KIM WILDE – Oberhausen, König-Pilsener-Arena (27.02.2011)

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Den Anfang des Abends machten der Regensburger Support „Kellner“. Die Singer-Songwriter spielten Titel aus deren Album „The Road Sessions“. SĂ€nger Florian Sprenger schaffte es mit seiner krĂ€ftigen, bluesigen Stimme ein wohliges GefĂŒhl zu transportieren und auch die anderen Mitglieder der Band konnten Pluspunkte sammeln. Eine nette Einstimmung auf einen schönen Konzertabend.

Eine Heerschar von Fans hatten sich an diesem kalten, grauen Sonntagabend in der „König-Pilsener -Arena“ versammelt, um der britischen 80er Ikone Kim Smith alias Kim Wilde zu huldigen. Die SĂ€ngerin, die den Sound dieser Dekade maßgeblich prĂ€gte, wurde von ihrer Band tatkrĂ€ftig unterstĂŒtzt, um den Fans auf der „Come out and Play“-Tour ein LĂ€cheln ins Gesicht zu zaubern und das ist ihr mehr als gut gelungen. Die „Kim Wilde Band“ besteht quasi fast nur aus Familienmitgliedern und Freunden: Kim, ihr Bruder Ricky (Gitarre), Nichte Scarlett (Background Vocals), Nick Beggs (Bassist von „Kajagoogoo“), ergĂ€nzt durch Keyboarder, Gitarrist und Drums. Kim prĂ€sentierte eine gelungene Mischung aus Klassikern, Coverversionen und Tracks des Albums „Come out and Play“.

PĂŒnktlich um 20 Uhr betrat die Band nach und nach die BĂŒhne, die mit einer netten Showtreppe bestĂŒckt war, und Lady Wilde sang am BĂŒhnenrand stehend und mit wehenden Haaren (Dank Windmaschine) den Opener „King of the World“. Interessant wurde es bei dem StĂŒck „Hey You“, bei dem man in bester Medley Manier „Personal Jesus,“ und einige Synthlines von Wilde StĂŒcken verband. „Anyplace, Anywhere, Anytime“, ihr Hit Duett mit Nena kam bei den Fans sehr gut an. Der Song, der die SĂ€ngerin 2003 quasi wieder aus ihrem kreativen Tiefpunkt der von ihr moderierten BBC Gartenshows zurĂŒck ins musikalischen Rampenlicht holte, konnte dank der Frischzellenkur durch Produzent Uwe Fahrenkrog-Petersen mehr als ĂŒberzeugen. Die erste Singleauskopplung des aktuellen Albums „Lights Down Low“ schmeichelte sich durch seinen coolen Pop-Appeal in die Ohren der Zuschauer und zum ersten Mal kam Stimmung in der Halle auf. Hier konnte Frau Wilde zeigen, dass sie stimmlich immer noch in Höchstform ist, und so kam der Gesang genauso kristallklar herĂŒber wie auf CD; ein Ritterschlag fĂŒr jede SĂ€ngerin. Vom Titel her kann man den Track „Suicide“ nicht gerade als Stimmungslied betiteln, aber mit Hilfe von Scarlett, der quirligen Nichte Kims wurde der Song zum ersten Mitsing-StĂŒck. Der perfekte New Wave Song „Cambodia“ schockte zuerst mit einer unpassenden „Gute Laune“-AttitĂŒde, bevor er in der zweiten HĂ€lfte gottlob die alte AtmosphĂ€re atmen konnte. „View From A Bridge“ rockte einfach nur und langsam brodelte es in der Halle. Mit sympathischem britischen Understatement moderierte die 50jĂ€hrige ihre Songs und kokettierte mit ihrem Image als Poplady. Immer wieder konnte man der Band anmerken, dass sie Spaß hatte und sich gegenseitig schĂ€tzte. So wurde nach und nach jeder Musiker gewĂŒrdigt und genĂŒgend Möglichkeit gegeben sein Können unter Beweis zu stellen. -Wie eine glĂŒckliche Familie eben. In der Mitte des sehenswerten Konzertes gab es viel fĂŒrs Herz. Einige Songs wurden akustisch prĂ€sentiert (u.a. „Love Blonde“, das Tasmin Archer Cover „Sleeping Satellite“ und der Song „Jessica“, der von Kims „Airdale Terrier“-HĂŒndin handelt). Man hĂ€tte dieses Akustik Set etwas kĂŒrzer gestalten können, aber die LĂ€nge ist wohl beabsichtigt, damit Kim sich von der recht anstrengenden Show erholen konnte. Denn hier und da schnappte Frau Wilde nach Luft. Nach einem langen Instrumentalteil kam Kim mit Lederjacke zurĂŒck auf die BĂŒhne und brachte wohl das Highlight des Gigs: der Song „The Second Time“, der in seiner Originalversion bereits genial war und in der Liveversion mit seinen harten Beats und Funkbass von Nick Beggs einfach perfekt rĂŒbergebracht wurde. Nun war die Menge wirklich nicht mehr zu halten, ĂŒberall wurde getanzt, auch die Fans auf der TribĂŒne konnte es nicht mehr auf den PlĂ€tzen halten. Klassiker an Klassiker wurden nun gereiht und Evergreens wie „You Came“ und „You Keep Me Hanging On“ (im Original ein altes Motown StĂŒck) entzĂŒckten die Herzen der Menschen im Saal und mit diesem Titel verabschiedete sich die Band vorerst und kam fĂŒr einige Zugaben zurĂŒck, z.B. fĂŒr das sehr schöne Alphaville Cover „Forever Young“ und „Get Out“ aus dem aktuellen Album. Mit einem 80er Jahre Retro-Streifenshirt brachte Kim Wilde ihr wohl bestes Lied „Kids In America“ von 1981. Genial durch Licht und Nebel in Szene gesetzt ließ der Song alle Herzen im Takt schlagen. Ein perfekter Abschluss eines abwechslungsreichen und spannenden Konzertabends.

Setlist:
King of the World
Chequered Love
Hey You
The Second Time
Anyplace, anywhere, anytime
Words Fell Down
Lights Down Low
Real Life
I Want What I Want
Suicide
Cambodia
Never Trust a Stranger
View from a bridge
Jessica
Love blonde (Acoustic)
Thought it was goodbye (Acoustic)
Sleeping Satellite (Acoustic)
Together We Belong
My Wish Is Your Command

Keep me hanging on
Forever young (Z)
Get Out (Z)
You Came (Z)
This Paranoia (Z)
Kids in America (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind möglich) oder direkt durch Anklicken der Bandfotos.

Autor: Frank Stienen
Fotos: Michael Gamon

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