Sinner’s Day Festival – B-Hasselt, Ethias Arena (31.10.2010)

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Im letzten Jahr feierte das Sinner’s Day Festival im belgischen Hasselt eine vielumjubelte Premiere, gelang es den Veranstaltern in der tollen Ethias Arena doch, viele Topacts der glorreichen Vergangenheit zur├╝ck auf die B├╝hne zu bringen, viele davon exklusiv. Das Sinner’s Day wartete 2009 mit Bands wie Front 242, The Human League, Gary Numan oder Gang Of Four auf und war rundum gelungen. Nun stand also der Nachfolger in den Startl├Âchern als ich mich an Halloween 2010 auf den Weg ├╝ber die belgische Grenze machte. In diesem Jahr konnte man ganze 17 Acts auf zwei B├╝hnen begr├╝├čen, darunter Echo & The Bunnymen, die Psychedelic Furs, Marc Almond, The Fall, The Human League, Nina Hagen und mit Marky Ramone ein Mitglied der legend├Ąren Ramones. Dank einer Kapazit├Ątenerh├Âhung str├Âmten in diesem Jahr knapp 15.000 Besucher durch die Eingangstore, darunter auch Musiker des letzten Jahres wie Bollock Brothers Frontmann Jock McDonald. Die Ethias Arena bewies sich dabei wieder als tolle Location mit einer perfekten Organisation. Schon fr├╝h war es hier bestens gef├╝llt, so dass schon die bereits um 12:30 Uhr auftretenden Red Lorry Yellow Lorry vor einer ordentlichen Zuschauerzahl aufspielen konnten.


Red Lorry Yellow Lorry
┬á wurden vor fast 30 Jahren gegr├╝ndet und nachdem man sich 1991 zun├Ąchst aufl├Âste, ist die Formation seit 2004 wieder aktiv. Frontmann Chris Reed zieht bei den Lorries klar die F├Ąden und stand auch beim Sinner’s Day Auftritt im Mittelpunkt. Die Band zeigte sich als guter Opener und stimmte die Fans mit druckvollem Waverock und nat├╝rlich auch dem Hit „Talk About The Weather“ bestens auf den Tag ein.

Dass auch die Elektronik im Lineup ihren Platz gefunden hatte zeigten danach als erste Band der Hauptb├╝hne Poesie Noire. Die Lokalmatadoren haben sich dem minimalistischen Electro-Wave verschrieben und beeindruckten ihre Landsleute und Zugereiste mit minimalistischen Sounds und zweistimmigem, m├Ąnnlichen und weiblichen Gesang. Es ist lange her, dass man die Band live erleben konnte und so waren ihre Fans sehr gespannt und nach dem knapp 45-min├╝tigen Set sehr zufrieden mit den gebotenen alten Songs, aber auch mit den neuen Songs vom aktuellen Comeback-Album „The Sense Of Purpose“.

Eher eine kurze Karriere haben Department S hinter sich, ver├Âffentlichten sie mit „Sub-Stance“ doch nur ein einziges Album, das allerdings bei Erscheinen im Jahre 1980 f├╝r einiges Aufsehen sorgen konnte. Songs wie „Is Vic There?“ oder „Going Left Right“ brachten ihnen immerhin die Ehre einer John Peel Session ein, was einem Ritterschlag gleich kommt. Live zeigte man sich beim ersten Auftritt in Belgien seit zwanzig Jahren stilsicher mit Hemd und/oder Jackett und pr├Ąsentierte 80s Wavepop, der gegen Ende hin auch etwas rockigere Z├╝ge annahm.

Setlist:
01. Clap Now
02. Monte Carlo Or Bust
03. Age Concern
04. Lucifer Sam
05. Going Left Right
06. Slave
07. Wonderful Day
08. Ode To Koln
09. Is Vic There?
10. I Want

Deutlich rockiger ging es aber danach auf der Hauptb├╝hne weiter, denn hier hatten sich die UK Subs angesagt, die den durch die Absage von The Damned freigewordenen Spot einnahmen. Die UK Subs sind Punk-Urgesteine und stellten dies mit Songs wie „Riot“ oder „Rockers“ sofort ebenso unter Beweis wie ihre Fans, die vor der B├╝hne spontan einen Moshpit etablierten. Charlie Harper und seine Mitstreiter heizten den Anwesenden ordentlich ein und sp├Ątestens jetzt war wohl jeder im Publikum wach, wozu auch der Song „Saints & Sinners“ beitrug, der dem Festival entsprechend leicht angepasst wurde und heute „Sinner’s Day“ hie├č.

