ROME ‚Äď Hansa Studios Session

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Unsere Bewertung:


9

Gesamtnote

9

„Eine Momentaufnahme im k√ľnstlerischen Schaffen des Ausnahmeprojektes: unmittelbar, direkt und authentisch“

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Rome sind und waren immer schon Feuilleton.

Selbst, wenn man das Ausnahmeprojekt von J√©r√īme Reuter im Destillat des intelligenten Neo-Folk genauer betrachtet, aus dem bereits alle Epigonen des Genres herausgefiltert wurden, erreichen Texte und Melodien einen intellektuellen Gleichklang, dass man sich als H√∂rer mitunter schrecklich ungebildet f√ľhlt.

Die Luxemburgische Band liefert einzigartige musikalische Arrangements zwischen Chanson, Dark Ambient, Apocalyptic Folk und Coldwave. Rome zeigen sich inspiriert von Lyrikern und Schriftstellern wie Camus, Genet oder auch Shakespeare ‚Äď allesamt gro√üe, wie streitbare Geister ihrer eigenen Epoche. Die Songs handeln von den Gestrauchelten, den Gescheiterten, den Zweiflern, den Ausgesto√üenen und den Gejagten. Die meisten von ihnen finden ihr Setting im vergangenen Jahrhundert, dem Zeitalter der Extreme, der Hoffnungslosigkeit und des Neubeginns, das uns gepr√§gt, verst√∂rt und mit vielen offenen Fragen zur√ľckgelassen hat.

J√©r√īme Reuter widmet sich diesen Fragen in seinem Gesamtwerk. Er greift das dem Neo-Folk innewohnende¬†Konzept von „Emptiness“ auf, verkn√ľpft es mit dem Gef√ľhl der Entwurzelung seiner Protagonisten und erschafft daraus eine¬†d√ľstere Melancholie aus Verlorenheit. Er selbst¬†nimmt die Rolle des dunklen Chansonniers ein. Daraus erw√§chst eine Synthese, die beim H√∂ren ein so unglaubliches Gef√ľhl tiefen Sehnens ausl√∂st, das im Grunde nur noch durch die herausfordernde lyrische Ausgestaltung und die Komplexit√§t der vielschichtigen Arrangements √ľbertroffen wird. Ja, Rome ist eine Band f√ľr alle, die Lust auf das Bohren dicker Bretter haben.

Und als ob das nicht schon reichen w√ľrde: Rome geh√∂ren obendrein noch zu den produktivsten Bands des Genres. Auf 16 Ver√∂ffentlichungen kann J√©r√īme Reuter innerhalb seiner 12-j√§hrigen Schaffensperiode mit Rome zur√ľckblicken. Darunter befinden sich Mammut-Alben wie Die √Üsthetik der Herrschaftsfreiheit, das unter einem einzigen konzeptionellen Schirm schon allein Material f√ľr ganze drei Ver√∂ffentlichungen bieten w√ľrde. Bisher fand sich darunter allerdings noch kein Live-Album.

Das √§ndert sich nun mit Hansa Studios Session bis zu einem gewissen Grad. Aufgezeichnet wurde live, denn f√ľr das Album¬†wurde konsequent immer das erste Take genommen. Die Song-Auswahl spiegelt die Quintessenz der zuvor zu Ende gegangenen Tour wider. Ganz bewusst wollten Rome mit Hansa Studios Session eine Momentaufnahme des K√ľnstlers zu dieser Zeit (dem¬†02. Oktober 2016) und an diesem Ort (einem der namhaftesten Tonstudios der Welt) einfangen.

Nur das Publikum fehlt und anstatt der √ľblichen zwei¬†Stunden f√ľr ein Konzert lie√ü man sich insgesamt 14 Stunden Zeit und vertraute das Unterfangen den erfahrenen Ohren und H√§nden von Michael Ilbert an. Der schwedische Ton-K√ľnstler hat nicht nur neben einer Vielzahl weitere Preise auch einen Grammy auf dem Kaminsims stehen, sondern auch ein eigenes Tonstudio im Hansa-Komplex Berlin. Wer so √ľberlegt in exzellentes Understatement investiert, erh√§lt am Ende seiner Bem√ľhungen exzellentes Understatement. Selbst die Gestaltung des Covers l√§sst bei dieser Form von Kompromisslosigkeit keine Zweifel mehr aufkommen.

Unter den ausgew√§hlten acht Songs befinden sich Klassiker, wie¬†Der Brandtaucher, Reversion (das einzige St√ľck, das mit den vertrauten Sprach-Samples unterlegt ist), A Legacy Unrest und Querkraft, das nach anf√§nglichen Gleichklang durch ein ver√§ndertes Arrangement g√§nzlich neu aber nicht im Mindesten weniger bewegend aufschl√§gt. Noch mesmerisierender und fesselnder als die Original-Version durch puristische Instrumentierung und perfekt dosierte Tempowechsel erscheint The Torture Detachment. Dadurch und den dramatisch anschwellenden verzweifelten Gesang (nie hab ich J√©r√īme Reuter so aus sich raus gehen h√∂ren) wird der Song durch die Aufnahme praktisch noch einmal neu erschaffen. Das beste St√ľck auf Hansa Studios Session.

Vom aktuellen Album The Hyperion Machine h√∂ren wir Stillwell (und Transference), das J√©r√īme Reuter mit seiner unvergleichlich sonoren, nachdenklichen Stimme, die auf den Aufnahmen ein leicht kratzendes Timbre aufweist, durch f√ľnf Minuten zarte Intimit√§t tr√§gt, nur begleitet von einer akustischen Gitarre und einer sch√ľchtern-matten pastoralen Orgel. Man m√∂chte dieses Kleinod nehmen, an einen sicheren Ort bringen und nur in ganz besonderen Momenten hervorholen, um seine Seele daran zu w√§rmen.

Mit Mine, bisher unveröffentlicht, wartet Rome mit einem besonderen Leckerbissen auf, denn es zeigt sie Band von ihrer äußerst seltenen, rockigen und wuchtigen Seite. Eine echte Rarität, wie das ganze Album.

Anspieltipp: The Torture Detachments

Hansa Studios Session ist am 30.06.2017 bei Trisol Music Group erschienen.

Tracklist ROME ‚Äď Hansa Studios Session:

01. Transference
02. Der Brandtaucher
03. Querkraft
04. Stillwell
05. Reversion
06. Mine
07. The Torture Detachment
08. A Legacy of Unrest

Weblinks ROME:

Official: http://rome.lu
Facebook: https://www.facebook.com/romeproject

Weblink Hansa Tonstudios:

Official: http://www.hansatonstudio.de

Hansa Studios Session

Preis: EUR 13,99

5.0 von 5 Sternen (5 Kundenbewertungen)

26 neu & gebraucht ab EUR 9,46

Geschrieben von
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