LEICHTMATROSE – M├╝nster, Amp (09.05.2009)

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Da war doch irgendwann ? der Traum vom großen Glück, und er ein kleines Stück davon entfernt. Und seitdem der Leichtmatrose von Joachim Witt entdeckt und gefördert wurde, scheint es für ihn steil bergauf zu gehen.

Andreas Stitz durfte bereits das DAF Konzert in Hamburg eröffnen, tingelte durch Deutschland um sein Album "Gestrandet" vorzustellen und trat nun selbst schon ein paar Mal auf, um die Fans, die er wir in Scharen hortet, auch von seinen Live-Qualitäten zu überzeugen.

Sparklingphotos durfte am 09.05. im Münsteraner Amp zugegen sein. Die Location lag in einer düsteren Ecke an Bahnschienen und lud aufgrund seiner Optik von außen, wie auch dem gediegenen Ambiente, zu einem leicht familiär wirkendem Abend ein. Für alle Fans von großen, kleinen oder Nachwuchsbands ist es ein schöner Moment, seine Idole sehen und ansprechen zu können/dürfen und Andreas ließ es sich, wie auch schon vor einigen Monaten bei der CD-Präsentation in Leipzig, nicht nehmen, Sich vor seinem Auftritt unters Volk zu mischen.

Doch vorher durfte Sundrup, eine befreundete Band aus Münster, das Seemanns-Konzert eröffnen. Musikalisch versuchten sie eine Brücke zwischen Pop und russischen Einflüssen zu schlagen, was ihnen auch sehr gut gelang. Sänger Stephan und seine Mannen erinnerten dabei an Nikolay Tom├ís und seine Poems For Laila, sehr angenehm. Das Bein wippte mit und die Musik, sowie die deutsch-sprachigen Texte durchdrangen den Körper und ebneten somit den Weg für Mariner-Songs. Für gute Laune wurde durch die ?total verrückten? Vierlinge gesorgt ? nun muss der Matrose nur noch die Stange halten.

Es ist ein durch und durch sympathischer Zeitgenosse, der gegen 22 Uhr mit ?Der Mond trägt ein trauriges Gesicht? seine kleine Welt an diesem Samstag Abend begrüßte. Mit von der Partie eine schmächtige, attraktive Dame ?Dorian E?, sowie Kay und Jan an der Gitarre und Carsten an den Drums . Das kleine Wohnzimmer war vollgestopft mit Besuchern des Hauses, die sich nach dem eben genannten Opener von den Stühlen erhoben und wie verzaubert zum ?roten Licht? pilgerten.

Andreas verzauberte auf Anhieb.
Durch seine verschmitzte, freche, aber dennoch intelligente Art stößt seine Musik bei jedem sofort auf Interesse und lässt die ?lauten Schreie? wie man sie aus Kinos kennt, sofort verstummen. Von meinem persönlichen Anwärter auf das Album des Jahres wurde schon zu Beginn ein As nach dem anderen aus dem Ärmel geschüttelt. Bereits beim dritten Song ?Studentenfutter? zog sich der Sänger aus, was nicht unerwähnt bleiben sollte, wenngleich er natürlich in erster Linie durch seine Musik überzeugte. Aber nun hatten ?wir? den Matrosen, wie wir ihn zwar erst seit kurzer Zeit, kennen. In einem Seemanns-Outfit mit Megaphon zu seiner linken, eine hübsche Sängerin zu seiner rechten, einer guten Live-Stimme, netten Beats und eine wunderbar verrückte Melodie zu einem noch viel verrückteren und durchgeknallteren Text. Ein Highlight des Abends ? ganz klar.

Das vorgelegte Tempo konnte mit jedem neuem Song gehalten werden. ?Herztransplantation? und ?Sexi Ist Tot? wissen schon auf Platte zu überzeugen, aber im poppigen Live-Gewand machen die 2 Ohrwürmer doppelt soviel Spaß, was nicht zuletzt an den Songs oder an Andreas liegt, aber vielmehr zudem auch an seinen Gesanges-Künsten. Anfänglich hegte ich einige Zweifel, dass der Abend ein musikalischer Hochgenuss werden würde, aber ich bin angemessen beeindruckt und überrascht, was alles in Andreas‘ Stimme steckt. ?Junge von nebenan? bleibt ab der ersten Sekunde im Kopf und in den Beinen hängen ? die Rede ist natürlich vom Song an sich, nicht von den Kugeln des knatternden Schießgewehrs. Eigentlich sollte und wollte unser Matrose mit seinem Album und seinem Erfolg in die Bravo, jedoch schaffte er es ?nur? in die Bild! ?Newcomer schreibt Song über Amokläufer? ? also wirklich, Andreas ? findest du das nicht makaber? ?Junge von nebenan? ist viel mehr als nur ein provokanter Denkanstoß, mehr als grotesk oder absurd ? es ist aus musikalischer Sicht, nicht nur in der Studioversion, eines der gestalterischsten und künstlerisch innovativsten Stücke das man seit langem in Deutschland kaufen und hören kann. Live war es neben ?Studentenfutter? der von vorhin angesprochene Hochgenuss, der noch Tage danach die Sinne sensibilisierte. Unaufhörlich werden noch weitere Stücke gespielt und zelebriert und das Publikum bescherte dem Matrosen einen stolzen Applaus, so dass er für den kleinen Astronauten und Himmelfahrt noch Mal zurück auf die kleine Bühne kam. Immer vorwärts, bis hierher und immer weiter, noch ein Stück, denn es kann noch viel mehr wiegen ? das Glück. Ihm sei noch mehr Erfolg gegönnt, als er bisher erreicht hat, denn seine Songs sind Hymnen und seine Auftritte eine Erfahrung wert.

Und wir nahmen den letzten Zug?

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt hier durch Anklicken des jeweiligen Bandfotos:


Leichtmatrose:


Sundrup:


Autorin : Stephanie S.

Fotos : Michael Gamon

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