HURRICANE FESTIVAL 2013 – Scheeßel, Eichenring (21.-23.06.2013)

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Wie schon so oft zuvor fragt man sich auch Anno 2013 wieder „Was haben sich die Veranstalter wohl bei der Namensgebung dieses Festivals gedacht?“. Nomen Est Omen heißt es und das scheint beim Hurricane Festival Jahr fĂŒr Jahr Programm zu sein. Fiel 2012 fast der letzte Festivaltag buchstĂ€blich ins Wasser, so stand in diesem Jahr der Start zunĂ€chst unter keinem guten Stern, denn am Donnerstag hagelte es nicht nur Unwetterwarnungen ĂŒber den Äther, sondern auch echten Hagel ĂŒber das große GelĂ€nde um und auf dem Eichenring im niedersĂ€chsischen Scheeßel. Immer wieder mussten die vorzeitig angereisten Besucher bestenfalls ihre Fahrzeuge aufsuchen und so manches Zelt, so mancher Pavillon, fiel den Niederschlagsmassen und dem unbĂ€ndigen Wind zum Opfer. Dank guter Informationspolitik blieb es aber bei SachschĂ€den und pĂŒnktlich zum eigentlichen Festivalstart am Freitagmittag erholte sich das Wetter zusehends und es konnte pĂŒnktlich um 15:00 Uhr mit den Arkells losgehen, wĂ€hrend wir uns gerade durch den alljĂ€hrlichen Verkehrswahnsinn gekĂ€mpft und den Unterboden des Zeltplatzes besiegt hatten.

Freitag, den 21.06.2013:

Richtig los geht es fĂŒr uns daher erst mit den Shout Out Louds, die nicht nur ihr aktuelles Album Optica vorstellen, sondern uns den Nachmittag auch mit allerhand Klassikern aus ihrer ĂŒber zehnjĂ€hrigen Historie versĂŒĂŸen. Passend zum zuckersĂŒĂŸen Pop bricht nun auch die Sonne durch den Himmel und das sich von nun an durch die Festivalzeit ziehende lustige „Jacke aus, Jacke an“-Spiel kann beginnen. Jetzt also Jacke aus und so kommen auch Songs wie The Comeback, Impossible, Please Please Please und vor allem Tonight I Have To Leave It viel nĂ€her an unsere Herzen.

Die Green Stage wird derweil von Boysetfire ordentlich gerockt, bevor ein echter Stimmungsgarant die BĂŒhne betritt und ob seiner BĂŒhnenoutfits zunĂ€chst mal den ein oder anderen ĂŒberrascht, denn Gogol Bordello sind hier mit HĂ€kelmaske, Gartenschlauch-Blasinstrument sowie folkloristischer Kleindung und Instrumentierung angetreten um ihre Fans -und jene die es fortan vielleicht werden- in die hohe Kunst des Polka-Ska-Whateverrocks einzufĂŒhren. Multi-Kulti in seiner besten Form und mit soviel Power, dass man einfach mitmachen, -feiern und -tanzen muss. Unglaublich wie solche Musik immer wieder live funktioniert und die Massen spielend vereint.

Deutlich gemĂ€ĂŸigter geht es da schon auf der Blue Stage zu, wo sich die beiden KurzhaartrĂ€gerinnen Tegan And Sara mit ihrer Band eingefunden haben, um ihr vor allem weibliches Publikum mit sĂŒĂŸen Poprhythmen zu verzĂŒcken. Insbesondere in den ersten Reihen schaut man wie gebannt auf die hohe BĂŒhne und bietet den KĂŒnstlerinnen im Gegenzug fĂŒr deren Musik auch durchaus ein paar tiefe Einblicke. Wir aber wechseln alsbald die Location und wenden uns wieder dem „Green-Motto“ des Festivals zu, denn auf der Mainstage steht nun eines unserer persönlichen Highlights des ersten Tages an: The Hives! Im gewohnten Mariachi-Outfit erklimmen die Schweden die mit ihrem großen Puppenspielerbanner behangene BĂŒhne und auf geht! In ihrer Heimat wird heute passenderweise Mittsommernacht gefeiert und das beflĂŒgelt die NordlĂ€nder natĂŒrlich nur umso mehr. Come On! und Main Offender klingen aus den Boxen und schon ist man mitten im Spektakel, das Frontmann Pelle immer weiter anheizt, als wolle er das Rammstein-Feuerwerk bereits Stimmungstechnisch vorziehen. Er strotzt so voller Selbstvertrauen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis er sich selbst als zukĂŒnftigen PrĂ€sidenten vorschlĂ€gt und voller Stolz verkĂŒndet, er habe nun eigenhĂ€ndig den Regen vertrieben. Die Zuschauer quittieren dies durch vielfache und lautstarke „Thank you Hives (for stopping the rain)“-Rufe. Um diesem gottgleichen Anspruch gerecht zu werden sucht Pelle immer wieder den Kontakt zu seinen Fans, steigt auf die Lautsprecherboxen und springt wie ein Derwisch ĂŒber die BĂŒhne. Die selbst eingeflogenen Stage-Ninjas haben da natĂŒrlich einiges zu tun um alles auf Vordermann zu halten, denn Kracher a la Hate To Say I Told You So und Tick Tick Boom sorgen fĂŒr ekstatische GefĂŒhle auf und vor der BĂŒhne, bis man sich nach dem abschließenden Patrolling Days kurz zum Verschnaufen zurĂŒcklehnen muss.

