Nocturnal Culture Night 2011 Tag 1 – Deutzen, Kulturpark (02.09.2011)

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Was haben wir in diesem Festivalsommer nicht alles mitmachen mĂŒssen?! Von starken RegengĂŒssen ĂŒber Sturm bis hin zu frĂŒhzeitig abgebrochenen Einzelauftritten – das Festivalvolk der dunklen Szene zeigte sich stets verstĂ€ndnisvoll und trotzdem gut gelaunt.

Dass der Sommer Anfang September noch einmal Einkehr bei uns hĂ€lt, konnte ja niemand ahnen. Aber genau so war es am ersten Septemberwochenende auf der mittlerweile 6. Nocturnal Culture Night in Deutzen. Neben bombigen 27- 30 °C warteten allerdings auch einige Szene- GrĂ¶ĂŸen wie Absolute Body Control, DAF, Fixmer/McCarthy oder Kirlian Camera auf uns.

NatĂŒrlich lockten auch Insider- Bands wie Sensory Gate, die bereits im letzten Jahr in Deutzen eine super Show ablieferten, oder Shiv-R Fans aus der ganzen Republik und ihren NachbarlĂ€ndern in die idyllische Location in Sachsen. Der Kulturpark bot neben viel GrĂŒn drei BĂŒhnen, auf denen die verschiedenen Konzerte und Lesungen stattfanden, sowie einen kleinen, aber feinen Mittelaltermarkt, der mit den Spielleuten Ignis Fatuus, Feuershows und weiteren kleinen Schmankerln lockte.

Den.C.T.Bug

Am spĂ€ten Freitagnachmittag ging es dann auf der kleinen BĂŒhne auch direkt los mit Den.C.T.Bug, einem elektronischen Duo, das im Dezember 2002 ins Leben gerufen wurde. Anders als im vergangenen Jahr hatten sich auch bereits eine Menge Fans vor der BĂŒhne eingefunden und feierten mit Frontmann Kim Hoffmann den Beginn des Festivals. Soundtechnisch wurden einige Anleihen bei bekannten Bands wie VNV Nation oder Suicide Commando getĂ€tigt und stimmlich fĂŒhlte man sich von SĂ€nger und Entertainer Kim wie vor einen Verwandten von Till Lindemann versetzt. Es kam einem schon alles sehr bekannt vor, auch wenn mir Den.C.T.Bug bis dato kein Begriff war. Dennoch sorgten Songs wie „Elektrostadt“, „Nachtzug“ oder „Kreuzzug“ von ihrer neuen EP fĂŒr die nötige Stimmung. Ein solider Start!

Setlist
01. Elektrostadt
02. Nachtzug
03. Liebhaber
04. StraftÀter
05. Kreuzzug
06. Gotteskrieger


Golden Apes

Auf der großen BĂŒhne folgten direkt die Golden Apes aus Berlin, die mit dĂŒster- melancholischer Poesie auffuhren. Die von Peer Lebrecht (Gesang und Keyboard), Eric Bahrs (Gitarre) und Christian Lebrecht (Bass) 1998 gegrĂŒndete Formation ist schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr auf dem NCN, bescherten sie doch bereits 2007 in Deutzen ihren Fans einen gelungenen Auftritt. Dieser Tage kamen sie mit Songs wie „Leaving Ground“ oder „Digging Towers“ daher und machten mit ihrem eigenen Stil, der sich an GrĂ¶ĂŸen wie Joy Division und The Sisters Of Mercy orientiert, ein jedes Fanherz glĂŒcklich.

Setlist
01. Devil
02. Leaving Ground
03. Ferryman
04. And thus he spoke
05. Lithium
06. Digging Towers
07. Satin Garden
08. The Happy Losers Sweet Delusion

