Beats From The Vault Festival 2008 – Tallinn, Von Krahl (16.08.2008)

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Als Höhepunkt des Sommers stand für mich etwas ganz besonderes auf dem Programm: Eine Reise ins wunderschöne Tallinn nach Estland. Somit konnte ich einen Kurztrip gleich mit dem Clubkonzert-Highlight "Beats From The Vault" verbinden. Zum Line-Up gehörten The Crystalline Effect aus Australien, Suicidal Romance und Forgotten Sunrise aus Estland und Hocico aus Mexico.

Nachdem ich die ersten zwei Tage meines Aufenthalts mit Stadtbesichtigungen verbracht hatte, war der Samstag zunächst ein ruhiger Tag. Gegen 18:00 Uhr gab es für mich erst mal mittelalterliche Küche im Erlebnisrestaurant "Olde Hansa".

Gegen 19:30 Uhr machte ich mich dann auf den Weg zum Club "Von Krahl", welcher sich inmitten der Altstadt von Tallinn befindet. Zunächst war es noch leer, bis dann kurze Zeit darauf Viktoria und Maarja von Suicidal Romance vor dem Eingang standen, mit denen ich mich noch kurz unterhalten habe.

Pünktlich 20:00 Uhr wurden die Pforten geöffnet. Der Club zeigte sich mir als typischer Szeneclub mit einigen Besonderheiten. Zum einen gab es hinter der Bühne Fenster. Weiterhin gab es eine Galerie, die den doch sonst recht kleinen Club etwas mehr Raum gaben. Wohl einzigartig war das Deckengemälde, das mir zunächst gar nicht aufgefallen ist.

Im Vorraum wurde ich gleich von Anders Melts begrüßt. Er ist Sänger von Forgotten Sunrise und außerdem noch DJ, Radiomoderator und der Veranstalter dieses Events. Ich hatte ein paar Tage zuvor Kontakt per E-Mail. Er freute sich, dass auch ein Gast aus Deutschland den Weg dorthin gefunden hatte.

Durch Verzögerung beim Soundcheck, der nebenbei noch lief, wurde der Beginn um etwa 1 Stunde verschoben. Damit es dem wartenden Publikum nicht langweilig wurde, sorgte DJane Chimera Rouge inzwischen für musikalische Abwechslung.

Den Beginn machte dann gegen 22:15 The Crystalline Effect aus Australien, die jetzt in einigen wenigen Clubs in Europa unterwegs waren. Laut ihrer Aussage vereinen sie Elemente des Electro, EBM und Trip-Hop mit weiblichem Gesang. Die Bandmitglieder sind Elenor Rayner (Gesang und Texte) and Pete Crane (Musik). Live werden sie zusätzlich noch am Keyboard unterstützt.

Nachdem die Bühne in Nebel gehüllt wurde, begannen The Crystalline Effect mit dem ruhigen Titel "Do Not Open" von der im letzten Jahr erschienenen EP "Hypothermia". Bis dahin hatten schon einige Leute vor der Bühne einen Platz gefunden. Es folgte "When You’re Asleep", wo bereits einige Leute mittanzten. Der Song stellte sich als mein persönlicher Favorit heraus.

Insgesamt lieferte The Crystalline Effect eine Show mit abwechslungsreichen, melodische Stücken und waren somit ein gelungener Auftakt für diesen Abend.


Setlist:

01. Do Not Open
02. When You’re Asleep
03. Another Rainy Day
04. Nothing Warms This Room
05. Blue Sea
06. How I Get Out
07. Only You Can See You

Nach kurzer Umbauphase ging es mit Suicidal Romance weiter. Die Band hatte bereits ein paar Auftritte auf Festivals in Deutschland und in den Niederlanden. Ihr Album "Love Beyond Reach" erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Die Show in Tallinn war ein exklusiver Clubauftritt, war für sie aber natürlich auch ein Heimspiel.

Zum Intro trat zunächst Keyboarderin Maarja Korstnik auf die Bühne. Kurz darauf folgte auch Sängerin Viktoria Seimar und begann mit dem Song "Not Alone", den sie jedoch alleine vortrug. Beim nächsten Titel "Star" betrat auch Mastermind Dmitry Ivanov die Bühne, der nun gemeinsam mit Viktoria diesen wunderschönen Song vortrug.

Suicidal Romance vereinen in ihrer Musik futuristische Sounds mit klassischen Klavierklängen. Ebenso die Abwechslung von weiblichen und männlichen Gesang machen eine Gegensatz aus. Die Lieder gehen sofort ins Ohr und man kann einfach nicht genug bekommen.

