AMPHI FESTIVAL 2012 Tag 2 – Köln, Tanzbrunnen (22.07.2012)

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Bei bestem Festivalwetter am Amphi-Sonntag eröffnete die Hamburger Dark-Rock Band Lord Of The Lost das Festival und SĂ€nger Chris „The Lord“ Harms und seine Band bliesen ihre melodischen Songs in den blauen Sommerhimmel. Schöngeist im Staatenhaus hingegen atmeten mit ihren Fans zwar keine frische Luft ein, aber sie genossen cooles, deutschsprachig-rockiges Liedgut. Solar Fake, das Solo-Projekt von Zeraphine-SĂ€nger Sven Friedrich zeigte auf der HauptbĂŒhne, wie man schönen, tanzbaren Elektropop zelebrieren kann. Mit Hilfe des Keyboarders Frank spielte die Band StĂŒcke ihrer beiden Alben “Frontiers” und „Broken Grid“. Die treibenden Beats und tanzbaren Floorkiller brachten die Zuschauer zum Mitfeiern, bis jeder Weg zum GetrĂ€nkestand zu weit war. Die Band Whispers in the Shadow, die sich nach einer Geschichte des Horrorautors H.P. Lovecraft benannt hat, durfte in der Halle zeigen, dass sie es drauf hat. Und mit StĂŒcken wie „The Arrival“ und „Back to the Wound“ gelang es ihnen spielend, ebendies zu beweisen. Elektronischer ging es dann draußen weiter, die US-Amerikaner von Aesthetic Perfection waren ausgezogen, um das Tanzen zu lehren. Bei den hĂ€rteren Songs sah man einige Cybergoths umherwirbeln, Tastenakrobat David auf seinem KeyboardstĂ€nder herumklettern, Drummer Tim auf seine Felle einhĂ€mmern und SĂ€nger Daniel die Massen animieren; mit perfektem BĂŒhnen-Makeup natĂŒrlich. Aber nicht nur hart, aber auch herrlich konnten die Jungs. „Inhuman“ z.b. sorgte mit seiner schönen Melodie fĂŒr wackelnde Köpfe und zitternde Waden. Auch die Horrorpunk Band The Other weiß, wie man sich schminkt, ist doch jedes Bandmitglied anders gestaltet, nĂ€mlich als Vampir, Werwolf u.s.w. Die Liveerprobte Combo (Vorprogramm von „Misfits“) ließ es gehörig krachen und brachte die Punkfans zum Tanzen. Das stimmungsvolle BĂŒhnenbild bestehend aus Kirchenfenstern- und Elementen und der oft dreistimmige Gesang sorgte fĂŒr wohlige Schauer im Staatenhaus.

Nanu? Rammstein auf dem Amphi Festival? Nein, es handelte sich um die Rammstein Coverband Stahlzeit, die es hinbekamen, eine perfekte Blaupause der Weltstars zu schaffen. Kracher wie „Du hast“, „Du riechst so gut“, „Mein Teil“ und viele andere sorgten fĂŒr schweißnasse Körper. Hier stimmte jede Geste, jede Verkleidung, jeder Ton. Überraschungsarm aber wirksam! Bewaffnet mit Klarinette, Cello und Kontrabass spielten Coppelius in der Halle auf. Ein schöner Gegensatz zum rockigen Pendant auf der Mainstage. Die von Iron Maiden beeinflusste Musik kann man wirklich als Heavy Metal mit klassischen Instrumenten beschreiben. Und wer nun denkt, das sei langweilig irrt gewaltig, denn es ging so richtig ab und als Zuschauer konnte man so richtig abrocken. The CrĂŒxshadows hatten dann im Freien die BĂŒhne fĂŒr sich. In neuer Besetzung veredelten die Amerikaner ihre Songs zwischen Goth- und Synthrock und wer die „CrĂŒxies“ bisher schon mal gesehen hat, der weiß, was einen erwartet. SĂ€nger Rogue geht ins Publikum, klettert an der BĂŒhne herum und hĂŒbsche TĂ€nzerinnen bewegen sich gekonnt zum Beat der Musik. Hier wird nichts dem Zufall ĂŒberlassen. Dennoch sorgten Songs wie „Winterborn“ und „Angelus Everlasting“ fĂŒr gute Stimmung. Auch der neue Track vom kommenden Album "As the Dark Against My Halo" wurde sehr gut aufgenommen. Man darf sich also auf den neuen Output der Band aus Florida freuen.

In der Halle konnte man das Projekt 18 Summers begutachten, die Gruppe setzt sich aus Mitgliedern der Kultband Silke Bischoff zusammen, die sich aufgrund eines Rechtsstreites umbenennen musste. Mastermind Felix Flaucher stand wie ein Fels in der Brandung vorne und mit Keyboarderin Nicole und dem Gitarristen Frank Schwer intonierten sie Silke Bischoff Klassiker und Songs ihres neuen Albums „The Magic Circus“, wie z.B. „Deep in my Heart“. Die getragene Musik kreierte eine ganz eigene Stimmung, besonders beim StĂŒck „Ajna“ das von Felix nur mit Akustikgitarre gesungen wurde. Man muss nicht groß betonen, dass bei den Hits „Phoenix from the Flames“ und dem Silke Bischoff StĂŒck „On the other Side“ (in einer sehr tanzbaren Version) die Party perfekt war und es am Ende der Performance offenen Applaus gab. Die Hamburger Rockband Mono Inc. durfte indes das machen, was sie am besten kann: die Menschenmassen zum Schwitzen bringen und das gelang der Gruppe spielend. Seien es StĂŒcke wie „Forgiven“, „Get some Sleep“, „The Passenger“ (SĂ€nger Martin Engler mit Konzertgitarre) oder der Überhit „Voices of Doom“, es war ein Ohren- und Augenschmaus, diese Performance mitzuerleben und die Fans konnten gebĂŒhrend abfeiern.