Setlist:
01. CID
02. I Live In A Car
03. New York State Police
04. Squat 96
05. Emotional Blackmail
06. Kicks
07. Left For Dead
08. Rockers
09. Sinner’s Day (Saints & Sinners)
10. Bitter & Twisted
11. Limo Life
12. Endangered Species
13. Tomorrow’s Girls
14. Warhead
15. Riot
16. Strangle Hold

Wie abwechslungsreich dieses Festival sich pr├Ąsentierte, wurde sp├Ątestens beim n├Ąchsten Auftritt ├╝berdeutlich. Ethno- Worldmusic pr├Ąsentiert von Jah Wobble, der seine Inspirationen auf der gesamten Welt sucht und dabei vor allem im asiatischen Bereich f├╝ndig geworden zu sein scheint, was sicher auch an seiner chinesischen Mitmusikerin und Ehefrau Zi Lan Liao liegt. Die von den unterschiedlichsten Instrumenten erzeugten Kl├Ąnge waren zum Teil durchaus groovig, sorgten aber auch f├╝r allerlei Am├╝sement im Zuschauerraum. Vom Post Punk einer Band wie Public Image Ltd. (PiL) zu der Jah Wobble zwei Jahre lang neben John Lydon geh├Ârte, war in Hasselt jedenfalls nicht viel zu sp├╝ren.

Setlist:
01. Taiko Dub
02. Cherry Blossom Dub
03. Koririko
04. Hackai Bon Uta
05. Java
06. I’m Still In Love With You
07. Visions
08. How Much Are They?
09. Invaders
10. 7 Beat

Nachdem er kurz zuvor noch in der Eingangshalle ein Interview gegeben hatte, bestieg Marky Ramone, Drummer und neben Gr├╝ndungsmitglied Tommy Ramone der letzte ├ťberlebende aus den Anfangszeiten der legend├Ąren Ramones nun mit seiner aktuellen Band „Marky Ramones Blitzkrieg“ die Mainstage. Wie bei meinem ersten Ramones Konzert vor ca. 20 Jahren wurden die kurzen, zackigen Songs mit 1, 2, 3 angez├Ąhlt und dann ging’s ordentlich los. Nicht abwechslungsreich, aber voll auf die 12 und mit Hits am Fliesband auch ungeheuer mitrei├čend. Als Frontmann war ├╝brigens Michael Emanuel, besser bekannt als Michale Graves, fr├╝heres Mitglied der Misfits dabei und peitschte die schnellen Lyrics dem begeisterten Publikum entgegen. Viele Unterschiede zu einem „echten“ Ramones-Konzert konnte ich, wohl ebenso wie die anderen Anwesenden, nicht ausmachen und so geh├Ârte der Auftritt sicher zu den absoluten Highlights des diesj├Ąhrigen Sinner’s Day Festivals.

Setlist:
01. Rockaway Beach
02. Teenage Lobotomy
03. Do You Wanna Dance
04. Sheena Is A Punk Rocker
05. Havanna Affair
06. Commando
07. Beat On The Brat
08. Do You Remember Rock’n’Roll Radio
09. Carbona Not Glue
10. Judy Is A Punk
11. The KKK Took My Baby Away
12. Chinese Rock
13. I Wanna Be Sedated
14. Cretin Hop
15. What A Wonderful World
16. Rock’n’Roll Highschool
17. I Don’t Wanna Walk Around With You
18. Ramones
19. Pinhead
20. Blitzkrieg Bop

