Interview: LOST IN DESIRE

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Lost in Desire war ursprĂŒnglich ein Soloprojekt von Mastermind Stephan und wurde 2008 ins Leben gerufen. Zwei Jahre vergingen bis zur Veröffentlichung des ersten, gleichnamigen Albums bei Sony/ Echozone, welches eine gelungene Mischung aus Synth-Pop, Indie-Rock und Alternative darstellt. Nach dem erfolgreichen DebĂŒt entschloss sich Stephan weitere versierte Musiker wie Sonja, Mark und Dave mit in das Projekt aufzunehmen. Eine gute Entscheidung, denn die vier sympathischen Österreicher haben ein stimmiges Live-Konzept, mit dem sie die Hörer schnell in ihren Bann ziehen. Schon nach den ersten Minuten wird deutlich, wie viel Herzblut und Können in diesem Musikprojekt steckt.


Frank (F): Lost In Desire, wie ist der Name der Band entstanden? Begehren nach was?

Lost In Desire ist aus den Emotionen heraus entstanden, denen im Grunde auch eine Vielzahl der Songs zu Grunde liegen, denn was bewegt uns? Was bringt Menschen dazu etwas zu tun? Es ist doch immer die Sehnsucht, die als Motivator, als Treiber, letztendlich als sinngebendes Element im Leben fungiert. Ich habe noch keinen Menschen kennen gelernt, der nicht in der einen oder anderen Form darin verloren ist und deswegen auch der Name Lost in Desire.



F: Behandeln eure Lyrics auch dieses zentrale Thema, oder gibt es verschieden Facetten, verschiedene Erfahrungen die Du vielleicht beschreibst Stephan?

Mittlerweile haben wir bereits unser zweites Album aufgenommen und eine gewisse Vielfalt ist auch schon da, aber im Grunde genommen geht es immer wieder darauf zurĂŒck. Wenn man sich die Texte ansieht fĂ€llt auf, dass ich gerne eine sehr bildhafte Sprache verwende. Oft auch bewusst nicht so konkret, so dass der Hörer oder auch Leser noch Raum fĂŒr eigene Interpretationen hat. Ich gebe Emotionen gerne in Form von Bildern wieder, in der Hoffnung, dass sich der Eine oder Andere in diesen Bildern selbst wieder finden kann.


F: Sind das erlebte Sachen oder sind das eher Sachen, die Du Dir vorstellst wie andere Leute vielleicht fĂŒhlen? Ist das was Konkretes, eine Situation, die Du beschreiben möchtest innerhalb von Beziehungen unter Menschen oder Ärger, den Du rausschreien möchtest?

Ich glaube man kann seine Erfahrungen, die man gemacht hat niemals ausblenden und sich so objektivieren und behaupten, dass man jetzt generische Dinge schreibt. Das geht gar nicht. Also, in der einen oder anderen Form ist die persönliche Erfahrung immer fester Bestandteil darin.


F: Ich habe im Internet gelesen, dass Lost In Desire ursprĂŒnglich ein Ein-Mann-Projekt war. Wie habt ihr Euch letztendlich gefunden? Hast Du eine Ausschreibung gemacht?

(Lacht und bemerkt, dass die Bandmitglieder so aufgereiht sitzen wie sie auch in die Band gekommen sind.)
Fangen wir rechts an, meine kleine Schwester Sonja kenne ich jetzt seit 24 Jahren. Und als es darum ging Lost In Desire auf die BĂŒhne zu bringen, saßen wir bei einem Familienessen. Ich weiß ja, dass sie von klein auf Klavierunterricht hatte und eine sehr gute Klavierspielerin und Musikerin ist. „Sonja, Du bist dabei“! Über ein paar Umwege und ZufĂ€lle sind wir dann ein halbes Jahr spĂ€ter an Mark geraten und ab dem zweiten Konzert war Mark dabei. Der Kontakt entstand ĂŒber fĂŒnf Ecken im Freundeskreis und andere Musiker, die uns anfangs unterstĂŒtzt haben. Es hat ein bisschen gedauert, bis sich das alles formierte, und dann waren wir erst eine Weile zu dritt unterwegs.

