BEBORN BETON – A Worthy Compensation

BEBORN BETON  - A Worthy Compensation
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10 Bewertung

10

Die Essener Formation Beborn Beton meldet sich 16 Jahre nach dem letzten Album Fake mit dem neuesten Werk A Worthy Compensation zurück und das Wiedersehen- und Hören macht mehr als Freude. Begonnen als mehr oder minder EBM Projekt mit Hits wie Torture, Winter oder Tybalt entwickelte sich das Trio mehr und mehr zur Synthiepop Band, was den Essenern mehr als gut zu Gesicht steht. Veröffentlichungen hoher Qualität (darunter das absolute Meisterwerk Nightfall) folgten. Nach der letzten Veröffentlichung begab sich die Band auf Tournee, die in einigen Konzerten in den USA gipfelte. Im Anschluss nahm sich die Band viel Zeit, um eine neue Platte zu produzieren. Und dass sich die lange Wartezeit mehr als gelohnt hat, zeigt das Ergebnis. A Worthy Compensation lohnt demnach eine genauere Betrachtung.

Das neue Album beginnt, zärtlich, fast vorsichtig mit einer analogen Synthielinie, bevor Stefans Stimme diese in Daisy Cutter unterbricht und bereichert, bevor sich der Chorus nach dem Motto „Wir sind wieder da“! wunderbar öffnet. Herzlich Willkommen in der Welt von Beborn Beton, in der Gefühl, Verstand und Melodie herrschen. Ebenso betörend geht es weiter: I Believe entführt uns – unterstützt von simplen Casino-Rhythmen, Streichern und Gänsehaut-Pianoklängen – in eine Welt, in der Menschen noch an die große Liebe glauben. 24/7 Mystery dürfte geneigten Hörern bereits von der Dependence 2015 Compilation bekannt sein. Der Track, der in den Strophen ungeniert Duran Durans Girls on Film zitiert, regt dennoch zum Tanzen an und lässt den Alltag vergessen. Anorexic World hingegen atmet eine gehörige Portion And One Attitüde aus und wirkt ungleich sperriger als seine Vorgängersongs, bevor der Refrain eben diese Sperrigkeit durchbricht und Platz macht für eine Melodie, die sich tief ins Gehirn hakt. Mit Olaf Wollschläger (Produzent von u.a. Mesh, In Strict Confidence, Mellotron, Analogue Brain) haben sich Sänger Stefan Netschio und die Keyboarder Michael Wagner und Stefan Tillmann genau den richtigen Mann am Mischpult geangelt. Wollschläger hält sich dezent im Hintergrund, weiß aber genau, an welchen Hebeln er ziehen muss, um die ohnehin großen Emotionen zu verstärken, wie z.B. beim Titelsong A Worthy Compensation, der so viel Atmosphäre verbreitet, dass sich prompt ein „Alles ist gut“-Feeling einstellt. Die Band biedert sich nicht an und versucht auch nicht angestrengt, modern zu klingen. Bis auf eine Ausnahme (Who Watches The Watchmen), bei der subtile Dubstep-Elemente eingesetzt werden, klingt das Album angenehm altmodisch und erinnert in den besten Momenten an Stücke des Nightfall-Albums (She cried). Auch der obligatorische deutschsprachige Song (Was Immer) darf nicht fehlen und dieser kann auch ruhig etwas sperriger klingen, denn Abwechslung lockert ein Album ungemein auf. Leider geht es nun bereits in die Endphase des Longplayers, doch Terribly Wrong und Who Watches The Watchmen schaffen es noch einmal, die vollste Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, bevor der letzte Ton verklungen ist. Zurück bleibt ein phantastisches, klassisches Synthpop Album, dass sich nicht zu verstecken braucht und den Hörer lechzend nach der nächsten CD zurücklässt. Aber bitte bitte nicht wieder 16 Jahre lang warten lassen!

Tracklist :
01. Daisy Cutter
02. I Believe
03. 24/7 Mystery
04. Anorexic World
05. A Worthy Compensation
06. Last Day On Earth
07. She Cried
08. Was Immer
09. Terribly Wrong
10. Who Watches The Watchmen

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