Johnny Marr – The Messenger

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8 Bewertung

8

Gerade erst wurde dem frĂŒheren The Smiths Gitarristen Johnny Marr vollkommen zurecht der Titel „Godlike Genius“ vom britischen NME verliehen, da erscheint mit The Messenger auch sein langerwartetes erstes „richtiges“ Soloalbum nach dem 2003er Ausflug mit den Healers. Kaum ein KĂŒnstler hat mit seinem Gitarrenspiel so viele andere Musiker beeinflusst wie er, und warum z.B. auch Oasis‘ Noel Gallagher dazuzĂ€hlt, wird an einigen Stellen des Albums durchaus deutlich. Johnny hat ein GespĂŒr fĂŒr groovige und zugleich rockige Sounds und auch sein Gesang war eigentlich schon immer zu schade, um ihn in hinterer Reihe zu verstecken. Wer auf The Messenger monotone Standardkost erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt, denn Johnny Marr ist im wahrsten Sinne des Wortes KĂŒnstler und so wirkt es als sei er angetreten, die komplette Musikgeschichte der letzten 30 Jahre zu reformieren oder den Hörer zumindest mit auf die Reise durch die Jahrzehnte zu nehmen. Der UniversitĂ€t von Salford gelang es 2007 den Gitarrengott als Professor der Musik zu Vorlesungen zu ĂŒberreden und mit The Messenger nimmt er sich jetzt den verschiedensten Stilarten an und zeigt seine jeweilige Interpretation derer. Herausgekommen ist ein abwechslungsreiches Album, das eher an ein audiophiles Musik-Lexikon, als an ein zeitgenössisches Werk erinnert, aber nicht so trocken daherkommt. Es kann vor allem durch seine Ausgeglichenheit und seine Langzeitwirkung punkten, auch wenn es angesichts der genannten Vielfalt hier und da etwas zerrissen wirkt.

Eine geniale Vermischung aus Gesang und Musik wie sie seinerzeit bei The Smiths mit Morrissey und Marr vorlag, findet man hier sicher nicht, doch wĂ€re es auch unfair ihn daran zu messen. Schließlich sind The Smiths bereits seit ĂŒber 25 Jahren Geschichte, vieles hat sich seither geĂ€ndert und Johnny Marr ist am Mikrofon nun mal kein Morrissey
 was sowohl EinschrĂ€nkungen, als auch zusĂ€tzlichen Reiz mit sich bringt.

Besonders das als Vorbote in die Welt gesandte TitelstĂŒck The Messenger hat es mir angetan, schmiegt sich hier doch der Gesang elegant um die wundervollen Gitarrensounds, die einen bei den ersten KlĂ€ngen sofort begeistern. The Smiths Fans dĂŒrften besonders bei der Gitarrenarbeit von New Town Velocity aufhorchen, das am ehesten an alte Zeiten erinnert. Die aktuelle Single Upstarts ist da deutlich tanzbarer ausgerichtet, brauch aber trotzdem eine Weile um ihre StĂ€rken richtig auszuspielen, was auch fĂŒr das Album insgesamt gilt.

Man darf gespannt sein, ob The Messenger ein einmaliger Ausflug auf frische Solopfade ist, oder ob uns Johnny Marr in Zukunft öfter mit auf die Reise nehmen wird und sich dann vielleicht sogar noch etwas deutlicher auf ein Ziel festlegt. Bis dahin ist The Messenger aber ein wirklich gutes Album, das den Hörer belohnt, wenn er sich darauf einlÀsst.

Tracklist:
01. The Right Thing Right
02. I Want The Heartbeat
03. European Me
04. Upstarts
05. Lockdown
06. The Messenger
07. Generate! Generate!
08. Say Demesne
09. Sun & Moon
10. The Track Up
11. New Town Velocity
12. Word Starts Attack

Autor: Michael Gamon

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