VAINSTREAM FESTIVAL 2013 – M├╝nster, Hawerkamp (06.07.2013)

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Am 06. Juli 2013 war es so weit und das achte Vainstream Rockfest stand auf der Tagesordnung. Das Festival wartete in der diesj├Ąhrigen Auflage mit einem prominent besetzten Line-Up auf und war dementsprechend schon vor Beginn restlos ausverkauft. Bei den Headlinern In Flames, Parkway Drive und A Day To Remember war dies nicht verwunderlich.

Festivals wie das Vainstream Rockfest, auf dem 21 Bands an nur einem Tag ohne zeitliche ├ťberschneidungen spielen, haben den Nachteil, dass zu fr├╝her Stunde angefangen werden muss, was dem typischen Festivalbesucher normalerweise missf├Ąllt. Nicht so an diesem Samstag, wo schon kurz nach Beginn um zehn Uhr das Gel├Ąnde rappelvoll mit feierw├╝tigen Fans war. Leider war es nicht nur auf dem Gel├Ąnde voll, sondern auch vor dem Gel├Ąnde. An der B├Ąndchenausgabe reihten sich tausende Metalfans in die Warteschlange. Wartezeiten von bis zu zweieinhalb Stunden kamen zu Spitzenzeiten vor und sorgten f├╝r Unmut der angereisten Fans, noch bevor sie auf einen Blick auf die B├╝hnen hatten. Immerhin verpasste man so rund vier der Vormittagsbands.

Aufgrund einer l├Ąngeren Anreise kam ich erst gegen 11:30 Uhr an, passierte die mittlerweile rund 400m lange Schlange vor der B├Ąndchenausgabe und stellte mich in die (gl├╝cklicherweise!) deutlich k├╝rzere VIP/G├Ąste/Presse-Schlange an. Die australische Hardcore Formation Deez Nuts war gerade im letzten Drittel ihres Sets, sodass ich mich direkt Richtung Desperados Stage begab, wo Neaera als erste Band mit Heimvorteil an den Start gingen. Neaera, die erste deutsche Band des Tages, hatte direkt doppelten Heimatbonus, denn die Jungs um S├Ąnger Benny Hilleke kommen direkt aus M├╝nster. Mit Songs wie dem Opener Ours Is The Storm vom aktuellen Album, wussten Neaera das Publikum zu ├╝berzeugen und sorgen schon zu fr├╝her Stunde f├╝r unz├Ąhlige Crowdsurfer, die den Securitys am B├╝hnenrand kaum eine freie Sekunde g├Ânnen. Um das Publikum noch weiter aufzuputschen stellte sich Benny des ├ľfteren auf die Absperrung im B├╝hnengraben um dem feiernden Publikum so nahe wie m├Âglich zu sein.

Direkt im Anschluss war es an Sondaschule die Stimmung aufrecht zu erhalten. Keine einfache Aufgabe f├╝r die Spa├čtruppe aus dem Ruhrgebiet, doch die Ska-Punker schlugen sich sehr gut, wenn auch vermutlich mit einem anderen Publikumsteil als wenige Minuten zuvor ihre deutlich h├Ąrteren Kollegen von Neaera. Auf einem Festival, wo Metalcore, Hardcore und Melodic-Death Metal sich die Klinke in die Hand gaben, waren Sondaschule mit ihren zwei Posaunenspielern eine willkommene Abwechslung. Mit spa├čigen Texten und viel Tanz verzauberten sie aber auch die eher harten Vainstream Rockfest G├Ąste.

Neben den beiden gro├čen Hauptb├╝hnen, gab es in diesem Jahr erstmals eine dritte und kleinere B├╝hne im hinteren Teil des Gel├Ąndes. Hier spielten ├╝ber den gesamten Tag hinweg nur drei Bands und den Tag ├╝ber gaben Skater ihr K├Ânnen zum Besten. Leider auch w├Ąhrend der Auftritte, was Bands wie beispielsweise Red Fang zum einen Platz stahl und sie zum anderen zu Nebendarstellern deklassierte. Alles in allem eine unn├Âtige und platzverschwendende B├╝hne und eine Zumutung f├╝r die dort spielenden Bands.

