GREENFIELD FESTIVAL – CH- Interlaken – Tag 3 (15.06.2013)

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Wenn man an die Schweiz denkt, kommt einem zunĂ€chst mal KĂ€se in den Sinn. Und Schokolade. Vielleicht auch noch Alphörner und der Ziegenpeter. Doch seit nunmehr fast 10 Jahren muss auch mit dem Greenfield-Festival gerechnet werden. Traumhaft gelegen an einem Flugfeld bei Interlaken, umgeben von Bergen, Wiesen und Wasser trifft sich hier jedes Jahr im Juni alles aus der Rock-Welt was Rang und Namen hat. So waren dieses Jahr Rammstein, Queens Of The Stone Age, The Prodigy und – am Samstag – Nightwish sicher die Publikumsmagneten. Aber zumindest am Abschlusstag war es bei SKA-P, Airbourne und Bad Religion nicht weniger voll. Aber, alles der Reihe nach


Die Fahrt nach Interlaken zum leider einzigen Tag des Festivals fĂŒr uns, war erst einmal ein Erlebnis fĂŒr sich. Zeitgleich zum Greenfield fand in Genf das Swiss Car Event statt. So dass man sowohl auf der Autobahn als auch beim Kurven durch die Berge stĂ€ndig von Porsches, Jaguars und Ferraris flankiert war. Eine sehr abwechslungsreiche Fahrt. Die Orga vor Ort war vorbildlich. Freundliche Einweiser und Security. Parken ohne kilometerweite MĂ€rsche. Wunderbar. Die Sonne lachte, man sah braun gebrannte und rot verbrannte Gestalten. Alle in bester, friedlicher Partystimmung. Insgesamt wohl so um die 27.000 StĂŒck davon. Ein ordentliches Festival!

Die Main Stage wurde am Samstag von den Jungs von Deaf Havana eröffnet, eine junge Band aus England – Britischer Alternative-Rock-Pop mit Spaß und guten Sounds. Ein guter Opener, der fĂŒr Stimmung unter den ersten Fans sorgte. Aus der Ferne wurde man von fleißig kreiselnden Paragleitern beobachtet, fĂŒr die die Meute vor der gigantischen BĂŒhne sicher etwas verloren aussah – war man hingegen Teil der kleinen Meute, konnte man aber durchaus seinen Spaß haben.

Nach einer kurzen Umbaupause traten Slag In Cullet auf die BĂŒhne. Das Trio aus Basel hat alles was eine ordentliche Band braucht. Schlagzeug, Gitarre und Bass. Talent. Guten Sound. Und eine hĂŒbsche Bassistin. Musikalisch eher dem Alternative-Rock zuzuordnen hatte die Truppe Spaß und verstand es ihre Landsleute zu animieren. Der Sound war wunderbar. Die Sonne knallte. Die Stimmung war ausgelassen.

Auf der Club Stage machten sich Betraying The Martyrs bereit. Eine 6-Köpfige Band aus Paris, die mir beim Vorhören sehr gut gefallen hat. Ein harter Mix aus Death- und Metal, Klarem Gesang, Growls – eine wilde, aber gute Mischung. Die BĂŒhne hier war klein und fast schon heimelig. Der Sound aber auch hier spitze. Da könnte sich manch anderes Festival eine Scheibe abschneiden
 Auf der BĂŒhne wurde gerockt, gesprungen und gebangt was nur ging. Sollten die Jungs mal wieder in meiner NĂ€he sein, werde ich auf jeden Fall wieder dabei sein. Ein echter Geheimtipp.

ZurĂŒck auf der Main Stage stand MONO INC. auf dem Programm. Die Band, die mich ĂŒberhaupt erst verfĂŒhrt hat, in die Schweiz zu kommen. Hier noch recht unbekannt, sah man doch den einen oder anderen angereisten Fan, und auch ein paar Schweizer waren froh, endlich einmal in den Genuss eines Mono-Konzerts zu kommen. Die Show war gewohnt gut – Martin hatte das Publikum im Griff, und spĂ€testens bei einem seiner alten (Cover-) Songs (The Passenger) sang auch der letzte Zweifler mit. Es gab eine gute Mischung aus alten und neuen Songs und auch einen kleinen Ausblick auf das neue, im Herbst erscheinende Album durfte man erhaschen.

