NOISE UNIT – Deviator

NOISE UNIT - Deviator
Geschätzte Lesezeit: 2 Minute(n)

6.5

6.5

Ausgiebige Welt-Tourneen, für die Front Line Assembly und Bill Leeb und Rhys Fulber bekannt sind, fallen weiterhin flach – so hatten die Herren aus Vancouver genügend Zeit, um ein fast schon vergessenes Nebenprojekt zu reaktivieren: Noise Unit ist zurück. 16 Jahre nach dem letzten Longplayer Voyeur kommt nun Deviator. Clubbiger, dunkler Electro, hier mit EBM-, da eher mit technoiden Anleihen, erwartet die Zuhörenden. Der Opener Plight setzt diesbezüglich ein eindeutiges Zeichen: ein furztrockener, klatschender Beat, blubbernde Synthie-Bässe, knarzige Sounds, zunächst der typisch verhallte (Sprech-)Gesang von Bill Leeb, dann gesprochene Robovox-Textzeilen. Ein absolut charakteristischer Track für Deviator: Das klingt natürlich alles super produziert und taugt für dunkle, vernebelte Techno-Clubs, eine gewisse Ideen- und auch Melodienarmut macht sich über die rund sechs Minuten Spieldauer aber schon breit. Ähnliches lässt sich über Stücke wie Fargo Field, Empath oder Initiate sagen.

Einige Kracher hat Deviator durchaus zu bieten. Da wäre vor allem die Single Body Aktiv, bei der es sich um ein straightes, temporeiches Oldschool-EBM-Lied handelt. Der Song mit der Schlüsseltextzeile “I’ve never been so lost like this before” handelt offenbar von Depressionen – der reine Klang des Songs steht dem diametral gegenüber. Ein absoluter Hit, den sich Szene-DJs zwingend in ihre Mediathek holen sollten. Eine schöne Atmosphäre kreieren Leeb und Fulber beim etwas Synth-Pop-lastigeren Misery, ganz anders klingt wiederum der einzige Song auf Deviator mit einem Gastbeitrag. Und der dürfte besonders KMFDM- und PIG-Fans ein dickes Grinsen aufs Gesicht zaubern. Denn für Atrocity Obsession gewannen Noise Unit keinen Geringeren als Raymond Watts. Der setzt mit seiner charismatischen Stimme und Gitarrenriffs einen kräftigen Farbtupfer auf dem sonst vollelektronischen Album, der grandios eingängige Refrain tut sein Übriges. Industrial-Rock par excellence.


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In der zweiten Hälfte der knapp 52 Minuten langen Platte ragt Recognize mit den schrillen Synthies und der schönen Hook im Chorus raus. Auch der pumpende, extrem clubtaugliche Titelsong am Ende macht nochmal richtig Spaß. Letztlich verhält es sich mit Deviator wie mit dem aktuellen FLA-Album Mechanical Soul: Einige Kracher sind dabei, in der Gänze fehlt es allerdings hier und da an Einfällen. Vielleicht hätte der eine oder andere Gast mehr der insgesamt siebten Noise-Unit-LP gut getan – schließlich ist das Projekt seit Jahrzehnten dafür bekannt, dass sich rund um Bill Leeb und (meistens) Rhys Fulber auch noch weitere Szene-Musiker wie Daniel Myer (Haujobb) oder Marc Verhaeghen (The Klinik) beteiligen beziehungsweise beteiligt haben. Deviator ist ein absolut solides Album – Begeisterungsstürme wie beispielsweise das 1992er-Werk Strategy Of Violence kann es allerdings nicht entfachen.

Deviator erscheint am 17. September und ist unter anderem über die Bandcamp-Seite von Noise Unit erhältlich (siehe Link unten).

Tracklist NOISE UNIT – Deviator

01. Plight
02. Body Aktiv
03. Misery
04. Fargo Field
05. Atrocity Obsession (feat. Raymond Watts)
06. K7
07. Recognize
08. Empath
09. Initiate
10. Deviator


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Weblinks NOISE UNIT

Bandcamp: https://noiseunit.bandcamp.com/

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