Mit The Ghost Inside im direkten Anschluss kam die erste Band auf die M├╝nsteraner B├╝hne, f├╝r die ich den weiten Weg auf mich genommen hatte. Melodic-Hardcore wie er im Buche steht gaben die Jungs um Fronter Jonathan Vigil zum Besten und das Publikum ging bei Songs wie Engine 45, Dark Horse oder Unspoken erwartungsgem├Ą├č ordentlich ab. Der Bereich vor der Desperados Stage war so voll, dass man kaum ein Bein an die Erde bekommen konnte und dass obwohl noch nicht alle Besucher auf dem Gel├Ąnde waren.

Mittlerweile war es unertr├Ąglich hei├č und da es auf dem Gel├Ąnde kaum Schatten gab, stieg die Sonnenbrandgefahr bedrohlich an, sodass ich mich auf dem Weg machte beim n├Ąchstbesten Supermarkt ein wenig Geld in Sonnencreme zu investieren. Au├čerdem war es so m├Âglich an etwas zu trinken zu kommen, denn Wartezeiten von einer halben Stunde (Wertmarken) und 20 Minuten (Getr├Ąnkestand) machten es nahezu unm├Âglich im n├Âtigen Takt an k├╝hle Getr├Ąnke zu kommen. Auch der Weg durch die Menschenmassen war aufgrund des hoffnungslos ├╝berf├╝llten Gel├Ąndes ein Weg von mindestens zehn Minuten (bei eigentlich ├╝berschaubarer Distanz). Aus diesem Grund verpasste ich den gr├Â├čten Teil des Anti-Flag Konzertes und den kompletten Agnostic Front Auftritt. Schade, aber meine Haut wird es mir danken.

Aussehend wie ein ordentlich geschminkter Black-Metaller, aber daf├╝r vor├╝bergehend vor der Sonne gesch├╝tzt, betrat ich passend zu Jennifer Rostock wieder das Festivalareal. Jennifer Rostock ist eine Band, die ordentlich Stimmung macht, aber insbesondere durch ihre Frontfrau Jennifer Weist auf sich aufmerksam macht. Von Tattoos ├╝bers├Ąht und meist freiz├╝gig gekleidet wei├č Jennifer lasziv zu unterhalten. Sie hatte auch auf dem Vainstream das Publikum voll im Griff und schaffte es sogar einen kleine Wall Of Death anzuzetteln. Neben dem ├╝blichen ÔÇ×M├Ąnner gegen Frauen SingwettstreitÔÇť und dem auf die B├╝hne holen von Fans zwecks Gesangsbeteiligung gab es beim Jennifer Rostock Auftritt viel Interaktion mit dem Publikum. Diese Art der Mitmachshow kam erwartungsgem├Ą├č gut an und so feierte M├╝nster unter Konfettibeschuss, bis nach rund 45 Minuten zu den T├Ânen von Nenn mich nicht Jenny zu fr├╝hzeitig Schluss war.

Mittlerweile standen sich die Asking Alexandria Fans vor der Nachbarb├╝hne die Beine in den Bauch und warteten sehns├╝chtig auf den Konzertbeginn der US Amerikaner, welche mit Closure in ihr Set starteten. Das Publikum sang die Songs (insbesondere den Hit The Final Episode) aus vollem Hals mit feierte die Jungs geb├╝hrend.

Als n├Ąchstes waren Callejon aus dem Rheinland an der Reihe und die Fans zogen in Heerscharen vor die B├╝hne. Bereits beim ersten Song Blitzkreuz war die Stimmung gut und ausgelassen. Neben beiden Versionen von Porn From Spain und Sommer, Liebe, Kokain gab es nat├╝rlich auch Songs aus ihrem aktuellen Album Man spricht Deutsch. Mit der Coverversion vom Fettes Brot Hit Schwule M├Ądchen und dem ├ärzte Klassiker Schrei nach Liebe konnten Callejon das Publikum ├╝berzeugen.1


Boysetsfire
standen als n├Ąchstes auf dem Plan und wurden von vielen Festivalbesuchern hei├č erwartet. Energiegeladen und voller Power starteten die Mannen um S├Ąnger Nathan Gray in ihr Set und das Publikum war sofort mit vollem Enthusiasmus mit von der Partie. Die Band, die mehrfach die Schreibweise ihres Bandnamens ├Ąnderte, hatte erst kurz zuvor, am 07. Juni 2013, ihr aktuelles Album mit dem Titel While A Nations Sleeps… ver├Âffentlicht und kam damit gut bei den Kritikern an. Kein Wunder, dass den anwesenden M├╝nsteranern auch neue St├╝cke pr├Ąsentiert wurden. Auch kein Wunder, dass das brandaktuelle Material ebenso abgefeiert wurde, wie die Klassiker zu denen beispielsweise After The Eulogy geh├Ârte.