Sogar noch etwas besser gefielen mir die danach im Club aufspielenden The Young Gods┬á aus der Schweiz. Schon vor vielen Jahren war ich ├╝berrascht, solch abgedrehte Sounds aus dem Land der Eidgenossen zu h├Âren. Atmosph├Ąrisch-rockig und mit viel Drive ging es zum beschw├Ârenden Gesang von Frontmann Franz Treichler zur Sache und der Club wurde in eine seltsam anmutende Industrialrock-Kirche verwandelt in der Prediger Treichler die heiligen Worte las. Songs wie „Supersonic“ oder „Kissing The Sun“ und die erzeugte Energie wussten mich durchweg zu begeistern. Da fiel es auch kaum ins Gewicht, dass mit „Skinflowers“ einer meiner Lieblingssongs der Schweizer im Set fehlte. Ich hoffe, dass die Band sich auch bald mal wieder auf einer Deutschlandtour zeigen wird, Termine in diversen anderen europ├Ąischen L├Ąndern stehen jedenfalls bereits.

Setlist:
01. The Color Code
02. Freeze
03. El Magnifico
04. Supersonic
05. About Time
06. Kissing The Sun
07. Everythere
08. I’m The Drug
09. Super Ready

Auf der Hauptb├╝hne ging es mit den aus Belgien stammenden Arbeid Adelt! und einer etwas merkw├╝rdigen Show weiter. Beats stehen bei den drei Belgiern klar im Vordergrund und laden zum tanzen ein. Doch auch wenn das eingebaute Saxophon noch durchaus integriert erscheint, war das Augenzwinkern der Musik ├╝beraus deutlich, denn Spa├č und Ironie sind nicht nur beim Bandnamen Trumpf. W├Ąhrend des Gigs der Anarcho-Schwiegersohn-Elektroniker gibt S├Ąnger Marcel Vanthilt auch beizeiten gerne mal den Alleinunterhalter und gibt Schlager zum Besten. Ich verlasse den Auftritt mit gemischten Gef├╝hlen, die Einheimischen konnten Texte und Show der Band aber sicher besser nachvollziehen und quittierten dies mit L├Ącheln auf den Gesichtern.

Weiter ging’s im etwas „kleineren“ (ca. 4.000 Leute?) Club mit The Kids, die f├╝r den leider kurzfristig ausgefallenen Peter Murphy (Bauhaus) eingesprungen waren. Auch The Kids sind Lokalmatadoren und wurden bereits vor knapp 35 Jahren gegr├╝ndet; nach einer zwischenzeitlichen Aufl├Âsung sind sie nun zumindest wieder live aktiv. Den Kinderschuhen sind sie mittlerweile allerdings nat├╝rlich l├Ąngst entwachsen, nennen aber eine geh├Ârige Portion Spielfreude ihr Eigen. Sie machen Punkrock, jedoch eine etwas zahmere Version dessen, was die UK Subs oder Marky Ramone zuvor zeigten. Trotzdem wussten sie ihr Publikum gut zu unterhalten und schlossen die von Peter Murphy hinterlassene L├╝cke zwar sicher nicht ad├Ąquat, aber vor allem bei ihren Landsm├Ąnnern durchaus ordentlich.

Setlist:
01. No Work
02. Bloody Belgium
03. Do You Wanna Know
04. For The Fret
05. Don’t Wanna Be A Fat Boy
06. Naughty Boys
07. No Monarchy
08. I’ll Get You
09. 12 XU
10. There Will Be No Next Time
11. Freedom Liberty Democracy
12. Baby That’s Allright
13. Fascist Cops
14. Razorblades For Sale
15. This Is Rock’n’Roll
16. Do You Love The Nazis
17. If The Kids Are United