Das geht eigentlich ganz gut bei The National, die mittlerweile unter BlĂ€ser- und Drumeinsatz die Blue Stage eingenommen haben und mit Klassikern am Fließband wie Squalor Victoria, Bloodbuzz Ohio oder Mistaken For Strangers fĂŒr wohlige Stimmung sorgen. Und es wird sogar getanzt, wobei sich einer der stets gut gelaunten Security hier so positiv hervortut, dass sich auch der mit Anzug und Gummistiefel bekleidete Frontmann Matt Berninger stark beeindruckt zeigt. Dies sei das er erste Mal, dass er einen Security tanzen sieht und dann auch noch zu ihrer Musik, die nicht gerade als besonders tanzbar gilt. Auch das Publikum steht dem in nichts nach und zeigt sich zudem als sehr textsicher, singt viele der Songs mal laut -vielfach aber auch eher leise vor sich hin- mit und genießt die warmen KlĂ€nge der Band aus New York City, die natĂŒrlich auch noch das bewegende Fake Empire zum Besten gibt und die Zuschauer damit ebenso in VerzĂŒckung bringt, wie mit Matts spĂ€tem Ausflug ins Publikum beim abschließenden Terrible Love. Ein toller Auftritt.

Zeitgleich steppt der BĂ€r auf der GrĂŒnen BĂŒhne weiter, denn Billy Talent geben dank Red Flag von Beginn an den Ton an und lassen sich auch von (un-)freiwilligen RĂŒckwĂ€rtsrollen auf der BĂŒhne nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Insgesamt 18 Tracks prasseln auf die Fans nieder und es wird schon recht dunkel als die vier Kanadier um Rampensau Benjamin Kowalewicz den Endspurt einlĂ€uten und mit Devil On My Shoulder, Devils In A Midnight Mass, Surprise, Surprise und Fallen Leaves gleich vier Hits in den Abendhimmel dreschen, die die Ohren der Anwesenden noch einmal ordentlich durchpusten.

Wer es etwas ruhiger mag, hatte derweil wieder einmal auf der Blauen BĂŒhne Gelegenheit dazu, denn dort stand nach 2011 der nĂ€chste Auftritt von Portishead an, die ihr Set passenderweise mit dem Song Silence beginnen. Das ganze Geschehen auf der BĂŒhne wirkt anders als bei den meisten der hier gebuchten Bands eher improvisiert und so scheinen sich die Musiker immer wieder zwischenzeitlich abzustimmen oder sich in ferngelegenen SphĂ€ren zu befinden, die sie dem hier und jetzt etwas entrĂŒcken. Trotzdem verfehlt ihre Musik die Wirkung beim Publikum nicht und auch ein Zeichentrickartiger Film, der an jene von Pink Floyd erinnert, unterstreicht die AtmosphĂ€re des Auftritts nachhaltig. Die Zuschauer sind begeistert und es wird vor allem natĂŒrlich bei Sour Times applaudiert was das Zeug hĂ€lt.

Gegen 23:00 Uhr richten sich dann aber fast alle Augen erst einmal auf die GrĂŒne BĂŒhne, denn dort wo schwarze TĂŒcher schon den ganzen Tag weitere BĂŒhnenelemente verdeckten, steht nun der Headliner des ersten Festivaltages an: Rammstein! Die wollen nur spielen? Von wegen denn es geht gleich mit Ich tu dir weh los und dank eines buchstĂ€blichen Feuerwerks schaut ganz Scheeßel mittlerweile auf das Geschehen von Feuermeister Till Lindemann und seinem Gefolge. Die harten Rhythmen mit deutschen Texten verfehlen ihre Wirkung nicht und aus zigtausenden Kehlen erschallen die Lieder des deutschen Exportschlagers. Der geizt im Gegenzug wieder einmal nicht mit allerlei lustigem Feuerwerk, sei es mit Hilfe von Flammenwerfern, auf den Frontmann niederfallendem Feuerregen oder ĂŒber das Publikum hinwegfegenden FeuerbĂ€llen. Gespickt mit weiteren makaberen Zutaten wie dem Hackebeil-Mikro, dem blutverschmierten Metzgeroutfit oder dem unter Beschuss stehenden Kochkessel samt Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz beweist die Show wieder einmal, dass Rammstein wissen wie man eine böse Party mit Augenzwinkern feiert. Viel Neues ist natĂŒrlich nicht zu erwarten, zu durchgestylt und ausgefeilt ist das seit langem und natĂŒrlich darf bei derartiger Feuerkraft auch tatsĂ€chlich nichts dem Zufall ĂŒberlassen werden. Eine Neuerung gibt es aber doch zu vermelden, die sich auch schon bei den Konzerten in Wolfsburg andeutete, denn gegen Ende richtet der sonst als Ă€ußerst wortkarg bekannte Till Lindemann urplötzlich das Wort an sein Publikum um sich mit den Worten „Danke, war sehr schön bei Euch“ von seinem Publikum zu verabschieden. TschĂŒss Till, es war auch wieder schön mit euch!