Der Name Rhys Fulber sollte jedem etwas sagen, der in den letzten 30 Jahren nicht im Winterschlaf gelegen hat. Seine Bands Front Line Assembly und Delerium sind die perfekten Beweise dafĂŒr, dass man mit viel Talent göttliche Independent Musik produzieren kann. Auch Conjure One beweist das. Mit einer Mischung aus Worldmusic und Trance erfrischte die Band mit Livedrums und Synths die Besucher des Festivals, dazu kam eine passende Multimediaprojektion im Hintergrund. Eine GastsĂ€ngerin stand am Mikrophon und unterstĂŒtzte den glasklaren Klang mit ihrer guten stimmlichen Performance beispielsweise bei „Center Of The Sun“. Auch das StĂŒck „After all“ (eigentlich ein Delerium StĂŒck) verfehlte seine hypnotische Wirkung nicht. In der Zwischenzeit zeigte Chris Pohl und sein Projekt Blutengel auf der Mainstage eine Show mit maskierten Menschen, TĂ€nzerinnen, Mummenschanz und blutigen BrĂŒsten. Die „Band“ spielte u.a. ihre Hits „Anders sein“, „Children of the Night“, „Lucifer“ und „Das Andere Ich“ und so durften die BE-AnhĂ€nger zufrieden sein. Bei Combichrist in der Halle gab es Schauwerte anderer Art. Nach einem recht lustigen Intro fiel plötzlich der Electrohammer, denn die verrĂŒckten Norweger betraten die BĂŒhne. Als Tiger, Pinguin und BĂ€r verkleidet hĂ€mmerten sie „WTF is wrong with you people?“ in die Menge. Enfant Terrible Andy LaPlegua stapfte ĂŒber die BĂŒhne, es flogen Trommeln herum und wurden gar im Zuschauerraum bearbeitet. Die Combichrists nahmen also schon bei der ersten Nummer die BĂŒhne auseinander. Es herrschte stĂ€ndig Bewegung auf der Szene und die Band zeigte eine pulsierende Show vor, die seinesgleichen sucht. Bei „Shut up and swallow“ war dann aufgrund der unglaublichen Energie, die im Haus herrschte kein Innehalten mehr und es durfte gehĂŒpft, gepogt und mitgegrölt werden.

Die Bodypopper von And One hatten auf der HauptbĂŒhne die Ehre, das gelungene Festival in der Domstadt zu beenden. Mittlerweile zum Quartett angewachsen, spielten die Jungs Tracks ihres aktuellen Albums „S.T.O.P.“ und natĂŒrlich viele Klassiker. Rick Schah (Keyboards), Nico Wieditz (Keyboards), Joke Jay (Drums, Backingvocals) und ein grippekranker Steve Naghavi servierten eine gutbekömmliche Mischung aus EBM und Synthpop. Songs wie „Traumfrau“,„Metalhammer“ und „Shouts“ of Joy“ erzeugten Feierstimmung und Steve wirbelte wie ein Derwisch ĂŒber die Bretter. Auch schöne Zungenschnalzer wie das coole The Cure Cover „The Walk“ oder Jokes Auftritt mit „High“ waren zu bestaunen und bei letztgenannter Nummer durften die And One-JĂŒnger bildgewaltig mit den Armen wedeln. Nach einem „Zugabeschrei-Lehrgang fĂŒr AnfĂ€nger“ kam der Gassenhauer „Deutschmaschine“ und ging fließend in „Get you closer“ ĂŒber. Die letzten Töne des Amphi Festival 2012 sollten aber Project Pitchfork im Staatenhaus gehören. Die zum zerbersten vollgepackte Halle durfte sich die Hamburger Band vor die Brust nehmen. Frontmann Peter Spilles gab alles, um den Abend unvergesslich zu machen. Stark geschminkt, vor einer LED Leinwand brachte der Musiker (ohne sein Bandkollege Dirk Scheuber, der sich auf freiwilliger Basis in einer Alkohol-Entzugsklinik befand) unsterbliches Liedgut wie „Existence“, „K.N.K.A.“ oder „Timekiller“ (das wenige Minuten vorher schon von And One auf der HauptbĂŒhne zu hören war). Bewaffnet mit direkt zwei Drummern und JĂŒrgen Jansen am Synthesizer wurde die Herzfrequenz deutlich erhöht. NatĂŒrlich durften auch „Conjure“ und „IO“ nicht fehlen, um die Feier zu einem Erfolg zu machen. Traurig, aber ob der guten Musik aufgeputscht durfte sich der geneigte TĂ€nzer auf der Aftershow Party auspowern, bevor es dann wieder – mit dem Vorsatz auch nĂ€chstes Jahr wieder aufÂŽs Amphi zu gehen – heimwĂ€rts ging.

Wir haben fĂŒr euch schon einmal eine Galerie mit Bildern des zweiten Tages zusammengestellt, die ihr hier oder durch Anklicken der Bilder erreichen könnt:

Galerie Amphi Festival Tag 2 (Sonntag, den 22.07.2012)

Autor: Frank Stienen
Fotos: Roger Op Den Camp (18 Summers: Michael Gamon)

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