Ein weiteres Highlight war für mich auch die Erasure-Coverversion von "Always". Nach ca. 40 Minuten verabschiedeten sich Suicidal Romance mit dem Song "Prince of the Darkness". In nicht allzu ferner Zukunft soll auch schon das nächste Album erscheinen. Bleibt zu hoffen, dass sie dann auch wieder live zu sehen sind. Ich würde mich sehr freuen.


Setlist:

01. Intro
02. Not Alone
03. Star
04. Poisoned Kiss
05. Will it be (for us)
06. Call Me
07. Always
08. White Snow
09. Prince of the Darkness

Die wohl ungewöhnlichste Band des Abends war zweifelsohne Forgotten Sunrise. Die bereits 1992 gegründete Band kann schon auf eine abwechslungsreiche Geschichte und zahlreiche Veröffentlichungen zurückblicken. Die aktuelle Besetzung besteht aus Anders Melts (Gesang/Drums), Gerty Villo (Keyboard, Gesang) und Pavel Torpan (Gitarre). Die Abwechslung spiegelt sich auch in den Songs wieder. Dies reicht von düsteren elektronischen Titel bis hin zu Gitarren dominierenden Stücken.

Gegen 0:20 Uhr erloschen alle Scheinwerfer auf der Bühne. Lediglich ein paar Strahler auf dem Boden warfen noch etwas Licht in den Raum. Nach dem Intro startete die Band mit dem experimentellen Song "Veri De:p Shortgut" vom letzten Album "Willand". Auffällig bei diesem Auftritt war dabei die Stimme von Anders, die er je nach Song immer wieder variiert. Hauptsächlich spielte die Band Titel der letzten beiden Alben. Der Saal war mittlerweile recht angenehm gefüllt und die Stimmung wurde durch die Musik immer mehr angeheizt.

Wer will, kann Forgotten Sunrise dieses Jahr auch noch in Deutschland live sehen. Sie spielen zusammen mit Colony 5 und Head-Less am 06.09.2008 im K17 in Berlin.


Setlist:

01. Intro
02. Veri De:p Shortgut
03. Dead Le Gends A Mong The Living
04. Tank
05. Ropelove
06. All Ctrl
07. Outumnyo:nic
08. Nextep Suicide
09. (Life) 24h
10. Lo-Fi PPL
11. The Ownle: Noise

Über Hocico braucht man wohl nicht mehr viel zu sagen. Seit etlichen Jahren sind die Mexikaner Erk Aicrag (Texte und Gesang) und Racso Agroyam (Programmierung) unterwegs. Dieses Jahr veröffentlichten sie ihr Album "Memorias Atr├ís" und waren im Frühling bereits auf ausgedehnter Europatour unterwegs. Nach einigen Festivalauftritten fanden noch 4 Clubkonzerte in Nordosteuropa statt, wovon Tallinn die vorletzte Station war.

Inzwischen drängten sich alle Gäste nun immer näher an den Bühnenrand. Trotz der späten Stunde (mittlerweile war es 1:30 Uhr) war Erk wieder mal in Höchstform. Zwar gab es diesmal keine Azteken als Tanzeinlage (dies war nur den Festivals vorbehalten), aber eine gewaltige Ladung Energie, die Nähe zum Publikum und eine Show von über 90 Minuten machten dies wieder wett.

Als Einstieg für die Show, im zurückgedrehtem Licht und Nebel, startete Hocico gleich mit "A Fatal Desire" vom aktuellen Album durch. Die Menge tobte, doch jetzt ging es erst richtig los. Erk blieb auf der sehr kleinen Bühne kaum richtig Platz, sich richtig auszutoben, so dass er fast schon ins Publikum gezogen wurde.

Es folgten Songs wie "The Shape Of Things To Come" und "About a Dead". Aber auch Klassiker wie "Born to be (hated)" oder "Odio bajo el alma" durften nicht fehlen.

Gegen 3:00 Uhr verließen Hocico dann nach einigen Zugaben die Bühne. Wieder einmal ging ein großartiger Abend zu Ende. Für mich war es ein ganz besonderes Erlebnis, in diesem Club bei einem Konzert dabei gewesen zu sein.

Bilder des Festivals gibt es in unserer Concert-Pictures Sektion.

Hocico:

Suicidal Romance:


Forgotten Sunrise:


The Crystalline Effect:

Autor : Thomas Bunge

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