„Schön“ ist dann auch ein absolut passender Ausdruck fĂŒr das, was uns beim Headliner der Blauen Stage heute erwartet, denn das sind die islĂ€ndischen Sigur RĂłs allemal. Und noch mehr als das sind sie beeindruckend; auch auf einer derart großen Outdoor-BĂŒhne wie hier! Ihre Performance zu beschreiben fĂ€llt schwer, zu vielschichtig ist das, was uns da von der BĂŒhne entgegentritt. Die begnadeten Musiker erzeugen eine so dichte AtmosphĂ€re, dass einem der Atem stockt und SĂ€nger JonsĂ­s elfenhaft helle Stimme schwebt derart erhaben ĂŒber den vielfach dĂŒsteren Sounds seiner Mitmusiker, wie es vielleicht sonst nur eine Lisa Gerrard (Dead Can Dance) vermag. Neben bekannten Tracks stellen die IslĂ€nder natĂŒrlich auch Songs aus ihrem neuen Album Kveikur live vor, die sich gewohnt schlĂŒssig ins Gesamtbild einfĂŒgen. Eine echte Reise in eine ferne Welt beginnt und endet erst als die letzten Töne gegen 2:00 Uhr nachts verklingen und ein vertrĂ€umtes und tief beeindrucktes Publikum zurĂŒcklassen. Was fĂŒr ein Auftritt!

Ungleich hĂ€rter endet hingegen fast zeitgleich das Programm auf der Red Stage, wo sich die DĂŒsseldorfer Callejon fĂŒr eine Stunde so richtig austoben durften. Mit dem Fettes Brot Cover Schwule MĂ€dchen begann ein Auftritt voller deutscher Texte, harten Gitarrenriffs und einer Menge guitar posing.

Wurden die Zuschauer bei Sigur RĂłs noch mit zauberhaften Melodien auf die kommende Nacht vorbereitet, dĂŒrften die Fans von Callejon dank ausgepowerter Körper in der Nacht ebenfalls gut geschlafen haben.

Was fĂŒr ein toller erster Tag, der mit starken Acts und einem durchweg vielschichtigen Programm punkten konnte. So darf es die nĂ€chsten Tage gerne weitergehen!

Samstag, den 22.06.2013:

Weiter geht es an Tag 2 des Hurricane Festivals 2013 zunĂ€chst erst einmal mit dem durchwachsenen Wetter und so wechselt man fließend zwischen Regenschauern und dem berĂŒhmten T-Shirt-Weather. BestĂ€ndiger bleiben wir aber zu Beginn was die Auswahl der BĂŒhnen angeht, denn gleich die ersten drei Bands auf unserem Zettel nutzen die GrĂŒne BĂŒhne um die Zuschauer fĂŒr sich zu gewinnen. Den Anfang machen Frightened Rabbit, die das Publikum mit einem kurzen „Hallo“ begrĂŒĂŸen und dann sofort loslegen um ihren steilen Weg nach oben weiter fortsetzen. Das im Februar erschienene aktuelle Album Pedestrian Verse hat es in England immerhin bis auf Platz 9 geschafft und auch ihr Liveauftritt weiß vollkommen zu ĂŒberzeugen. Sehr dicht und trotzdem abwechslungsreich wirkt das, was uns der sympathische SĂ€nger Scott Hutchinson mit seinen Bandkollegen hier vortrĂ€gt und die sechs Jungs mit den 3Âœ BĂ€rten erhalten dafĂŒr den verdienten Applaus der schon zahlreich vor der BĂŒhne vertretenen Fans. „Good to be here“ lĂ€sst Scott uns bei Living In Colour wissen und wir denken ganz genauso. Und da passt es doch bestens ins Bild, dass die Sonne nun richtig durchbricht und die EisverkĂ€uferdichte sich schlagartig verdreifacht. Wir genießen die letzten Songs der Schotten und vernehmen erfreut, dass die Band wohl bald wieder in Deutschland sein wird! Wir können es kaum erwarten.

Ähnlich begeistert werden danach auch The Maccabees empfangen. Die Band aus London hat mit dem letzten Album Given To The Wild immerhin Gold-Status in England erreicht und die Platz 4 Chartplatzierung lĂ€sst schon erahnen, wie positiv man auf ihre mitreissende Musik reagieren kann oder gar muss. Frontmann Orlando Weeks zeigt sich entspannt im hellblauen Pullover, wĂ€hrend insbesondere seine beiden Mitgitarristen stets zwischen cool und emotional wandeln und man als Zuschauer ihren Spielspaß förmlich mitfĂŒhlen kann. Die Band prĂ€sentiert ein interessantes Set mit Songs wie No Kind Words, Wall of Arms und Feel To Follow und stĂ¶ĂŸt mit uns (und einem Bier) auf den gelungenen Auftritt an – Cheers!

