Ofrin – On Shore Remain

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Ofrin – On Shore Remain

Das Berliner Duo Ofrin sind die israelische Sängerin Ofri Brin und Komponist/Pianist Oded Kaydar. Die Band brachte 2005 das Album ?Rust And Velvet? heraus und die Formation wurde schnell zum Geheimtipp im Bereich Avantgarde-Pop. ?On Shore Remain? ist ihr zweites Album.

Es ist kalt, regnerisch und ungemütlich. Die dunkle Jahreszeit hat begonnen, die Tage scheinen kürzer zu werden und was kann es Schöneres geben, als das man sich mit einem heißen Tee und einer Wolldecke auf dem Sofa niederläßt und einem guten Album lauscht? Um die ultimative CD zu dieser ?Tätigkeit? soll es in den folgenden Zeilen gehen.

Ein zärtliches Piano, Gitarren ?Fret-Noise?, eine Atmosphäre wie in einem Wohnzimmer gegenüber einem lodernden Kamin und dann die zerbrechliche Stimme Ofrins, so beginnt mit dem Opener ?Dry? das Album ?On Shore Remain? von Ofrin. Das Markenzeichen Ofrins sind jazziger Gesang, experimentelle Elektronik und viel Gefühl. ?Home Come? klingt so, als hätte Martin L. Gore nach seinem ?Counterfeit┬▓ ?-Album noch etwas Zeit erübrigen können, um sich mit Ofrin zum Stelldichein zu treffen, so nah hat man sich dessen Sound genähert.

Was muß ich bei ?Better by Far? hören? Eine Neuinterpretation von ?Das Lied Vom Einsamen Mädchen?, welches sogar schon Marlene Dietrich intoniert hat? Es scheint so, würde der Track nicht unvermittelt in einen noisigen Mittelteil mit anschließendem ?A Capella-Gesang? übergehen. Hier zeigt sich zum ersten Mal Ofrins Stärke, viele verschiedene Stile zu einem zu machen und auch Stimmungen perfekt zu manipulieren. Mal verträumt-melancholisch, dann wieder bewegt und fast schon positiv, oft aber unterbrochen von gewollten Kakophonien.

Die Band fordert beim Track ?Tango? zum Tanzen und Träumen auf und da läßt man sich nicht lange bitten, denn wie das Duo hier von bedächtig-träumerisch zu beschwingt-tanzbar wechselt ist schlicht grandios. ?Sam? schafft es mühelos, ein ?Portishead?-Feeling mit Jazzgesang zu kombinieren. Ich sage: ?Year!?, das ist ganz großer Sport! Der Song ist der Organischste des Albums und nimmt einen Sonderplatz auf dem Longplayer ein. Unbedingt reinhören!

Nun wird es intim, den Ofrin scheint genau neben mir zu sitzen und mir ?Giive It A Shot? ins Ohr zu hauchen und ich höre liebend gerne zu. Fast hat der Song eine beruhigende Wirkung auf mich, wären da nicht die düsteren Soundscapes. Lauert doch noch irgendwo Gefahr aus dem Hintergrund? Keine Angst, denn der 7┬┤36 min lange Track hat mehr Facetten, als man beim einmaligen Hören verarbeiten kann.

Fast schon orientalisch klingen die Percussions und Instrumentalisierung von ?In The Water For Too Long" an, bevor man sich wünscht, man hätte einen geeigneten Tanzpartner zur gemeinsamen Bewegungs-Therapie im gleitenden Wiegeschritt. ?Time for a Decision? beginnt mit klimpernden Metallsounds, bis sich das Stück soweit steigert, daß man hier den Geist von Lou Reed durch Zimmer huschen hört. ?Stories? und ?Castle? (der die anfängliche Intimitität von ?Nothing Comes to Mind? ad absurdum führt) beschließen dieses Werk und nun ist es Zeit sich tiefer in die Wolldecke zu kuscheln und sich ganz den Tagträumen hinzugeben.

Diese CD könnte euch gefallen, wenn ihr Portishead und Goldfrapp mögt.

Tracklist:
01. Dry
02. How Come
03. Better By Far
04. Tango
05. Sam
06. Nothing Comes To Mind
07. Give It A Shot
08. In The Water For Too Long
09. Time For A Decision
10. Stories
11. Castle


Autor : Frank Stienen

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