NEW MODEL ARMY / INTERN NOISE CONSPIRACY – K├Âln, Palladium (20.12.2008)

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Offizieller Einlass war laut Palladium-Homepage um 19:00 Uhr, die erste Band "Voicst" aus Amsterdam allerdings bereits für 18:50h im Ablaufplan angekündigt und so nahmen die Niederländer auch schon um kurz vor sieben ihren Dienst auf, der Einlass war entsprechend nach vorne verlegt worden. Sänger Tjeert sprach von sich und seinen Mannen mit leicht ironischem Unterton von einer "Professional Rockband", was er im Verlauf des knapp 45 minütigen Auftritts mehrfach unterstrich. Und irgendwie traf das auch zu, denn trotz aller Lockerheit auf der Bühne wirkten die drei durchaus professionell und überzeugten durch gute Songs mit angenehmer Härte und sorgten so für eine schöne Einstimmung auf den Abend.

Wie angekündigt pünktlich gegen acht Uhr ging es mit den schwedischen "The (International) Noise Conspiracy" weiter, einem über viele Jahre hinweg hoch gehandelten Geheimtipp. Die vor 10 Jahren gegründete Band hat kürzlich ihr neuestes Werk "The Cross Of My Calling" veröffentlicht und übernahm heute den Anheizer für den Hauptact und das machten sie bestens. Die Schweden sind eine klassische Rockband die mit viel Energie den Saal schnell zum kochen brachte. Sänger Dennis Lyxz├ęn ist ein Frontman wie er im Buche steht, springt über die Bühne, geht in die Splits und treibt Band und Publikum ständig weiter an. Zwischenzeitlich sprang er gar von den Verstärkertürmen und sorgte so persönlich für den verdienten Szenenapplaus. Aber auch seine Mitstreiter sind auf der Bühne alles andere als untätig und rockten das Palladium bis zum letzten. Musikalisch ist die Mischung aus 60er und vorallem 70er Jahre Rock nicht ganz meins, war live aber durchaus ansprechend, von der Performance her sogar überragend. Auch nach dem Gig weiß ich noch nicht, ob der Sound der Schweden mich im heimischen Wohnzimmer vielleicht doch begeistern könnte, aber von der Bühne werde ich ihren Songs wohl nicht zum letzten Mal gelauscht haben. Der energiegeladene Auftritt dauerte exakt eine Stunde, dann hieß es noch einmal durchatmen bevor die britischen Helden des Abends die Bühne übernehmen würden.

Zu "New Model Army" braucht man wohl kaum noch ein Wort verlieren, ihre Protestsongs dürften den meisten bereits untergekommen sein und viele haben sie vom Punkt weg begeistert. Genau so erging es mir seit den Anfangstagen der Band, die zwar bereits Ende der 70er Jahre gegründet wurde, ihre erste Veröffentlichung "Vengeance" ließ aber bis 1984 auf sich warten, eine Wartezeit die sich gelohnt hatte. Und spätestens mit dem auf ihrem dritten Album "The Ghost Of Cain" enthaltenen Song "51st State" machten sich New Model Army in der gesamten Indieszene unsterblich. Ein perfekter Indie-Rocksong und das sogar -wie immer bei NMA- inklusive einer Message die jeder verstehen konnte, nämlich die drohende Amerikanisierung Englands bzw. ganz Europas. Von da an wurden Justin Sullivan und seine Jungs als Anführer der Protestsingerbewegung gehandelt und man hätte fast übersehen, wieviel Potential auch ihre Musik enthält. Aber das großartige "Thunder & Consolation" ließ daran keinen Zweifel mehr und New Model Army hatten ihren Platz gefunden, den sie auch heute noch innehaben. Beweis dafür ist ihre noch immer  riesige Anhängerschar, die den Briten überall hin folgt. Ihr bisher letztes Album erschien 2007, an einem Nachfolger wird bereits gearbeitet und so wird sich die Band im Januar 2009 ins Studio begeben, um Album Nummer 11 einzuspielen.

Neben ihren Studioqualitäten zeichneten ihre tollen Liveauftritte die Band bereits frühzeitig aus und seit einigen Jahren gehört ein Abstecher nach Köln kurz vor Weihnachten zum festen Live-Programm der Briten. Der Auftritt für 2009 ist übrigens auch bereits gebucht, er wird voraussichtlich am 19.12.2009 stattfinden. Aber zurück zum Weihnachtsgig 2008, für den sich New Model Army etwas besonderes vorgenommen hatten und ihre Fans mit drei neuen Songs vom kommenden Album beglückten, "Today Is A Good Day", "Autumn" und "States Radio". Gerade Ersterer wusste zu gefallen und nimmt sich wieder einem bedeutenden Thema der heutigen Zeit an und zwar der aktuellen Bankenkrise. Justin war in Köln bester Laune und gab an, dass man die Konzerte derzeit immer einer Persönlichkeit widmen würde und dass der heutige Abend dem irakischen TV-Journalisten Muntaser el Saidi gewidmet wird, der bei einer Pressekonferenz einen Schuh auf den amerikanischen Präsidenten George W. Bush warf. Justin hatte auch gleich noch einen Beschäftigungstipp für die kommenden Weihnachtstage parat, denn im Internet kursieren bereits diverse Spiele bei dem man es dem Journalisten virtuell gleichtun kann.

Und auch sonst lächelte Justin vielfach und richtete ebenso oft das Wort an seine treten Fans. Die waren auch von den gebotenen Songs begeistert, denn nachdem die Setlist im letzten Jahr noch solide, aber nicht überragend war, waren dieses mal Klassiker in Reihe angesagt. Besonders gefreut hat mich dabei "No Rest", aber auch "Purity", "Here Comes The War", "Vagabonds" und "Get Me Out" gehörten bereits zum regulären Set, bevor die Zugaben noch ein Schüppchen oben drauf legten.

Gleich als erste Zugabe sorgte "White Coats" für Glücksgefühle, die auch bei "Master Race" und dem stimmungstechnisch perfekt  auf die Jahreszeit abgestimmten "Green And Grey" weiter anhielten und bei dem die Zuschauer so laut mitsangen, dass Justin ihnen zwischenzeitlich das Ruder übergab und sich entspannt zurücklehnen konnte. Nach einem ausgiebigen Zugabenblock und "225" als würdigem Abschluss verabschiedeten sich die Mannen um Sänger Justin von ihren Fans und  alle verließen glücklich die Halle.

War der Auftritt im letzten Jahr schon toll, so war er in diesem Jahr überwältigend und einfach nur großartig. Eine tolle Setlist und eine überaus spielfreudige Band mit einem wie immer stimmgewaltigen Justin Sullivan, mehr geht kaum. Und im nächsten Jahr sind wir natürlich wieder dabei, wenn die New Model Army am 19.12.2009 wieder ihre Stellung im Palladium bezieht.

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion
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New Model Army:


The (International) Noise Conspiracy:


Voicst:

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