ROME veröffentlicht Doppelalbum „The Tower“ und „The Hierophant“ – zwei kontrastierende Studien über Innerlichkeit und Transzendenz

ROME photo Christian Wittig
Translate this post
Lesedauer: 3 Minuten

Zum Abschluss seines zwanzigjährigen Bandjubiläums legt ROME alias Jerome Reuter am 19. Dezember 2025 eine Doppelveröffentlichung vor, die das bisherige Werk nicht nur bündelt, sondern neu vermisst. „The Tower“ und „The Hierophant“ erscheinen parallel auf Trisol und markieren zwei grundverschiedene Blickrichtungen innerhalb derselben ästhetischen Handschrift. Während „The Tower“ einen radikal konzentrierten Folk-Entwurf verfolgt, öffnet „The Hierophant“ den Raum hin zu einer metaphysischen Erzählung. Beide Alben zeigen Jerome Reuter in einer Phase stilistischer Schärfung und thematischer Verdichtung.

🔊 Lass Dir den Beitrag vorlesen (KI-Stimme):

„The Tower“ – Disziplin, Verdichtung und innere Topografien

„The Tower“ führt Reuters reduzierte Klangsprache weiter, bis sie an den Rand des Möglichsten rückt. Das Album arbeitet mit einer Strenge, die sich aus wenigen Elementen speist: akustische Gitarre, minimal gesetzte Percussion, sparsame Harmoniewechsel. Was leicht asketisch wirken könnte, entfaltet hier eine ungewöhnliche Intensität. Die Stücke gewinnen ihre Spannung nicht aus Variation, sondern aus dem präzisen Umgang mit Wiederholung und Pausen.

Der in den Labelinformationen beschriebene Turm dient nicht als romantisches Symbol, sondern als strukturierende Idee. Die Texte kreisen um Haltung, Widerstand und Selbstprüfung – weniger politisch als existenziell. Reuter formuliert seine Bilder ohne Pathos, eher als Beobachter einer Zeit, in der Orientierung brüchig geworden ist. Seine Stimme bleibt meist nah am Mikrofon, fast dokumentarisch. Diese Nüchternheit verstärkt die Wirkung seiner Sprache, die das Album zu einem stillen, aber markanten Kommentar über Konzentration in einer von Reizflut geprägten Gegenwart macht.

Musikalisch bewegt sich „The Tower“ zwischen strengem Folk und einem fast liturgischen Gestus. Die Songs verzichten auf Effekte oder ornamentale Ausschmückungen; stattdessen erzeugen Wiederholungsfiguren und kleine melodische Verschiebungen einen Sog, der sich über die gesamte Laufzeit hält. In dieser Klarheit findet ROME zu einer Ausdrucksform, die zugleich vertraut und neu wirkt.

Tracklist:
01.The Twine and the Twist
02.To the Great Work Only
03.Twilight Leaves
04.The Lighthouse and the Catacombs
05.This Slaughter Behold
06.Remember to Dare
07.Mine Were of Marble
08.The Baron (Ordeal by Fire)
09.Ire and Troth
10.This Hour Her Vigil

„The Hierophant“ – Bewegung, Ritual und das Offene 

Während „The Tower“ das Innere absteckt, richtet „The Hierophant“ den Blick nach außen – allerdings nicht in eine erzählerische Realität, sondern in eine mythisch überhöhte Zone. Das Album folgt einer Art Reiseroute, die sich aus Sehnsuchtsorten, Prüfungen und Übergängen zusammensetzt: der „Secret Harbour“, das Ufer der Trauer, bis hin zu einem nördlichen Mythosraum. Die Songs sind weniger Bericht als Vision, getragen von einem Erzähler, der zwischen Weltbeobachtung und Entrückung steht.

Klanglich bleibt ROME der reduzierten Ästhetik treu, erweitert sie aber um atmosphärische Gitarrenschichten und noch feinere Nuancen im Arrangement. Streicherlinien und gedämpfte Percussion schaffen eine Spannung zwischen Bodenhaftung und Schwebezuständen. Die Lieder formen ein geschlossenes, fast rituelles Kontinuum, das sich nicht unmittelbar erschließt, aber mit jedem Durchlauf an Kontur gewinnt.

Reuter setzt seine charakteristische Diktion hier in einen anderen Kontext: weniger chronistisch, stärker suchend. Die Texte bewegen sich zwischen Andeutung und Symbolik, ohne in Unverbindlichkeit zu kippen. Aus dieser Mischung aus Reduktion und Entrückung entsteht ein Werk, das sich trotz seiner kurzen Mittel einem größeren erzählerischen Horizont öffnet.

Tracklsit:
01.Secret Harbour
02.The Harvest Is Not Here
03.Days of Assembly
04.On Sorrow’s Embankment
05.The Chalice and the Blade
06.When Light Be Gone
07.The Great White Hopeless
08.My Frail Ambassador
09.The Gods Are Slow to Forgive
10.Apollo of Hyperborea

Beide Alben erscheinen parallel in zwei physischen Editionen. Die Standard-CD kommt als Digipak-Version, während die limitierte 12″-Vinyl-Edition auf 500 Exemplare begrenzt ist und als 180-Gramm-Pressung in Deutschland gefertigt wurde. Die LP erscheint in einer stabilen Kastentasche, mit Inside-Out-bedrucktem Cover sowie einer mehrfarbig gestalteten Innenhülle aus speziellem, rauem Papier. Die Vinyl-Tracklist entspricht der CD, verteilt auf zwei Seiten.

„The Tower“ und „The Hierophant“ funktionieren als eigenständige Alben, entfalten jedoch im Zusammenspiel eine besondere Spannung: Konzentration trifft auf Transzendenz, Verdichtung auf Öffnung, Beobachtung auf Vision. ROME nutzt die Doppelveröffentlichung, um zwei Seiten derselben künstlerischen Haltung sichtbar zu machen. Das Ergebnis ist ein sorgfältig gefasstes Werkpaar, das die Entwicklung des Projekts nach zwei Jahrzehnten konsequent weiterführt und in seiner kompositorischen wie textlichen Genauigkeit herausragt.

ROME lassen „Flowers From Exile“ neu erblühen – Jubiläumstour zum 20-jährigen Bestehen angekündigt

ROME feiert 20 Jahre musikalische Intensität – große „ONE FIRE WORLDWIDE“ Tournee 2025!

Weblinks ROME:

Homepage: romepage
Facebook: romeproject
Instagram: romeheadquarters


Autor


Entdecke mehr von Monkeypress.de

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Translate »