DER MANU – Das Wird Man Doch Wohl Noch Singen DĂŒrfen

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Unsere Bewertung:


8 Musik

9 Texte

8.5

Mit seinem DebĂŒtalbum Mein verficktes Herz konnte Der Manu aus der Domstadt Köln 2016 ein erstes, beachtliches Zeichen setzen, jetzt folgt knapp 3 Jahre spĂ€ter mit Das Wird Man Doch Wohl Noch Singen DĂŒrfen der Nachfolger, auf dem Der Manu seinen eingeschlagenen Weg konsequent fortfĂŒhrt. Und dieser fĂŒhrt ihn nicht ĂŒber die schon breitgetrampelten Singer-/Songwriter-Straßen, sondern der Barde lotet so manchen kleineren Feldweg auf seiner Reise aus, um den Hörer abwechslungsreich zu unterhalten, ihn aber auch immer wieder zum Nachdenken anzuregen, oder ihm beizeiten auch den Spiegel vorzuhalten. Immer wieder ĂŒberrascht er dabei mit Breaks, Tempowechseln oder sogar wahrhaftigen Indierock-EinflĂŒssen (Rock’n Rolf) und besonders die vielfache Vermeidung des „Reim dich, oder ich fress dich“-Klischees erscheint zunĂ€chst zwar ungewohnt, macht sich auf Dauer angenehm bemerkbar und lĂ€sst den Hörer immer wieder aufhorchen, wenn der Reim eben nicht so endet, wie man ihn bereits im Ohr zu haben schien. Stimmlich erinnert er mich, vor allem dann, wenn er die Wort langsam gen Himmel dahingleiten lĂ€sst, ĂŒbrigens beizeiten an The Lemonheads SĂ€nger Evan Dando.

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Textlich ist es auch auf Das Wird Man Doch Wohl Noch Singen DĂŒrfen wieder sehr intim und es geht um sĂ€mtliche Facetten des Miteinanders, angefangen bei dem notwendigen StĂŒck Anstand, das jeder von Seiten seiner Eltern mit auf den Weg hĂ€tte bekommen sollen. Doch auch die Beziehungen zu Freunden, Partnern oder besorgten BĂŒrgern finden hier ihre konsequente und emotionale Aufarbeitung. Dabei spĂŒrt man in jeder Phase den persönlichen Bezug des SĂ€ngers: Hier spricht jemand der gut beobachtet und ĂŒber das Erfahrene reflektiert. Und auch das sonstige Leben wird stets ĂŒberdacht, immer auf der Suche nach einem straighten, wahrhaftigen und glĂŒcklichen Leben (Wir hau’n ab). Doch ganz gleich wie verlockend ein Leben am Meer auch zu sein scheint, seine Heimatliebe zu Köln kann der RheinlĂ€nder nicht verhehlen, sei es indem er sich wĂŒnscht, dass der FC Köln (respektive Benfica Lissabon, denn Der Manu besitzt portugiesische Wurzeln) einmal die Champions League gewinnt, oder besonders in Begrabt mich in Kölle, seiner subjektiv abgewogenen LiebeserklĂ€rung an die Stadt zwischen Dom und Geißbockheim. Und da Köln gemeinhin als Weltoffen gilt, ĂŒberrascht ein Titel wie Wir schieben Euch ab nur auf den ersten Blick, denn hier sollen nicht Hilfesuchende FlĂŒchtlinge aus Kriegsgebieten abgeschoben werden, sondern „das ganze Nazipack“, also solche MitbĂŒrger, die zwar Deutsch im klassischen Sinne sind, sich aber nicht an die neue, weltoffene Welt anpassen können und versuchen den Frieden zu stören – ein klarer Wink an Afd, Pegida und Konsorten. Deutlich angenehmer ist dann das nĂ€chste Thema, denn in ZurĂŒck in die Zukunft frönt Der Manu seiner Filmleidenschaft und lĂ€sst im Text so manchen Filmklassiker aufleben, schlĂ€gt danach mit FĂŒr die, die gegangen sind aber auch wieder ernstere Töne an. Die lockere Art von Been there, done that, bought the T-Shirt lĂ€sst im Folgenden die Vorliebe fĂŒr Singer-/Songwriter Olli Schulz durchblitzen, bevor das Album passenderweise mit Die letzte Runde ausklingt.

Ein wirklich angenehm zu hörendes Album, das allerdings nicht auf notwendige Kanten verzichtet und auch immer wieder zum Nachdenken einlÀdt.

Übrigens findet am Samstag, 27.04.2019 ein Album-Release-Konzert in der Kneipe zum „Pitter“ in Köln, Merowinger Straße 2 statt, der Eintritt ist frei: https://www.facebook.com/events/767624426936591/

Tracklist DER MANU – Das Wird Man Doch Wohl Noch Singen DĂŒrfen:

01. Mama/Papa hat gesagt
02. Wir hau’n ab
03. Champions League
04. Dann kam sie
05. Werde glĂŒcklich
06. Segel schnell, sinke langsam
07. Rote Heringe
08. Begrabt mich in Kölle
09. Wir schieben Euch ab
10. ZurĂŒck in die Zukunft
11. FĂŒr die, die gegangen sind
12. Been there, done that, bought the T-Shirt
13. Die letzte Runde

Das Album kann natĂŒrlich beim Release-Konzert, oder aber beim KĂŒnstler selbst geordert werden: https://www.facebook.com/DerManuMusik/. Außerdem ist es ab heute Nacht um Mitternacht bei Spotify und Co. streambar.

DER MANU – Mama/Papa hat gesagt (Official Video)

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DER MANU – Wir Schieben Euch Ab (das Nazi-Pack)

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Geschrieben von
Mehr von Michael Gamon

Fotos: ENTER SHIKARI

ENTER SHIKARI – Dortmund, FZW (12.04.2019) Ähnliche BeitrĂ€ge
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