Wenn man sich das erste Album anhört fĂ€llt auf, dass es noch wesentlich elektronischer ist, die neueren Sachen sind rockiger. Noch wĂ€hrend der ersten Demoaufnahmen fĂŒr das neue Album gab es ein Wechselspiel der Überlegungen, zwischen elektronischen Beats oder eher der klassisch rockigen Richtung, mit echtem Schlagzeug. Mark war schon immer davon ĂŒberzeugt, der ist ein alter Rocker. FĂŒr mich war auch noch die Meinung von Ashley Dayour (Whispers In The Shadow und Coma Divine) entscheidend, der engagiert an den Gitarren fĂŒr das zweite Album mitgewirkt hat und ein sehr guter Freund von mir ist. Ashley sagte mir wortwörtlich: „Du musst einen Drummer nehmen, es geht gar nicht anders“ und bat Reinhard Schwarzinger, den Drummer von Whispers In The Shadow unsere Drums im Studio einzuspielen. Noch wĂ€hrend der Aufnahmen im Studio wurde klar, dass ein Live-Drummer unverzichtbar war. Reinhard war als Drummer jedoch mit fĂŒnf Bands schon mehr als ausgebucht und wir konnten ihn fĂŒr unser Projekt nicht dauerhaft gewinnen. Sowohl Ashley als auch Reinhard haben mir empfohlen, mich an David zu halten, der ebenfalls ein sehr guter Drummer ist und zuvor auch schon die Vertretung fĂŒr Reinhard ĂŒbernommen hatte, wenn dieser einmal nicht konnte. Ja und so sind wir letztendlich zusammen gekommen. Vor etwas ĂŒber einem Jahr trafen wir uns im Proberaum und bei der ersten Drum Session, genauer gesagt beim zweiten Song, hat David so feste auf die Bassdrum getreten, dass das Fell gerissen ist und da war uns eigentlich klar, dass er der richtige Mann fĂŒr uns ist. Bei einigen Konzerten ist Ashley noch dabei, aber im Großen und Ganzen formieren wir die Band.



F: Wie entstehen die Songs? Jammt ihr zusammen oder hat jemand von Euch eine Idee und dann wird das im Proberaum ausgearbeitet?

Unterschiedlich. Beim ersten Album habe ich eigentlich alles alleine gemacht und mitgebracht, beim zweiten Album war es teilweise auch noch so. Crimson Poetry, das wir heute auch schon gehört haben, ist wĂ€hrend einer Jam-Session entstanden, in der Mark ein Riff gespielt hat. Erst viel spĂ€ter ergab sich der passende Text dazu und ein Song ist entstanden. Es entwickelt sich mehr und mehr in die Richtung, dass wir unsere Songs klassisch „bandmĂ€ĂŸig“ finden.


Anna (A): Ihr nehmt also das, was im kreativen Pool zusammen kommt? Einer von Euch hat eine Idee, prĂ€sentiert sie den anderen und jeder lĂ€sst etwas mit einfließen?

Ja, doch. So ist es hÀufig, dass dann jedem etwas dazu einfÀllt und wir dann einfach spielen.

F: Könnt ihr den Unterschied zwischen dem deutschen und dem österreichischem Publikum beschreiben? Gibt es da gravierende Unterschiede?

Ich muss sagen, DAS deutsche Publikum an sich habe ich bisher nicht kennen gelernt, weil Deutschland so vielfĂ€ltig und unterschiedlich ist. Die AtmosphĂ€re ist ĂŒberall anders, je nachdem wo man spielt, ob Berlin, MĂŒnchen oder im Ruhrgebiet und dasselbe gilt auch fĂŒr Österreich.


F: Was haltet ihr davon, wenn Fans ihre Videos von Euch bei Youtube hoch laden? Findet ihr das gut oder macht es euch etwas aus, vielleicht weil ihr sagt: „oh, da sehe ich aber nicht gut aus“ oder „da hab® ich mich versungen“

Ja, das ist super. Wir freuen uns darĂŒber. Es macht uns nichts aus, wenn wir mal nicht gut aussehen oder uns versingen, wir spielen live und das ist Rock ÂŽn Roll. Wir versuchen so wenig wie möglich bis gar nichts aus der Konserve zu machen und da geht halt auch manchmal etwas schief, selbst bei grĂ¶ĂŸten Bands die live spielen, damit mĂŒssen wir leben. Ich finde es schön, wenn Fans so begeistert sind, dass sie Videos hochladen und deshalb sehe ich das als Kompliment.



F: Eure neue Single gibt es als kostenlosen Download, habt ihr vorhin auf der BĂŒhne bekannt gegeben. Wie heißt sie und wo kann man sie bekommen?