No More

Als nĂ€chstes erwartete uns ein Act, der uns mit auf eine Reise durch Post- Punk, Wave und Minimalelektro nehmen sollte. Mit ihrem Kracher „Suicide Commando“ wurden No More nicht nur bekannt, sondern lieferten Johan Van Roy auch die Idee fĂŒr sein erfolgreiches Elektro- Projekt. Obwohl Andy Schwarz und Tina Sanudakura, die No More bereits 1979 in Kiel gegrĂŒndet hatten, mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen sind, hatten sie jedoch die Gabe, ein ganzes Publikum zu faszinieren noch so gut parat, dass bereits bei den ersten Takten die Fans anfingen, mit den Köpfen und Beinen zu wippen. Ob „Midnight People & Lo-Life Stars“, „French Kisses“ oder der besagte Klassiker „Suicide Commando“ – die Menge war gebannt von Andy, der immer mal wieder das Saiteninstrument wechselte, und Tina, die ihre HĂ€nde nicht nur gekonnt ĂŒber den Synthesizer, sondern auch ĂŒber das Theremin bewegte. No More lieferten einen gelungenen Auftritt ab und waren fĂŒr mich das erste kleine Highlight auf dem NCN 2011.

Setlist
01. The Kores Of Stockholm
02. Dim The Lights
03. Midnight People & Lo-Life Stars
04. French Kisses
05. In A White Room
06. Something Grows Up
07. Suicide Commando
08. Sunday Mitternacht
09. Teenage Years
10. Schwarzen Mann Geseh’n
11. Caged Heat (Z)
12. A Rose Is A Rose (Z)
13. Maybe Some Day (Z)


Gothminister

Deutlich rockiger ging es nun auf der großen BĂŒhne mit Gothminister weiter. Auch wenn mir die ganze Show auf dem klischeehaft verhangenen Tritt, auf dem sich Frontmann Björn Alexander Brem immer wieder positionierte, etwas albern erschien, waren seine Fans doch von seiner Energie und Dynamik begeistert. Dynamisch ging es dort auf der BĂŒhne tatsĂ€chlich zu, denn der geschminkte Gothe, der sich im wahren Leben als Anwalt berufen fĂŒhlt, war tatsĂ€chlich alles andere als untĂ€tig. Mal posierte er gekonnt am BĂŒhnenrand, mal lehnte er sich weit in die Fanmenge oder stolzierte ĂŒber die BĂŒhne. Neben Ă€lteren Song wie „Devil“ oder „Dusk Till Dawn“ prĂ€sentierte die Gothic- Metal- Formation aus Norwegen jedoch auch einige StĂŒcke ihres neuesten Machwerks „Anima Inferna“ und heizten ihren Fans kraftvoll ein.

Setlist
01. Intro
02. The Beast
03. Stonehenge
04. Beauty After Midnight
05. Dusk Till Dawn
06. The Possession
07. Devil
08. Anima Inferna
09. Liar
10. Monsters
11. Darkside
12. Open the Gates
13. Happiness in Darkness

Whispers In The Shadow

Whispers In The Shadow standen nun fĂŒr uns auf der kleinen BĂŒhne bereit. Der optische und akustische Mix aus Fields Of The Nephelim und The Cure sorgte bei einigen Besuchern fĂŒr großes Interesse und so wurde es nun bereits etwas kuscheliger in den vorderen Reihen. Das anfĂ€ngliche Soloprojekt von Ashley Dayour, welches er 1996 ins Leben gerufen hatte, entwickelte sich im Laufe der Jahre schnell zu einer vielseitigen Band, die nun auf einen ganz individuellen Stil zurĂŒckgreift.

WĂ€hrend Songs wie „The Arrival“ oder „Blood, Sweat And Tears“ voller Hingabe intoniert wurden, sorgten reichliche Portionen BĂŒhnennebel fĂŒr die nötige AtmosphĂ€re. Die 4 Jungs aus Österreich lieferten dem NCN Publikum eine in sich stimmige und angenehme Show.

Setlist
01. Rites Of Passage
02. The Arrival
03. If Uriel Falls
04. The Lost Souls
05. Neither:Neither
06. The Lightbringer
07. Damned Nation
08. Amenta Descending
09. Blood, Sweat & Tears
10. Babylon Rising Part 1
11. Babylon Rising Part 2


Tyske Ludder

Wurden wir doch gerade noch mit wavigen Sounds umschmeichelt, so wurde das Blatt durch den anstehenden Act auf der großen BĂŒhne doch schnell gewendet. Hart, klar und direkt sind die Botschaften, die von Tyske Ludder in ein krachendes EBM- Gewand gehĂŒllt werden. Wer die Jungs je live erlebt hat, der weiß, dass hier kein Blatt vor den Mund genommen wird.