Mit Heaven 17 [GALLERY] stand nun wieder ein bekannterer Name auf dem Programm. Die Band wurde 1981 von Frontmann Glenn Gregory, Martyn Ware und Ian Craig Marsh gegr├╝ndet, nachdem die beiden letztgenannten ihre vorherige Band The Human League verlassen hatten. ├ťberaus professionell und doch sympathisch wirkte die Show und nat├╝rlich hatten Frontmann Gregory, seine Gesangspartnerin Billie Godfrey und die Band jede Menge Hits im Gep├Ąck um Freunde des Achtziger Synthpops zu umschmeicheln. Besonders gefragt waren bei Glenn ├╝brigens die eventuell im Publikum vertretenen Geisha Boys, die er zu sich in die Garderobe einlud. Ob es hingegen an Martyn Ware und Ian Craig Marsh lag, dass mich der Auftritt der Briten tats├Ąchlich sehr an den von The Human League in K├Âln vor drei Jahren erinnerte wei├č ich nicht, aber es war jedenfalls sch├Ân, die Band trotz leichter Soundprobleme mal live gesehen zu haben; auch wenn ich nie ein echter Fan von Heaven 17 war. Um die Br├╝cke zu The Human League perfekt zu vollenden pr├Ąsentierten Heaven 17 nach Hits wie „Penthouse & Pavement“ oder „Temptation“ als Zugabe ├╝brigens auch noch eine Coverversion des Human League Klassikers „Being Boiled“ und setzten so ein Ausrufezeichen hinter ihren Auftritt.


Setlist:

01. (We Don’t Need This) Fascist Groove Thang
02. Penthouse & Pavement
03. Play To Win
04. Geisha Boys And Temple Girls
05. I’m Gonna Make You Fall In Love With Me
06. And That’s No Lie
07. Crushed By The Wheels Of Industry
08. Come Live With Me
09. Sign Your Name
10. Let Me Go
11. Temptation
12. Being Boiled (Z)

Innovativer und ungew├Âhnlicher ging es im Club mit The Fall weiter, der Band um den exzentrischen Frontmann Mark E. Smith. Mark ist mit Sicherheit in der Szene ein Unikum, nicht nur wegen seines ├╝bergro├čen Mundwerks, das er beim Singen oder eher nuscheln allerdings ganz und gar nicht weit aufmacht. Er wirkt on Stage wie ein verwirrter alter Mann, geht auf der B├╝hne spazieren, spielt gedankenverloren mit einer Wasserflasche Fu├čball oder dreht erstmal alle Verst├Ąrkerregler weiter nach oben. Gerne singt er auch in zwei Mikros gleichzeitig und erf├╝llt damit all jene von ihm erwartete Skurillit├Ąt, die ihn seit jeher ausmacht und f├╝r die ihn seine Fans lieben; was sie nat├╝rlich auch heute wieder lautstark beteuerten. Musikalisch war es zudem ebenfalls ├╝berzeugend und der Kultfaktor seiner Stimme ist ungeheuer. Und da Mark eh mehr erz├Ąhlt als singt, fiel es ihm auch sehr leicht die Texte abzuwandeln, das Sinner’s Day Thema einbauen etc. Interessanter und guter Auftritt einer wirklich kultigen Band!

Auf den n├Ąchsten Auftritt freute ich mich dann sogar noch etwas mehr, da ich die letzte Tour von Marc Almond leider verpasst hatte. ├ťber ihn muss man nicht viele Worte verlieren, denn sein Einfluss auf die Szene als Solok├╝nstler und nat├╝rlich auch als Frontmann der Band Soft Cell ist immens und Konzerte mit ihm sind stets ein Hochgenuss. Dass meine Vorfreude berechtigt war wurde gleich zu Beginn klar, als drei tolle Songs das Set er├Âffneten, Marc seine gesanglichen und charismatischen St├Ąrken voll ausspielte und die Aufmerksamkeit ganz auf sich zog. Los ging es mit „Glorious“, bevor mit „Tears Run Rings“ sein wohl gr├Â├čter Solohit folgte und das Publikum zum Schwelgen brachte. Mit „Torch“ erklang daraufhin ein Song seiner Soft Cell Vergangenheit, als er gemeinsam mit Dave Ball brillierte. Wo seine musikalische Reise derzeit Halt macht, zeigte Marc in der Folgezeit mit Songs aus seinem aktuellen Album „Variet├ę“ und mit einigen seiner bekannten Jacques Brel Interpretationen. Zum Abschluss begl├╝ckte er sein Publikum noch mit dem begeistert gefeierten ├ťberhit „Tainted Love“ und lie├č eine sichtlich begeisterte Menschenschar zur├╝ck. Wieder war es ein toller Auftritt eines begnadeten Entertainers.

