Von Wäldern, Bergen und Königen
Es gibt Musik, die erweicht das härteste Herz und schickt selbst den abgeklärtesten Verstand auf eine epische Phantasiereise in ein verzaubertes Märchenland aus längst vergangener Zeit. Diese Art von Musik haben Wolcensmen mit ihrem Debut Songs from the Fyrgen (Lieder aus den Bergen) geschaffen und Empyrium, The Moon and the Nightspirit und selbst die Altmeister von Ulver scheinen den Atem anzuhalten. Hinter dem Bandnamen verbirgt sich der Brite Dan Capp, der den Stil von Wolcensmen selbst als Epic Heathen Folk bezeichnet. Sehr wenigen, sehr akribischen Black Metal-Fans ist Capp vielleicht noch durch sein Projekt Speirling und die, meiner Meinung nach, zu Unrecht kaum beachtete Veröffentlichung The Piper aus 2008 bekannt. Ganze sechs Jahre dauerte nun die Produktion von Songs from the Fyrgen, drei Jahre sind seit der Veröffentlichung der ersten Demo-Version vergangen; und das Warten hat sich gelohnt. Wolcensmens Debut überzeugt von der ersten bis zur letzten Minute. Es gibt solche Alben, die einen vom ersten Moment an zu fesseln wissen und auch nach wiederholtem Hören nicht mehr so recht loslassen wollen. So ist Songs from the Fyrgen bisweilen, wie bei der an die britische Band Nhor erinnernde Komposition Snowfall so kostbar, zerbrechlich und einzigartig wie ein einzelner Schneekristall und andernorts, wie bei The Bekens are Aliht (alle Summoning Fans sollten hier mal reinhorchen) oder auch das einer traditionellen Zauberformel entlehnte The Mon o’Micht episch, königlich und erhaben. Darüber spannt sich ein Bogen aus ursprünglicher, wahrhaftiger und mitreißender Sensibilität für Mythen, Märchen und Natur. Beinahe muss man sich schon wie ein spielverderbender Unkenrufer vorkommen, solch inbrünstige Leidenschaft und ambitionierte, wie abwechslungsreiche musikalische Qualität zu schmählern, doch auch bei einer Perle wie Songs from the Fyrgen lassen sich einige Worte der Kritik anbringen. Die absolute Stärke des Albums liegt für mich gerade in den märchenhaften, einfachen Melodien, die von einer akustischen, ruhigen beinahe organischen Instrumentierung aus Gitarren, Piano, Cello und Flöte getragen werden. Hätten es Wolcensmen dabei belassen, hätte Songs from the Fyrgen ein perfekt gewebtes Gespinst mystisch-verwunschener Melodien bleiben können. Bei nicht wenigen der Stücke hat man sich jedoch entschieden, Instrumente und Effekte aus dem Synthesizer hinzuzufügen und den Gesang von Dan Capp mit einem unnatürlichen Hall zu unterlegen. Bei The Fyre-Bough zum Beispiel scheint sogar ein leichter Verzerrer am Werk gewesen zu sein. Dadurch wirkt das Album an einigen Stellen „überproduziert“, der epische Charakter der Songs dadurch sogar leicht aufgesetzt, was schade ist, da Songs from the Fyrgen dies im Grunde gar nicht nötig gehabt hätte.
Lass Dir den Beitrag vorlesen:
Anspieltipp: The Mon o’Micht
Tracklist: WOLCENSMEN – Songs from the Fyrgen
01. Withershins
02. The Fyre-Bough
03. Sunne
04. Hoofes Upon the Shymmeringe Path
05. ‘Neath a Wreath of Firs
06. The Mon o’Micht
07. Snowfall
08. The Bekens are Aliht
09. Yerninge
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Weblink WOLCENSMEN:
Bandcamp: https://wolcensmen.bandcamp.com/
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