Mit einer israelischen Flagge bewaffnet und von zwei die BĂŒhne zierenden aufblasbaren Bomben umgeben stĂŒrmte Claus bei „Tempelberg“ auch direkt wie ein Wilder ĂŒber die BĂŒhne und fĂŒhrte die Menge in einen gnadenlosen Auftritt ein. Hier bekam wirklich jeder sein Fett weg und die Songs liefen nur so ĂŒber vor Sozialkritik und mahnenden Aufforderungen. Dem Publikum gefiel das Treiben und aus tiefstem Leibe wurden Songs wie „Bastard“ oder „Panzer“ mitgegröhlt.

Auch wenn mir persönlich das Gehabe der selbsternannten „Deutschen Hure“ teilweise etwas too much erschien, so waren die vielen angereisten Fans doch zufrieden, nicht nur die großen, sondern auch die ganz kleinen.
Zu bedauern ist nur – aber dafĂŒr kann die Band ja nichts -, dass Eltern, die ihre Kinder bei einer Band diesen Kalibers, wo der ein oder andere laute Ton schon mal ein Offensivangriff auf das Trommelfell ist, in die erste Reihe verfrachten, nicht einmal auf die Idee kommen, es mit vernĂŒnftigen OhrschĂŒtzern auszustatten. Liebe Grufti- Eltern, bei so viel Sozialkritik, die ihr euch bei Tyske Ludder einverleibt, denkt bitte auch an euer eigen Fleisch und Blut. Vielleicht mag der ein oder andere kleine Fan auch in 10 Jahren gerne noch Musik der Band hören können.

Setlist
01. Intro
02. Tempelberg
03. Eugenix
04. Wie der Stahl gehÀrtet wurde
05. For their glory
06. Androgyner Held
07. Bastard
08. PĂ€dophil
09. Canossa
10. Shokkz
11. Panzer
12. March (Z)
13. Merciless (Z)

[:SITD:]

Nicht weniger elektronisch ging es direkt im Anschluss mit [:SITD:] weiter. Die aus dem Ruhrgebiet stammende Formation bewies in der Vergangenheit nicht nur ein HĂ€ndchen, wenn es darum ging, eigene Songs zu Club- Hymnen zu erwecken, sondern auch im Remix- Bereich hatte das Trio bisher stets den richtigen Riecher. Und auch an jenem Abend schallte ein Kracher nach dem anderen von der BĂŒhne, ob es nun „Rose- Coloured Skies“, „Richtfest“ oder „Snuff Machinery“ war. Nach vorne war schon lange kein Durchkommen mehr und die kleine BĂŒhne erwies sich als eindeutig zu klein fĂŒr einen Act mit einer solch enormen AnhĂ€ngerschaft. Dennoch kam man auch in den hinteren Reihe tanzend und mitsingend auf seine Kosten. Alles in Allem lieferten [:SITD:] eine super Show mit einer Stimmung, die besser nicht hĂ€tte sein können, ab.


Setlist
01. Rot
02. Catharsis (Heal Me, Control Me)
03. Rose-Coloured Skies
04. Kreuzgang
05. Herbsterwachen
06. Suffering in Solitude
07. Laughingstock
08. Lebensborn
09. Richtfest
10. Snuff Machinery

Kirlian Camera

Nun war es endlich Zeit fĂŒr den Headliner auf der großen BĂŒhne: Kirlian Camera. Keinem zweiten Musikprojekt gelingt es, Experimentierfreudigkeit und Clubtauglichkeit so gut zu kombinieren wie der italienischen Formation um die gutaussehende Frontfrau Elena Alice Fossi. Seit der GrĂŒndung des spannenden Projekts durch Angelo Bergamini im Jahre 1980 wurden zwar einige Änderungen in der Besetzung vorgenommen, aber egal in welcher Schaffensphase man sich auch befand, der Sound war stets unverwechselbar, inspirierend und mitreißend.

