NOCTURNAL CULTURE NIGHT FESTIVAL 2010 – Tag 1 – Deutzen, Kulturpark (03.09.2010)

Nocturnal Culture Night Festival 2010 - Deutzen, Kulturpark (03.-05.09.2010)
Geschätzte Lesezeit: 9 Minute(n)
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Als krönender Abschluss der großen Sommer- Festival- Saison stand vom 3.9. bis 5.9.2010 die fünfte Nocturnal Culture Night in Deutzen bei Leipzig auf dem Programm. Das NCN Festival hat sich in den vergangenen Jahren als wahrer Szene- Insider herausgestellt, bietet es doch neben einem stets ansprechenden, vorrangig elektronisch- düsteren Line- Up ein paar weitere Vorzüge, die nicht jedes dunkle Festival sich leisten kann. Die Nocturnal Culture Night fand im Kulturpark Deutzen, einem kleinen Ort nahe Leipzig, statt, wo es neben drei Bühnen und einem anschaulichen, lauschigen Mittelaltermarkt vor allem viel Natur gab. Das machte diesen Ort zum einen ziemlich gemütlich, zum anderen bot aber die wie ein Amphitheater angelegte, große Bühne jedem Zuschauer die Möglichkeit, einen guten Blick auf die Shows der jeweiligen Künstler zu bekommen. Ein weiterer Pluspunkt war jener, dass es durch die gute Organisation der einzelnen Acts zu keinerlei Überschneidungen kommt, so dass man musikalisch nahezu alles Gebotene mitnehmen konnte. Ein zusätzliches Kompliment fällt dem fairen Preis- Leistungsverhältnis auf dem NCN zu, denn nicht nur der Eintrittspreis von 35? (Wochenendticket im VVK) war ziemlich gering, sondern auch die dort gebotenen flüssigen und festen Nahrungsmittel waren zu für ein Festival dieser Art unschlagbaren Preisen zu erwerben.

Musikalisch wurde an den drei Festivaltagen nicht nur für EBM- und Synthie- Fans mit Bands wie Vomito Negro, Leaether Strip, Spetsnaz oder Suicide Commando aufgefahren, sondern auch den elektronischen Klängen entfernte Acts wie Saltatio Mortis oder In The Nursery waren mit von der Partie. Bei so einem Line- Up war sicherlich für jeden etwas dabei!

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Am Freitag Abend um 18 Uhr war es dann für die erste Band an der Zeit, sich dem NCN Publikum zu präsentieren. Dieses war allerdings bisher nur vereinzelt auf dem Gelände anzutreffen und somit war es auch bei The Pussybats noch relativ leer vor der kleinen Bühne. Schade, denn die 4 Jungs aus Stuttgart wissen sicherlich auch ein viel größeres Publikum zu rocken, geht doch ihre Mischung aus Gothic und flippigem Rock direkt ins Ohr. Trotz der doch eher düsteren Atmosphäre, die die einzelnen Songs umrahmte, bot jeder Song der Newcomer für sich genug rockige Beats, um sich schon mal etwas warm zu tanzen. Neben Tracks von ihrem Debutalbum ?Famous Last Songs? gab es unter anderem auch ein Cover des White Town Songs ?Your Woman?. Als Einstieg ins NCN Wochenende waren The Pussybats ein solider Act, dem man auf seinem weiteren musikalischen Weg das Beste wünscht.

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Auf der Hauptbühne gaben Tenek den Startschuss in das diesjährige NCN Festival. Anfängliche technische Soundprobleme wurden von den beiden Briten souverän und charmant gelöst, bis es dann endlich mit dem ersten Song, der direkt vom neuen Album stammte, los ging. Für das immer noch spärlich vorhandene Publikum gab es nun Synthiepop vom Feinsten. Auch wenn die beiden Briten Geoff Pinckney und Peter Steer das Projekt Tenek noch nicht allzu lange beleben, merkt man den beiden an, dass ihr Tenek- Sound durchaus auf viel musikalischer Erfahrung basiert. In ihrem 20 minütigen Set auf der Nocturnal Culture Night brachten die Briten einen starken Song nach dem anderen unter, darunter ?Higher Ground? vom aktuellen Album ?On The Wire? und die neue Single ?Blinded By You?. Vor der Bühne fingen nun auch die ersten Synthpop- Fans etwas an zu tanzen: was blieb einem bei so einer stetigen Dynamik, die jeden Song durchzog, auch anderes übrig? Für mich persönlich waren die beiden Herren von Tenek eine große Überraschung, hatte ich doch zuvor nur wenig von ihnen gehört und konnte mir darunter zunächst einmal nur wenig vorstellen. Ab nun gilt es Ohren spitzen, was die beiden Briten noch so alles von sich geben werden. Bis hier hin haben sie jedenfalls schon Großes geleistet. Tenek versprühten an jenem Festivalfreitag viel gute Laune und machten Lust auf mehr elektronische Klänge.