Sehr gefreut habe ich mich auf den Auftritt von Boysetsfire. Ich kenne die Band noch aus frĂŒhen Jahren, hatte aber bisher nie die Chance die Amerikaner live zu erleben. Nach der Trennung 2007 dachte ich wohl auch nicht noch einmal die Chance dazu zu bekommen. Doch 2010 fand sich die Band wieder zusammen und kurz vor dem Greenfield wurde das neue Album while a nation sleeps veröffentlicht, und diese natĂŒrlich fleißig besungen. Dazu kam noch, dass SĂ€nger Nathan Gray passend zum Auftritt, seinen 41 Geburtstag feiern durfte. Ein durch und durch gelungenes, schönes und emotionales Konzert. Happy Birthday Nathan!

Mit Bullet For My Valentine folgte ein weiterer Kracher. Hoffte ich. Aber irgendwie konnten mich die Jungs nicht ĂŒberzeugen. Der Klang war gut. Die Hits wurden gespielt. Aber irgendwie wollte der Funke nicht ĂŒberspringen. Vielleicht lag es an den Temperaturen, am doch schon recht langen Tag, oder an den diversen kulinarischen Angeboten die lockten. Die hĂŒpfende Menge musste warten, es waren ja durchaus noch ein paar andere da, die ordentlich gefeiert haben.

Mit Airbourne betrat ein weiteres Erlebnis die BĂŒhne. Hard Rock aus Australien muss nicht AC/DC heißen. Diese Jungs bekommen es auch verdammt gut hin. Headbangen pur. Rocken. Springen. Wer nicht mitmacht ist selber schuld… und wird von der BĂŒhne aus ordentlich verspottet
 SĂ€nger und Gitarrist Joel O’Keeffe turnt, spielt, hĂŒpft und bangt wild ĂŒber die BĂŒhne, erklimmt Boxen, klettert auf der BĂŒhne umher oder prescht von dieser nach unten, um in den ersten Reihen fĂŒr Chaos zu sorgen. Die Menge an Crowd Surfern war schier endlos, die Stimmung gigantisch und die Nackenmuskeln nach etwas ĂŒber einer Stunde Dauerbelastung am Ächzen. Ein erstes großes Lob an die Securitys die wirklich alle HĂ€nde voll zu tun hatten, ihren Job aber souverĂ€n und mit Ruhe und Witz gemeistert haben.

Um kurz vor Zehn wurde es dunkel auf der BĂŒhne und SKA-P sollten ihr Feuerwerk beginnen. Leider sorgten technische Probleme dafĂŒr, dass Minute um Minute verstrich und die Stimmung im Publikum zu kippen drohte. Hier das zweite große Lob an die Security, die es schaffte mit Laolas, TĂ€nzen und GesĂ€ngen die Stimmung zu halten. Als mit gut einer Stunde VerspĂ€tung unter großen Entschuldigungen die Party steigen konnte wurde das Beste aus der Situation gemacht. Alle großen Hits wurden gespielt – zu Cannabis ertönte aus gut 27.000 Stimmen mĂ€chtig "Legalegalizacion" – gigantisch. Ob es sich wirklich um Ska, Punk oder Folk handelt sei dahingestellt – die Spanier verstehen aber definitv Party zu machen – und dabei noch sozialkritische und politische Texte zu vermischen. Wenn man sie versteht
 „Cannabis! Legalegalizacion!“

Weiter ging es auf der Club Stage mit der Punk Rock Legende Bad Religion. Mittlerweile mit dem 16. Album im GepĂ€ck legten die Jungs aus Los Angeles schnell und hart los. Keine Schnörkel. Keine BlĂŒmchen. Ordentlicher Punk Rock. Alte Hits, neue Songs. Schlag auf Schlag ging es in einem Mördertempo durch gut 30 Jahre Bandgeschichte. Das Alter sieht man Greg Graffin und seiner Truppe zwar langsam etwas an, was aber kein Hindernis fĂŒr ein Programm zu sein scheint, was ich keine 10 Minuten auf der BĂŒhne aushalten wĂŒrde. Bad Religion, die Punk-Helden meiner Jugend, fetzen heute noch genau so wie damals.