Aktuell sehr angesagt ist City And Colour, das Akustik-Solo-Projekt des ehemaligen Alexisonfire Frontmanns Dallas Green. Der Multiinstrumentalist, der im Studio eigentlich alles selbst einspielt, ist bei seinen Live-Auftritten natĂŒrlich auf fremde Hilfe angewiesen und so wird er in Scheeßel bei Songs wie Of Space And Time oder The Lonely Life tatkrĂ€ftig unterstĂŒtzt. Das klingt alles auch sehr gefĂ€llig, passt gut zum noch immer sonnigen Wetter und sein Publikum ist begeistert. Wir wenden uns aber lieber erstmals an diesem Wochenende der White Stage zu, wo mit nur 15 Minuten Versatz British Sea Power anstehen. Die Band gehört lĂ€ngst zu den etablierten Acts in Großbritannien, in Deutschland scheinen sie hingegen das Schicksal des ewigen Geheimtipps zu fristen. Vollkommen zu unrecht wie wir schnell feststellen, denn ihr gemĂ€ĂŸigter Postpunk fesselt sofort und auch die Liveperformance weiss zu ĂŒberzeugen. Finden sich erst ein Hirschgeweih auf dem Boxenturm und ein chillender BraunbĂ€r auf der BĂŒhne, wird diese etwas spĂ€ter bei No Lucifer auch noch von einem EisbĂ€r geentert, der sich ins Livegeschehen einmischt und fĂŒr große Augen bei den Zuschauern sorgt. Musikalisch abwechslungsreich unterhalten uns die Briten mit experimentellen Songs und wechselndem Gesang der BrĂŒder Yan Scott und Neil Hamilton Wilkinson, sowie Violinistin Abi Fry. Wie alle anderen Zuschauer im Zelt verweilen wir gebannt bis auch wirklich der letzte Ton von All In It verklungen ist und finden uns danach zurĂŒck vor der Green Stage, wo die Zuschauer bei jetzt leichtem Regen dem Auftritt von Bloc Party entgegenfiebern, die sich ĂŒbrigens nach der Festivalsaison mal wieder eine Pause gönnen wollen. Ausgeruht wird jetzt aber noch nicht, denn die BĂŒhne ist bereits mit großen Lichtschirmen bereitet und dann stehen Frontmann Kele und seine Mannen auch schon auf den Brettern die die Welt bedeuten um uns mit Hits a la Banquet, This Modern Love, Flux oder der aktuellen Singleauskopplung Truth zu unterhalten und auch einen musikalischen Ausblick auf Kommendes zu geben. Das Publikum ist bester Laune und bereitet der Band somit das ideale Fundament fĂŒr einen Auftritt nach Maß. Nicht dabei war heute ĂŒbrigens der angestammte Drummer Matt Tong, der allerdings von New Young Pony Club Drummerin Sarah Jones bestens an den Fellen vertreten wurde. Klar im Mittelpunkt steht hingegen Frontmann Kele Okereke, der seine Fans dank seines Charismas und seiner Stimme mit hohem Wiedererkennungswert sofort im Griff hat und diese zu begeistern weiß.

Zu begeistern weiß allerdings parallel auch Porcupine Tree Frontmann Steven Wilson seine treue Fangemeinde auf der Red Stage. Leider ist der Zuschauerraum nicht ganz so voll wie erwartet, aber wer den Weg hierhergefunden hat, der ist schier begeistert von der Performance der Ausnahmemusiker. Denn jeder der sich hier mit Steven Wilson die BĂŒhne teilt, ist ein wahrer Meister seines Fachs und vollbringt an seinem jeweiligen Instrument Dinge, von denen andere nur TrĂ€umen können. Vor allem Bassist Nick Beggs, vielen von Kajagoogoo, Ellis, Beggs & Howard oder der Kim Wilde Band bekannt, ĂŒberzeugt immer wieder mit BasslĂ€ufen, die sich filigran an der Gitarrenarbeit anschmiegen und so die Rockepen des Barden Steven Wilson perfekt bereichern. Eine Rockoper par excellence und somit ein starker Auftritt, der leider viel zu schnell vorĂŒber ist.

Im Anschluss ist die Blaue Stage komplett in den HĂ€nden von Marsimoto alias Marteria, der die Fans nicht nur mit seinem Hit Lila Wolken zu BegeisterungsstĂŒrmen hinreist, wĂ€hrend Of Monsters And Men mit locker flockigen Folkpopsounds die Green Stage beschallen. Wir sammeln derweil an den verschiedenen BĂŒhnen, der umfangreichen Fressmeile und dem sonstigen Rahmenprogramm einige weitere EindrĂŒcke, bevor es zur Blue Stage geht um zu begutachten, wie sich die derzeit kontrĂ€r diskutierten neuen Songs der Editors live machen. Willkommen geheißen wird die Band jedenfalls von vielen vielen Fans, die nun von ĂŒberall her herbeiströmen um dabei zu sein. Es geht mit zwei neuen Songs los, Sugar und A Ton Of Love, die beide live stark rĂŒberkommen. Locker getoppt werden kann das aber vom nachfolgenden Klassiker Munich, der ebenso wie Bones frenetisch gefeiert wird und nicht nur die anwesenden MĂ€dels strahlen lĂ€sst. Der noch immer leichte Regen wird mit einem kurzen „Fuck this rain“ leider vergeblich zu vertreiben versucht und dann nach einem kurzen Hinweis aufs neue Album mit dem lustigen Wechselspiel aus alt und neu weitergemacht. Das Spiel kommt an und so werden auch Publikumsspielchen wie das bekannte „Armwedeln“ gerne mitgenommen und vor allem Songs wie Eat Raw Meat – Drool Blood oder das von Tom Smith am Piano vorgetragene The Racing Rats werden abgefeiert bis es zum absoluten Showdown kommt, denn auf Papillon haben sich wohl die meisten hier gefreut und sie werden nicht enttĂ€uscht. Tom spielt immer weiter mit dem Publikum, zieht eine Grimasse nach der anderen und so entsteht trotz des nun stĂ€rker werdenden Regens eine tolle AtmosphĂ€re und eine wirklich enge Verbindung zwischen Band und Publikum. Honesty vom aktuellen Album The Weight Of Your Love sorgt fĂŒr den umjubelten Schlusspunkt und die Erkenntnis, dass ganz gleich was man vom neuen Album auf TontrĂ€ger hĂ€lt, die Songs live wirklich gut funktionieren und die Editors es auf diesem Terrain noch immer drauf haben!