Langsam ging es auf den Ende des Abends zu und mit A Day To Remember ging eine der letzten drei Bands des Hauptprogrammes auf die B├╝hne. Ein Favorit vieler Anwesender und das zu Recht, denn der Mix aus harten Growls und Melodischem kommt meistens gut an. So auch auf dem Vainstream wo die Amerikaner unter anderem eine Preview auf ihr langersehntes neues Album pr├Ąsentierten. Bei Songs wie All I Want oder IÔÇÖm Made Of Wax Larry What Are You Made Of brachten sie die Menge zum Kochen und die Fans sangen textsicher und aus voller Kehle mit.

Parkway Drive aus Australien waren die letzte Band auf der rechten B├╝hne und verlangtem dem Publikum sportliche H├Âchstleistungen ab. Circle Pits, Moshpits und unz├Ąhlige Crowdsurfer wechselten sich von Minute zu Minute ab, sodass niemand im direkten Einzugsbereich der B├╝hne still stehen konnte. Als die ersten T├Âne von Carrion ert├Ânten war eingefleischten Parkway Drive Fans direkt klar, dass dies der letzte Song ihrer Band werden w├╝rde, sodass sie ein letztes Mal alles gaben.

Der H├Âhepunkt des Abends stand nun bevor und alle richteten ihre Augen gebannt auf die EMP Stage, die mit ordentlich zus├Ątzlicher Lichttechnik f├╝r den bevorstehenden In Flames Auftritt aufger├╝stet worden war. Die Erwartungen vieler Fans auf eine ansehnliche Pyroshow wurden leider nicht erf├╝llt, aber zumindest die Lichtshow sah sehr ansprechend aus. Mit Hits wie Pinball Map, Cloud Connected oder The Quiet Place zogen sie ihre Fans in den Bann und lieferten einen astreinen Auftritt ab. Nat├╝rlich gab es auch ein paar brandaktuelle Songs von Sounds Of A Playground Fading, die jedoch nicht unerwartet auf der Setlist waren. Hingegen (f├╝r mich) ├╝berraschend spielten sie The Hive von Whoracle aus dem Jahre 1997. Leider bekamen In Flames mit nur rund 60 Minuten nicht so viel Spielzeit, wie man es sich gew├╝nscht h├Ątte, aber bei so vielen Bands pro Tag muss nun mal ein straffer Zeitplan sein.

Gegen halb elf endete der Open Air Teil des Festivals, aber es war noch lange nicht vorbei, denn die Aftershow Party lockte noch mit Erik Cohen, Clutch und All That Remains, wobei mir insbesondere bei letzteren nicht klar ist, warum sie einen so ung├╝nstigen Platz im Billing einnehmen mussten. Trotzdem zog es nach In Flames noch viele Besucher in die nahegelegene Sputnikhalle um den Abend nicht allzu ruhig ausklingen zu lassen.

Zusammenfassend war das Vainstream Rockfest 2013 ein Festival der Extreme: Eine extrem starke Bandauswahl (zu einem mit rund 60 Euro fairen Preis), lockte viel zu viele Besucher auf das Festivalgel├Ąnde in M├╝nster, was aus allen N├Ąhten platzte. Organisatorisch schienen die Veranstalter auf diese (allerdings nicht unerwartet erscheinende) Menschenmenge leider nicht vorbereitet. Das Gel├Ąnde war viel zu klein und jegliche St├Ąnde (B├Ąndchenausgabe, Wertmarkenverkauf, Getr├Ąnkeverkauf) waren hoffnungslos unterdimensioniert. Auch m├Âchte man bei 30┬░C auf einem schattenlosen Festival von den Getr├Ąnkeverk├Ąufern kein ÔÇ×├ähh … ne … Wasser hamma nisch mehrÔÇť h├Âren.

Alles in allem standen somit viele gro├čartige Bands und ein mehr als feierw├╝tiges und begeistertes Publikum auf der einen und eine relativ schlechte Organisation auf der anderen Seite, sodass es schwer f├Ąllt eine endg├╝ltige Bewertung vorzunehmen. Immerhin sind die Bands das wichtigste, aber nachl├Ąssige Organisation kann den Spa├č schon sehr tr├╝ben…

Hier unsere komplette Fotogalerie zum Vainstream 2013:

Galerie VAINSTREAM 2013 (06.07.2013)

Autor & Fotos: Markus Hillg├Ąrtner

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