Interview : ICON OF COIL (Andy LaPlegua // Combichrist, Sebastian Komor & Christian Lund)

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Freitag, der 13. und wir sind im Tivoli in Utrecht und begeben uns zum Backstagebereich um dort mit Icon Of Coil zu sprechen, die etwas sp├Ąter in der Halle auftreten werden. Es ist ungef├Ąhr halb acht als wir den Raum betreten und Frontmann Andy LaPlegua sitzt auf der Couch und h├Ârt Musik auf seinem Laptop. Hier sind wir also: Andy LaPlegua, Sebastian Komor, Christian Lund (Icon Of Coil) und Monique, Stefan, Roger (Sparklingphotos.de). Nat├╝rlich haben die jungs nichts dagege, dass wir das gespr├Ąch aufzeichnen, alles ist sehr gel├Âst. Andy trinkt Bier aus einer Dose: Niederl├Ąndisches Bier (Dommelsch) trinken ist immer gut! Er macht etwas Platz auf der Couch und bittet mich (Stefan), mich zu setzen. Monique und Roger bleiben nahe der T├╝r stehen und nehmen das Interview auf.


Ihr habt Icon Of Coil reanimiert, obwohl du ja auch weiterhin bei Combichrist sehr eingespannt bist. Warum?

 *Die Bandmitglieder sehen sich an, in ihren Augen lauter Fragezeichen*

Andy: Wir haben ein paar Shows zusammen gespielt und hatten eigentlich gar keine Absicht, wirklich wieder etwas gemeinsam zu beginnen. Wir sahen das ganz locker und machten es nur aus Spa├č. Doch jedes Mal wenn wir es taten, hatten wir eine ganze Menge Spa├č und sagten, wir m├╝ssten mal wieder etwas zusammen machen. Das passierte so viele Jahre, in denen wir uns f├╝r eine einzige Show pro Jahr trafen. Doch dann in Australien versp├╝rten wir wieder diese Energie, diese Chemie zwischen uns, ganz wie fr├╝her. Also dachten wir uns, jetzt m├╝ssen wir aber wirklich mal wieder etwas gemeinsam auf die Beine stellen.

Christian:
Eigentlich war es das erste Mal in all den Jahren, dass wir mehr als 24 Stunden miteinander verbrachten, so dass wir ├╝berhaupt erstmals ernsthaft dr├╝ber nachdenken konnten.

Andy:
Und wir bemerkten, dass wir bereits mehr als 24 Stunden miteinander verbracht hatten, ohne uns gegenseitig t├Âten zu wollen!


Entwickelt ihr auch bereits Ideen f├╝r neue Songs? Heute wird es ja vermutlich nur altes Material zu h├Âren geben, oder?

Andy: Wir planen neue Songs, konzentrieren uns heute aber wirklich rein auf die alten Tracks.


Wie entscheidet ihr bei einer Songidee, ob diese bei Icon Of Coil oder bei Combichrist verwendet wird?

Andy: Oder bei Northborne, oder bei Komor Kommando ÔÇŽ damit dieses funktioniert, muss es ÔÇŽ hmm *denkt nach* Naja sagen wir mal, es war damals einfacher. Ich habe die Songs geschrieben, Texte etc und Sebastian k├╝mmerte sich um die Produktion, die Programmierung etc. Es war einfacher, weil Icon Of Coil das Einzige war, an dem wir zu diesem Zeitpunkt arbeiteten. Hatten wir also einen guten Song im Kopf, war es automatisch ein Icon Of Coil Song, schlie├člich war es unser Hauptprojekt. Jetzt, wenn z.B. Christian einen Song schreibt, ist es zuallererst sein Song, ein Northborne Song. Daher ist es nun ganz besonders entscheidend, dass wir gemeinsam an den Liedern arbeiten, damit sie Icon Of Coil Tracks werden. Dann ist das auch wirklich Icon Of Coil und nichts anderes.

Christian:
Wir m├╝ssen hier vielleicht klarstellen, dass Icon Of Coil nicht der Abfalleimer f├╝r Komor Kommando oder Combichrist ist. Wir kreieren neues Material. Zum ersten Mal stecken wir wieder richtig Arbeit hier rein, zum ersten Mal machen wir das alle ÔÇŽ oder etwa nicht Jungs??? ­čśë


Andy, woher nimmst du immer diese Energie? Immer wenn du die B├╝hne betrittst, bist du voll da!