Nachdem wir uns ein paar Songs des richtig guten Kasabian-Auftritts auf der Green Stage angesehen haben, zieht es uns zurĂŒck zur Blauen BĂŒhne, wo mit Ska-P ein echter Stimmungsgarant auf dem Plan steht. Die spanische Skapunk-Band macht von der ersten Sekunde an richtig Alarm und es herrscht eine ausgelassene Stimmung, man hĂ€tte den Titel des ersten Songs Full Gas wohl nicht besser umsetzen können! Ska-P lassen sich richtig gehen, feiern auf Teufel komm raus und vor allem die hervorragenden BlĂ€ser ĂŒberzeugen mit ihren choreographierten Tanzeinlagen, wĂ€hrend die beiden SĂ€nger „Pulpul“ und „Pipi“ alles geben um ihre Message auch an diejenigen weiterzugeben, die der spanischen Sprache eigentlich nicht mĂ€chtig sind. Was es mit „Fuck Racism“ auf sich hat verstehen aber alle hier und dieses gemeinsame VerstĂ€ndnis gepaart mit Energie pur macht den Auftritt zu einem der Höhepunkte des heutigen Tages.

Mittlerweile ist es spĂ€t und dementsprechend dunkel geworden. Gut so, denn jetzt kommt die große „A“ und „M“ Lauflichtdeko der Arctic Monkeys auf der Green Stage so richtig zur Geltung. Zu Do I Wanna Know, Brainstorm und vor allem Dancing Shoes geht die fein gekleidete Band und ihre Zuschauer sofort voll ab und an allen Ecken und Kanten wird das Tanzbein geschwungen. Jedes ihrer vier Alben hat es in England an die Spitze der Charts geschafft und sie heute an die Spitze des Line-up gehievt. Verdient wie sich nun zeigt, denn Teddy Picker und natĂŒrlich das allseits beliebte I Bet That You Look Good On The Dancefloor sind absolute Stimmungskanonen und sie werden ebenso bejubelt wie alles andere das die Arctic Monkeys hier von sich geben. Dass es -vor allem den weiblichen Fans- dabei aber nicht nur um die Musik geht beweisen die diversen Schilder mit Liebesbekundungen, die meisten davon an SĂ€nger und MĂ€dchenschwarm Alex Turner gerichtet. Dieser gibt ihnen wonach sie verlangen, zumindest zu einem kleinen Bruchteil, und flirtet was das Zeug hĂ€lt. Spielend hĂ€lt die Band derweil die Spannung hoch und bei den Semi-Akustischen Zugaben Cornerstone und Mardy Bum darf weiter geschmachtet werden. FĂŒr den umjubelten Abschluss sorgt aber 505, bei dem die Arctic Monkeys von Miles Kane unterstĂŒtzt werden, der seit gut 5 Jahren gemeinsam mit Alex Turner fĂŒr The Last Shadow Puppets verantwortlich zeichnet. Der Applaus kennt nun -trotz erster Abwanderungstendenzen gen blauer BĂŒhne- keine Grenzen mehr, ganz so wie auf besagter Blue Stage, wo gleich im Anschluss der letzte Act des Tages auf dem Programm steht: Deichkind!

Wie es sich fĂŒr ein echtes Deichkind gehört, fĂŒhlt es sich in einer Mischung aus Sand und Wasser -nein, viiieel Wasser- erst so richtig wohl. Und so wundert es nicht wirklich, dass es plötzlich auch von oben zu schĂŒtten beginnt, was aber hier scheinbar niemanden davon abhĂ€lt immer weiter in Richtung BĂŒhne zu strömen. Es wird voll auf dem GelĂ€nde der Blue Stage, richtig voll! Es geht nun kaum noch vor oder zurĂŒck und man kann quasi mit den FĂŒĂŸen erfĂŒhlen, wie der Untergrund sich immer mehr in Matsch verwandelt und die Beine immer tiefer versinken. Der Stimmung tut dies ebenso wenig Abbruch, wie der nun immer schlechter werdende Sound auf der Blauen Stage. Wohl dem, der es jetzt weit genug nach vorne geschafft hat und noch am ehesten in den Genuss von gutem Klang kommt. Die Band versteckt sich zunĂ€chst zwar noch hinter einem großen Vorhang und macht mit Schattenspielen auf sich aufmerksam, aber schon jetzt steht fest: Es ist Partytime! Fortan bleibt kein Auge, kein Outfit und kein Kamerahandy mehr trocken, ĂŒberall tobt der Mob! Ob mit den bekannten LeuchtdreieckshĂŒten oder bei der Schlauchbootfahrt ĂŒber die Köpfe des Publikums, Deichkind wissen wie sie ihr Publikum unterhalten und zum feiern bringen. Die simplen Texte der allseits bekannten Lieder laden zudem geradezu dazu ein sie mitzugröhlen, was zum GlĂŒck auch noch bei gestiegenem Alkoholpegel des ein oder anderen Fans gelingt. Und wann bekommt man schon einmal solch direkte Aufforderungen wie BĂŒck dich hoch aus derart vielen Kehlen gleichzeitig? Gepaart mit weiteren OhrwĂŒrmern wie Leider geil, Arbeit Nervt oder Roll Das Fass Rein bringen Ferris MC alias Ferris Hilton, Kryptic Joe, Sebastian „Porky“ DĂŒrre und DJ Phono das Terrain zum erbeben und nach der vielumjubelten Zugabe Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah) gleicht der Boden einem Schlachtfeld, aber selten hat eine Schlacht wohl so viel Spaß gemacht wie heute mit den Deichkindern…