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Was vor der kleinen Bühne nun zu beobachten war, war schon beachtlich. Es hatten sich innerhalb von nur 20 Minuten so viele Fans des nächsten Acts angesammelt, dass man sich wirklich fragte, wo sich die Damen und Herren in den vergangenen Minuten versteckt hatten. Patenbrigade:Wolff lockten so viele Zuschauer vor die Bühne, dass es schon langsam ziemlich eng in den Reihen wurde. Die Patenbrigade um Brigadier Sven Wolff und Brigadeleiter Lance Murdock sieht die Bühne als ihre Baustelle an, auf der es sich auszutoben gilt, um den tanzwütigen Elektrofans eine ordentliche Portion ihrer harten Arbeit mitzugeben. In knallorangenen Schutzanzügen wurde auf der Bühnen- Baustelle geschaufelt und geackert, was das Zeug hielt. Egal, wie klein das zu bearbeitende Bauareal an jenem NCN Freitag war, die Patenbrigade:Wolff wusste ihre Fans mit Songs wie ?Feind Hört Mit? oder ?Gefahrstoffe? genauso zu begeistern, wie beim diesjährigen e-tropolis Festival in Berlin. Im Vergleich zum dortigen Auftritt waren die Bauherren und ihre weibliche Baustellenleitung und ? stimme dieses Mal allerdings in geringerer Besetzung anwesend, was dem Ganzen sicherlich keinen Abbruch tat. Ich hatte mich in Berlin schon gefragt, was so viele bauende, arbeitende Menschen auf der Bühne wollten, war das Ergebnis der großen Arbeit für mich doch nicht wirklich zufriedenstellend. Viele Köche verderben den Brei, viele Bauarbeiten die spätere Baute oder in diesem Fall die Wirkung auf der Bühne. Beim NCN Festival wirkte das Ganze aber schon wesentlich ansprechender als im Juni in Berlin, obgleich die Patenbrigade bisher noch nicht wirklich etwas geschaffen hat, was mir 100%ig gefällt. Sei es drum ? in meinen Augen und für meine Ohren war der NCN Auftritt der lauten und leuchtenden Brigade dennoch solide.

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Nachdem die letzten lauten und schrillen Klänge der Patenbrigade:Wolff verhallt waren, wurde es auf der großen Bühne hingegen ziemlich düster und rockig. The House Of Usher sagten mir bis dato erst einmal wenig ? verwunderlich, machen die Herren doch schon seit nunmehr 20 Jahren dunkle Gothic- Musik und können somit als richtige Urgesteine der zweiten Generation angesehen werden. Und das, was die musikalisch begabten Herren um Frontmann Jörg Kleudgen da auf der Stage darboten, klang wie guter alter Gothic- Rock, der teilweise etwas an die Sisters Of Mercy erinnerte, ohne dabei aber wie eine Kopie zu klingen. Glaube, Liebe, Tod sind die Themen, die sich der Gothic- Rock zu Eigen gemacht hat; jene Themen fanden wir auch in den Songs von The House Of Usher wieder. Zu Songs wie ?Radio Cornwall? oder ?It Doesn’t Matter? gelang es Sänger Jörg dann, mit seiner Stimme eine derartig tragende Atmosphäre zu schaffen, dass man sich wünschte, es wäre draußen bereits dunkler, damit die Wirkung sich nochmals verstärke. Optische Unterstützung bekamen The House Of Usher von einer des Bauchtanzes durchaus fähigen jungen Dame, die dem Publikum mit ihren langsamen Bewegungen die Songs nochmals in Körpersprache nahe brachte. Alles in Allem boten The House Of Usher dem NCN Publikum einen tollen Auftritt. Schade auch hier, dass es noch immer so leer vor der Bühne war. Schieben wir es einmal auf den Freitagabend, an welchem es für einige Besucher sicher noch nicht möglich war anzureisen.

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Auf der kleinen Bühne wurde es nun wieder etwas poppiger. Die Synthiepop- Band Iris, der nicht selten der Stempel des Mädchen- Elektros anhaftet, war an der Reihe, das NCN Publikum zu begeistern. Iris wurden 1993 in den USA vom charismatischen Frontmann Reagan Jones und Matt Morris gegründet. Letzterer wurde aber schon bald von Andrew Sega (Keyboard, Guitar, Programming) ersetzt, welcher dem Iris- Sound seither frischen Wind mitgibt und das Ganze dadurch etwas experimentierfreudiger gestaltet. Vor der kleinen Bühne war es wieder einmal ziemlich voll, die Zuschauer warteten gespannt auf die ersten synthetischen Beats, auch in der Hoffnung, sich einen ersten Vorgeschmack auf das neue Iris- Album ?Blacklight? holen zu dürfen. Die Hoffnungen wurden mehr als erfüllt, denn direkt der erste Song ?Disintegrate? war eine Neuheit, dicht gefolgt von dem ebenfalls neuen ?xWires? und ?Red Right Return?. Neben diesen ganzen neuen Hits gab es aber auch Songs aus den Anfängen mit Andrew Sega wie ?Sentimental Scar?. Iris boten dem Publikum ein vollends zufriedenstellendes Set und versprühten eine Menge gute Laute.

