SKILLET & SPRING UP FALL DOWN – Köln, Essigfabrik (21.10.2014)

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Zwischen hunderten von besuchten Konzerten, gibt es hin und wieder Ausnahmen, die man nie vergessen wird. Oft durch Erlebnisse mit Freunden oder auch der Band selbst. Und dann gibt es Konzerte an denen man, solange man auch nachdenkt, einfach keinen Grund findet etwas zu kritisieren.

Die Erwartungen waren groß: Nach einer bombastischen Show im letzten Jahr und der so zu beneidenden tollen Stimmung in den ganzen Live-Videos die man im Netz findet, war spĂ€testens beim Anblick der Schlange, die fast bis zur naheliegenden Tankstelle reichte, klar, was einen hier erwartete. Im dichten GedrĂ€nge der vermeintlich ausverkauften Essigfabrik schlengelte man sich durch festgelegte Pfade, bestehend aus Zentimeterbreiten LĂŒcken in Richtung Merchandise/Toiletten oder zu einer der beiden Theken an der linken und rechten Hallenseite. Ohne einen entscheidenden Grund war es das beste, einfach stehenzubleiben, denn mehr Freiraum gab es nicht.

Nach einer Stunde Plastikbecherstapeln gingen drei Herren auf die BĂŒhne, die sich Spring Up Fall Down nennen und mit dem Standardlineup "Gitarre, Bass, Drums" schon mal die Ohren der Besucher auf die Probe stellten. Post-Rock mit Stoner- und Psychedelic-Elementen schepperte durch den Saal und fand beim relativ erwachsenen Publikum angemessenen Zuspruch. Respektabler Beifall bei einer so kleinen Band war das Mindeste was man tun kann.

Als gegen neun Uhr abends die Lichter gedimmt wurden, gab es kein Halten mehr. Cellist Tate Olsen und Violinist Jonathan Chu sorgten mit ihrem Intro zu Whispers In The Dark fĂŒr kurzes Luftanhalten bevor Skillet auf die BĂŒhne stĂŒrmten. Wo nimmt diese Band eigentlich ihre Energie her? Überall wo man sie sieht geben sie mindestens 100%. Gitarristin Korey Cooper nimmt wirklich jedes, als Gitarrist, denkbare Posing ein. Ob kniend, fast liegend, mal die Gitarre in die Luft gereckt, oder einfach nur quer ĂŒber die BĂŒhne tanzend im Beat wie ein Angus Young/Lindsey Stirling Mix. Es macht ihr sichtlich Spass aufzutreten und vermutlich auch mit Ehemann und SĂ€nger John und ihren beiden Kindern Alexandria und Xavier durch Europa zu touren. John steuert auf der BĂŒhne die AtmosphĂ€re: Je lauter er wird, desto lauter werden die Besucher. Vor allem die kontinuierliche Textsicherheit ist atemberaubend und erzeugt diesen irren GĂ€nsehauteffekt wenn die ganze Halle den Songs folgt und mitsingt wo es nur geht. Dies fiel auch John direkt auf und lobte die Kölner bzw. Deutschen Konzertbesucher: "Germans can sing louder in english, than Americans do!". Zu Johns linker BĂŒhnenseite positionierte sich Seth Morrison, der seit 2011 die Rolle des Lead-Gitarristen bei Skillet ĂŒbernimmt. Er ist weniger ein Typ der seine GefĂŒhle mit Wildheit und Energie zeigt, sondern eher ziemlich entspannt seine Riffs runterspielt und vielleicht mal ein oder zwei andere Posings zeigt. Ansonsten war er wieder einmal perfekt und mit seinem lĂ€ssig runtergespielten Solo im Set gebĂŒhrte man ihm mit viel Applaus einiges an Respekt.

Fanliebling Jen Ledger ist seit sie Mitglieder der Band ist immer weiter in ihre feste Rolle als 2. Stimme reingerutscht. Korey singt nur noch ganz selten und leiser mit wĂ€hrend Jen in fast jedem Song ein paar Vocals ĂŒbernimmt. Ihren MikrostĂ€nder direkt am Drumkit platziert singt sie tadellos und so ohne Schwingungen in der Stimme, das man fast misstrauisch werden könnte. Hat man schon mal Taylor Hawkins (Drummer der Foo Fighters) wĂ€hrend seines Parts als Drummer auch noch singen gehört, merkte man wie der Beat sich durch die Stimme kroch und es einfach kaum möglich ist perfekt singen zu können. Und da gibt es noch zahlreiche andere Bands die etwas in die Knie gehen, wenn es um singende Drummer geht. Aber wie auch immer, Jen ist und bleibt ein Magnet der alle Blicke auf sich lenkt. Ob es ihre aggressive Art Schlagzeug zu spielen ist und headbangend, lĂ€chelnd die Soundwalze ins Rollen bringt, oder es an ihrer wunderschönen Stimme liegt, die auch mal vorne neben John am Anfang von Awake and Alive oder in kompletter LĂ€nge beim Song Yours To Hold zu hören war. Untermalt mit Cello und Violine haben sie ihre Liveauftritte nun perfektioniert.

Zum letzten Song Monster gab das Publikum noch mal alles und schrie/sang mit wie es die Stimme zu dem Zeitpunkt noch zuließ. Nach kurzem Break und einer sprachlosen Besuchermenge regten sie sich nach wenigen Sekunden und die lautesten Zugabe-Rufe die ich je gehört habe, hallten Richtung BĂŒhne. Wie auch im letzten Jahr gab es nun noch die Solo-Parts der Tour-Mitglieder an Cello und Violine und den epischen Abschluss mit Rebirthing.

Im Grunde war also nichts Besonderes passiert. Man stand in der Menge und schaute sich Skillet live an und wird dann ein Jahr spĂ€ter immer noch davon schwĂ€rmen wie großartig diese Band ist.

Setlist SKILLET:
01. Whispers in the Dark
02. Forsaken
03. Sick of it
04. Not Gonna Die
05. Hero
06. Awake and Alive
07. Savior
08. Those Nights
09. Rise
10. Collide
11. The Last Night
12. Yours to Hold
13. Better Than Drugs
14. Guitar/Drum Solo
15. Comatose
16. My Obsession
17. Monster
18. Cello/Violin Solos (Z)
19. Rebirthing (Z)

Skillet:

Spring Up Fall Down:

Fotos: André Techert

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