WESTSIDE ROCKFEST – Oberhausen, Turbinenhalle (25.08.2013)

WESTSIDE ROCKFEST - Oberhausen, Turbinenhalle (25.08.2013)
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Ein neues Festival versucht es mal wieder im Duisburger Landschaftspark. So wurde zumindest das WestSide Rockfest lange angekündigt, bis dann leider kurz vor Beginn des Festivals aufgrund von Einwänden des Ordnungsamtes der Stadt Duisburg eine Verlegung in die Oberhausener Turbinenhalle bekannt gegeben werden musste. Denn die von diesem vorgegebenen Lautstärkewünsche wären für die Macher des Festivals leider nicht umsetzbar gewesen. So wurde dann aus einem geplanten Open Air in exponiertem Ambiente ein Indoor Event in einer schwülen, schlecht belüfteten, alten Industriehalle. Schade!

WESTSIDE ROCKFEST - Oberhausen, Turbinenhalle (25.08.2013)Trotz der Verwirrung um den Austragungsort ließen sich rund 3.000 Leute nicht davon abhalten, das Event zu besuchen. Das Line-up war gespickt mit Bands aus dem Bereich Punk’n’Roll und Hardcore. Überwiegend wirklich sehenswerte Bands, da lange nicht aktiv oder aus Übersee, wo man in diesem Genre nicht immer das Budget für eine Europatournee aufbringen kann.

Nach ca. 12 Jahren Abstinenz stiegen als Opening Act die Jungs um Frontmann Sir Hannes mit The Idiots [GALLERY] auf die Bühne. Charismatisch wie eh und je, mit einer großen Portion Elan und prolligem Punk-Hardcore heizten sie dem Publikum ein. Trotz des ja noch recht jungen Tages waren viele Zuschauer wohl auch wegen der Idiots angetreten, geizten weder mit Applaus noch mit dem Verzehr von Bier, welches, als Anmerkung am Rande, auf dem Festival reißenden Absatz fand. Das ließ sich dann auch jene junge Dame nicht entgehen, die im letzten Drittel des Auftritts der Idiots plötzlich und obenrum entblößt, über die Bühne lief und sich den kalten Gerstensaft über den Oberkörper schüttete.

Nach diesem wahrlich kurzweiligen Auftritt erklomm mit Any Given Day [GALLERY] eine lokale Band aus Gelsenkirchen die Bühne. Any Given Day, deren Bekanntheitsgrad sich mit der Coverversion von Rihannas Diamonds schlagartig nach oben katapultierte, legten einen soliden Auftritt auf die Bühne. Hier konnte man schon merken, dass es im Publikum zweierlei Lager gab. Überwiegend Ältere, welche dem Punk’n’Roll zugewandt waren und die eher jugendlichen Fans der härteren Gangart aus der Hardcore-Szene. Letztere wurden auch von Dead By April [GALLERY] bedient. Bei den Jungs war eigentlich zu Beginn des Tages gar nicht klar, ob sie überhaupt auftreten konnten. Wurde doch Sänger Zandro Santiago laut Facebookpage der Band noch ein paar Tage zuvor am Bauch operiert was zur Folge hatte, dass die Band nur ca. 6 Songs spielte. Dies machten die Jungs mit den zwei Sängern aber sehr souverän. Natürlich durfte hier das Killing Joke-Cover Love like blood nicht fehlen.

WESTSIDE ROCKFEST - Oberhausen, Turbinenhalle (25.08.2013)Nach der Umbaupause betrat dann Jello Biafra [GALLERY] die Bühne. Endlich. Wie lange war der Mann nicht in Deutschland auf der Bühne zu sehen!? Ein wenig in die Jahre gekommen, aber immer noch voller Power. Im coolen, multifarbenen Flickenmantel mit Pelzkragen, darunter ein Shock-u-py Shirt mit der Anonymus-Maske drauf, sowie einer John Lennon-Sonnenbrille auf der Nase, sprang er auf der Bühne herum. Obwohl es aktuell auch ein neues Album von „Jello Biafra and the Guantanamo School of Medicine“ – so der aktuelle Name der Biafra-Band – gibt, tun es natürlich immer wieder gerne die Evergreens der leider vergangenen Dead Kennedys-Ära. Alles, was der geneigte Jello Biafra-Fan zu hören wünscht, wurde gespielt. Von California Über Alles und Holiday in Cambodia“ bis hin zum gefeierten Nazi-Punks Fuck Off. Das alles gepaart mit den für Jello Biafra typischen, minutenlangen Dialogen, in denen er das Publikum von der Falschheit des amerikanischen Systems zu überzeugen versucht. Hier dreht es sich in erster Linie um das, seiner Ansicht nach, korrupte amerikanische Wirtschafts- und Bankensystem. "against the banker and the government" ist hier seine Kernaussage und so kennt man ihn auch seit Jahrzehnten. Er redete und sang sich regelrecht in einen Rausch, sprang sogar zweimal ins Publikum, welches ihn wohlwollend aufnahm und crowdsurfend wieder auf die Bühne zurückwarf. Herrlich. Ganz großes Kino. Solche Typen braucht’s im Punk’n’Roll-Businness.