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Mit Die Art ging es im Anschluss an Iris auf der großen Bühne weiter. Die 1985 in Leipzig gegründete Band um Kopf des Trupps Holger ?Makarios? Oley hatte in Deutzen somit ein regelrechtes Heimspiel. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass bei ihrem Auftritt auf dem diesjährigen NCN Festival eine Menge Die Art Fans zugegen waren. Nachdem die Band nach sechs Jahren Trennungspause 2007 ihre Wiedervereinigung bekannt gab, sorgen die Jungs stärker denn je für gute Stimmung, die vor allem den intelligenten Texten und der punkigen, rockigen Soundbasis entspringt. Mit Liedern wie ?Alles Was Dein Herz Begehrt?, ?Paradise? oder ?In The Galery? wurde dem Publikum ordentlich eingeheizt und eine heimische Stimmung verbreitet. Die Ost- Kult- Band wusste an jenem Freitag ihre Fans allemal zu überzeugen!

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Dem späten Beginn an jenem Tag war es geschuldet, dass bereits als vierte Band auf der kleinen Bühne nun der Headliner Vomito Negro an der Reihe war. War die vor fast 30 Jahren gegründete EBM- Legende doch lange Zeit von der Bildfläche verschwunden, so gab es spätestens mit dem in diesem Jahr erschienenen Album ?Skulls & Bones? eine klare und deutliche Rückmeldung. Der Grundsound des neuesten Werkes ist noch immer der alte: hart, straight und kompromisslos. Dennoch haben Vomito Negro ihrem Sound ein paar ausgefeilte Finessen aufgesetzt, die dem harten Oldschool- EBM ein modernes Gewand schenken. Die Entscheidung, das ?schwarze Erbrechen? (Vomito Negro aus dem Lateinischen) wiederzubeleben, war die richtige, denn schon bei den ersten Tönen und Beats, die durch Gin Devo und BORG von der Bühne schallten, flippte ein Großteil des Publikums total aus. Nun wurde nur noch gestampft und gefeiert, besonders natürlich zu den Clubklassikern ?Baby Needs Crack? oder ?Stay Alive?. Die beiden Belgier schmetterten einen starken Song nach dem anderen in die Menge und haben sich somit ihre Spielposition mehr als verdient. Ein absolutes Highlight an diesem Abend!

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Mit In The Nursery wurde als Headliner auf der Hauptbühne vor allem stimmungstechnisch mit ganz großem Geschütz aufgefahren. Das von den Brüdern Klive und Nigel Humberstone 1981 in Sheffield gegründete Projekt zählt zu den Grundsteinen der Neoklassik und darf sich seit jeher großer Beliebtheit erfreuen. Absolutes Markenzeichen der seither immer größer gewordenen Formation ist bei ihren Live- Auftritten die eindrucksvolle Verwendung mehrerer Militärtrommeln. Und was dann letztendlich bei der Nocturnal Culture Night auf der Bühne zu hören und zu sehen war, war der absolute Wahnsinn. Die Energie, die dort von der Bühne ins Publikum drang, war einfach überwältigend. David Elektrik (Drums), Nigel (Gesang, Gitarre, Keyboard, Synthies), Klive (Livedrums) und Sängerin Dolores Marguerite kreierten dort eine eindrucksvolle Atmosphäre, die zum Träumen einlud, aber einen mit dieser Energie und Dynamik trotzdem immer wieder wach rüttelte. Ein derartig perfektes Zusammenspiel von Instrumenten, Stimmen und Effekten war mir selten ans Ohr gedrungen. Darüber hinaus sah man vor allem Klive an, wie sehr er die eigens gemachte Musik lebte. Sein Körper sprach jeden Beat mit, jedes einzelne Fünkchen Energie, das dort auf der Bühne geboren wurde. Neben älteren gitarrenlastigen Stücken gab es unter anderem die beliebten ?Bombed? und ?Mystery? zu hören, aber auch aktuell Geschaffenes fand seinen Platz im umfangreichen Set. In The Nursery setzten dem ersten Festivaltag die Krone auf und waren ein absolut würdiger Headliner.

Nach In The Nursery gab es auf der kleinen Bühne noch von Downstairs Left vorgetragene Melancholie und düstere Stimmung pur und langsam ging der erste Festivaltag dem Ende entgegen. Einige suchten nun ihre Zelte auf oder traten den Heimweg an, um sich angesichts der kalten abendlichen Temperaturen erst einmal aufzuwärmen. Andere feierten noch etwas an der kleinen Bühne bei der Aftershowparty mit DJ Andy (Melotron) und DJ Funkerjan. Wir entschieden uns für den Heimweg, um pünktlich am nächsten Mittag ausgeruht und warm angezogen wieder im Kulturpark Deutzen zu sein.

Die Berichte zum zweiten und dritten Tag, sowie die kompletten Fotosets werden in Kürze hier veröffentlicht.


Bericht: Tanja Sunshine
Fotos: Michael Gamon

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