Auf der Main Stage war indes alles bereit fĂŒr die Headliner des Abends: Nightwish. Eindrucksvolle Aufbauten, schummriges Licht und wabernder Nebel sorgten fĂŒr eine gespenstische Stimmung. Mit Floor Jansen wurde der neuste Zugang der Band vorgestellt. Diese beeindruckende SĂ€ngerin begleitet Nightwish nach der Trennung von Anette Olzon auf Konzerten und Festivals im Sommer 2013. Meiner Meinung nach darf sie das auch gerne noch lĂ€nger machen. Ein Hit folgte dem nĂ€chsten. Wehende Haare, rockende Finnen, Symphonic Metal vom Besten. Nach einem kurzen Regenschauer wĂ€hrend der Wartezeit auf SKA-P dampfte da das Publikum förmlich. Eine kleine technische Panne ĂŒberspielte Floor Jansen gekonnt, Gitarrist Emppu fragte das Publikum ob es in etwa gepasst hat, was er gespielt hat, da er wohl praktisch im Blindflug das erste StĂŒck spielen musste. Kurz danach konnte es auch weitergehen. Alles sang, sprang und feierte den Abschluss dieses tollen Festivals.


Das Rund-Rum:
Neben Bands und Musik gibt es auf einem Festival natĂŒrlich noch etwas mehr. Zwichen den beiden BĂŒhnen reihten sich Futter-, GetrĂ€nke-, Merch- und Klamotten-StĂ€nde. Etwas ĂŒberrascht haben mich die doch gehobenen Preise – aber wir sind eben in der Schweiz. VerzĂŒckt hat mich jedoch die Auswahl. Neben dem ĂŒblichen Festivalfutter gab es Schweizer SpezialitĂ€ten. So konnte man es sich mit Raclette, Rösti und diversen Pfannengerichten gut gehen lassen. GetrĂ€nke gab es in Flaschen – mit ordentlichem Pfand versehen – aber doch enorm praktisch. Wer sich die MĂŒhe des ZurĂŒckgebens sparen wollte, konnte Flaschen und Becher auch an die fleißigen Sammler der Greenfield Festival Foundation spenden, die damit junge Bands fördern. Da spendet man noch gerne mal ein paar Schweizer Franken. Wer nicht auf dem Festival war, aber doch was fĂŒr den Nachwuchs tun möchte, darf das auch weiterhin – Infos gibt es hier: http://www.greenfieldfestival.ch/foundation
Unter dem Strich neutral muss man die sanitĂ€ren Anlagen bewerten. Enorm praktisch und auch in ausreichender Anzahl direkt neben der BĂŒhne gelegen, verströmten diese bei sengender Hitze doch hin und wieder GerĂŒche, die man direkt vor und auf der BĂŒhne nicht haben mĂŒsste
 FĂŒr jeden der „mal eben“ musste aber auf jeden Fall besser, als ĂŒber das gesamte GelĂ€nde stiefeln zu mĂŒssen. Auch GetrĂ€nke gab es zur GenĂŒge direkt neben der BĂŒhne. Wirklich ordentlich! Und – last but not least – die Lage. FĂŒr uns „FlachlĂ€nder“ eine Aussicht, ein Panorama zum TrĂ€umen. Berge, BĂ€ume, Wiesen, WasserfĂ€lle, Seen – Natur Pur – und in der Mitte ein gigantisches Festival.


Mein Fazit:
Lineup Top. Location Top. Versorgung Top. Der Preis ist recht happig, aber fĂŒr das Gebotene gerechtfertigt. Auch wenn es sich fĂŒr Unsereins nicht gerade „um die Ecke“ befindet: Jederzeit wieder.

Wir haben fĂŒr euch eine Fotogalerie mit Bildern des Festivals zusammengestellt, die ihr hier oder durch Anklicken der Bilder erreichen könnt:

Galerie: GREENFIELD FESTIVAL – Samstag, den 15.06.2013

Autor & Fotos: Jesko MĂ€gle

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Weitere Fotos des Events gibt es hier

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