INTERPOL – Dortmund, Westfalenhalle 2 (22.10.2010)

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Nachdem man von Interpol jahrelang wenig bis gar nichts gehört hatte, waren die Erwartungen an das letzte Album allein schon wegen der langen Schaffenspause entsprechend hoch. GedÀmpft wurde die Vorfreude dann allerdings durch den Ausstieg des Bassisten Carlos Dengler, der nicht
unwesentlich fĂŒr den Sound der Combo verantwortlich zeichnete. Bei der Produktion des selbstbetitelten Albums legte er noch Hand an, fĂŒr die Tour allerdings stand er nicht zur VerfĂŒgung und so nahm man kurzerhand David Pajo als Gastmusiker mit. Das Album war auf Anhieb auch alles andere als ein Ohrwurmpaket und es dauerte selbst bei Hardcorefans eine Weile, bis man sich "Interpol" erarbeitet hatte. Am 22. Oktober baten die New Yorker zur Hörprobe in die Westfalenhalle 2.

Da im Vorfeld der Tour immer wieder zu lesen/hören war, dass die Herren musikalisch live zwar absolute CD-QualitĂ€t spielen, aber sonst nicht sonderlich viel auf der BĂŒhne passiert, fuhren wir mit verhaltener Begeisterung und viel Spielraum fĂŒr Positives nach Dortmund, wo es direkt mit dem ersten DĂ€mpfer des Abends losging: Zwei Vorbands statt einer, vielleicht des Guten etwas zuviel. Aber sei’s drum. Ein Teil des Publikums wippte gelangweilt mit und man ließ die unangekĂŒndigte erste Band "The Blue Angel Lounge "uninspiriert, gnadenlose Langeweile verströmend und ohne irgendeine Form von Interaktion mit den ca. 2.000 Anwesenden in SchĂŒlerbandmanier ĂŒber sich ergehen und hoffte bei "Surfer Blood" aus Florida auf ? tja? was eigentlich? Fast alle waren wegen Interpol da und tatsĂ€chlich haben sich zwar einige hundert Leute im Publikum bewegt, aber Körpersprache, sonderbare Zuckungen, eine Mischung aus Robodance und Gitarrengeschwinge im Stil diverser Robert Palmer-Videos in Kombination
mit nerviger Livestimme und Omas-Liebling-Klamotten des SĂ€ngers gaben auch den umstehenden Schreiberkollegen den Rest, auf das manche anfingen, Kameras zu reinigen oder Smartphones zu maltrĂ€tieren um die Zeit zu verkĂŒrzen. Exzellenter Handy-Empfang in der Westfalenhalle, ĂŒbrigens.

Dann endlich fluteten Nebelschwaden die BĂŒhne, gedĂ€mpftes Licht kĂ€mpfte ĂŒber volle KonzertlĂ€nge vergeblich dagegen an und endlich erwachte die Halle, als unter ohrenbetĂ€ubendem Applaus Interpol in feinstem Zwirn die BĂŒhne betraten. Allein SĂ€nger Paul Banks kam mit Karohemd und spielte mit seinen Mannen stur ein Beinahe-Best-Of-so-far-Set, dass zwar wirklich CD-QualitĂ€t hatte, aber trotz der guten Stimmung war außer Nebel, wenig Licht und den zum Teil nur erahnbaren Gestalten auf der BĂŒhne in der Halle einfach kein StĂŒck KonzertatmosphĂ€re zu spĂŒren. Kurz: es ist unbeschreiblich, wie unspektakulĂ€r INTERPOL an diesem Abend alles andere als auch nur irgendwie erwĂ€hnenswert abgeliefert haben. Totaler Stillstand auf der BĂŒhne, was bei AnhĂ€ngern diverser Meditationszentren sicherlich noch als irgendeine bemerkenswerte Leistung Anerkennung gefunden hĂ€tte, aber dafĂŒr dann Westfalenhalle 2? BĂŒhnenprĂ€senz war quasi nicht vorhanden. Angeblich können die Herren aus NY das besser. Das einzig Bemerkenswerte: man hĂ€tte – das Publikum abgezogen – den Unterschied zu den Studioalben nicht herausgehört. Immerhin dafĂŒr zwei Daumen hoch. Wem das bei einem Livekonzert reicht ? sorry, fĂŒr mich definitiv ungeschlagen (und bis Jahresende unschlagbar) das langweiligste Konzert 2010 trotz der Fast-keine-WĂŒnsche-offen-Setlist.

Setlist:
01. Success
02. Say Hello To The Angels
03. Narc
04. Take You On A Cruise
05. Summer Well
06. Rest My Chemistry
07. Slow Hands
08. C’mere
09. Hands Away
10. Barricade
11. The New
12. Lights
13. PDA
14. Memory Serves
15. Not Even Jail
16. Untitled (Z)
17. Length of Love (Z)
18. Evil (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (fĂŒr Bildkommentare muss man aus SpamverhinderungsgrĂŒnden leider angemeldet sein) oder direkt durch Anklicken des jeweiligen Bandfotos.

Interpol:




Surfer Blood:


The Blue Angel Lounge:


Autor: Istvan Illes
Fotos: Michael Gamon

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