Ja, unsere neue Single Put Out That Light gibt es als Gratis Download mit drei guten Remixes in unterschiedlichen Stilrichtungen auf unserer Internetseite: www.lostindesire.com als kleines Geschenk und Teaser fĂŒr unser neues Album, das im Herbst diesen Jahres erscheinen wird.
Wir freuen uns ĂŒber die positive Resonanz des Publikums, dafĂŒr lebt man ja als Musiker und hieraus schöpfen wir auch unsere Kraft. Wir haben jetzt erstmalig im Ruhrgebiet gespielt und wir sind absolut happy ĂŒber die Reaktion der Leute. Wir freuen uns darauf hier wieder aufzutreten.


A: Ich komme gebĂŒrtig aus dieser Region und ich muss sagen, dass hier sehr viel ĂŒber Mundpropaganda lĂ€uft. Wir „Ruhrpöttler“ mögen mit unserem „wat“ und „dat“ erst einmal etwas befremdlich wirken, aber wen wir ins Herz geschlossen haben, der bleibt auch da.
Wenn ihr hier erst einmal richtig Fuß gefasst habt, erwarten Euch hier im Ruhrgebiet treue Fans.


F: Könnt ihr beschreiben, was der Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Album ist?

Ja, absolut. Im ersten Album sind Ideen aus fast 10 Jahren zusammen gekommen, die ich gesammelt habe und die aus einer elektronischen Perspektive produziert wurden. Alle vorkommenden Instrumente und Texte habe ich im Studio quasi im Alleingang eingespielt und eingesungen. Erst danach habe ich begonnen, mir eine Live Band zu suchen.
Das war beim zweiten Album ganz anders, da sind einige Musiker mit dabei gewesen, die Instrumente gespielt und ihre Ideen mit eingebracht haben und auch die Songs sind in einer engen Periode entstanden und nicht ĂŒber so einen langen Zeitraum. Deswegen ist auch der rote Faden, der sich durch das zweite Album ziehen wird, sicher sehr viel deutlicher zu erkennen.
Das zweite Album ist gereifter, rockiger, mit mehr Gitarre und Bass.


F: Gibt es auch Coverversionen auf eurem zweiten Album? Rebell Yell von Billy Idol beispielsweise kam heute sehr gut bei den Zuschauern an.

Auf dem kommenden Album nicht, das behalten wir uns erst einmal fĂŒr unsere Auftritte vor. Wir haben in den letzten zwei Jahren an unserem Album gearbeitet und die Coversongs passen nicht in das Konzept. Neben Drums und zusĂ€tzlichen Gitarren haben wir fĂŒr zwei Balladen auch echte Streicher aufgenommen und das Ganze etwas grĂ¶ĂŸer aufgezogen, so dass man gespannt sein kann.
Vielleicht machen wir irgendwann mal ein Special, wo wir dann solche Coversongs aufnehmen oder mal als B-Seite.


F: Wir sind gespannt. Plant ihr dann auch mit einem Orchester auf die BĂŒhne zu gehen?

Ein komplettes Orchester kann ich mir nicht vorstellen, aber ein Cello, eine Violine oder ein paar Streicher durchaus. Mal schauen, das könnte ich mir schon gut vorstellen.


A: Und diese Coverversionen sind ja auch live dann ein Bonbon fĂŒr die Fans, also wer zum Konzert kommt, der wird mit so einem musikalischen Leckerbissen belohnt.

Ja, und fĂŒr die, die uns noch gar nicht kennen ist es dann auch etwas einfacher und lockert das Ganze ein bisschen auf. Gerade wenn man irgendwo spielt, wo viele Leute noch gar nichts von uns kennen.


A: Es ist ja relativ schwer sich auf dem Markt mit eigenen Songs und eigenem Stil zu etablieren, wenn man als KĂŒnstler seine eigene Vorstellung von Musik hat und daran festhalten möchte. Wie stellt ihr Euch das vor, dass ihr das schaffen könnt?

(lacht) Wir werden es sehen.