Sonntag, den 23.06.2013:

Dritter und letzter Tag beim Hurricane Festival in Scheeßel. Zeit am Morgen den richtigen Moment abzupassen um so langsam das Zelt in einer trockenen Phase einzupacken und die anstehenden Konzerte noch einmal so richtig zu genießen. Einziges Problem dabei: Unser persönlicher Zeitplan ist heute so richtig eng gesteckt und vieles spielt sich quasi zeitgleich ab. Wir starten daher bei leichtem Regen und matschigem Untergrund zunĂ€chst relativ ruhig in den Konzerttag und lassen unsere GehörgĂ€nge von den wohligen KlĂ€ngen von Kashmir aus DĂ€nemark verwöhnen. Deren Frontmann Kasper Eistrup zeigt sich bestens gelaunt und stimmgewaltig. Im MĂ€rz ist bereits ihr siebtes Album E.A.R. erschienen und mit Ă€lteren Songs von denen besonders Mouthful Of Wasps mit seinem Glockenspiel begeistert und neuen Tracks wie Piece Of The Sun (wie passend bei diesem vom Wetter bestimmten Festival) bilden sie den perfekten Einstieg in einen bevorstehenden, anstrengenden Tag.

Um den Körper langsam weiter in Fahrt zu bringen wechseln wir zur Green Stage wo der Auftritt der Bouncing Souls ansteht. Die Band hat es geschafft auf den beiden angesagtesten Punklabeln ĂŒberhaupt (Epitaph & BYO-Records) veröffentlicht zu werden und legt hier einen gewohnt soliden Auftritt vor. Auch wenn SĂ€nger Greg Attonito -genau wie sein Bad Religion Namensvetter Greg Graffin- nicht unbedingt wie ein typischer Punk aussieht, bringt er das Ganze stimmlich gut herĂŒber, wĂ€hrend seine Mitstreiter sich an den Saiteninstrumenten voll ins Zeug legen. Songs wie Sing Along Forever oder das durch hohes Tempo glĂ€nzende Say Anthing wissen zu begeistern und es darf auch gerne mal im Pulk gepogt werden. Wie genießen das bunte Treiben und die zeitliche Ruhe vor dem Sturm, denn gleich soll es hektisch werden…

Denn als nĂ€chstes steht hier die Back-to-Back Show von Frank Turner & The Sleeping Souls an, die sich seit dem letzten Jahr von der Blue auf die Green Stage vorgearbeitet haben. Absolut verdient, denn ihre aktuelles Album Tape Deck Heart ist toll und ihre Liveshows immer absolut mitreißend. Daran besteht vom ersten Song Four Simple Words an kein Zweifel, denn Frank weiß wie er ein Publikum fĂŒr sich gewinnen kann. Laut brĂŒllt er ein „Hurricane“ in Richtung Publikum und dann geht es los. Locker bindet er die Zuschauer mit in die Show ein, lĂ€sst diese mitsingen, tĂ€nzelt selbst geschmeidig ĂŒber die BĂŒhne und wirkt noch immer genauso bodenstĂ€ndig wie in seinen Anfangstagen. Ihm nimmt man diese Gelassenheit einfach ab und fĂŒhlt sich in der Obhut seiner Songs gut aufgehoben. Leider hatten die Line-up Planer an dieser Stelle keine wirkliche RĂŒcksicht auf unsere Begeisterung fĂŒr den sympathischen Frank bewiesen und mit nur 20 Minuten Versatz den Auftritt der ebenfalls begnadeten Get Well Soon an das komplett andere Ende des FestivalgelĂ€ndes gelegt. Grund genug fĂŒr uns (da wir Frank Turner in den letzten 12 Monaten schon dreimal gesehen hatten) die Beine trotz stĂ€rker werdendem Regen in die Hand zu nehmen und rĂŒber zur Red Stage zu eilen, denn der letzte Get Well Soon Auftritt liegt fĂŒr uns schon eine ganze Weile zurĂŒck und diese Erfahrung schreit dringend nach Wiederauffrischung. Und so Ă€rgerlich es ist, den Großteil von Frank Turners Show zu verpassen, so schön ist es wieder einmal Get Well Soons Mastermind Konstantin Gropper, seiner Schwester Verena und seinen anderen Kollegen zu lauschen und dahinzuschwelgen. Ich weiß nicht ob Get Well Soon eine enge Freundschaft mit The Divine Comedy verbindet, musikalisch sollte es auf jeden Fall so sein! Die Sonne zeigt nun wieder ihr schönstes LĂ€cheln, was aber irgendwie gar nicht zur Musik von Get Well Soon passen will und so kommentiert Konstantin dies folgerichtig mit den Worten „Leider scheint die Sonne, da sind wir hier noch mehr im falschen Film. Aber schön, dass Ihr hier seid“. NatĂŒrlich beschreibt ihre Musik eher die dunklen Seiten des Lebens, aber eine Daseinsberechtigung haben sie hier allemal und sie rocken das Ding auf ihre ganz eigene Weise. Wir können kaum genug bekommen, doch der straffe Zeitplan drĂ€ngt…