Setlist:
01. Glorious
02. Tears Run Rings
03. Torch
04. Nijinsky Heart
05. Bread & Circus
06. Child Star
07. The Devil (Okay)
08. Jacky
09. The Idol
10. Brilliant Creatures
11. Bedsitter
12. Sleaze
13. Joey Demento
14. Tainted Love

Waren auf der Hauptb├╝hne gerade noch Pathos, Spielfreude und Eleganz Trumpf, wurde der Pathos im Club nun eingemottet und der Spa├č noch weiter in den Vordergrund ger├╝ckt. The Selecter er├Âffneten dort mit einem Instrumental und dem nachfolgenden „Three Minute Hero“ ihren Set und brachten das Publikum ordentlich zum schwitzen. Ihr 2-Tone-Ska und nat├╝rlich insbesondere ihr Hit „On My Radio“ ist pr├Ądestiniert daf├╝r die Beine auszuschlagen und sich im Rhythmus zu bewegen. Mit ihrem Musikstil standen sie dabei nat├╝rlich schon etwas au├čerhalb des heute ansonsten hier vertretenen Spektrums und polarisierten somit auch stark. Diejenigen die sich auf die Rhythmussektion einlie├čen, hatten jedenfalls sichtlich Spa├č am Geschehen. Alle anderen verbuchten den Auftritt hingegen wohl eher als weiteren Beweis f├╝r die stilistische Vielfalt des Festivals und bereiteten sich mental schon mal auf den n├Ąchsten Auftritt vor, denn hier erwartete die Zuschauer wieder so Einiges.

Setlist:
01. The Selecter (instrumental)
02. Three Minute Hero
03. Time Hard (Everyday)
04. They Make Me Mad
05. Missing Words
06. Danger
07. Street Feeling
08. My Collie (Not A Dog)
09. Train To Skaville
10. Murder
11. Out On The Streets Again
12. Carry Go Bring Come
13. Black & Blue
14. James Bond
15. On My Radio
16. Too Much Pressure

Exzentrisch ist sie, aber vor allem wei├č sie die Massen mit ihrer verr├╝ckten Art und den extremen Grimassen in ihren Bann zu ziehen: Nina Hagen. Und sogar singen kann sie recht gut, was sie gleich mit zwei Coverversionen bekannter Hits („Personal Jesus“ von Depeche Mode und „Riders On The Storm“ von The Doors) unter Beweis stellte. Und auch sonst wurde das Set der deutschen Diva von Coverversionen getragen, nun aber eher von Gospelcovern ihres neuen Albums „Personal Jesus“, darunter ihr pers├Ânlicher Lieblingssong „God’s Radar“. Aus der Konserve kann ich nur bedingt etwas mit ihrer Musik anfangen, live ist es jedoch durchaus ein Vergn├╝gen ihr zuzusehen und sogar auch etwas zuzuh├Âren. Trotzdem musste ich den Auftritt etwas fr├╝her verlassen, denn nun stand der Hauptgrund meines Kommens auf dem Plan.

Die Psychedelic Furs geh├Âr(t)en zu den wenigen meiner Helden, die ich bisher nicht live gesehen hatte. Und meine Freude steigerte sich gleich bei den ersten T├Ânen ins Unermessliche, denn all das Warten hatte sich gelohnt. Richard Butlers Stimme ist auch live begnadet und die Songs einfach unterhaltend, mitrei├čend oder traurig sch├Ân. Richard und Band waren bester Laune, spa├čten auf der B├╝hne und verzauberten mit Hits wie „Pretty In Pink“, „Love My Way“ oder „Heaven“ auch den Letzten im nun vollkommen ├╝berforderten Club, den schon l├Ąnger nur eine Einlassbegrenzung vor dem Zerbersten bewahrte. Und auch Richard selbst schien verzaubert, drehte sich in bester Balletmanier auf der Stelle und ging voll aus sich heraus. Es schien, als w├Ąren auch die Furs froh, endlich mal wieder in der alten Welt zu spielen und dort dann auch noch so begeistert empfangen zu werden. Man kann nur hoffen, dass sie nun Blut geleckt haben und bald eine gro├če Europatour starten, viele erwarten sie sicher schon sehns├╝chtig.

