Am 16. Mai 2005 veröffentlichen Maxïmo Park ihr Debütalbum „A Certain Trigger“. Die Platte ist somit bald 21 Jahre her und extrem gut gealtert. Davon überzeugten sich an einem frühlingshaften Sonntagabend mehr als 2000 Fans im Kölner E-Werk. Ursprünglich sollte die Show im etwas kleineren, benachbarten Carlswerk Victoria stattfinden, wurde aber recht zügig hochverlegt. Ein klares Zeichen dafür, dass die Werbung, etwas verspätet den 20. Geburtstag des Durchbruchsalbum zu feiern, doch funktioniert hat. Bei den vergangenen Touren trat die Formation aus Newcastle gerade mal im doch deutlich winzigeren Stollwerck auf.
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Die ganze Platte spielten Paul Smith & Co. dann doch nicht – dazu aber später. Zunächst durfte sich mit Art Brut eine alte Weggefährten-Band präsentieren. Seinerzeit gehörte die Formation um Eddie Argos immer so ein wenig zur zweiten Liga der britischen UK-Indie-Rock-Szene. Irgendwie stets in Musikmagazinen, bei MTV und auf Festivals präsent, aber doch weit weniger populär als Franz Ferdinand, Bloc Party, Kaiser Chiefs, Arctic Monkeys oder eben Maxïmo Park.
Was schnell klar wurde: Argos ist mit seinem charismatisch-exzentrischen Auftreten immer noch eine echte Bühnenpersönlichkeit. Um einige Kilo und einen Schnurrbart schwerer als 2005, aber weiterhin mitreißend, wortgewaltig, rastlos, der charakteristische Sprechgesang tut sein Übriges. Passend dazu bestand das 30-minütige Set zur Hälfte aus Songs des Debüts „Bang Bang Rock & Roll“. Und man merkte, dass doch einige Fans sich gut daran erinnern konnten, was sie da vor 21 Jahren in den frühen Tagen des Portals auf YouTube erspähten. „Formed A Band“ und „My Little Brother“, bei letzterem spielte das Quintett den Refrain gegen Ende direkt dreimal an, weil’s so schön war, schossen die Anwesenden doch direkt auf Zeitreise. Schnörkellos, rifflastig, temporeich, eingängig.
Zwischendurch fragte Argos: „Any requests?“ Ein Anhänger ganz vorne rief „Modern Art“ rein, was der Frontmann mit einem „Ok, we’re gonna play it just for you!“ parierte. Das war etwas geschwindelt – das Stück befindet sich auf der ganzen Tour stets im Set. Eine Änderung in der kurzen Setlist zu den Konzerten der Vortage gab es aber extra für deutsche Fans: „St. Pauli“ mit der Textzeile „Punkrock ist nicht tot“ sprang für „Pump Up The Volume“ rein. Den absoluten Höhepunkt, für den es dann auch die ersten lauteren Jubelschreie des Abends gab, lieferte aber „Emily Kane“ – wohl der beliebteste Song des Debüts.
Wie viele andere Gruppen der Zeit spielen auch Art Brut nicht mehr in Originalbesetzung. Beispielsweise fehlt die in Deutschland geborene Bassistin Freddy Feedback auf der aktuellen Tour. Allerdings gab es nun ein kleines „Hurra!“ für Fans der ersten Stunde. Drummer Mikey Breyer, der die Band 2013 verließ, steht wieder hinter der Schießbude – und wurde von Argos mit „O.G. Art Brut“ vorgestellt. Mit ordentlich treibenden Rhythmen ging es dann in den Schlussspurt, den das noch recht frische „Wham! Bang! Pow! Let’s Rock Out!“ setzte. Unter einem verdienten und für Vorbands überdurchschnittlich lauten Applaus verließen Art Brut die Bühne, es war genau der richtige Sound, um sich für den Haupt-Act warmzutanzen.
Setlist ART BRUT @ Köln, E-Werk (08.03.2026)
- Formed A Band
- My Little Brother
- She Kissed Me (And It Felt Like A Hit)
- St. Pauli
- Modern Art
- Emily Kane
- Wham! Bang! Pow! Let’s Rock Out!