Zum „GlĂŒck“ fĂŒr uns lassen sich Alt-J mit ihrem Auftritt auf der Blue Stage derweil etwas Zeit, so dass wir auch hiervon noch einen kleinen Einblick mit Songs wie Tessellate oder Ripe & Ruin bekommen, bevor wir uns schnell auf zur Green Stage machen um beim Startschuss zum Jimmy Eat World Auftritt dabei zu sein. Die Band hat gerade erst ihr neues Album Damage veröffentlicht und fĂ€hrt hier so richtig auf. Denn in ihrer immerhin schon zwanzigjĂ€hrigen Geschichte hat sich so mancher Hit angesammelt und die gibt es hier –neben einigem neuen Material- fĂŒr ihre Fans auf dem silbernen Tablett. Lucky Denver Mint, Sweetness und Bleed American sind nur drei der Songs die den Weg zum großen Finale ebnen: The Middle. Die Fans sind begeistert und wir endgĂŒltig zwiegespalten, denn zeitgleich haben im weißen Zelt lĂ€ngst die Briten Archive ihren Dienst aufgenommen und verwöhnen ihr Publikum mit ihrem unnachahmlichen, leicht psychedelischen Post-Rock mit Trip-Hop-EinschlĂ€gen, der hier fĂŒr wohlige Schauer sorgt. Die Band weiß wie man AtmosphĂ€re aufbaut und bringt die Besucher mit Hits wie dem von Holly Martin und ihrer eindrucksvollen Stimme vorgetragenen Hatchet zum TagtrĂ€umen. Wieder einmal ein toller Auftritt der Briten, von denen man einfach nicht genug bekommen kann.

Etwas durchatmen kann man danach wieder beim angenehmen Auftritt von Two Door Cinema Club, die ihre zumeist weiblichen Fans zu strahlendem Sonnenschein auf der Blue Stage mit feinen BritpopklĂ€ngen verwöhnen. Los geht’s mit dem vom Spiel Fifa 13 bekannten Song Sleep Alone und man ahnt bereits, dass die Protagonisten dies sicher nicht mehr unbedingt mĂŒssen, wenn sie es denn zu vermeiden suchen. Ein schöner Auftritt der Nordiren, der mit Undercover Martyn und Do You Want It All stark weitergeht, doch uns gelĂŒstet es gerade nach etwas VerrĂŒckterem, so dass wir Blau nach einer knappen halben Stunde gegen GrĂŒn eintauschen und gerade rechtzeitig fĂŒr den folgenden NO FX Gig erscheinen. Frontmann Fat Mike und seine Mannen sind wie gewohnt um keinen dummen Spruch verlegen und auch ihre angebliche Verzögerungstaktik um mehr Zeit als ursprĂŒnglich vermutet zu spielen ist nicht ganz neu, Spaß macht es aber alle mal. Und so unterhalten uns die vier mit viel Blödsinn und Songs die stets auf der feinen Linie zwischen Bullshit und unterschwelliger SeriositĂ€t wandeln. Mit Radio (Rancid), What Now My Love (Herb Albert) und Champs ElysĂ©es (Joe Dassin) sind natĂŒrlich auch wieder einige Coverversionen an Board und auch auf den vielleicht grĂ¶ĂŸten Hit mĂŒssen ihre AnhĂ€nger nicht verzichten: Kill All The White Men, bei dem die Green Stage komplett abgeht.

NO FX hatten uns –und einigen anderen Abwanderungswilligen- aber auch schon eine Warnung bezĂŒglich des versetzt beginnenden Auftritts der Smashing Pumpkins mit auf den Weg gegeben: Sie hĂ€tten ihren Zenit ĂŒberschritten und man möge sich stattdessen lieber The Gaslight Anthem anschauen. Wir zeigen uns von der Warnung (trotz eines ziemlichen Gehampels bezĂŒglich der vom Management geforderten Fotorichtlinien) zunĂ€chst unbeeindruckt, schließlich ist Billy Corgan mit seiner Band fĂŒr einige richtige Rockhymnen verantwortlich. Leider ist von der Band aus diesen Glanzzeiten -außer dem Mastermind selbst- niemand mehr dabei und auch Billy ist mittlerweile etwas von seiner Bestform entfernt. Und so kommt das Konzert nur sehr schwerlich in Gang. Das Publikum bleibt zunĂ€chst fast regungslos oder guckt sich lieber den eindrucksvollen Doppelregenbogen am Himmel an. Vielleicht hĂ€tte die Band als Einstieg doch eher auf AltbewĂ€hrtes setzen sollen. Zudem krĂ€nkelt der Gig neben den vielen neueren Songs aber auch am wieder nicht optimalen Sound auf der Blue Stage und so kommt erst beim David Bowie Cover Space Oddity wirklich Stimmung auf, auch wenn hier gegen Ende der Ton ausfĂ€llt. Trotzdem weiß die Interpretation ebenso zu ĂŒberzeugen wie die Klassiker a la Disarm, Tonight Tonight, Bullet With Butterfly Wings oder Zero. Auf meinen Lieblingssong Today wartet man allerdings ebenso vergeblich, wie auf 1979.