Mit Sturmmasken trat die Band an jenem Abend ĂŒberraschenderweise zu fĂŒnft in die Dunkelheit. Begleitet wurden sie vom atmosphĂ€rischen Intro „Black Tiger Rising“, welches in „Winged Child Sitting on a Bench Watching Obscure Clouds Get Closer While People are Looking for a Shelter” ĂŒberleitete. Schon mit dem ersten Ton verzauberte die Lack- und Leder- Liebhaberin Elena die Fans und fĂŒr einen knackigen Sound sorgten heute unter anderem auch ein Bassist und ein Gitarrist. Neben den Klassikern „Eclipse“ und „Heldenplatz“ sorgten auch neuere StĂŒcke wie das atmosphĂ€rische „Odyssey Europa“ oder die aktuelle Single „Nightglory“, welches als Zugabe sogar noch ein zweites Mal dargeboten wurde, fĂŒr eine berauschende Stimmung. Besonders bewegend intonierte Elena auch den Ultravox Kracher „Hymn“ und sorgte fĂŒr eine extradicke GĂ€nsehaut beim begeisterten Publikum.

Kirlian Camera haben genau das geleistet, was ich mir von einem Headliner wĂŒnsche: Power, GefĂŒhl und das gewisse Etwas, das den Körper immer wieder mit wohligem Kribbeln erfĂŒllt. Ein wirklich wundervoller Auftritt und ein schöner Abschluss des ersten Festivaltages auf der großen BĂŒhne!

Setlist
01. Intro: Black Tiger Rising
02. Winged Child Sitting on a Bench Watching Obscure Clouds Get Closer While People are Looking for a Shelter
03. Nightglory
04. I’m not sorry
05. Hymn (Ultravox cover)
06. Save me Lord (from killing them all)
07. Immortal
08. After Winter
09. Size Zero (SPECTRA*paris song version 2.0 / rearranged by Blank + Kirlian Camera)
10. K-Pax (version 2.0)
11. Edges (shadow mission version)
12. Blue Room (eurotech vision)
13. Eclipse (anniversary version 2.0)
14. Odyssey Europa
15. Comfortably Numb (Z)
16. Heldenplatz (Mission Walhalla I) (Z)
17. In the endless Rain (version 5.0) (ZZ)
18. Erinnerung (ZZZ)
19. Nightglory (ZZZ)

Ordo Rosarius Equilibrio

So ganz vorbei war der erste Tag dann aber doch noch nicht, auch wenn ich bereits glĂŒcklich und zufrieden war. Auf der kleinen BĂŒhne erwarteten die Fans spĂ€t in der Nacht und – aufgrund des etwas ausgeweiteten Kirlian- Camera- Auftritts – sogar noch etwas spĂ€ter die Schweden von Ordo Rosarius Equilibrio. Apocalyptic Pop, mal mit atmosphĂ€rischer, mal mit eher verstörender Klangkunst untermalt, ist das, was die Band um GrĂŒnder Tomas Petterson praktiziert.

Bei stimmungsvollem Licht lĂ€sst sich die Menge von Songs wie „Do Angels Never Cry And Heaven Never Fall“ oder „Hell Is Where The Heart Is“ beflĂŒgeln und auch wenn die Dynamik auf der BĂŒhne mitunter sehr zu wĂŒnschen ĂŒbrig ließ, riss die kraftvolle Stimme von Frontmann Tomas sicher so manches Besucherherz in seinen Bann. Mit den letzten Tönen von „A Song 4 Hate & Devotion“ entließen Ordo Rosarius Equilibrio die Besucher in die dunkle Nacht.

Setlist
01. Do Angels Never Cry And Heaven Never Fall
02. Which Words Confines The Truth
03. Reaping The Fallen
04. Sheep For A Lifetime Or Lion For A Day?
05. I Glorify Myself, the Perplexity of Hybris
06. Seduced By the Kisses of Cinnabar Sweet
07. Hell Is Where The Heart Is
08. A World Not So Beautiful
09. In High Heels Through Nights Of Broken Glass
10. Imbecile, My Idiot Lover
11. Three Is An Orgy, Four is Forever (Z)
12. A Song 4 Hate & Devotion (Z)

WĂ€hrend einige sich noch bei der Aftershowparty verausgabten, suchten andere ihre Zelte auf oder fuhren ins Hotel oder – wie wir – nach Hause, um fĂŒr den folgenden, etwas lĂ€ngeren Festivaltag fit und ausgeruht zu sein, wo uns u.a. Atrocity, Absolute Body Control, Psyche, Klangstabil und Sensory Gate erwarten sollten.

Bilder des ersten Tages gibt es HIER in unserer Konzertgalerie: NCN Festival 2011 Tag 1

Autorin: Tanja Pannwitz
Fotos: Michael Gamon

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