Hexentanz Festival 2013 – Losheim am See (26.04.-28.04.2013)

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Hexentanz – oder besser Regentanz?

Bei Outdoor-AktivitĂ€ten Ende April ist natĂŒrlich immer mit wettertechnischen Überraschungen zu rechnen, aber diesmal wĂ€re es wĂŒnschenswert gewesen, die Regengötter hĂ€tten sich nicht ganz so akribisch an die Vorhersage gehalten.

Der Freitag startete mit Regen – und einer neuen Location. In Losheim am See, einige Kilometer vom bisherigen Veranstaltungsort am Bostalsee entfernt. Idyllisch zwischen Wiesen und WĂ€ldern am Hang gelegen, bietet sich eine durchaus passende Kulisse fĂŒr BĂŒhne, Mittelaltermarkt und großzĂŒgigen Zuschauerbereich. Einer der grĂ¶ĂŸten Pluspunkte ist das ansteigende GelĂ€nde, welches einen freien Blick auf die BĂŒhne auch noch aus großer Entfernung gewĂ€hrleistet. Bei schönem Wetter ein PĂ€uschen auf der Picknickdecke und danach erfrischt ins GetĂŒmmel stĂŒrzen, so hatten es sich die Veranstalter sicher auch gedacht. Bei knöcheltiefem Schlamm wurde das GefĂ€lle jedoch leider so mancher Festivalbekleidung zum VerhĂ€ngnis und sorgte fĂŒr den Einsatz von Gummimatten am zweiten Tag – der Golfrasen war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon ein wenig angeknickt.

Der Freitag (26.04.2013)

Die Walpurgisschlacht am Freitag – der offizielle Auftakt zum rasenden Hexentanz – startete allem Wetter zum Trotz mit guter Laune und einem abwechslungs- und temporeichen Line-up. Jetzt erst recht, schien das Motto vieler Besucher und so tummelten sich schon bei den ersten Bands zahlreiche FeierwĂŒtige vor dem großzĂŒgig bemessenen Fotograben. Das Warm Up machte [soon], eine melodische Rock/Metal-Band aus Hamburg. Leider war der Bereich zur BĂŒhne zu Beginn des Auftritts noch nicht fĂŒrs Publikum freigegeben, so dass der Band nichts anderes ĂŒbrigblieb, als vor leerer GrasflĂ€che zu starten. Ein unnötiger Patzer der Organisation zu Beginn, den die Band mit dem Kommentar „Ihr könnt uns zwar nicht sehen, aber zumindest hören“ ĂŒberspielte. SpĂ€testens bei Lord of The Lost waren aber alle, wo sie hinwollten, sei es an den zahlreichen Bier- und MetstĂ€nden, vor der BĂŒhne oder auf dem ĂŒberschaubaren, aber vielseitigen Mittelaltermarkt. Mit ihrem letzten StĂŒck Dry the Rain stießen sie natĂŒrlich beim Publikum, leider aber nicht bei den Wettergöttern auf offene Ohren.

Ein Highlight des ersten Tages waren mit Sicherheit Van Canto, die Metal A Cappellaner, deren Schrabbel di Schrumm aus vielen Kehlen zeitweise vergessen ließ, dass sich außer einem Schlagzeug keine Instrumente auf der BĂŒhne befanden. Klassiker wie Fear of the dark und Sabatons Primo Victoria hoben die Laune im Publikum merklich an. Im Anschluss bespielte uns die finnische Metalband 69 Eyes, die seit 2012 mit ihrem neuen Album X alle willigen Ohren mit ihren melodischen, sehr radiotauglichen KlĂ€ngen beschallen. Die Apokalyptischen Reiter sorgten mit ihrer mitreißenden BĂŒhnenshow fĂŒr gewohnt ausgelassene Stimmung, die im wilden BĂŒhnentanz einer Dame aus dem Publikum gipfelte. Peinlich fĂŒr die Technik: der tonale Totalausfall ĂŒber zwei Songs. Mit den Finnen von Sonata Arctica war eine weitere skandinavische Band am Start, die den Headliner fĂŒr den ersten Festivaltag stellte. Mit leichter VerspĂ€tung bot sie fĂŒr Ohren und Augen eine gute, melodische und, da englisch, verstĂ€ndliche BĂŒhnenshow. Wölfe gehören hier sowohl musikalisch als auch grafisch zum unverzichtbaren Repertoire.


Der Samstag (27.04.2013)

Die eröffnende Band, Maerzfeld, auch unter dem Namen Stahlzeit als Rammstein Tribute Band bekannt, spielte ihre eigenen, harten und in Richtung Industrial gehenden Kompositionen. Die Stimmung war aber trotz ziemlicher EiseskĂ€lte von Anfang an sehr gut. Die nachfolgende, estnische Gruppierung Metsatöll war eine weitere Hommage an das nordische Klischee der langhaarigen blonden MĂ€nner und ihrer harten Musik. Mit tiefen Stimmen spielten sie sehr hörbaren Heavy Folk Metal und versammelten eine gute Menge Publikum vor der BĂŒhne. Den musikalischen Bogen zum NDH schlugen die silbernen Herren von Stahlmann. Mit harten Gitarrenriffs und mitreißenden Rhythmen ließen sie den Stimmungsfunken schließlich ganz auf die Zuschauer ĂŒberspringen. Doch hatte man immer wieder mit tontechnischen Problemen zu kĂ€mpfen, was leider die Nachfolger von Coppelius mit ihren Kammerinstrumenten ebenfalls zu spĂŒren bekamen. Mit aufwendigem BĂŒhnenbild und adĂ€quaten Outfits nahmen sie uns dennoch mit auf eine Reise ins unverhofft rockige 19. Jahrhundert. Immer schön im Wechsel – die nĂ€chsten Finnen warteten auf ihren Augenblick: Korpiklaani mit solidem naturverbundenen Folk-Metal.

