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WAZZARA – Arbor

„Arbor is dedicated to those who do not fear tasting the untamed fruit. Sapere aude.“

Diese Widmung geben wazzara den zukünftigen Hörer*innen ihres aktuellen Albums auf Bandcamp mit auf den Weg. Bereits auf den zweiten Blick wird klar: Die so unverblümt formulierte Einladung fungiert als Vorwegnahme eines Widerspruchs, der sich bei näherem Hinhören als konstitutiv erweist: die Konfrontation einer (eigenen, inneren) Unbezähmbarkeit mit der Rationalität des Verstandes.

Seit rund zehn Jahren existiert das Schweizer Black-Metal-Projekt um Barbara Brawand; spätestens seit dem Debüt zessa (2019) rückt die Künstlerin die Widersprüchlichkeit von Natur ins Zentrum ihrer musikalischen und poetischen Arbeit. Dabei geht es weniger um Natur als Ursprung oder Essenz, sondern um ihre Lesarten und Interpretationen – um (De-)Konstruktionen von Bildern über Naturphänomene, ihre Mythen und Entitäten, ihre Spiegelungen, Verwurzelungen, Verästelungen und ihre Wirkungen über und durch die Zeit.

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Auf Arbor wird dieses Konzept weitergetragen und verdichtet die Auseinandersetzung damit noch einmal spürbar, indem musikalisch wie lyrisch weitere Ebenen hinzugefügt werden. Die Kompositionen wirken dabei deutlich reifer als auf früheren Veröffentlichungen: wazzara scheinen eine Form gefunden zu haben, in der sich die Spannung zwischen Kontrolle und Entgrenzung nicht mehr auflösen muss, sondern aufrecht gehalten wird. Das ist Selbstermächtigung.

Hier bedeutet Reifung nicht Glättung. Im Gegenteil: Arbor wirkt in vielerlei Hinsicht radikaler – nicht im Sinne von extrem, sondern im Sinne von Präzision, Befreiung, Klarheit und Wahrhaftigkeit. Dass das nicht immer easy listening ist, wird beim Lesen dieser Worte sicherlich schnell deutlich und erweist sich beim Hören als ungestüme schöne Notwendigkeit. Klarheit eben und Wahrhaftigkeit … sagte ich ja eben.

Getragen wird wazzara weiterhin durch Barbara Brawand. Im Laufe der Jahre hat sich die Schweizerin Unterstützung geholt, so auch für das aktuelle Album. Einen großen Teil der Songs und alle Texte verantwortet Brawand noch selbst. Einen weiteren Teil der Tracks von Arbor hat sie gemeinsam mit Bassist (und somit Co-Komponisten) Georg Necola geschrieben. Wie auch schon bei den Veröffentlichungen zuvor gibt es bei wazzara eine unterschiedliche Studio- und Live-Besetzung. So kehrte für Arbor Andrei Jumugă (bereits bei Cycles, 2021 dabei; bekannt durch Dordeduh oder Ordinul Negru) ans Schlagzeug zurück. Im Studio unterstützten die Band Tom Kuzmic und Mäsi Stettler an der Gitarre. Live sind in den jeweiligen Parts Nik Naumann (Schlagzeug) und Nick Müller (Gitarre) zu hören und zu sehen.

Aufgenommen und produziert wurden die acht Tracks sowohl in heimischen Studios als auch im Consonance Studio in Rumänien bei Andrei Jumugă und Christian Popescu. Spätestens jetzt werden die Romantiker unter uns die naturmelancholische Essenz des Albums, wie sie so unnachahmlich allein dem rumänischen Black-Metal innezuwohnen scheint, herausschnüffeln können.

Schauen wir auf ein paar einzelne Songs des Albums.

9 Confines

Der Opener greift die oben beschriebene Einladung auf. Es geht um Grenzen und Entgrenzung und es geht darum, was man erblicken kann, wenn man in den inneren Abgrund schaut. Bereits bei 9 Confines wird deutlich, wie die Band in den letzten Jahren gereift ist. Betrachtet man allein den Gesang von Brawand und wie sie diesen einsetzt. Er ist Ausdruck und Innenschau in einem. Instrument reiner Emotion. Betrachtet man die Kompositionen und den Aufbau des Songs. Sie setzen Wut und Intimität in Szene. Dabei wirken sie in ihrer Komplexität fast natürlich, beinahe fließend oder eruptiv.

Her Ashes Down The River

spielt mit dem Bild von Asche und Wasser und verschiebt damit die Perspektiven zu Auflösung und Übergang hin zu Fortbestehen und Loslassen. Der Song beginnt vage, flüsternd und öffnet sich dann in seiner episch-mystischen Breite zu dem, was wazzara inhärent zu sein scheint.

Oceans

Bleiben wir beim Wasser und bei meinem Lieblingssong auf Arbor. Für mich bündelt Oceans die musikalische Vielfalt wie kein anderer Track auf Arbor. Oceans zeigt deutliche Elemente von Black-Gaze, dadurch fast schon eine kaskadenhafte sinfonische Komposition und damit die Ambivalenz zwischen dem Meer als Ort der Sehnsucht und radikaler individueller Unverfügbarkeit.

Nova

glüht. Es erscheint (mir) als die anspruchsvollste Komposition des Albums. Es entlädt sich heiß und zerstörerisch in einem Scheidepunkt des Werdens und Entstehens. Nova scheint wie das Herzstück von Arbor, wenn es beschreibt, dass erst Fesseln gesprengt, Falsches niedergerissen werden muss, damit Neues entstehen kann.

Arbor entzieht sich konsequent der Idee eines stabilen Kerns. Stattdessen zeigt das Album ein Gefüge aus Spannungen, Brüchen und Übergängen, in dem weder Kontrolle noch Unbezähmbarkeit endgültig greifen. Gerade diese Weigerung, sich festlegen zu lassen, macht Arbor zu einer Arbeit von bemerkenswerter Klarheit und Selbstermächtigung – und zu einem Album, das mehr verlangt als bloßes Hören.

Arbor ist am 13. Februar 2026 im Self-Release erschienen. Es ist direkt bei den Künstler*innen erhältlich, u.a. auf Bandcamp. Hier als Stream, digitaler Download, auf CD oder Vinyl.

Tracklist wazzara – Arbor:

01. 9 Confines
02. Hollow
03. Her Ashes Down The River
04. Indigo Sleep
05. Dandelion
06. Nova
07. Oceans
08. zessa (reborn)

Weblinks WAZZARA:

Webseite: wazzara.com
Facebook: @wazzaraofficial
Instagram: @wazzara_official
Bandcamp: Bandcamp
YouTube: wazzara Youtube Channel

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