ALPHAVILLE – Duisburg, Pulp (28.03.2011)

Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

13 Jahre war es still um die Synthpop Band, ihr letztes Studioalbum „Salvation“ liegt nun bereits 13 Jahre zurĂŒck. Doch untĂ€tig war die Band nicht, tourten sie doch immer sehr erfolgreich, besonders im Ausland und das seit 25 Jahren. Im letzten Jahr kam dann endlich das neue Album „Catching Rays on Giant“ heraus, nachdem die Single „I die for you today“ mit einem lauten Knall die RĂŒckkehr von Alphaville einlĂ€utete.

Das Duisburger Pulp war gut gefĂŒllt, als mit einem spannenden Intro das Alphaville Konzert startete. Die BĂŒhne war im Hintergrund mit beweglichen ProjektionsflĂ€chen bestĂŒckt und im Vordergrund standen einige KeyboardstĂ€nder, denn die Basis des Alphaville-Sounds ist seit jeher elektronischer Art. Passend zum Intro wurde die BĂŒhne durch farbige Blitze erhellt, bevor die Band auf der BildflĂ€che erschien. Das Livesetup bestand aus Martin Lister (Keyboards), Dave Goodes (Guitars), Jakob Kiersch (Drums), Maja Kim (Bass, Keyboards) und natĂŒrlich Frontmann Marian Gold. Mit „End of the World“ zeigte die Band, was die Fans zu erwarten hatten und die Stimmung war direkt am Anfang bereits sehr ausgelassen und auch in den kurzen Pausen zwischen den StĂŒcken gab es offenen Applaus, schienen die Zuschauer regelrecht ausgehungert gewesen zu sein. Bei „Call me“ und „Dance with me“ zeigte Marian, dass er trotz fortgeschrittenem Alter gut abrocken konnte und im Mittelteil des letztgenannten Songs feuerten die Fans die Band an und rockten gleich krĂ€ftig mit.

Man muss auch sagen, dass Herr Gold stimmlich sehr gut drauf war und fast an alte Zeiten anknĂŒpfen konnte, obwohl die alten Songs hier und da etwas heruntertransponiert wurden. Bei „Gravitation Breakdown“ kamen nun auch die ProjektionsflĂ€chen zur Geltung, die mit passenden Filmen bestrahlt wurden, die mit der sehr guten Lightshow (u.a. wĂ€hrend „Carry your Flame“) eine gelungene Symbiose eingingen und fĂŒr die richtige AtmosphĂ€re sorgten. Abwechslung kam in die Show, als „DonÂŽt say no“ von Keyboarder Martin gesungen wurde und nahtlos im Klassiker „Jet Set“ ĂŒberging. Nicht nur Mr. Lister machte seine Sache gut, Jakob sorgte fĂŒr die richtigen Beats, Dave spielte gekonnt die Gitarre und Maja hatte einiges mit Backing Vocals und ihren BĂ€ssen zu tun, sei es der elektrische oder der Synthbass, der bei „Song for no one“ sehr cool rĂŒberkam.

Alphaville hatten einige Überraschungen im Petto, gestalteten ihre Setlist gekonnt, denn die Songauswahl war einfach perfekt gewĂ€hlt. Besonders gut aufgenommen wurden die 80er B-Seite „Golden Feeling“ und „Victory of Love“, das mit seinem technoiden Intro und perfektem Arrangement zu ĂŒberzeugen wusste. Bei der schönen Ballade „Deep Inside“ vom aktuellen Album wurde es mit einem knienden Marian sehr persönlich und pathetisch, bevor es mit „Iron John“ unterhaltsam wurde. ErwĂ€hnte doch der gutgelaunte SĂ€nger, das Lied wĂ€re der Biertrinksong von Alphaville, verteilte kalten Gerstensaft an die Bandmitglieder und stĂŒrzte seinen in einem Schluck herunter.

Einige Klassiker komplettierten das Konzert und die Stimmung starb nicht einen Moment ab. Auf nebelweißer BĂŒhne rockte Marian mit der quirligen Maja, die Fans sangen jedes Wort mit und das Tempo des Kultsongs „Sounds Like A Melody“ zog an. Mit „Forever young“ kam fast eine religiöse Stimmung auf und mit einer der besten Balladen der 80er Jahre wurde der Hauptset beendet. Doch die Zuschauer mussten nicht lange Klatschen, bevor die Band wieder auf die BĂŒhne zurĂŒckkehrte. Eine weitere Überraschung gab es mit dem deutschsprachigen Song „Leben ohne Ende“ (der spĂ€ter mit englischen Text unter dem Namen "Seeds" als B-Seite von „Big in Japan“ veröffentlich wurde), der wavigen Charme versprĂŒhte, auf der Leinwand mit Szenen aus „Metropolis“ bebildert wurde und die Herzen der Fans erster Stunde hochschlagen ließ. „Big in Japan“, der Überhit von Alphaville wurde mit neuem Text (Aufgrund der tragischen Ereignisse in Japan) vorgetragen, was dem Hit absolut seine Durchschlagskraft nahm. Vielleicht sollte man politische Kommentare in Popmusik lieber einem Bono Vox ĂŒberlassen.

„Apollo“ hĂ€tte das perfekte Ende des gelungenen Konzertabends sein können, aber als letztes StĂŒck brachten Marian und Martin eine akustische Pianoversion von „Dance with me“, bei der Herr Gold einen selbstironischen, pseudo-philophischen Monolog ĂŒber den Sinn des Lebens von sich gab: „…man muss sich selber Lieben“!

Wie heißt es doch im Track „Apollo“?: „This is the end of the show, i don’t know was i wrong was i right. Oh love, i don’t know, i wasn’t perfect for sure“. Darauf lĂ€sst sich nur antworten: „Doch, das wart ihr!“

Setlist:
01. End of the world
02. Call me
03. Dance with me
04. Gravitation Breakdown
05. Heaven On Earth (The Things We’ve Got To Do)
06. Carry your Flame
07. Call me down
08. I die for you today
09. Jet Set
10. Song for no one
11. Guardian Angel
12. Golden Feeling
13. Monkey in the Moon
14. The Deep
15. Iron John
16. Victory of Love
17. Sounds like a Melody
18. Forever young
—-
19. Leben ohne Ende (Z)
20. Big in Japan (Z)
21. Apollo (Z)
—-
22. Dance with me (Acoustic) (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der Bandfotos.

Autor: Frank Stienen
Fotos: Michael Gamon

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