HUGH LAURIE (Dr. House) & THE COPPER BOTTOM BAND – Bochum, RuhrCongress (17.07.2012)

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Wenn Schauspieler die Seiten wechseln und statt vor der Kamera hinter dem Mikrofon ihr Unwesen treiben, dann reißt dem einen oder anderen schnell die Hutschnur
 oder das Trommelfell. Wer will schon OP- Besteck beim BĂ€cker um die Ecke kaufen? Diese Frage stellt sich im Falle Hugh Laurie jedoch nicht – oder man ignoriert sie. Sicher hat seine PrĂ€sens im Fernsehen einen großen Einfluss auf seinen Bekanntheitsgrad im MusikgeschĂ€ft, doch ist das, was der schwarz- humoristische, sarkastische Griesgram- Doktor musikalisch leistet, kĂŒnstlerisch wertvoller als sĂ€mtlicher 0815- Pop, der die weltweiten Charts anfĂŒhrt.

Mit Dr. House, dem vicodinsĂŒchtigen TV- Arzt, hĂ€lt man es sicher nicht allzu lange in einem und demselben Raum aus. Anders ist es mit seinem Darsteller Hugh Laurie, der mit Musik statt mit Medikamenten heilt und uns statt in seine Praxis in sein Wohnzimmer mit SĂŒdstaaten- Flair, das am heutigen Abend im Bochumer Ruhrcongress aufgebaut wurde, einlĂ€dt.
Grund genug, den ambitionierten BluessĂ€nger beim Betreten des Raumes stark zu bejubeln und ihm ein „Guten Abend“ zu entlocken. Wer ĂŒber Dr. House lachen kann, dem wird es hier nicht wesentlich schwerer fallen, auch wenn Hugh Laurie und seine Fernsehrolle nicht wirklich viel gemeinsam haben. Und nach der gefĂŒhlt vierzigsten Stimmlage, mit der er seine (fast) einzigen deutschen Worte, nĂ€mlich „Guten Abend“, zu uns spricht und dabei wohliges GelĂ€chter verursacht, werden die Motoren auf der BĂŒhne gestartet und die Visite beginnt. Laurie entfĂŒhrt das Publikum gemeinsam mit seiner begnadeten Copper Bottom Band in die vielschichtige, leidenschaftliche Klangwelt des Blues und nimmt sich dabei einiger großer Werke an. Gewissenhaft und auf die Details bedacht interpretiert er unter anderem Louis Armstrongs „St. James Infirmary“ oder das mĂ€chtige „Swanee River“. Hugh und seine Musiker, die in keinem Moment hinter ihm zurĂŒckstehen, zelebrieren das LebensgefĂŒhl des New Orleans Blues authentisch und glaubwĂŒrdig. Nach und nach springt der Funke auch auf das Bochumer Publikum ĂŒber, das sich von dem passionierten Treiben mitreißen lĂ€sst. Besonders beeindruckend wird auch der „Battle Of Jericho“ dargeboten, der sich in blutrotem Gewand zeigt und klanglich durch Mark und Bein geht. Dass hier nicht nur Hugh Laurie im Mittelpunkt steht, fĂ€llt angenehm auf. Jeder seiner Musiker hat einen festen Platz im GesamtgefĂŒge und weiß zu ĂŒberzeugen. Besondere Aufmerksamkeit gewinnt hierbei SĂ€ngerin Jean McClain, die mit ihrer Interpretation von „John Henry“ die Bochumer beglĂŒckt.
Auch einige Anekdoten hĂ€lt der singende Schauspieler fĂŒr uns bereit, erzĂ€hlt von seinen Klavierstunden und einer schrecklichen Klavierlehrerin, die ihm eines seiner liebsten StĂŒcke, nĂ€mlich das bereits erwĂ€hnte „Swanee River“ vorenthielt. Er fĂŒllt den Raum mit Leben, erörtert die HintergrĂŒnde zu vielen der prĂ€sentierten Songs, ohne zu viel vorweg zu nehmen und zu langweilen. Hugh Laurie gewinnt die Herzen des Bochumer Publikums und verneigt sich vor uns wie wir uns vor ihm durch unseren Applaus verneigen. Ein gelungener Abend, der sicher auch denen im GedĂ€chtnis bleiben wird, deren Leben bisher noch nicht von Bluesmusik geprĂ€gt war.

Setlist:
01. Mellow Down Easy (Willie Dixon cover)
02. St James Infirmary (Louis Armstrong cover)
03. Crazy Arms
04. You Don’t Know My Mind (Lead Belly cover)
05. Battle of Jericho
06. Buddy Bolden’s Blues
07. Unchain My Heart (Ray Charles cover)
08. Junko’s Partner
09. Waitin‘ for the Train

10. Winin‘ Boy
11. John Henry
12. Yeh Yeh
13. Dear Old Southland
14. Wild Honey
15. Careless Love
16. Swanee River
17. Tipitina
18. Let Them Talk
19. Green Green Rocky Road
20. Changes (Z)
21. Tanqueray (Z)

Autorin: Tanja Pannwitz

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