WHITE LIES – Big TV

WHITE LIES - Big TV
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8 Bewertung

8

White Lies – Big TV

Das Debütalbum To Lose My Life der White Lies war 2009 ein musikalisches Meisterwerk und ich kann bis heute nicht fassen wie abwechslungsreich das Album für einen Erstling ist – Ganz großes Kino! Eher bescheiden scheinen sich die drei Briten nach dem guten, aber nicht großartigen Nachfolger Ritual nun bei ihrem dritten Album Big TV schon mit einem großen Flatscreen statt des Multiplexes zufrieden zu geben. Dass dies trotzdem seinen Reiz hat, stellt der Titelsong gleich zu Beginn unter Beweis, der zudem deutlich macht, dass die White Lies auch 2013 weiterhin mit überdurchschnittlichen Texten und jeder Menge Pathos aufwarten. Ein guter Einstieg ist also schon einmal geschafft und dieser wird sofort vom Folgetrack noch tiefer untermauert, denn There Goes Our Love Again ist ein absoluter Höhepunkt des Albums, der fast alle Stärken der Band ausspielt. Zwar ist dieser Song wieder klar strukturiert bzw. organisiert und nicht ganz so verschachtelt wie einige Tracks des ersten Albums, aber seine Hymnenhaftigkeit und Eingängigkeit katapultieren die White Lies gleich wieder mit blubberndem Bass weit nach vorne im breit gefächerten Indie-Rock/Post-Punk Genre.

Anders als beim Vorgänger Ritual, der irgendwie kalkuliert wirkte, haben die White Lies auf dem neuen Album wieder einen interessanten Mittelweg aus bombastischer Größe, poppigen Melodiebögen und ein wenig Rockattitüde gefunden, wie sich u.a. bei Mother Tongue nachhören lässt. Dieses bereitet den Weg für das schon vorab bekannte Getting Even, einem wirklich tollen, modernen Popsong, der trotz seiner Frische ohne Dubstep-Elemente oder sonstige Spielereien auskommt. Beim nachfolgenden Change kann Sänger Harry McVeigh hingegen wieder einmal seine ganze gesangliche Klasse unter Beweis stellen, denn dieses wirkt ähnlich sakral wie Nothing To Give vom Debütalbum. Mit viel Hall auf der Stimme scheint sein Gesang den gesamten Raum auszufüllen. Be Your Man zieht das Tempo danach wieder an und unterstreicht die Fähigkeit der Band Ohrwürmer am Fließband zu produzieren, eine Eigenschaft die der Song sich mit den verbleibenden Tracks teilt, die ebenfalls mit feinen Melodien zu überzeugen wissen.

Insgesamt gesehen ist Big TV zwar kein Meilenstein wie das faszinierende Debütalbum, die White Lies haben es aber geschafft ihre Stärken etwas deutlicher als auf Ritual zu bündeln und den Hörer so wieder direkter anzusprechen. Entstanden ist damit ein Werk, das ganz sicher zu den Besseren des Jahres gehört und vermutlich noch weiter beim Hörer wachsen wird. Ich freue mich schon darauf, die Songs bei der im November stattfindenden Deutschlandtour (Tickets) live zu hören.

Tracklist:
01. Big TV
02. There Goes Our Love Again
03. Space I
04. First Time Caller
05. Mother Tongue
06. Getting Even
07. Change
08. Be Your Man
09. Space II
10. Tricky To Love
11. Heaven Wait
12. Goldmine

Autor: Michael Gamon

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