Für Mesh ist die Kulturfabrik längst mehr als nur eine weitere Tourstation. Die Briten gastierten bereits mehrfach in Krefeld und machten auch diesmal keinen Hehl daraus, wie gerne sie immer wieder an diesen Ort zurückkehren. Entsprechend groß war die Vorfreude bei Band und Fans gleichermaßen, als die nächste Ausgabe eines mittlerweile fast schon traditionellen Mesh-Abends in der KuFa anstand.
Den Auftakt des Abends gestaltete das schweizerisch-niederländische Duo Blackbook, das bereits optisch für Aufmerksamkeit sorgte. Während sich der Schlagzeuger hinter einer Fechtmaske verbarg und damit eine geheimnisvolle Atmosphäre schuf, suchte Sänger Albert den Dekker von der ersten Minute an die Nähe zum Publikum. Mit charmanter Präsenz und sichtbarer Spielfreude führte er die Besucher durch das Set.
Musikalisch präsentierte Blackbook einen eingängigen Mix aus Synthpop und New-Wave-Einflüssen, der deutlich von den Klängen der Achtziger Jahre geprägt war. Unterstützt von kraftvollen Live-Drums entwickelten die Songs jedoch weit mehr Druck und Dynamik, als man es von einem Duo zunächst erwarten würde. Schnell sprang der Funke auf die Zuschauer über, die sich von den treibenden Beats und den melancholisch-schönen Melodien mitreißen ließen.
Besonders die Stücke „I dance Alone“ und „Nobody Loves You“ entfalteten ihren besonderen Reiz. Die Kombination aus emotionaler Tiefe und tanzbaren Arrangements sorgte für begeisterte Reaktionen im Publikum. Einen der stärksten Momente des Auftritts lieferte jedoch „My Beautiful Witch“. Albert den Dekker widmete den Song seiner Frau und verlieh ihm damit eine sehr persönliche Note. Die spürbare Authentizität machte den Titel zu einem emotionalen Höhepunkt und bildete zugleich einen gelungenen Abschluss des Sets.
Mit ihrem sympathischen Auftreten und ihrer mitreißenden Performance hinterließen Blackbook einen durchweg positiven Eindruck und brachten die Kulturfabrik bereits früh am Abend auf Betriebstemperatur.
Um 21 Uhr war schließlich der Moment gekommen, auf den die meisten Besucher gewartet hatten. Nachdem Mesh bereits im ersten Teil der Tournee Mitte des Jahres zahlreiche Konzerte gespielt hatten, durfte man gespannt sein, welche Akzente die Band im zweiten Tourabschnitt setzen würde. Würden die bekannten Klassiker im Mittelpunkt stehen oder die Songs des aktuellen Albums?
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Mit dem atmosphärischen Instrumental „Michelle / Polygraph“ eröffneten Keyboarder und Youtuber Vaughn George und Schlagzeuger Sean Suleman den Hauptteil des Abends. Kurz darauf betraten Sänger Mark Hockings und Bassist Richard Silverthorn unter lautem Applaus die Bühne. Als schließlich die ersten Klänge von „A Storm Is Coming“ erklangen, war das Publikum endgültig angekommen. Sofort stellte sich dieses vertraute Gefühl ein, das langjährige Fans der britischen Synthpop-Institution so schätzen: Man befand sich wieder mitten im unverwechselbaren Mesh-Universum.
Nach dem Klassiker „My Protector“ folgte mit „Lone Wolf“ eine der stärksten B-Seiten im Katalog der Band. Der Song zeigte eindrucksvoll, dass Mesh auch mit reduziert arrangierten Stücken eine enorme Wirkung erzielen können. Die Kombination aus minimalistischen Klangflächen und tiefgründigen Texten gehört seit jeher zu den großen Stärken der Band.
Für einen der sympathischsten Momente des Abends sorgte Mark Hockings selbst, als er „Take Sides With Me“ ankündigte: „Den Song haben wir bisher noch nicht gespielt. Aber keine Angst, wir sind Profis!“, scherzte er in Richtung Publikum. Nervosität war anschließend jedoch kaum zu erkennen. Der Titel bestand seine Live-Premiere mühelos. Vor allem der eingängige, fast schon soulige Refrain sowie die treibenden Strophen kamen beim Publikum hervorragend an.
Ein weiteres Highlight waren die ersten Eindrücke der kommenden EP „Fallen Angel“. Besonders der gleichnamige Titelsong überzeugte mit seiner gelungenen Mischung aus minimalistischen Arrangements, starken Melodien und jenem zeitlosen Synthpop-Sound, für den Mesh seit Jahrzehnten geschätzt werden. Der Song wirkte frisch und modern, ohne dabei die typischen Markenzeichen der Band zu verleugnen.
Zum Ende des regulären Sets sorgten die Publikumslieblinge „Born To Lie“ und „Be Kind“ noch einmal für ausgelassene Stimmung. Danach verließen die Musiker unter großem Applaus zunächst die Bühne. Die lautstarken Zugaberufe ließen jedoch keinen Zweifel daran, dass der Abend noch nicht vorbei sein würde.
Wenig später kehrten Mesh zurück und legten mit „The Last One Standing“ und „Taken For Granted“ noch einmal nach. Besonders beim letztgenannten Stück übernahmen die Fans enthusiastisch den Refrain und sangen ihn auch noch über das eigentliche Ende des Songs hinaus weiter. Ein stimmungsvoller Moment, der die enge Verbindung zwischen Band und Publikum eindrucksvoll unterstrich. Mit „Exile“ setzten Mesh schließlich den Schlusspunkt unter einen Abend, der einmal mehr bewies, warum die Briten zu den beständigsten und beliebtesten Vertretern des Synthpop-Genres gehören.
Setlist MESH @ Krefeld, Kulturfabrik (01.10.2026)
- Michelle / Polygraph (Intro)
- A Storm Is Coming
- My Protector
- The Truth Doesn’t Matter
- Hey Stranger
- Lone Wolf
- Take Sides With Me
- I Lost a Friend Today
- I Bleed Through You
- Everything as It Should Be
- Tilt
- State of Mind
- This World
- Fallen Angel
- Not This Time
- Not Everyone Is Lonely
- Kill Us With Silence
- Trying to Save You
- Born to Lie
- Be Kind21. The Last One Standing (Z)
- Taken for Granted (Z)
- Exile (Z)
Weblinks MESH:
Webseite: www.mesh.co.uk
Facebook: @meshtheband
Instagram: @mesh.co.uk
YouTube: @meshtheband
