TWINS IN FEAR: “Wir können nichts mehr ohneeinander machen”

TWINS IN FEAR: "Wir können nichts mehr ohneeinander machen"
Twins In Fear
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Ein spannendes Projekt aus der schwarzen Szene sind zweifelsohne Twins In Fear. Maria und Lena Dabrova mischen auf eigenständige Weise Synthie-Pop und Wave mit harten Gitarren sowie deutsche und englische Texte. Nun erschien, gut zwei Jahre nach dem Debüt Unification, ein neuer Longplayer. Über die Arbeit an Nothing But A Dream, Einflüsse, Zukunftspläne und – na klar – Ängste sprachen die Zwillingsschwestern mit uns.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Zunächst erstmal: Ihr musstet kürzlich einen Gig in München absagen – mit der Gesundheit alles wieder im Reinen?

Ja, ich (Maria) hatte eine Bein-Op. Aber inzwischen geht’s wieder ganz gut. Manchmal ist das Leben hart.

Als Projekt, das 2020 ein erstes Album herausbrachte: Wie viele Live-Shows konntet Ihr überhaupt schon spielen und welche Eindrücke habt Ihr davon mitgenommen? Die Chancen auf Konzerte sind seit März 2020 ja leider stark begrenzt worden …

Wir haben bisher zehn Live-Shows gehabt. 2020 sah es so aus, als wenn sehr viel passieren würde und es gab schon viele Konzertanfragen, die dann alle nicht stattfinden konnten, was uns sehr traurig gemacht hat. Aber jetzt waren wir gerade in Bremen und auf dem Stella Nomine Festival wieder auf der Bühne und haben echt Blut geleckt. Wir sind sowas von bereit und wollen mehr. So viel mehr.

Nun habt Ihr Nothing But A Dream veröffentlicht. Wie lange wart ihr mit Schreiben, Aufnehmen und Produktion beschäftigt und wie groß ist die Erleichterung, dass die Platte nun draußen ist?

Das zog sich mit Unterbrechungen über drei Monate hin. Ein Album zu produzieren macht so unglaublich Laune! Es ist fantastisch, mitzuerleben, wie aus ersten Ideen immer mehr wird und schließlich ein Lied, und dann irgendwann singt man es auf der Bühne und sieht Menschen, die mitsingen und unsere Gefühle teilen. Das ist keine Erleichterung, sondern eher Erfüllung. Dafür sind wir unendlich dankbar.

Habt Ihr in der Herangehensweise etwas geändert im Vergleich zu Unification? Viele verspüren ja bei Album Nummer zwei deutlich mehr Druck als beim Debüt …

Sowas kann man selbst gar nicht so gut einschätzen. Wir machen einfach das, wozu uns unsere Seelen treiben und irgendeine Entwicklung wird es wohl geben. Wir lassen nur unseren Gefühlen freien Lauf, mit allem darüber hinaus sollen sich gerne andere beschäftigen. Aber bitte versucht, unsere Gefühle zu verstehen und bitte verletzt uns nicht.

Euer Stil lässt sich nur schwer eingrenzen, enthält Synthie-Pop- und Wave-Elemente, aber auch immer wieder dicke Gitarrenriffs. Mir fielen beim Hören mehrere potenzielle Einflüsse ein – haben folgende Acts für Euch eine Bedeutung: Grausame Töchter, The Birthday Massacre, Oomph!, L’Âme Immortelle, Welle:Erdball, Lucilectric/Uebermutter?

Wir finden grundsätzlich alle Bands gut, weil es toll ist, wenn Menschen ihre Gefühle mit Musik ausdrücken und andere Menschen damit auf eine fast magische Weise integrieren. Zu den genannten Bands können wir nicht viel sagen, Grausame Töchter und vor allem Aranea Peel kennen wir gut, aber ich denke, wir machen doch ganz andere Musik. Luci van Org ist eine super Sängerin, aber sie hat ebenfalls einen völlig anderen Stil. The Birthday Massacre und Welle:Erdball gefallen uns persönlich auch. Aber wir haben da doch noch eher ganz andere Sachen, die uns kicken, wie zum Beispiel Ice3 Peak, Melanie Martínez, Poppy oder sogar partiell Ariana Grande. Wir glauben, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man sich nur auf einige wenige Bands intensiv konzentrierte. 

Twins in Fear - Creep-py (official)

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Der Bandname verpflichtet fast zu der Frage: Vor was habt Ihr beide am meisten Angst? Hat sich diese Angst seit Gründung der Band vielleicht auch verändert?

Ja, allerdings. Zunächst bezog sich Angst auf unsere private Psyche. Mittlerweile hat sich auf der Welt so dermaßen viel zum Negativen verändert, dass man völlig ignorant sein muss, um das auszublenden. Angst ist wichtig und gut, sie bewahrt uns davor, in Katastrophen hineinzurutschen. Alle Menschen sollten viel mehr Angst haben.

Es geht auf dem Album lyrisch, wie schon einige der Songtitel verlauten lassen, oft um Träume und Albträume, auch das Übersinnliches findet seinen Platz. Befindet Ihr Euch gerne in Traumwelten oder befasst Euch mit der „nicht-irdischen“ Welt?

Wir verlassen diese Welt zeitweise sehr gerne, um in die Welt unserer Fantasie einzutreten. Immer häufiger. Da ist es sehr, sehr schön. Vielleicht bleiben wir irgendwann für immer dort.

Oft, gerade auch in Euren Pressefotos sowie der Single Creep-Py und in Paulinchen, driftet Ihr ins Morbide und Düstere, vielleicht aus psychologischer Sicht gar Fragwürdige ab, Stichwörter Stalking und Psychoterror. Beschäftigt Ihr Euch vielleicht in der Freizeit – wie so viele andere heutzutage auch – mit True-Crime-Formaten? Inspirieren Sie Euch?

Nein, damit beschäftigen wir uns nicht, True Crime macht uns zu viel Angst. Paulinchen ist ja eine Erfindung von Dr. Heinrich Hoffmann aus dem Struwwelpeter. Und dass sie am Ende verbrennt, ist ja ihre eigene Schuld, denn sie hätte ja nicht mit dem Feuer spielen dürfen. Wir zumindest hätten das nicht gemacht! Deshalb sind wir auch noch nicht verbrannt.

Wann war für Euch eigentlich klar, dass Ihr zusammen Musik machen wollt? Wäre ein musikalisches Projekt ohne „die andere“ überhaupt möglich?

Wir haben uns gesucht, gefunden und sind verschmolzen, also zu einer Person geworden. Es war wie ein Zauber. Wann und wie das eigentlich passiert ist, wissen wir gar nicht mehr so genau. Deshalb können wir nichts mehr ohneeinander machen. Und das ist sehr schön.

Zum Abschluss: Wann kann man Euch in der nächsten Zeit live erleben?

Es sind aktuell sieben Konzerte in allen Regionen Deutschlands geplant. Ich hoffe, wir können das in Kürze konkret ankündigen. Wir freuen uns unfassbar darauf. Konzerte sind wie Lebenselixier. Ich hoffe, wir sehen uns da alle bald wieder.

Twins in Fear - Disappearance (official)

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Weblinks TWINS IN FEAR

Facebook: www.facebook.com/profile.php?id=100063560821950
Instagram: https://www.instagram.com/twinsinfearofficial
Bandcamp: https://scanner-dd.bandcamp.com/album/nothing-but-a-dream

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