In nahezu gleicher Tradition ging es mit den Alt-Punks von Betontod [GALLERY] weiter, die ebenfalls keine Kompromisse machten. Mit einer Lichtshow vom Feinsten, wurde für die Fotografen im Graben geposed und im feinsten Metal-Punk die Bühne gerockt. Die Rheinberger Band, die nun auch schon seit 1990 aktiv ist und mit dem 2012 erschienenen Album Entschuldigung für nichts ebenfalls noch aktuellen Stoff zu bieten hat, gab ordentlich Gas, um dann nach gut 45 Minuten die Bühne frei zu machen

für die Münchener Emil Bulls [GALLERY]. Waren Betontod noch mit einer riesigen Lichtshow unterwegs, gaben sich die Münchener sehr lichtscheu. Die Bühnenbeleuchtung abgedunkelt und das Frontlicht ausgeschaltet, gaben die Jungs ihre Songs zum Besten. Eigentlich schade, passt so eine dunkle Bühne so gar nicht zu ihrer powervollen Musik.
Arme hoch bei den Briten Skindred [GALLERY]. Die Jungs, in deren Musik Punk, Metal, Hiphop und Reggae genial vereint sind, brachten den Mob schnell in Wallung. Die Fans schwenkten die Arme im klassischem HipHop Style, der wuchtige (körperlich und gesanglich) Sänger Benji Webbe animierte hervorragend das Publikum. Die Musik erreichte ziemlich alle in der Halle, die zu dem Zeitpunkt im Grunde bis zum letzten Platz gefüllt war. Vollmundig in Gesang und Gitarre, kann man da nur staunend resümieren, wenn man die Band noch nicht Live erlebt hat. Benji Webbe hat echt eine tolle Livestimme, die könnte auch bei jeder ambitionierten Reggae Band zum Einsatz kommen, HipHop ist ebenfalls sehr gut vorstellbar. Nach einem tollen Auftritt verlassen Skindred die Bühne, um Platz zu machen für die schwedischen Skatepunker Millencolin [GALLERY]. Der erfrischende Punkrock mit stark melodiösem Einschlag lässt viele Herzen in der Halle höher schlagen, erinnern sich hier doch viele Leute noch an den sensationellen Aufstieg der vier Schweden Mitte der Neunziger Jahre. Die Show ist mit sehr viel Bewegung auf der Bühne verbunden. Vor allem Gitarrist Matthias Färm rutscht nicht nur einmal auf Knien über die Bühne und posiert mit der Gitarre wie ein alter Glam-Rocker. Das macht sehr viel Spaß und lässt den Auftritt viel zu schnell vorüberziehen. Hut ab, sehr gute Show.

Zum Co-Headliner Caliban [GALLERY] ist schon viel geschrieben worden. Der aggressive Metalcore der vier Jungs aus Hattingen hat über alle Grenzen hinweg seit Anfang der 2000er Jahre für Furore gesorgt. Auch beim West Side Rockfest ließen sich die Jungs nicht lange bitten. Vollgas voraus ist die Devise, das lässt sich auch in der Halle niemand zweimal sagen. Die Wall of Death ist natürlich Pflicht im vorderen Feld der Halle, ebenso aber auch das Cover von At the Gates Blinded by Fear, welches von vielen Metallern im Publikum heftig abgefeiert wurde. WESTSIDE ROCKFEST - Oberhausen, Turbinenhalle (25.08.2013)Toller Bühnenaufbau mit den vier Buchstaben CLBN auf denen Drummer Patrick Grün thronte. Diese wurden auch von den anderen Musikern rege genutzt, um in entsprechender Höhe zu posieren. Sänger Andreas Dörner ist gewohnt nah am Publikum, steht häufig auf der Lautsprecher-Reihe direkt vor der Bühne. Es wird viel gejumpt, die Jungs bewegen sich enorm schnell auf der Bühne. Man darf gespannt sein, was sich Caliban in den nächsten Jahren noch einfallen lässt, um die Fans weiter zu begeistern. Den Auftritt beim West Side Rockfest zu begutachten, war definitiv sehr lohnenswert.
Zu guter Letzt kommen nun die Altstars von NOFX [GALLERY] auf die Bühne. In ihrer typischen Art konversieren sie erst mal ausgiebig mit dem Publikum. Getränke werden in die erste Reihe ausgegeben und man nimmt kleine Geschenke der Fans entgegen. Da fliegt dann auch eine Spaßbrille in Form von zwei Cocktailgläsern auf die Bühne, welche sich Sänger Fat Mike und Gitarrist Eric Melvin sofort mit großem Grinsen auf die Nase setzen. Hier und da werden sich einzelne Leute aus der Menge ausgesucht, die sich für ihr T-Shirt oder andere Sachen rechtfertigen müssen. Natürlich alles auf einer sehr spaßigen Ebene. Musik spielen die Jungs übrigens auch, und das natürlich in exzellenter Punkrockmanier. Keiner ist eher nach Hause gegangen, alle verweilen beim Headliner, der ein Würdiger ist. Neben all time Favoriten wie Linoleum oder 72 Hookers gab es auch das Rancid Cover Radio sowie das traditionelle Champs Elysées. Zum krönenden Abschluss eines sehr gelungenen Auftritts darf der wohl bekannteste Song der Jungs nicht fehlen: Kill All The White Man setzt einen Schlusspunkt unter ein gelungenes Festival.

Bilder des Festivals befinden sich in unserer Konzertfotos-Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen [GALLERY]-Links und Fotos.

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