 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert verwendet. Das Zusammenspiel zwischen Klavier und Gesang folgt musiktheoretisch den Regeln der tonalen Harmonik, die bei zeitgenössischen Kompositionen nicht mehr gebrĂ€uchlich sind. Weiterhin stammen die Texte von Francesco Petrarca (1304-1374) einem der BegrĂŒnder der Renaissance, dessen Art reine und ideale Liebe zu beschreiben jahrhundertelang beispielgebend war. Obwohl der italienische Dichter und Humanist bereits auf dem letzten Album des Ensembles Vertute, Honor, Bellezza (2013) eine vorherrschende Rolle spielte, unterscheidet sich Le Vergini Folli deutlich vom VorgĂ€ngeralbum und ĂŒberhaupt von den bisherigen Veröffentlichungen der Camerata. MĂ€nner-Stimmen und Schlagwerk wurden kaum wahrnehmbar eingesetzt, elektronische EinflĂŒsse und epische und martialische Chöre sucht man vergebens.

Was man indes erhÀlt, sind Lieder von schlichter, purer Schönheit, die das Wunder der idealen Liebe preisen und mit ihrer dichten, unbeschwerten AtmosphÀre verzaubern.

Le Vergini Folli erscheint am 27.10.2017 bei Auerbach TontrÀger (Prophecy Produktions).

Anspieltipp: Mi Vuoi

Tracklist CAMERATA MEDIOLANENSE – Le Vergini Folli:

01. Lacrime Di Gioia
02. Scrissi Con Stile Amaro
03. Notte Di Novelli Sogni
04. Mi Vuoi
05. Notte Ancora
06. Pace Non Trovo
07. Dolce Salire
08. Quando ‚l Sol

Website CAMERATA MEDIOLANENSE:

Official: https://www.cameratamediolanense.it/
Facebook: https://www.facebook.com/cameratamediolanense/

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