IAMX & NOBLESSE OBLIGE – Essen, Zeche Carl (08.10.2011)

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Allgemein gesprochen soll Musik in erster Linie gefallen, dem Hörer als angenehm erscheinen und daher wundert es auch nicht, dass eben solche KĂŒnstler die Chartspitzen belagern, die fĂŒr Wohlklang ohne Ecken und Kanten sorgen, auf dass es möglichst vielen Leuten gefallen mag oder besser ausgedrĂŒckt „niemanden verschreckt“. Musik ist aber auch eine Kunst und hat daher auch noch andere Aufgaben, die all zu leicht vergessen werden. Sie soll –soweit das noch möglich ist- Grenzen sprengen, Horizonte erweitern und auch ein StĂŒckweit polarisieren. IAMX Mastermind Chris Corner ist ein perfektes Beispiel fĂŒr jemanden der eigentlich all das berĂŒcksichtigt und in seiner Musik vereint. Schon bei den Sneaker Pimps sorgte er fĂŒr interessante KlĂ€nge, konzentriert sich aber seit 2004 ausschließlich auf sein aktuelles Baby IAMX. Doch obwohl seine Musik nicht unbedingt enorm schwierig ist, blieb sein grandioses Schaffen fĂŒr viele bis heute noch verborgen und der ganz große Durchbruch fĂŒr mich unverstĂ€ndlicherweise bisher noch aus. NatĂŒrlich gehören zu seiner Persönlichkeit auch Auftritte wie der beim Blackfield Festival 2011, als er nach einem an sich grandiosen Auftritt -etwas derangiert- vorzeitig die BĂŒhne verließ und nicht nur seine Band verdutzt zurĂŒckließ. Aber ein leidenschaftlicher KĂŒnstler darf das in meinen Augen auch mal und wie stark seine Hingabe zur Musik wirklich ist, sollten wir auch am heutigen Tag in der Essener Zeche Carl zu spĂŒren bekommen, denn was Chris hier trotz eines gebrochenen Fußes ablieferte war absolut beeindruckend.

Doch zunĂ€chst standen wieder Noblesse Oblige im Rahmen der Vorprogramms auf der BĂŒhne und wie schon beim Konzert in Hamburg im FrĂŒhjahr diesen Jahres lieferten die beiden Musiker Sebastian Lee Philipp und Valerie Renay einen interessanten Auftritt ab und haben sicher wieder einige Fans hinzugewinnen können, denn das Duo passt wie die Faust aufs Auge ins BĂŒhnenprogramm von IAMX: Sie sind extrovertiert, auffĂ€llig und unangepasst, ĂŒberzeugen aber trotzdem mit ansprechender Musik, die sich stets wandlungsfĂ€hig prĂ€sentiert. So vergingen die gut 30 Minuten buchstĂ€blich wie im Flug und wir konnten uns bestens eingestimmt auf den Headliner freuen.

Nach der Umbaupause war es dann soweit und IAMX betraten die BĂŒhne, was dieses Mal alleine schon keine SelbstverstĂ€ndlichkeit war, denn Chris Corner hatte sich wenige Tage zuvor den Fuß gebrochen und wir seither tĂ€glich eine Absage befĂŒrchtet. Aber er war da und versprach uns schon im Vorhinein ein etwas anderes IAMX Konzert, bei dem es leider deutlich statischer zugehen mĂŒsse. Und das schien auch zunĂ€chst tatsĂ€chlich einzutreten, denn Chris musste theatralisch auf die BĂŒhne getragen werden. Schon zu diesem Zeitpunkt trug der Auftritt damit in großen Lettern „Kult“ auf dem Revers. Artig nahm Chris auf dem Hocker Platz und begann noch etwas zaghaft mit „Into Asylum“, bevor die Droge „Musik“ vollends einsetzte und er schon beim zweiten Song „Music People“ ein ums andere Mal seine schmerzhafte Verletzung vergaß. Irgendwie war heute alles anders, aber irgendwie auch nicht: Die Show war ĂŒberzeugend wie eh und je, wirkte aber –vielleicht wegen der körperlichen BegleitumstĂ€nde oder weil einige Familienmitglieder der Band in der Halle waren- noch magischer und Chris Corner und seine MitstreiterInnen zeigten sich ganz besonders redselig und publikumsnah. Chris ließ sich sogar zu einem „Ihr Seid SĂŒĂŸâ€œ hinreißen, denn die besondere AtmosphĂ€re des Gigs ging auch an ihm nicht spurlos vorĂŒber; Deutschland ist und bleibt einfach ein gutes Pflaster fĂŒr den Mann aus England. Neben dem schon angesprochenen „Music People“, einem absoluten Livekracher, stach heute „Oh, Beautiful Town“ aus dem Set heraus, das wie einige andere StĂŒcke im Club deutlich imposanter erschallt, als es zum Beispiel auf einem Festival der Fall ist. Und spĂ€testens zum Ende des Abends entwickelte sich ohnehin ein wahrer Best Of-Auftritt mit Hits wie „Kiss And Swallow“, „The Alternative“ und natĂŒrlich „Spit It Out“. Aufsehenerregend aber auch die erste Zugabe „Bernadette“, bei der Chris heute von der Originalversion zur im Juli als Singlezugabe erschienenen deutschsprachigen Version [Link
] hinĂŒberwechselte und bei der auch zwei Fans auf die BĂŒhne gebeten wurden. Sie sollten Janine Gezang wohl bei der tĂ€nzerischen Umsetzung des Songs unterstĂŒtzen und spĂ€ter auch Vocalarbeit ĂŒbernehmen, was allerdings schnell in eine ImprovisationsĂŒbung ausartete. Der Jubel im Publikum war das gesamte Konzert hindurch groß und als die letzten KlĂ€nge von „President“ verstummten, gingen alle erschöpft, mehr als beeindruckt und zufrieden nach Hause. Bis zum nĂ€chsten Mal 


Setlist
01. Into Asylum
02. Music People
03. Nightlife
04. Ghosts of Utopia
05. My Secret Friend
06. Fire & Whispers
07. Tear Garden
08. Oh, Beautiful Town
09. Volatile Times
10. Think of England
11. Nature of Inviting
12. Cold Red Light
13. Kiss and Swallow
14. Bernadette (Deutsche Version, Erste Strophe) (Z)
15. The Alternative (Z)
16. Bring Me Back A Dog (Z)
17. Spit It Out (Z)
18. President (ZZ)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

IAMX:

Noblesse Oblige:

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