Folgen wir also nach einer Weile doch lieber dem NO FX‘schen Rat und geben uns mal wieder den amerikanischen Alternative Rock von The Gaslight Anthem, die sich ebenso wenig einen Spruch auf die Smashing Pumpkins verkneifen können. Sie selbst besinnen sich jedenfalls ganz auf ihre StĂ€rken und mittlerweile haben sie mich endlich auch live ĂŒberzeugt! Beim letztjĂ€hrigen Area 4 Festival war ich noch –vielleicht ob der großen Erwartungen- recht enttĂ€uscht von dannen gezogen, doch schon beim Clubkonzert in DĂŒsseldorf vor knapp 3 Monaten war ich beschwichtigt. Jetzt und hier haben sie mich aber wirklich gepackt und Songs wie The ÂŽ59 Sound oder Great Expectations entfalten auch endlich jenes Feeling, das ich mir schon damals versprochen hatte. Stark auch ihre musikalische Verneigung vor den legendĂ€ren Ramones, deren Bonzo Goes To Bitburg sie hier covern und in einer kurzen Ansprache kein gutes Haar an Cowboy Ronald Reagan und Co lassen.

So langsam nĂ€hern wir uns dem Finale und kaum dass die letzten Töne von The Gaslight Anthem verklungen sind, steht mit Paul Kalkbrenner auch schon der letzte Act der Blue Stage auf dem Programm. Eigentlich ist das nicht wirklich meine Musik, doch der Film Berlin Calling hatte mir durchaus gefallen und in diesem Zusammenhang machte auch die Kalkbrennersche Musik irgendwie Sinn. Das sollte doch dann auch fĂŒr einen Liveauftritt vor solch einem großen Publikum gelten. Es kommt jedoch anders, denn auch wenn einige im Zuschauerraum nach Pauls kurzer „Guten Tag“-BegrĂŒĂŸung begeistert mittanzen und auch Kalkbrenner selbst seinen Spaß zu haben scheint, springt der Funke auf mich und viele andere nicht ĂŒber. Irgendwie ist das alles recht monoton und belanglos und man fragt sich wirklich, warum bei entsprechenden Events so viele Leute auf seine Musik abgehen. In meinen Augen (und vor allem natĂŒrlich Ohren) gibt’s auch im Techno/House-Bereich einiges was mitreißender, innovativer und auch tanzbarer ist. Nun ja, zum GlĂŒck sind die GeschmĂ€cker verschieden und mit einer knapp zehnminĂŒtigen Version seines wohl besten, weil eingĂ€ngigsten Songs Sky And Sand wird das ein oder andere kritische GemĂŒt sicher auch besĂ€nftigt.

Uns zieht es da aber doch lieber schnell weiter zurĂŒck zur Green Stage wo mit den Queens Of The Stone Age der Tagesheadliner fĂŒr unseren persönlichen Schlusspunkt sorgen sollte. Ich gehe mit gemischten GefĂŒhlen an die Sache heran, denn zum einen war da noch die EnttĂ€uschung des gerade erlebten, aber auch das kĂŒrzlich erschienene neue Album 
 Like Clockwork der Amerikaner, das mich trotz Topplatzierung in den Amerikanischen Charts und immerhin Platz 7 in Deutschland nicht wirklich vom Hocker gerissen hat. Doch das ist schnell vergessen, denn live ist das was Frontmann Josh Homme und seine Mannen hier abziehen wirklich gut und was soll man auch Ende Juni an einem Set aussetzen, das mit Feel Good Hit Of The Summer beginnt? Und spĂ€testens beim dritten Song haben sie mich endgĂŒltig, denn angesichts sich immer deutlicher zeigender Bronchitis hatte ich schon befĂŒrchtet nicht bis zu den Zugaben durchhalten zu können, in denen ich eben jenen Song vermutet hatte: No One Knows! Was fĂŒr ein starker Song, der auch live sehr gut rĂŒberkommt und das Publikum zu BegeisterungsstĂŒrmen animiert. Alle Zweifel sind mittlerweile verflogen und Queens Of The Stone Age der erhofft starke Rausschmeißer!

So geht ein tolles Festivalwochenende zu Ende, bei dem die befĂŒrchteten Wetterkatastrophen zumindest ab dem eigentlichen Start am Freitagmittag zum GlĂŒck weitestgehend ausblieben, so dass die Zuschauer drei starke Festivaltage mit vielen musikalischen Highlights erleben konnten. Wir freuen uns schon jetzt auf 2014, wenn es zum 18. Mal heißt „Hurricane Festival in Scheeßel“, dann aber gerne mit weniger namensafinem Wetter!

Die Fotogalerien der einzelnen Festivaltage im Überblick:

Galerie Hurricane Festival Tag 1 (Freitag, den 21.06.2013)

Galerie Hurricane Festival Tag 2 (Samstag, den 22.06.2013)

Galerie Hurricane Festival Tag 3 (Sonntag, den 23.06.2013)

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Galerie Hurricane Festival Tag 1 (Freitag, den 21.06.2013)

Weitere Fotos des Events gibt es hier

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Galerie Hurricane Festival Tag 2 (Samstag, den 22.06.2013)Weitere Fotos des Events gibt es hier

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Galerie Hurricane Festival Tag 3 (Sonntag, den 23.06.2013)
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