MINISTRY: Ein letzter Aufschrei gegen das Schweigen

MINISTRY photo Derick Smith
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Lesedauer: 3 Minuten

Nach 45 Jahren Bandgeschichte ist Schluss, doch Al Jourgensen verabschiedet sich nicht leise. Am 30. Oktober ist mit „Hate To Go (Take Out Or Delivery)“ das letzte Studioalbum von Ministry erschienen. Zeitgleich veröffentlicht das Industrial-Metal-Urgestein das Musikvideo zu „Crickets“, einem Song, der den Finger in eine offene gesellschaftliche Wunde legt. Es geht um politische Verrohung, wiederkehrende autoritäre Muster und eine Öffentlichkeit, die zu oft schweigt, während sich Geschichte zu wiederholen droht.

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Der Titel „Crickets“ spielt auf das sprichwörtliche Zirpen der Grillen an, das in der englischen Sprache auch für dröhnendes Schweigen steht. Jourgensen richtet seinen Blick auf eine Gesellschaft, in der Desinformation und politische Parolen immer lauter werden, während Widerspruch häufig ausbleibt. Die zentrale Botschaft des Stücks ist unmissverständlich: Wer schweigt und sich aus der Verantwortung zieht, überlässt anderen das Feld. Der Song versteht sich als Warnung vor einer Entwicklung, bei der demokratische Freiheiten nicht unbedingt mit einem großen Knall verschwinden, sondern auch durch Gleichgültigkeit und Untätigkeit ausgehöhlt werden können.

Das offizielle Musikvideo zu „Crickets“:


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Musikalisch setzt „Crickets“ auf die kompromisslose Mischung, mit der Ministry den Industrial Metal entscheidend geprägt haben. Maschinenhafte Rhythmen treiben den Song voran, scharfkantige Gitarren schneiden durch den Mix, während Jourgensens verzerrter Gesang die politische Anklage mit Nachdruck transportiert. Geschrieben wurde das Stück von Jourgensen und Gitarrist Monte Pittman. Das Ergebnis ist kein nostalgischer Rückblick auf die Hochphase der Band, sondern ein aggressiver Kommentar zur Gegenwart, der die Wut nicht hinter musikalischer Routine versteckt.

Für die visuelle Umsetzung zeichnet Regisseur Dean Karr verantwortlich, der unter anderem Videos für Ozzy Osbourne, Korn und Queens of the Stone Age inszeniert hat. Der Clip beginnt mit einem gesprochenen Appell, der die zentrale Aussage des Songs auf den Punkt bringt: „Use your voice or lose your voice.“ Die Aufforderung, die eigene Stimme zu nutzen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Video und verbindet die politische Botschaft mit der rohen Performance der Band. Dass dieser Weckruf ausgerechnet mit dem letzten Studioalbum erscheint, verleiht dem Song zusätzliches Gewicht.

„Hate To Go (Take Out Or Delivery)“ ist das 17. Studioalbum der 1981 in Chicago gegründeten Band und erscheint bei Cleopatra Records. Die zehn Stücke beschäftigen sich mit gesellschaftlichem Zerfall, politischer Manipulation, sozialer Medienkultur und den Folgen einer zunehmend technisierten Welt. Neben „Crickets“ gehören unter anderem „Burned Out“, „We Hate“ und „Singularity“ zum Album. Eine besondere Bedeutung hat der Schlusspunkt „We’re Still Here“: Dafür arbeitete Jourgensen erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten wieder mit dem früheren Weggefährten Paul Barker zusammen, der die klassische Ministry-Ära zwischen 1986 und 2003 entscheidend mitgeprägt hatte. Für Jourgensen ist es ein bewusster Abschied nach einer Karriere, die Industrial und Metal dauerhaft verändert hat.

Tracklist:
01. Crickets
02. Voices of Hate
03. Clown Car
04. We Hate
05. Delete
06. Grifter
07. The White Man Lied*
08. Singularity
09. Burned Out
10. We’re Still Here (ft. Paul Barker)
*auf den Kassetten- und Vinyl-Ausgaben nicht enthalten

Das Album kaufen: Ministry – Hate To Go – Take Out Or Delivery

Ganz vorbei ist es allerdings noch nicht. Im April und Mai 2027 führt die „Goodbye Europe 2027“-Tour Ministry ein letztes Mal durch Europa, begleitet von den deutschen Industrial-Pionieren Die Krupps. In Deutschland stehen Saarbrücken, München, Berlin und Hamburg auf dem Plan; weitere Konzerte sind unter anderem in der Schweiz und Österreich angesetzt. Danach soll endgültig Schluss sein. Mit „Crickets“ liefert Jourgensen dafür keinen versöhnlichen Abgesang, sondern einen letzten lauten Widerspruch gegen Gleichgültigkeit, politische Bequemlichkeit und das Schweigen der Masse.

MINISTRY „Goodbye Europe“-Tour:
03.04.27 (DE) Saarbrücken, Garage
17.04.27 (CH) Lausanne, Docks
18.04.27 (DE) München, Tonhalle
19.04.27 (AT) Wien, Gasometer
24.04.27 (DE) Berlin, Columbiahalle
25.04.27 (DE) Hamburg, Große Freiheit 36

Tickets bekommst du hier: eventim.de

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Weblinks MINISTRY:

Webseite: www.ministryband.com/
Facebook: WeAreMinistry
Instagram: weareministry
YouTube: @Ministryband


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