Setlist:
01. Dumb Waiters
02. Pretty In Pink
03. Sister Europe
04. Heartbeat
05. Love My Way
06. The Ghost In You
07. In My Head
08. Highwire Days
09. Heaven
10. She Is Mine
11. President Gas

Der vorl├Ąufige Abschluss war dann wieder dem Waverock vorbehalten und Echo & The Bunnymen wurden dieser Position durchaus gerecht, haben sie doch ein breites Spektrum an starken Songs, zu denen am heutigen Abend nat├╝rlich auch das gro├čartige „The Killing Moon“ geh├Ârte. Frontmann Ian McCulloch gab sich mit gr├╝nem Parka betont cool an seinem Micro und ben├Âtigte auch keine gro├čen Gesten, um sein Publikum zu begeistern. Wie die anderen Acts des Tages auch, sind Echo & The Bunnymen live nur sehr selten zu sehen und so war es kein Wunder, dass die anwesenden Fans nach jedem einzelnen Song geradezu lechzten. Dies umso mehr, als gleich die ersten Songs vom 1980er Deb├╝talbum „Crocodiles“ stammten und man sofort in Erinnerungen schwelgen konnte. Aber nat├╝rlich waren auch Songs vom aktuellen Album „The Fountain“ vertreten, das vor ziemlich genau einem Jahr erschien. So bekam man die volle Echo-Dr├Âhnung und einen gelungenen Abschluss des Festivals verpasst.


Setlist:

01. Going Up
02. Rescue
03. Villiers Terrace
04. Do It Clean
05. Seven Seas
06. Bring On The Dancing Horses
07. Think I Need It Too
08. Zimbo (All My Colours)
09. All That Jazz
10. Never Stop
11. Back Of Love
12. The Killing Moon
13. The Cutter
14. Nothing Lasts Forever (Z)
15. Lips Like Sugar (Z)

Ganz beendet war der S├╝ndertag aber noch nicht, denn es stand gegen Mitternacht mit The Orb noch ein weiterer Programmpunkt an. Der Auftritt der beiden Soundt├╝ftler stach abermals aus dem Gesamten hervor, hatte er doch mit einem Konzert im eigentlichen Sinne nicht viel gemein. Die beiden hatten sich hinter ihren Ger├Ątschaften postiert und schraubten an Reglern und waren so eher die Einleitung der sp├Ąter eigentlich an anderer Stelle stattfindenden Aftershowparty als ein Bandauftritt. So wurde das verbleibende Publikum mit elektronischen Kl├Ąngen zum Tanzen animiert, w├Ąhrend ich mich langsam aber sicher auf den Heimweg machte.

Setlist:
01. Chucks Peaks
02. Towers Of Dub
03. No Change For Gold
04. U.F.Orb
05. Waltz
06. Kan Kan
07. Dolly Unit
08. Fluffys Medley
09. Captain Korma

Es war das erwartet tolle Festival, das mit besonderen Acts aus dem Gros der Festivallandschaft heraus stach. Komisch, dass so etwas innerhalb Europas nur in Belgien zu funktionieren scheint, daran sollten sich andere Veranstalter ein Beispiel nehmen. Nochmals erw├Ąhnt werden soll zudem die scheinbar in Belgien ebenfalls selbstverst├Ąndliche, perfekte Organisation. Ich freue mich jedenfalls schon jetzt auf das im n├Ąchsten Jahr nat├╝rlich wieder stattfindende Sinner’s Day Festival. F├╝r dieses best├Ątigt sind ├╝brigens bereits The Mission, die eigentlich vor gut zwei Jahren ihren R├╝cktritt von der B├╝hne verk├╝ndet hatten. Es ist aber wohl ein exklusiver Auftritt der Band um Frontmann Wayne Hussey auf europ├Ąischem Festland, den Termin sollte man sich also schon mal vormerken: am 30. Oktober 2011 hei├čt es Sinner’s Day 2011?.

Autor & Fotos: Michael Gamon