Andy: Genau so ist es! Wenn ich nicht auf der B├╝hne sein kann, hasse ich mein Leben! Ich warte nur noch darauf, wieder auf die B├╝hne zu k├Ânnen. ÔÇ×Warum mache ich das blo├č? Ich sterbe hierÔÇť sind Gedanken die einem durch den Kopf gehen. Auf die B├╝hne gehen, das ist es was z├Ąhlt. Die Show ist das, was einen am Laufen h├Ąlt! Glaub mir, manchmal gibt es in meinem Kopf nichts anderes als den Willen mit meiner Freundin zusammen zu sein, zuhause zu sein und normale Dinge zu tun; einfach ein normales Leben zu f├╝hren. Familiensachen halt, h├Ąusliche Sachen *alle lachen* Ich m├Âchte dann einfach nur Kinder haben, arbeiten, einen regul├Ąren Job von 9-17 Uhr machen ÔÇô Aber das ist nicht, wer ich heute bin! Ich m├Âchte jetzt einfach nur diesen Weg in der Musik weitergehen. Es ist zurzeit zu wichtig; die Musik ist zu wichtig. Ich kann einfach nicht damit aufh├Âren. Es ist wie Heroin, man kann einfach nicht aufh├Âren; du h├Ârst auf, du stirbstÔÇŽ dann h├Ârst du auf.


Bereitet ihr euch immer so auf eine Show vor? Ihr setzt euch hin, trinkt Bier und relaxt? Oder habt ihr andere Rituale davor?

Andy: Das ist tats├Ąchlich sehr typisch f├╝r Icon Of Coil, wir sitzen einfach da, machen nichts oder quatschen eine Runde. Dann pl├Âtzlich: Noch 10 Minuten bevor es auf die B├╝hne geht. ÔÇ×Wirklich? Wow, wir spielen einen GigÔÇť. Wir drehen uns einfach rum und rauf auf die B├╝hne, wie als w├╝rde ein Schalter umgelegt. Es ist bei uns immer so, auch wenn es sich um gr├Â├čere Produktionen handelt wie bei Combichrist oder seinem ÔÇ×MeltÔÇť Projekt. Da geh├Ârt einiges zu, aber man hat kein festes Ritual, man eiert nicht rum. Du kannst krank sein, Fieber haben oder einfach nur denken, dass du keine Lust auf das Konzert hast. Aber sobald du auf die B├╝hne gehst, vergisst du das alles. Es ist als w├╝rde das Adrenalin deinen K├Ârper und Geist vollkommen ├╝bernehmen.


Manchmal muss es ganz sch├Ân hektisch zugehen, gestern wart ihr ja zum Beispiel noch in Deutschland unterwegs.

Andy: Genau das ist es was ich meine: Du kannst reisem├╝de sein, aber auch dann, kurz vor der Show: Klick, irgendetwas passiert mit dir. Ach so ├╝brigens, ist noch Bier da? Bier hilft nat├╝rlich immer *alle lachen* Auf der B├╝hne zu stehen hat etwas Magisches an sich. Das ist es, warum wir das nach all den Jahren noch machen. Es gibt nat├╝rlich nicht viel Geld zu verdienen, ganz sicher nicht in dieser Szene. *Christian leert seine Taschen* ÔÇ×Ich hab hier 60 CentÔÇť.


Mit Combichrist warst du Support bei Rammstein. Habt ihr auf der Tour viel gelernt?

