BURGFOLK FESTIVAL 2014 (MMXIV) – Mülheim an der Ruhr, Schloss Broich (15.-16.08.2014)

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Piraten entern Mülheim – unter diesem Motto startet das diesjährige Burgfolk Festival im beschaulichen Schloss Broich. Das beliebte Folkfestival wird am Freitag von Mr. Hurley & die Pulveraffen [GALLERY] eröffnet, die bei ihrem Landgang keine Kompromisse machen und mit den bereits Anwesenden einen Auftakt nach Maß hinlegen. Zum fröhlichen Grog ’n‘ Roll steigt das Publikum bereitwillig lautstark mit ein und feiert dazu ausgelassen tanzend im altehrwürdigen Schlosshof. In Search Of A Rose [GALLERY] haben nach dieser Party einen schweren Stand, aber die sympathische Truppe punktet mit feinstem Irish Folk Rock. Ihre Kreativität und der Hang zum Detail lassen dabei jedes Folkliebhaberherz höher springen und so ernten die Musiker, welche übrigens aus verschiedensten Teilen Deutschlands kommen, gehörigen Applaus. Die nächste Band wird von Veranstalter Michael Bohnes höchstpersönlich angekündigt und mit Versengold [GALLERY] kommt auch wieder richtig Stimmung im Schlosshof auf. Seit 2003 vermischt die Gruppe historisch anmutende Texten mit moderneren Folkelementen und setzt dabei ausnahmslos auf selbstgeschriebene Stücke. Diese kommen bei der feierwütigen Meute vor der Bühne gut an und so ist es für Sänger Snorre Snoerkelfrey ein leichtes, das Publikum zum Tanzen und mitsingen zu animieren. Besonders gut kommen dabei natürlich Trinklieder wie Drey Weyber oder Ich und ein Fass voller Wein bei der Menge an. Versengold zeigen mit ihrem Auftritt beim Burgfolk eindrucksvoll warum sie seit einiger Zeit fester Bestandteil der Marktmusik-Szene sind. Auch der Hauptact des Abends ist bekannt durch zahlreiche Auftritte auf Mittelaltermärkten wie dem MPS. Mit Saltatio Mortis [GALLERY] ist es den Veranstaltern gelungen, eine der wohl populärsten und auch erfolgreichsten Mittelalter-Rockbands nach Mülheim a.d.R. zu locken. Zwar betreten die Spielleute mit gehöriger Verspätung die Bühne, dennoch ist die Stimmung von Anfang an bestens und schon beim ersten Song Früher war alles besser sind alle Hände oben und klatschen eifrig mit. Frontmann Alea hat keine Mühe das Publikum immer weiter zu Höchstleistungen anzuspornen was auch einer gelungenen Setlist geschuldet ist bei der Lieder wie Prometheus und der neuen deutschen Nationalhymne Wachstum über alles natürlich nicht fehlen dürfen. Selbst der einsetzende Regen hält Band und Fans nicht vom feiern ab und so endet der Abend zwar feucht aber mit freudestrahlenden Gesichtern vor und auf der Bühne.