Ich habe ein eigenes Label gegrĂŒndet und wir machen alles komplett „independent“. Im Vertrieb arbeiten wir mit Echozone zusammen. GrundsĂ€tzlich ist uns bewusst, dass es da draußen keinen Sponsor gibt, der nur darauf wartet, dass er jetzt 3 Mio. in uns investiert und wir eine weltweite Promo-Tour machen können. Das ist einfach Fakt, da braucht man sich nichts vor zu machen.
Es ist einfach harte Knochenarbeit. Wir sind nicht nur KĂŒnstler, wir sind gleichzeitig auch Produzenten, Plattenlabel, Promoter, also alles in einem und es hĂ€ngt alles an uns. Es gibt zum GlĂŒck mittlerweile einige Leute, die uns mit Herz und Seele unterstĂŒtzen, wie beispielsweise unsere Managerin Claudia Rossner-Poniz, die sich um das Booking und Promotion kĂŒmmert oder Joanna Babicka, die unsere Videos alle macht und auch die Promo massiv mit unterstĂŒtzt. Ohne unsere „Helferfeen“ wĂ€re es nicht möglich, das alles auf die Beine zu stellen.
Fakt ist, es ist sehr viel mehr Arbeit als man vielleicht von außen betrachtet sehen kann.
Wir machen das jetzt seit 3 œ Jahren und sind vor allem in der schwarzen Szene in Deutschland sehr gut aufgenommen worden, was wirklich fantastisch ist, denn das gibt uns eine gewisse Homebase.
Wir wissen, dass wir her kommen und einfach auf einem schwarzen Fest spielen können. Obwohl ich unsere Musik nicht nur auf die schwarze Szene beschrĂ€nken möchte, da es viele unterschiedliche EinflĂŒsse gibt. Das Zielpublikum geht sicher darĂŒber hinaus.

Wir planen mit unserem kommenden Album eine Tour quer durch Europa mit einigen Stopps in Deutschland, Niederlande, UK und bis Italien in den SĂŒden runter.


F: Mit welchen anderen KĂŒnstlern wĂŒrdet ihr gerne mal zusammenarbeiten? Habt ihr Idole, mit denen ihr gerne mal eine Single aufnehmen wĂŒrdet?

Es wĂŒrde mich reizen mal ein Album in einem alten, großen Studio zu produzieren, mit alten Bandmaschinen und einem Top-Produzenten, von dem ich noch etwas lernen kann, obwohl ich selbst 10 Jahre als Produzent im Studio verbracht habe. Man lernt ja stĂ€ndig und bildet sich selbst weiter. Jeder arbeitet ja anders und hat eine andere Herangehensweise.
Ich arbeite auch immer noch als Produzent fĂŒr andere Musikprojekte. Mark ist mittlerweile als gelernter Tontechniker stark mit eingebunden. Egal was fĂŒr Musikrichtungen es sind: von Metal bis Pop ĂŒber Schlager ist alles schon dabei gewesen. Musik ist Musik und man lernt einfach immer wieder etwas Neues dazu. Es gibt im Grunde nur zwei Arten von Musik: authentisch und nicht authentisch. Es muss mich persönlich nicht ansprechen.


A: Genau darin liegt ja auch eine gewisse ProfessionalitĂ€t. Das eine spricht Dich persönlich an, das tust Du fĂŒr Dich und das andere ist nicht Dein Geschmack und spricht eher andere an und trotzdem lieferst Du gute Arbeit ab. Das spricht ja schon fĂŒr sich selbst.

Das ist ein Punkt weshalb ich ĂŒberhaupt mit Lost In Desire begonnen habe. Ich war, wie gesagt, zehn Jahre als Musikproduzent im Studio tĂ€tig und habe unterschiedlichste Bands produziert, darunter auch sehr viel Mainstream. Das hat mir auf eine Art auch Spaß gemacht, aber es war nie wirklich etwas dabei, was mich auch im Herzen berĂŒhrt hat. So wurde der Wunsch immer grĂ¶ĂŸer auch mal etwas fĂŒr das eigene Herz zu machen. Aus diesem BedĂŒrfnis heraus ist letztlich auch Lost In Desire entstanden. So frei nach dem Motto: „Jetzt mach ich mal mein Ding“. Ich habe nie wirklich geplant, was einmal daraus entstehen kann, ich habe einfach an einem verregneten Feiertag November 2008 begonnen, daran kann ich mich noch gut erinnern. Ich hörte meine alten Demos an und fand einen Gitarren-Loop, aus dem ich an einem Wochenende einen Song gemacht habe, welchen ich auf MySpace eingestellt habe. Die Resonanz war einfach so enorm und unerwartet positiv, dass ich mir dachte: „dann machen wir halt mehr daraus“.


Lost In Desire:

Stephan – Gesang und Gitarre
Sonja – Keyboard
Mark – Gitarre und Bass
Dave – Schlagzeug

Das Interview fĂŒhrten Anna Michels und Frank Stienen mit Stephan am 24. Mai 2013 wĂ€hrend des RSE and Friends Festivals im Kulttempel Oberhausen.

Fotos: Bandpromotion
Live- und Interviewfotos: Jan Wolff

Redaktion: Anna Michels

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