21.07 Uhr, das Licht geht aus, ein Drum-Intro setzt ein. Fans wissen Bescheid: Mit „Signal and Sign“ beginnt das Maxïmo Park-Kultalbum „A Certain Trigger“ – schon fast klar, dass der Song auch auf der Tour als Opener gesetzt ist. Schnell wurde aber klar, dass das Quintett aus Newcastle nicht so vorgeht, wie es bei Album-Jubiläumskonzerten sonst üblich ist. Hier wurden die Klassiker nicht hintereinander weggespielt, sondern mit Stücken der anderen Alben vermischt. So stand recht früh das treibende „Our Velocity“ auf dem Programm, so rasant wie eh und je, mit kraftvollen Synthies gespickt. Deutlich entschleunigter, aber wunderschön: „Leave This Island“, das Smith mit den Worten „Diesen alten Song lieben wir alle sehr“ ankündigte.
Dann ging es aber erstmal weiter mit 2005 im Dreierpack. Herausragend: „Fear Of Falling“, eine rare B-Seite von der Compilation „Missing Songs“, die Smith den Gründungsbassisten Archis Tiku widmete, der die Band 2014 verließ. An dieser Stelle wunderten sich diejenigen, die zuvor bei Setlist.fm das Vortagesprogramm erlünkerten – denn den Mittelteil tauschen Maxïmo Park bei dieser Tour von Abend zu Abend durch. Sowohl „Fear Of Falling“ als auch „Questing, Not Coasting“ und „Once, A Glimpse“ kommen nicht bei jeder Show – die hier nicht gespielten Äquivalente heißen „Karaoke Plays“, „A19“ und „Now I’m All Over The Shop“. Die beinharten Fans horchen spätestens hier auf – denn letzteres bedeutet, dass eben nicht das gesamte „A Certain Trigger“-Album gespielt wird, einer von 13 Songs fehlt jeweils.
Zu „I Want You To Stay“ erinnerte der Frontmann im schicken rot-schwarzem Sakko-Hose-Hut-Outfit an das von Musikliebhabern schmerzlich vermisste Intro-Magazin. „Die packten diesen Song auf ihre CD, als uns noch niemand kannte“ . Ja, lang, lang ist’s her …und die Zeiten waren irgendwie schon ein wenig sorgenfreier. Hier und da passieren aber immer noch Dinge, die uns lieben und lachen lassen. Den wohl wichtigsten Moment der jüngeren Vergangenheit hatte Paul Smith sicherlich bei der Geburt seiner Tochter, der er das Stück „Versions Of You“ widmete. Das Gedächtnis funktioniert jedenfalls einwandfrei: „Wir haben den hier in Köln schon mal auf Deutsch gespielt. ‚Versionen von dir‘, heute halten wir uns ans Original, aber Ihr findet die Fassung in Eurer Sprache im Internet“ – Tatsache, wir bei Monkeypress freuten uns seinerzeit über die gelungene Überraschung, siehe hier.
Und überhaupt scheint Paul Smith die deutsche Sprache zu mögen. Immer wieder versuchte er, seine Zwischenansagen mehrsprachig zu äußern, wenngleich sein Deutsch nach eigenen Angaben „nikkt gutt iss“ . Kurz vor dem Ende versprach er „ein mehr Lied“ statt „One more song“ – das ist so witzig wie charmant. Das glorreiche Ende bestand nach dem unvermeidlichen „Apply Some Pressure“ aus drei absoluten Fan-Lieblingen. Auf die träumerische Ballade „Acrobat“ folgte der größte Radio-Hit aus mehr als 20 Jahren – bei „Books From Boxes“ gingen auffällig viele Smartphones zum Filmen in die Höhe. Den endgültigen Schlusspunkt setzte nach gut 85 Minuten das passend betitelte „Going Missing“. Der Jubel: laut. Die Zeitreise: absolut gelungen. Gerne wieder. Spätestens 2035 zum 30.!
Setlist MAXÏMO PARK @ Köln, E-Werk (08.03.2026)
- Signal And Sign
- Graffiti
- Postcard Of A Painting
- Our Velocity
- Leave This Island
- The Coast Is Always Changing
- The Night I Lost My Head
- Fear Of Falling
- Questing, Not Coasting
- Once, A Glimpse
- Favourite Songs
- I Want You To Stay
- Versions Of You
- The National Health
- Girls Who Play Guitars
- Kiss You Better
- Limassol
- Apply Some Pressure
- Acrobat (Z)
- Books From Boxes (Z)
- Going Missing (Z)
Weblinks MAXÏMO PARK
Homepage: www.maximopark.com
Facebook: www.facebook.com/maximopark
Instagram: www.instagram.com/maximoparkofficial
Weblinks ART BRUT
Homepage: www.artbrut.org.uk
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