Tag 2 beginnt ebenso ausgelassen wie Freitag. Bereits zur Mittagsstunde spielen Impius Mundi [GALLERY] auf um den noch teils müden und/oder verkaterten Gästen ordentlich einzuheizen. Der Mittelalterrock mit deutschen Texten kommt bei der noch recht überschaubaren Menge vor der Bühne gut an und so darf sich die Band aus der Grafschaft Hoya über einen gelungenen Auftritt freuen. Weiter geht es danach mit Irish Speed Folk Rock aus Hamburg. Die Irish Bastards [GALLERY] gibt es schon seit über 15 Jahren und von Ermüdungserscheinungen kann noch lange keine Rede sein. So langsam werden nun auch die Besucher wach, die zum dargebotenen Hochgeschwindigkeitsfolk schon bald nicht mehr still stehen können und mittanzen. Einen kleinen Stilbruch gibt es nach diesem fulminanten Auftritt dann mit Skis`s Country Trash [GALLERY]. Statt irischem Folk erklingt nun amerikanischer Country-Rock aus den Lautsprechern, der vom Publikum begeistert aufgenommen wird. Kein Wunder denn Sänger und Entertainer Ski King ist bereits vielen von der Vorab-Party "Die Schwarze Flotte“ zum Schwesterevent Castle Rock bestens bekannt und konnte auch schon mit Beloved Enemy live auf Schloss Broich überzeugen. Ski`s eindrucksvolle Stimme und Lea Randella als Powerfrau am Kontrabass tun ihr übriges um das Publikum vollends zu verzücken und so erntet die Band nach ihrem gut 45-minütigen Auftritt nicht wenige Zugabe-Rufe. Keltisch und mystisch wird es danach mit The Dolmen [GALLERY] aus England. Optisch erinnert die Formation ein wenig an die deutschsprachigen Pagan-Folker Faun, musikalisch ist ihr Auftritt aber durchaus flotter und vor allem lauter. Dennoch haben es The Dolmen schwer nach dem großartigen Auftritt des Ski Kings die Massen zu begeistern. Das gleiche Schicksal ereilt dann auch Troll Bends Fir [GALLERY], die anschließend die Bühne des Burgfolk erklimmen. Ihr in russischer Sprache vorgetragener Beer Folk a la Korpiklaani kommt leider nicht ganz so gut bei den Festivalbesuchern an und so lichten sich die Reihen vor der Bühne zusehends. Sänger und Obertroll Konstantin Rumyantsev lässt es sich dennoch nicht nehmen höchstpersönlich einen Circle Pit (der allerdings eher eine Polonäse darstellt) zu initiieren. Schade für die aus St. Petersburg angereiste Band die durchaus sympathisch rüberkommt. Alle Hoffnung liegt nun auf Invictus [GALLERY] (ex-Schelmish). Nach zwei Jahren Pause präsentiert sich die ehemalige Markt- und Rock-Combo unter neuem Namen und weckt im ersten Teil ihres Programms Erinnerungen indem sie ausschließlich alte Schelmish Stücke spielt – sehr zur Freude der versammelten Menge. Nach einem kurzen Break zeigt sich die Band dann im neuen Outfit und schockt das Mülheimer Publikum mit einer Mischung aus Hip Hop, Dubstep und Metal. Mit diesem Stilwechsel haben sich die Musiker zumindest auf dem Burgfolk keine Freunde gemacht. Einigen perplexen Zuschauern konnte man die Erleichterung ansehen als Invictus gegen 20 Uhr die Bühne für den Headliner des Abends räumen. Dieser wurde nach einer kurzen Umbaupause vom Publikum frenetisch empfangen. Fiddler`s Green [GALLERY] haben nach fast 25 Jahren Bühnenerfahrung und weit über 1.500 gespielten Shows nicht umsonst den Ruf einer der besten deutschen Live-Acts zu sein. Ihr Irish Speedfolk lädt gleichermaßen zum Mitsingen wie zum Tanzen ein und das Volk auf Schloss Broich folgt dieser Einladung nur allzu gern. Die Musiker aus Erlangen haben die Masse voll im Griff und machen ihre Späße mit ihnen und sich selbst. Spaß für alle und dazu gute Musik, perfektes Entertainment zum Abschluss. Was kann man mehr verlangen nach einem doch sonst recht durchwachsenen Festivaltag?

Damit die Vorfreude aufs nächste Jahr schon ein wenig steigt gibt es auch schon die ersten Zusagen für das Burgfolk MMXV. Unter anderem darf man sich am 14. & 15. August 2015 auf Tanzwut, Vroudenspil, Celtica, Punch’n‘ Judy sowie Russkaja freuen. Weitere Bands sind in Planung. Also dann – bis zum nächsten Jahr auf Schloss Broich!

Fotos: Daniel Beiderwieden (Aufruf über die jeweiligen GALLERY-Links)

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