IAMX & NOBLESSE OBLIGE – Hamburg, GrĂŒnspan (09.04.2011)

Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Am 09.04.2011 stattete das extravagante Elektroprojekt IAMX dem Norden im Rahmen der „Fire and Whispers“- Tour einen Besuch ab.
Schon einige Stunden vor Beginn fanden sich Fans von Chris Corner, dem Mastermind hinter IAMX, vor dem Hamburger GrĂŒnspan ein und warteten, dass sich die Tore öffneten. Stilecht hatten sich sogar einige ein „X“ aus Glitzerfarbe auf die Wangen gepinselt, damit das Styling auch perfekt zu dem Flair der Band passte.

ZunĂ€chst wurde jedoch mit einem mir bis dato unbekannten Musikprojekt gestartet. Noblesse Oblige – Adel verpflichtet. So nennt sich die zweiköpfige Combo, die 2004 von Sebastian Lee Philipp und Valerie Renay in London gegrĂŒndet wurde. Dass Powerfrau Valerie sich im Schauspiel zuhause fĂŒhlt, daran hegt man keinen Zweifel mehr, wenn man die beiden einmal auf der BĂŒhne live erlebt hat. Gestartet wird mit „Equinox“, bei dem Valerie, die ihren Kopf wie eine Nonne verhĂŒllt hat, dem Publikum neben ihrer ĂŒberragenden Stimme immer wieder beĂ€ngstigende Blicke zuwirft. Sebastian hĂ€lt sich noch etwas zurĂŒck, bevor er selbst bei „Tropical Fever“ ordentlich loslegt. Die beiden lieferten eine einmalige Performance ab, die bei einem Teil des Publikums auch gut ankam, den anderen Teil des Publikums aber etwas verunsicherte. Bemerkenswert war außerdem der vielseitige Einsatz von Instrumenten – so bediente sich Valerie mal einer Rassel, mal der Kastagnetten, womit sie die einzelnen StĂŒcke eher untermalte. Aber auch am Schlagzeug sowie an der Trompete machte das EnergiebĂŒndel eine gute Figur. Von seiner Gitarre aus wechselte dann auch Sebastian mal an die Drums und brach zum Ende hin sogar im Eifer des Gefechts die HĂ€lfte seines Drumsticks ab – gekonnt wurde diesem Malheur jedoch keine große Beachtung geschenkt und so spielte er professionell weiter. NatĂŒrlich gab es neben der vielen Instrumente auch viel Haut zu sehen, zumindest von Valerie, die bei „May They Come With Spears And Knives“ nichts mehr unter ihrem haarigen Überwurf trug – zumindest oben herum. Eine tolle Band, die ich gerne noch einmal wieder live erleben möchte.

Setlist Noblesse Oblige:
01. Equinox
02. When Thunder Breaks Up Under
03. Tropical Fever
04. The Great Electrifier
05. Beck And Call
06. Sambo
07. May They Come With Spears And Knives

Nach einer mehr oder weniger kurzen Pause sollten dann nun aber IAMX endlich die Bretter, die fĂŒr einige Fans heute Abend die Welt bedeuteten, betreten. Und die Freude war dem Hamburger Publikum anzumerken, als dann endlich die ersten schrillen Töne von „Music People“ ertönten und Chris Corner samt seiner Live- Crew auf die BĂŒhne hoppelte. Und bei dem Hit „Nightlife“, dem Soundtrack von „Wir Sind Die Nacht“, fing dann auch ein Großteil der Fans schon mal ein bisschen zu feiern an. Die ExzessivitĂ€t auf der BĂŒhne hingen kannte keine Grenzen mehr. Allroundtalent Janine Gezang krabbelte durch das InstrumentengewĂŒhl nach vorne an den BĂŒhnerand und ließ sich zelebrieren, wĂ€hrend Chris voller Kraft die Fans mit seiner Stimme immer weiter anheizte. Mal rannte er zum hinteren Teil der BĂŒhne, um dort energiegeladen ein Klangwerk voll Glocken zu bedienen, was wirklich sehenswert war. Mal sprang er rĂŒber zur Trommel und ließ sich an ihr aus. Der Spaß war ihm anzumerken und obwohl es auf der BĂŒhne hin und wieder ziemlich chaotisch wurde, schien es, als sei doch alles genau so inszeniert gewesen.

Plötzlich stand Chris mit Regenschirm auf der BĂŒhne und kĂŒndigte „Tear Garden“ an, bei dem er sich so sehr verausgabte, dass er zum Schluss nach einem Handtuch bat. Im Refrain wurden passender Weise ein Regeneffekt auf die BĂŒhne projiziert und es entstand eine wundervolle Stimmung, die das Publikum ins TrĂ€umen und Staunen versetze. Aber auch die brandneuen Songs vom Album „Volatile Times“ kamen gut an und wurden von Chris und seinem schrillen Gefolge gekonnt in Szene gesetzt. So sang er bei „Fire and Whispers“ unter einem Netz, was einen tollen Effekt erzeugte. Sogar zu brennen begann er zum Ende des Songs, als Feuereffekte auf die BĂŒhne projiziert wurden. Chris brannte und ein Großteil des Publikums brannte mit ihm, auch wenn die Hamburger Gesellschaft das an diesem Abend eher mit ZurĂŒckhaltung tat und, bis auf einem mittelgroßen GrĂŒppchen vorne rechts, nicht so ganz aus ihrer Haut wollte. Noch nicht.

Denn bei Songs wie „Cold Red Light“ vom neuen Album und dem Kracher „Kiss And Swallow“ tauten die Hamburger dann doch auf und feierten einstimmig das, was da auf der BĂŒhne geschah. Nach dem eindringlichen „President“, das von einem ausdrucksstarken Chris, der sich an den Drums ausließ und sogar ein Becken von der Stange schleuderte, von der BĂŒhne schallte, gab es eine kurze Atempause. Nun wollten IAMX die Fans mit ein paar Zugaben noch glĂŒcklicher machen und so legten sie noch Mal ordentlich nach. Bei dem bekannten und auffordernden „The Alternative“ wippte nun wohl auch der Letzte mit und Chris erwies sich weiterhin als Ă€ußerst stimm- und ausdrucksstark. NatĂŒrlich durfte auch der grĂ¶ĂŸte Hit „Spit It Out“ nicht fehlen. Mit diesem verabschiedeten sich IAMX von den Fans und entließen sie in das Hamburger Nachtleben. Ob an jenem Abend irgendein Club dieses Live-Spektakel noch toppen konnte, bleibt fragwĂŒrdig.

Setlist IAMX:
01. Music People
02. Volatile Times
03. Nightlife
04. Ghosts of Utopia
05. My Secret Friend
06. Tear Garden
07. I Salute You Christopher
08. Fire & Whispers
09. Think Of England
10. Bring Me Back A Dog
11. Nature Of Inviting
12. Cold Red Light
13. Kiss and Swallow
14. President

15. The Alternative
16. Commanded By Voices
17. Spit It Out

Mir haben sowohl Vorband als auch Hauptact sehr gut gefallen und das, obwohl ich beide Bands wenig bzw. gar nicht kannte.

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

IAMX:

Noblesse Oblige:

Autorin: Tanja Pannwitz
Fotos: Michael Gamon

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