Vorletzte Band des Abends waren die allbekannten Mono Inc., die in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg vollbracht haben und im Herbst schon wieder mit einem neuen Album aufwarten – Tempo, Tempo! Dieses halten sie auch auf der BĂŒhne ordentlich durch und werden mit einer stetig wachsenden Fangemeinde belohnt.

Über Mangel an Fans kann sich der englische Headliner New Model Army auch nicht beklagen, als Veteranen des RockgeschĂ€fts, die seit den 70er Jahren dabei sind, hatten sie genug Zeit, die Leute fĂŒr ihren Independent Rock zu begeistern. Einige vor allem jĂŒngere Fans hatten dann aber nicht mehr genug Power fĂŒr den letzten Auftritt eines langen matschigen Tages.


Der Sonntag (28.04.2013)

Kalt, aber trocken. Die Eingangsband Lustkind bot Cello-Rock in Kombination mit E-Gitarre, durchaus hörenswert. Unzucht sorgte anschließend fĂŒr ein wirkliches Stimmungsfest. Trotz der wenigen Zuschauer warf sich SĂ€nger Daniel Schulz auf die ausgestreckten HĂ€nde und wurde sicher wieder an die rettende Balustrade getragen. Das nennt man Herzblut in der Fanbase!
SpĂ€testens bei Vogelfrey waren alle steifgelegenen Gelenke wieder warmgetanzt und so heizten sie das Publikum mit eingĂ€ngigen Rhythmen und Melodien gut an. Witzige Texte und zur Abwechslung einmal eine gute Soundabmischung boten ein wunderbares Seh- und Hörerlebnis, auch zum Mitsingen. Die Langzeit-Dark Waver Diary of Dreams boten im Anschluss gute MusikqualitĂ€t zum Mitrocken. StĂŒcke wie The Curse begeisterten die Zuhörerschaft und regten zum Mittanzen an. Leider sehr knapp bekanntgegeben: Ensiferum hat abgesagt. Als Ersatz trat die Pagan-Metal-Band Varg an. In Erinnerung blieben hier neben fliegenden Elementen wie Haaren, Toilettenrollen und MĂ€nner im Kuh-KostĂŒm die rot-schwarzen Bandmitglieder, die mit gutturalem Gesang und harten Rhythmen das Publikum warmhielten. Die Tontechnik hatte ihre Probleme wohl in den Griff bekommen, da der Sound zum Headliner Eisbrecher am Ende des Festivals wieder in gewohnter QualitĂ€t zur VerfĂŒgung stand. Fast eineinhalb Stunden BĂŒhnen- und Effektshow waren ein Erlebnis fĂŒr das ganze Publikum, ein Knaller zum Abschluss mit der Versprechung auf einen wundervollen Festival-Sommer!

Trotz Regen, Schlamm und Tontechnik – Daumen hoch fĂŒrs Hexentanz!

Musikalisches Fazit: Gut durchmischt – an jedem Tag waren sehr sehens- und hörenswerte Bands am Start – und die Kombination von Newcomern und alten Hasen bringt jedem Ohr auch bis dato ungehörte Melodien nahe. Eine durchgĂ€ngigere Moderation wĂ€re wĂŒnschenswert gewesen – vielleicht etwas in Richtung Das Niveau oder Bastille von Coppelius.

Location: Schöne Umgebung, großer Pluspunkt fĂŒr die ansteigende Wiese und den vielseitigen Markt. Mit See und Wald im Hintergrund haben nicht nur die vielen naturverbundenen Finnen einen wĂŒrdigen Hintergrund fĂŒr ihre Musik.

Verpflegung: Erstaunlich viele StĂ€nde aus aller Herren LĂ€nder ließen keine kulinarischen WĂŒnsche offen – eine lobenswerte Abwechslung zu reinen Bier-und-Wurst-Festivals. Lediglich bei den GetrĂ€nken hĂ€tte man (oder besser Frau) sich ein wenig mehr Abwechslung in Richtung Wein, Sekt und MischgetrĂ€nke gewĂŒnscht.

Organisation: Durchwachsen – sehr freundliche Security, die offenbar auch ihren Spaß an der Musik hatte und uns souverĂ€n in unsere Bahnen lenkte, auch wenn wir nicht immer wussten, wo wir hinmussten (Meet & Wo?). Die Matschmatten hĂ€tten wir uns schon am ersten Tag gewĂŒnscht und dass eine Band vor leerem Rasen starten musste, war wahrlich sehr schade. Auch die Tontechnik hat noch Luft nach oben – aber es war ja immerhin das erste Mal an neuer Location, da sind Startschwierigkeiten verstĂ€ndlich. Mehr sanitĂ€re Anlagen wĂ€ren wĂŒnschenswert, aber hey – es gab warmes Wasser!

Bilder der drei Tage befinden sich in unserer Konzertfotosgalerie unter !Festivals oder direkt hier: Galerie Hexentanz Festival 2013


Autoren/Innen: K von Koriolis, Sheris v.d. Kauernburg
Fotos: Jesko MĂ€gle

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