Andy: Ja, jeden einzelnen Tag. Man kann das, was wir hier machen nicht damit vergleichen, nicht mal das, was wir mit Combichrist machen. Es ist vermutlich etwas, was wir nie wieder machen werden, es sei denn, wir gehen noch einmal mit Rammstein auf Tour. Es ist so eine verr├╝ckt gro├če Produktion die dahintersteckt, 12 Tourbusse, 26 Sattelz├╝ge und eine 150-Mann-Crew! Einfach das Ganze von vorne bis hinten, von der Logistik ├╝ber das t├Ągliche Bauen der B├╝hne bis hin zu dem, wie man sich dort verhalten muss. Als wir das erste Mal dort ankamen und diese riesige Crew sahen, f├╝hlten wir uns, als w├Ąren wir genau hier *Andy zeigt ganz tief richtig Boden* Wir f├╝hlten uns, als st├╝nden sie alle ├╝ber uns. Aber schon nach einer Stunde behandelten sie uns, als w├Ąren wir genau wie sie, ein gleichwertiger Teil des Ganzen und wir waren genauso ein Bestandteil wie Rammstein selbst. Wir absolvierten ├╝ber 80 Shows mit ihnen und haben jeden Tag etwas Neues dazugelernt. Man lernt vor 30.000 Menschen auf die B├╝hne zu gehen und sich so zu verhalten, als w├Ąre es die nat├╝rlichste Sache der Welt, als w├Ąre das das eigen t├Ąglich Brot. Und nach einer Weile machten wir all das dann auch jeden Tag, lernten aber immer noch weiter, vor allem im Umgang mit den ganzen Menschen, den verr├╝ckten Fans. Einfach alles, technische Dinge, B├╝hnenangelegenheiten oder Verhaltensregeln. Es ist schwer, sich nach so etwas wieder auf die eigene Standardtour umzustellen, denn das was du gelernt hast, kannst du nicht zwangsl├Ąufig alles 1 zu 1 ├╝bernehmen.

Christian:
Au├čer das mit den verr├╝ckten FansÔÇŽ ­čśë

Andy:
Vor ein paar hundert Menschen kannst du dich nicht wie vor 30.000 verhalten, das geht einfach nicht. Aber man lernt wirklich jeden Tag etwas, auch auf den kleinen Touren. Man lernt das was man hat einfach besser zu sch├Ątzen. Und man lernt f├╝rs Leben, so wie Sebastian, der gelernt hat, dass man keinen Flug aus Russland heraus umbucht. Er hing dann dort f├╝r ein paar Tage fest.


Gibt es f├╝r die Zukunft von Icon Of Coil konkrete Pl├Ąne, wird es ein neues Album geben?

Andy: Wir haben vor, noch in diesem Jahr ein neues Album zu ver├Âffentlichen. Im September gehen wir noch einmal auf Tour und zwar in den USA. Wir hoffen eigentlich, dass es bis dahin fertig und ver├Âffentlicht ist, aber wir sind Icon Of Coil und so wei├č man es nie genau und vielleicht erscheint es gar nicht. Jedenfalls hoffen wir, dass wir es stilistisch so gestalten k├Ânnen, wie wir es machen wollen: Im IOC Stil. Es wird nat├╝rlich nicht das Gleiche wie fr├╝her sein, jedes Album entwickelt sich. Ich denke, dass all das, was wir gemacht haben nicht zwangsl├Ąufig neu f├╝r die jeweilige Zeit war, aber schon ein Wenig anders und durchaus kreativ. Das ist es auch, was wir f├╝r dieses Mal wieder anpeilen: Etwas aus der Norm ausbrechen und nach einem neuen Gef├╝hl suchen, ohne die klassischen Icon Of Coil Wege komplett zu verlassen.


Es ist jetzt bereits Mitte April, ein Album bis September fertig zu stellen klingt nach einer Menge Druck!

Andy: Ach, wir haben in Berlin zwei freie Tage, wir k├Ânnen das ganze Album dort schreiben ­čśë Manchmal klappt so etwas sogar, einige Alben wurden innerhalb einer Woche geschrieben.


Roger hat bei eurem letzten Gig in Tilburg ein paar Fotos gemacht, w├╝rdest du diese unterschreiben? Wir w├╝rden sie gerne auf Sparklingphotos.de verlosen.

Andy lacht etwas dar├╝ber, das gleiche Bild wieder und wieder zu unterschreiben. ÔÇ×Ich hatte da noch einen Bart und lange Haare. Oh, das Bild ist cool!ÔÇť. Auf das letzte Bild malt sich Andy einen gro├čen Schwanz. K├╝nstlerÔÇŽ


Vielen Dank f├╝r das Interview.


Andy:
Thanks!

Das Interview mit Icon Of Coil f├╝hrte Stefan Bertram am 13.04.2012 im Tivoli in Utrecht. Monique und Roger unterst├╝tzten ihn dabei. Vielen Dank an die Jungs von Icon Of Coil, ihr Management und die Crew des Tivoli!

Fotos: Roger Op Den Camp

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