Out Of Line Festival 2009 (in 2010) – Bochum, Matrix (22.01.2010)

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Das Out Of Line Festival des Berliner Labels ist mittlerweile eine renommierte Institution und zeigt nicht nur einen Querschnitt über die interessantesten Acts der Plattenfirma, sondern auch der aktuellen Electroszene. Zum Lineup des ursprünglich für Ende 2009 geplanten Festivals gehörten Din(A)Tod, Solitary Experiments, Rabia Sorda, Blutengel und Kirlian Camera. Letztgenannte mussten für Bochum und Augsburg leider aufgrund der Magenerkrankung Angelo Bergaminis absagen und wurden von Miss Construction vertreten.

Als erstes wurden wir Zeugen des minimalen Auftritts von Din(A)Tod [GALLERY], aufgrund der Wetterlage war es uns leider nur vergönnt zweier Titel zu lauschen. Was wir jedoch miterleben durften, war eine sehr reduzierte Show, in der die Band ihre interessante Mischung aus Electro, New Wave und Gothic präsentierte.

Für Kirlian Camera sprangen nun also Miss Construction [GALLERY] ein, ein von Chris Pohl produziertes Electro Duo aus Berlin. Unterstützt durch eine makabere Beamer Projektion mit Ausschnitten aus Zombiefilmen von George Romero, Lucio Fulci und Co. brachten die Jungs ein fettes und lautstarkes Brett aus Hell-Elektro ├á la Agonoize, gespickt mit nötiger Selbstirionie (?Kunstprodukt?) und Mummenschanz. (Verbarg sich hinter der Horrormaske des Keyboarders gar Herr Pohl himself?). Die Songs von Miss Construction sind eindringlich, einfach, basslastig und machen (zumindest live) Spaß. Sogar die Coverversion von ECOs ?Hass&Liebe? passte gut ins Gesamtbild und machte den Gig recht kurzweilig.

Als nächstes waren nun Solitary Experiments [GALLERY] an der Reihe, deren Show immer unterhält und genau wie beim letztjährigen Wave Gotik Treffen imposant aufzutrumpfen weiß. Große Banner, respektive Fahnen, hingen an den Wänden, Die Keyboardständer waren mit neonfarbigen Leuchtstoffröhren geschmückt und eine Beamerprojektion lief im Hintergrund. Frontman Dennis gab gesanglich alles (Trotz der Hitze auf und vor der Bühne) und Steve und Michael spielten die Keys. Hit auf Hit wurden gebracht und natürlich auch einige Songs des aktuellen Albums ?In the Eye of the Beholder? (?No Surrender?, Rise and Fall?), denen die Liveatmosphäre gut zu Gesicht standen und die beim Publikum gut ankamen. Absolute Highlights waren natürlich der Klassiker ?Delight? und das hymnische ?Seele bricht?, welches von den Fans gut abgefeiert wurde. Diesmal zwar ohne ?Feindflug?, jedoch aber mit flimmernden Bildern aus dem Kinohit ?300? auf der Leinwand.

Rabia Sorda [GALLERY] ist das Sideprojekt von ?Hocico?-Frontmann Erk Aicrag und unterscheidet sich immens von dem Sound der Hell-Electro Band. Die Songs von Rabia Sorda kommen mit gutem Songwriting daher und muten trotz der Elektronik recht rockig an, was wohl an den coolen Livedrums lag, die hier sehr gut eingesetzt wurden. Erk brachte eine energiegeladene, dynamische Liveshow und man merkte ihm in jeder Sekunde den Spaß und die Verbundenheit mit dem Publikum an. Ein Fan durfte sogar ?Via Mexico!? in Erks Mikrofon schreien und sorgte nicht nur für ein Schmunzeln, sondern zudem für noch mehr Stimmung. Neben den Drums waren auch große Synthietürme aufgebaut, die vom Keyboarder bearbeitet wurden, und auch einige Elektro-Drums durfte er über das analoge Drumset bügeln, was für noch mehr Bewegung on Stage sorgte. Für mich war dieser Auftritt das absolute Highlight des Festivals und ich hätte mir mehr von der sympathischen Combo gewünscht.

In der Umbaupause für den Hauptact wurden erstmal alle Instrumente von der Bühne gekarrt, denn die benötigt Blutengel [GALLERY] nun wirklich nicht, kommt die Musik bekanntlich ja komplett von CD. Wie gewohnt wurden nun die Bühnenrequisiten wie dunkle Vorhänge, als Kerzenständer getarnte Textpulte usw. drapiert. Nun endlich kamen die blutigen Engel auf die Bühne und wurden mit großem Applaus begrüßt. Was nun passierte, entbehrt an sich einer großen Beschreibung, denn wer jemals eine BE-Show gesehen hat, der versteht das Konzept, welches dahinter steckt. Es handelt sich eher um eine Präsentation denn um ein Livekonzert. Statisten mit Mönchskutten, erotische (?) Tänzerinnen im Hintergrund, Theatereffekte, zurückgehaltener Gesang und Musik, also alles wie gehabt. Falls die Show als gut versteckte Parodie gedacht ist, kann man dem Geschehen einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen. Ein gut aufgelegter Chris Pohl gab zumindest alles, was das Fanherz verlangte und das gelang ihm spielend. Und das ist nun Mal die Hauptsache einer guten Show!

Die kompletten Fotosets der jeweiligen bands erreicht man durch anklicken der jeweiligen GALLERY-Links oder in unserer Concert-Pictures-Sektion.

Autor: Frank Stienen
Fotos: Michael Gamon

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